Autor: Mag.a pharm. Dr. Gabriele Kerber-Baumgartner

  • Das Flüstern der Wellen

    Das Flüstern der Wellen

    Die beruhigenden Klänge des Wassers

    Sommerzeit – Urlaubszeit. Natürlich macht so mancher einen Städtetrip, eine Kulturreise oder verbringt sehr nachhaltig seine Ferien auf Balkonien. Die anderen landen in den Bergen unter Bäumen (siehe Blogbeitrag Juli) oder am Wasser. Letzteres ist für die meisten Menschen ein Muss in der Reisezeit. Auch die Begegnung mit dem Wasser bringt nicht nur klassische Erholung, sondern bietet die Möglichkeit zur meditativen Eintracht oder Entspannung.

    Als Kind liebte ich es bei einem Sommerregen die Geräusche wahrzunehmen, das Prasseln am Dach verband sich mit dem monotonen Rauschen des klärenden Regens. Sobald das Gewitter oder der Regenguss vorüber war, erwachte die Natur mit Vogelgezwitscher erneut und alles wirkte klar und gereinigt. Dieses Läutern der Gedanken und Energien – dieses Innehalten – fasziniert mich bis heute. Die endlose Weite des Meeres oder die Atmosphäre eines Sees verstärkt für mich diese Wirkung noch.

    Wasser hat eine mysteriös beruhigende Wirkung auf den menschlichen Geist – sei es das leise Rauschen eines Baches, das rhythmische Wellenschlagen an der Küste oder das sanfte Plätschern von Regentropfen auf einem stillen See. Daher nutzen Menschen nach wie vor die Meditation am Wasser, eine Praxis, die in verschiedenen Kulturen seit Jahrtausenden existiert, zur inneren Kontemplation.

    Von diversen Kanälen lassen sich stundenlang entsprechende Wassergeräusche herunterladen. Menschen empfinden dies als angenehm und beruhigend. Studien zeigen, dass das Hören von Wassergeräuschen hilft, Gehirnwellen zu verlangsamen und den Körper in einen entspannten Zustand zu versetzen. Durch das kontinuierliche, sich wiederholende Geräusch von Wasser wird der mentale Lärm, der in unseren Köpfen herrscht, gelöscht und dies versetzt uns in einen Zustand des mentalen Friedens. In Folge werden Stresshormone verringert und das Wohlbefinden gefördert. Das Geräusch des Wassers fungiert als weißes Rauschen, das die Fähigkeit besitzt, störende Gedanken zu minimieren und Angstzustände zu lindern.

    Das Element Wasser hat traditionell nährenden, jedoch kühlenden Charakter, es liegt ruhig, unbewegt und dunkel vor uns. Wer die Meditation an einem ruhigen See durchführt, wird von diesem Element genährt. Jegliche Dynamik wird von den anderen Elementen geprägt. Wer in der Nähe eines Wasserfalls meditiert, erhält Leichtigkeit durch das Luftelement, für all jene die in Island oder an anderen Orten an warmen Quellen zu Ruhe kommen, genießen den Schwung des Elements Feuer. Das Regenwasser wird beim Auftreffen auf die Erde vom Element Erde signiert und entfaltet die entsprechenden Qualitäten.

    Analog zur Baummeditation profitierten die Menschen von der Entspannung in der Nähe des Wassers: Die Konzentrationsfähigkeit wird verbessert und die Klarheit des Geistes gefördert. Die entspannende Wirkung des Wassers trägt zu niedrigerem Blutdruck und besserer Herzratenvariabilität bei. Die plätschernden Klänge dienen als akustische Brücke zu einem Zustand der Ruhe und Entspannung, unterstützen die mentale und emotionale Gesundheit und fördern gleichzeitig das Wohlbefinden. In einer Welt voller Hektik und Lärm bietet das Verweilen am Wasser einen Rückzugsort und eine Gelegenheit, die vitalisierenden Kräfte der Natur in unser tägliches Leben zu integrieren.

    Der Urlaub bietet eine Fülle an Möglichkeiten: Reisen, zu Hause ruhen, neue Kulturen entdecken, heimatliche Schönheit genießen alles mit sportlicher Betätigung am, im und unter Wasser oder auch an Land bis hin zum Rasten auf der Liege. Meditation in jeglicher Form unter Bäumen oder am Wasser bringt tiefe Erholung in unser Leben. Und das nicht nur in den Ferien.

    Das Rauschen des Meeres ist Musik für die Seele.
    (Unbekannt)

  • Sommerlicher Blick auf alte Wurzeln: Meditation unter Bäumen

    Sommerlicher Blick auf alte Wurzeln: Meditation unter Bäumen

    In einer Welt, die von ständiger Bewegung und einer Flut an digitalen Reizen geprägt ist, wenden sich viele Menschen der Natur zu, um Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden. Der Sommer ist dafür ideal! Der eine fährt im Urlaub in die Berge und so mancher ans Meer. Beide Orte eignen sich nicht nur zur Erholung und zum Sporteln, sondern auch zur tiefen meditativen Regeneration.

    Ich liebe es im Sommer unterwegs zu sein. Meditatives wandern in Stille genieße ich dabei sehr. Der Wald und die Landschaft sprechen zu einem, jeder Schritt birgt eine andere Welt. Meist laufe ich dabei barfuß die Wege entlang. Die Stille, die ich mir ersehne – ich begegne ihr nur selten. Meistens wird meine meditative Wanderung von schnatternden Stimmen anderer Naturbegeisterter durchbrochen. So kommt es, dass ich mittlerweile Stille unter (abgelegenen) Bäumen suche.

    Bäume, als stille Giganten und Lebensspender, üben eine magische Anziehungskraft auf uns aus. Im Laufe der Jahrhunderte und über geographische Grenzen hinweg haben Menschen Bäume als Symbole des Lebens, der Weisheit und der Heilung verehrt. In vielen indigenen Kulturen galten Bäume als heilige Wesen, die als Verbindung zwischen dem Himmel und der Erde fungieren und als solche eine Brücke zwischen den spirituellen und physischen Welten bilden. Von den keltischen Traditionen, in denen Druiden heilige Haine für ihre Rituale nutzten, bis hin zum Buddhismus, wo Siddhartha Gautama unter dem Bodhi-Baum Erleuchtung fand, dienten Bäume als Orte der Besinnung, des Gebets und der tiefen Kontemplation. In der indischen Ayurveda-Lehre werden Bäume für ihre heilenden Eigenschaften und als Quelle von Medizin und Meditation geschätzt. Auch in der japanischen Shinto-Religion sind Bäume Objekte der Verehrung, wobei einige als „Kami“ oder Götter betrachtet werden. Die Baummeditation erlebte in den letzten Jahrzehnten eine Art Renaissance und ist heute Teil der breiteren Bewegung des „Waldbadens“, das in Japan in den 1980er Jahren als eine Form der Naturtherapie entstand.

    Bäume waren den Menschen heilig, Götter und Geister leb(t)en in ihnen, das Leben der Menschen hing von ihnen ab. Neben der Nahrung für Mensch und die domestizierten Tiere boten sie auch Schutz, waren Medizin. Unsere europäischen fünf Heiligen Bäume sind (nach W. D. Storl): Die Birke, als Baum des lichtvollen Anfangs, die Buche, als Baum der geistigen Verbindung. Die Eiche gilt als der Baum der ordnenden Kräfte, die Linde als der Baum der heilenden Liebe und schlussendlich die Eibe als Baum der offenen Lebensfragen.
    Eine der Wohltaten ist, sobald man unter Bäumen zu Ruhe kommt, die deutliche Reduktion von Stress. Studien haben gezeigt, dass der Aufenthalt in einem Wald oder in der Nähe von Bäumen den Cortisolspiegel im Körper senkt. Das bewusste Verbringen unter diesen verholzten Riesen, sei es durch das monotone Rascheln oder die erzwungene Langweile, hilft vielen Menschen, ihre Gedanken zu ordnen und einen geklärten oder distanzierten Blick zu bekommen. Das friedvolle Ambiente, das Bäume bieten, fördert die Kreativität, da ein entspannter Geist eher in der Lage ist, neue und innovative Ideen zu entwickeln. Interessanterweise hat der Aufenthalt in Wäldern ferner einen direkten Effekt auf unser Immunsystem. Pflanzen, produzieren sogenannte Phytonzide, organische Verbindungen, die schädliche Mikroorganismen abtöten. Wenn wir diese Stoffe einatmen – beispielsweise während einer stillen Meditation unter Baumkronen – stärkt dies unsere körpereigene Abwehr.

    Mein Garten bietet von den heiligen Bäumen lediglich die Birke an, dafür kann ich auf die mondenhafte Kraft der Weide zählen. Damit sie mir hold bleibt, verräuchere ich vor meiner Meditation das eine oder andere Kraut oder stelle ein Mondfeuer darunter. Danach begieße die Weide (und ein wenig mich) mit etwas Whiskey, verschiedenen Bitterdrinks oder Milch. Sommerliche und urlaubshafte Entspannung ist das dann pur.

    So können wir unseren Urlaub nicht nur zum Erholen, sondern zum inneren Ankommen nutzen. Denn das zentrale Element des Urlaubs und der Ferien ist die stete Suche nach Ausgeglichenheit, Heilung und Erkenntnis und diese äußert sich über die Zeiten hinweg in der tief empfundenen Verbindung zwischen Menschen und Natur.

    Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt. Khalil Gibran

    Waldbaden und Baummeditation ist nichts für dich?
    Über eine Meditation am Wasser liest du im August.

    Text zur Verfügung gestellt: Mag.a pharm. Dr. Gabriele Kerber-Baumgartner, www.apotheke-hofwiese.at

  • Die Linde in der Traditionellen Europäischen Medizin

    Die Linde in der Traditionellen Europäischen Medizin

    So manche Allee oder mancher Dorfplatz wird von ihr geprägt: Die Linde ist ein weitverbreiteter Laubbaum und spielt eine wichtige Rolle in der Mythologie, Kultur und Medizin Europas. Sie zählt mit ihren großen, herzförmigen Blättern, den duftenden Blüten und ihrer vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten zu den wertgeschätzten Bäumen. Kein Wunder also, dass verschiedene Teile des Lindenbaums aufgrund seiner heilsamen Eigenschaften in der TEM genutzt werden.

    Von der Gattung Tilia sind ca. 50 Arten bekannt, in Europa kommen mit der Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und der Winterlinde (Tilia cordata) vor allem zwei Arten vor. Gerhard Madaus beschrieb die beiden Gattungen gemeinsam als Tilia europea, bekannt sind zahlreiche Hybridformen. Linden blühen ab Juni erst, wenn sie voll belaubt sind, und duften charakteristisch lieblich nach Nektar. Linden sind hervorragende Honigbäume. Da Linden oft mit Läusen bevölkert werden, mischt sich in den Lindenblütenhonig der Honigtau der Läuse zum Lindenhonig. Der helle Honig hat ein feines Aroma, variiert von Jahr zu Jahr und hat wohltuende Wirkung bei Erkältungen.

    Schon lange begeistert die Linde den Menschen. Linden waren in der nordischen Mythologie Freya geweiht sowie bei den Germanen Frau Holle. In der Nibelungensage verhinderte ein Lindenblatt gar Sigfrieds Unsterblichkeit! Um die Linden der Dörfer waren Versammlungsorte, unter denen Gericht gehalten und Festlichkeiten ausgerichtet wurden. Damit entführte die Linde die Menschen aus ihrem kargen Alltag, schenkte Geborgenheit und Gemeinschaftssinn, ermöglichte Menschen Liebe und Trauer. Die Linde war ein Schicksalsbaum, im Sommer sagen die Elfen – so meinte man – in ihren Zweigen. Auch besangen Walter von der Vogelweide über Goethe bis Schubert viele die Vorzüge des Lindenbaums.

    Nicht nur in der Mythologie und Lyrik, sondern auch heilkundlich wurde die Linde bereits seit im Altertum genutzt. Plinius und Galen sprechen von ihren breiten Verwendungsmöglichkeiten. Die Linde gehört zu den Malvengewächsen, die befeuchtende Wirkungen aufweisen. Sie gilt in der Humorallehre als säfteoptimierend, wirkt wärmend und anregend auf die Herz- und Gefäßdynamik. Dadurch wird zähe Feuchtigkeit vermindert sowie die Ausscheidung von Schärfen über Schweiß und Urin begünstigt. Mit zunehmender Auszugszeit des Tees wird dieser humoral betrachtet kühler und feuchter. Er wird folglich bei Fieber, Entzündungen und Erhitzungszuständen empfohlen, kann einen akuten Infekt verkürzen. Auch in der modernen Medizin ist der Lindenblütentee ein populäres und wissenschaftlich anerkanntes Mittel. Lindenblüten enthalten unter anderem ätherische Öle, Schleimstoffe, Gerbstoffe und Saponine. Vor allem die schweißtreibende und beruhigende Wirkung macht sie zu einem beliebten Hausmittel bei Erkältungen und Grippe. Ein Tee aus Lindenblüten wirkt schweißtreibend und fördert die Ausscheidung von Giftstoffen durch das Schwitzen. Des Weiteren werden Lindenblüten zur Linderung von Husten, aufgrund ihrer schleimlösenden und reizmildernden Eigenschaften, eingesetzt. Die kräftigende und auch krampflösende Wirkung erfolgt parallel auf die Schleimhäute des Verdauungstraktes. Damit kann sie insbesondere bei Kindern bei Magen-Darm-Katharren helfen. Auch bei Nervosität und Schlafstörungen kann ein Aufguss aus Lindenblüten, die Tinktur oder das Gemmomazerat aufgrund seiner entspannenden Wirkung angewendet werden. Der Tee wird im Sommer als erfrischender Eistee getrunken, im Winter empfiehlt sich, eine Scheibe Ingwer mit aufzubrühen.
    Lindenblüten sind von der Venus signiert, auch der Mond zeigt in ihnen seine Kraft. Daraus resultiert die harmonisierende und nährende Wirkung der Zubereitungen. Der ganze Baum, der bis 40 Meter hoch werden kann und bis tausend Jahre alt wird, ist natürlich darüber hinaus jovial geprägt. Wird der Lindenblütentee nach dem Überbrühen kurz aufgekocht, verfärbt er sich rot. Diese Signatur des Mars zeigt den Bezug zur blutreinigenden und antidyskratischen Wirkung. Auch kalt über mehrere Stunden angesetzt führt zu dieser Rotfärbung.

    Ferner werden in der Traditionellen Europäischen Medizin Lindenknospen verwendet. Sie sind reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Schleimstoffen, Flavonoiden, ätherischen Ölen sowie Pflanzenhormonen und Wachstumsfaktoren. Die Knospen der Linde werden als Mazerat bereitet. Traditionelle Anwendungen beschreiben immunstärkende sowie blutreinigende Eigenschaften. Daher werden Lindenknospen zur Linderung von Erkältungssymptomen und zur sanften Unterstützung der Atemwege genutzt. Oftmals werden sie begleitend in der Rekonvaleszenz oder zur allgemeinen Stärkung des Körpers eingesetzt. Überwiegend angewendet werden die Knospenzubereitungen der Linde jedoch als Nerventonikum. Ganz entsprechend der jahrhundertelangen Bedeutung als Gesellschaftsbaum unterstützten Lindenknospen bei Trauer und Liebeskummer, in sozialen Konfliktsituationen und schenken insgesamt mehr Gelassenheit. In Salben eingearbeitete Lindenknospenzubereitungen können zudem Hautirritationen beheben.
    Die Blätter der Linde werden traditionell als mildes entzündungshemmendes und abschwellendes Mittel verwendet. Bei Hautentzündungen und kleinen Wundstellen können Lindenblätter als Auflage dienen, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Lindenblüten- und Lindenblatttee haben hautberuhigende Wirkung etwa bei Sonnenbrand, entzündeten Augen und allergischen Ausschlägen. Der Abzud eignet sich als Gesichtswasser, zum Baden und ist nach Hildegard von Bingen gut für die Schönheit.
    Nicht vergessen werden darf die Nutzung der Lindenknospen und Lindenblätter als Wildgemüse. Der Geschmack der Knospen erinnert an junge Erbsen mit einer leicht schleimigen Note und ermöglicht die Verarbeitung in pikanten und fruchtigen Salaten sowie als Topping auf Müsli oder auf Kartoffelspeisen. Die jungen noch zarten Blätter werden als Salat mariniert und getrocknet in Brot und Gebäck verwertet.

    Sogar das Holz der Linde ist aufgrund seiner Weichheit und leichten Bearbeitbarkeit nicht direkt als Heilmittel bekannt, spielt aber in der Herstellung von Heilmittelutensilien. Ferner hilft Lindenholzkohle bei Durchfall und dient der Entgiftung. Das Öl der Samen hat laut Literatur einen ähnlichen Geschmack wie Olivenöl, ist nicht trocknend und wird nur schwer ranzig. Traditionell wurde es innerlich bei Heiserkeit verwendet. Heute ist es nur schwer erhältlich. Alternativ lassen sich Lindenblüten in Sonnenblumenöl ausziehen und das Öl als beruhigendes Hautpflegeöl nutzen.

    Gesammelt werden von Juni bis August die Blüten. Sie liefern die Blütendroge Flos Tiliae. Bei beständigem, trocknem Wetter werden die Infloreszenzen inklusive Hochblatt von Hand gepflückt. Anschließend erfolgt die Trocknung im Schatten an einer luftigen Stelle. Die Droge wird alljährlich durch frische ersetzt. Reste des Vorjahresbestandes eignen sich zum Räuchern oder Baden. Die frischen Blüten können darüber hinaus in Alkohol oder Öl ausgezogen oder zu Lindenblütenwasser destilliert werden.
    In einer Zeit, in der das Interesse an traditionellen und natürlichen Heilmethoden zunimmt, wird die Linde wohl weiterhin eine wichtige Rolle in der Naturheilkunde und in der Selbstmedikation spielen. Ihre bedeutende Stellung in der TEM verdeutlicht, dass Pflanzen nicht nur wegen ihrer direkten Heileffekte geschätzt wurden, sondern auch wegen ihrer tiefen Verwurzelung in der kulturellen Identität Europas.

  • TEM für Hunde, Katzen und Pferde

    TEM für Hunde, Katzen und Pferde

    Die Anwendung von Heilpflanzen zur Behandlung verschiedenster Erkrankungen ist ebenso alt wie die Menschheit selbst. Sicher ist auch so manchen bekannt: Viele wilden Tiere fressen bei Beschwerden gezielt Pflanzen oder stärken sich damit zum Schutz vor Erkrankungen. Folglich können sowohl Menschen von der heilenden Kraft der Natur profitieren, als auch unsere Haustiere.

    In der Veterinärmedizin fand ab dem 19 Jhd. zunehmend eine Abkehr von der Phytotherapie für Tiere statt, bis sie in den veterinärmedizinischen Praxen gänzlich verschwand. Heute bewirken zahlreiche Untersuchungen und auch ein ganzheitlicher Blick Nach- und Umdenken zur Pflanzenmedizin. Zudem gibt es von Seiten der Tierbesitzer verstärkt den Wunsch, naturheilkundliche Methoden auch bei Tieren zur Prophylaxe und Therapie zu nutzen.

    In der Traditionellen Europäischen Medizin werden unterschiedliche Methoden eingesetzt, um die Gesundheit zu fördern, das Wohlbefinden zu steigern und Krankheiten zu behandeln, auch bei den Tieren ist das möglich. Neben der Phytotherapie, die in der TEM eine zentrale Rolle spielt, bieten sich außerdem andere traditionelle und natürliche Maßnahmen an, die zur Pflege und Behandlung von Haustieren eingesetzt werden können, wie etwa ausleitende Verfahren, Wickel und manuelle Therapien.

    Primär für die Gesundheit eines jeden Tieres ist eine artgerechte und ausgewogene Ernährung. Naturbelassenes, frisches Futter mit hohem Fleischanteil für Fleischfresser (Hunde, Katzen) oder qualitativ hochwertiges Raufutter und Getreide für Pflanzenfresser (Pferde) bilden die Grundlage. Tier- und altersspezifische Unterschiede müssen dabei beachtet werden. Übergewicht soll aufgrund der negativen Auswirkungen vermieden werden. Wie auch für den Besitzer ist regelmäßige und angemessene Bewegung für alle Tiere wichtig, nicht nur für die körperliche, sondern auch für die seelische Gesundheit. Besonders bei Hunden und Pferden spielt sie eine wichtige Rolle in der Prävention von Erkrankungen.

    Vergleichbar zu der therapeutischen Anwendung beim Menschen können die humoralen Prinzipien auf die Tiere umgelegt werden. Das Wissen um die humoralen Qualitäten der Erkrankungen und die Interpretation beim eigenen Tier erfordern zwar Fingerspitzengefühl, zahlt sich jedoch gerade in der „Selbstmedikation“ des eigenen Haustieres aus.

    Hilfreich und leicht als Laie anwendbar sind Wickel oder Kompressen. Sie können bei verschiedenen Beschwerden lindernd wirken, die Durchblutung fördern, Schmerzen mildern und Entzündungen entgegenwirken. So können für einen Wärmereiz schleimhaltige Drogen wie etwa Leinsamen oder Kartoffeln mit heißem Wasser zu einem Brei verkocht werden. Schafgarbe oder Löwenzahn als Pulver zugesetzt unterstützen die entgiftende Wirkung. Das Ganze wird 1-2 cm dick auf ein Tuch aufgetragen, anschließend aufgelegt und mit Tüchern oder Decken fixiert. Nach dem Eintrocknen können die Reste abgerieben oder abgewaschen werden. Durch den Wärmereiz wird die Durchblutung gefördert, Schärfen abtransportiert und Schmerzen und Entzündungen gemindert.

    In der Phytotherapie gibt es jedoch einiges zu beachten. Wichtig ist ein umfassendes Verständnis der Pflanzenwirkungen sowie der Konstitution des Tieres. Erhöhte Vorsicht bedarf die Therapie der Feliden: Sie metabolisieren als strenge Fleischfresser pflanzliche Stoffe anders als Omnivora oder Herbivora, weil ihnen bestimmte Enzyme zum Abbau verschiedener Wirkstoffe aus Pflanzen fehlen. Eine Anwendung bedarf daher unbedingt Erfahrung oder die Begleitung durch einen Therapeuten. Die Dosierung muss im Vergleich zum Menschen reduziert werden.

    Pflanzen zur Tonisierung des Magens und Unterstützung der Coctio, die auch eingeschränkt bei Katzen gegeben werden können sind Wegwarte, Kalmus oder Benediktenkraut. Andere Magentonika wie Tausendguldenkraut, Angelika oder Löwenzahn sind für Katzen ungeeignet. Bei Hund und Pferd ist eine Gabe jedoch als Pulver, Tee und Tinktur möglich. Zur Unterstützung des Lymphsystems bei phlegmatischen Erkrankungen können bei Hund und Pferd sowie bei Katzen das Stiefmütterchen oder die Walnussblätter dienen. Letztere werden zudem als Gemmomazerat verabreicht. Augentrost allerdings ist bei Katzen kontraindiziert, bietet erfahrungsgemäß bei Pferden gute Unterstützung bei verschiedenen Augen- und Fellerkrankungen. Grundsätzlich gilt für die genannten Pflanzen bei Katzen, dass sie als wiederholte Gabe nur bei strenger Indikation und nur jeden zweiten oder dritten Tag verabreicht werden dürfen.

    Bei Belastungen der Nerven können dem Futter von Pferd und Hund Pulvermischungen aus Hopfen, Melisse und Lavendel zur Verminderung von Stressreaktion gegeben werden. Durch den Hopfen sind die Nerven gut gewärmt und genährt und können so ihre Funktion ideal erfüllen. Mit Melisse und Lavendel wird außerdem Hyperkinesen vorgebeugt. Für Katzen ist diese Mischung ungeeignet, es bietet sich jedoch die sparsame Verwendung von ätherischem Lavendelöl oder Lavendelhydrolat an. Prinzipiell dürfen bei jedem Tier ätherische Öle nur äußerst sparsam appliziert werden, da die feinen Nasen der Tiere leicht irritiert werden. Gute Erfahrungswerte gibt es außerdem mit Vitalpilzen. Sowohl Pulver als auch Extrakte können bei den genannten Spezies verwendet werden und bieten rasche Unterstützung bei verschiedenen Krankheitsbildern.

    Fallbeispiel Katze 1 Jahr alt. Wiederkehrende Augenentzündungen. Flaschenkind.
    Therapie: Jeden dritten Tag ein Tropfen der Mischung aus Benediktenkrauttinktur mit Walnussmazerat. 2 x 6-wöchige Kur mit 3 Wochen Pause. Im zweiten Turnus begleitend Probiotika. Auftreten der Entzündungen wesentlich verbessert, keine antibiotischen Augentropfen mehr erforderlich, gelegentlicher Bedarf an Homöopathischen Augentropfen zur Pflege.
    Die Auswahl der richtigen Heilpflanze und die Bestimmung der passenden Dosierung sind entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Entsprechende Dosierungslisten können moderner Literatur für Phytotherapie für Tiere entnommen werden. Ältere Literatur dosiert gerade bei Katzen zu hoch. Dies gilt es zu beachten! Eine Katze oder ein Hund mit 2 kg Körpergewicht bekommt etwa lediglich einen Tropfen einer Tinktur in etwas heißem Wasser, das ins Futter gemischt werden kann, ein Pferd mit ca. 300 kg Körpergewicht ca. 30 Tropfen.

    Die TEM eröffnet vielleicht in der Tiermedizin einen ganzheitlichen Ansatz, der besonders zur Unterstützung der allgemeinen Gesundheitsvorsorge oder bei chronischen Krankheiten von Bedeutung sein kann. Die Integration von Phytotherapie in therapeutische Konzepte sollte bei schwerwiegenden Erkrankungen gerade bei Katzen in enger Abstimmung mit erfahrenen Therapeuten erfolgen. So kann das Wohlergehen unserer Vierbeiner auf natürliche Weise optimal gefördert werden.

  • Vom Garten in die Hausapotheke

    Vom Garten in die Hausapotheke

    Das Gänseblümchen als bewährtes Kinder-Heilmittel

    Das zarte Blümchen wird gerne für kleine Sträuße und Blumenkränze verwendet, als Heilpflanze ist das Gänseblümchen fast vergessen. Traditionell gehört das Gänseblümchen zu den Heilpflanzen der Kinder (und Junggebliebene), gilt als Arnika der Kinderheilkunde.

    Das Gänseblümchen, auch bekannt unter seinem wissenschaftlichen Namen Bellis perennis, ist eine weit verbreitete Pflanze in gemäßigten Klimazonen und ein allseits bekannter Vertreter der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Mit seinen charakteristischen weißen Zungenblättern, die um ein gelbes Zentrum angeordnet sind, erfreut es uns nun Frühjahr und ist – wie sein lateinischer Name verrät – oft das ganze Jahr über blühend anzutreffen. Die anspruchslose Staude bevorzugt Wiesen, Gärten und Parkanlagen als Lebensraum.

    Geweiht war das Gänseblümchen in der nordischen Mythologie Ostara, der Göttin des Frühlings und der Auferstehung. Im Christentum ist es folglich Maria zugeordnet. In der römischen Mythologie wird erzählt, dass die vom Gott der Jahreszeiten Vertumnus begehrte Nymphe sich auf den Boden fallen ließ und sich dabei in ein Gänseblümchen verwandelte. Und wer kennt nicht das beliebte Orakelspiel „sie liebt mich, liebt mich nicht“?

    Traditionell ist das „kleine Maßliebchen“ ein beliebtes Mittel bei Verletzungen und Traumata und wird daher bildlich als Arnika der Kinder bezeichnet. Das Gänseblümchen ist nämlich äußerst robust. Bis -15°C hält es aus und herum trampelnde Kinder und Gartenbegeisterte oder der Rasenmäher können dem sonnigen Pflänzchen nichts anhaben, stets stellt es sich wieder auf und treibt wieder aus. Die Signatur sich beständig wieder aufzurichten, zeigt seine Vitalität und Kraft. Dies alles spiegelt sich in seiner Anwendung bei Traumata in der Kinderheilkunde wider. Die strahlenden Blütenköpfchen werden von der Sonne sowie vom Mond und gelegentlich der Venus (Farbe der Zungenblüten) signiert. Die Farbgebung der Blüte (Mondig- sonnig) unterstreicht den Anwendungsbereich bei Kindern. Die Pflanze wirkt antidyskratisch, ist ein hervorragendes Lymphmittel, wirkt antiskrofulös und Tonus regulierend. Die Kochungen werden mild gefördert. In Frühjahreskuren ist es daher ein gern genutzter Bestandteil ebenso in Mischungen bei Schärfenbelastungen, die sich über die Haut zeigen wie Neurodermitis und Hautirritationen. Empfohlen wird die Tinktur begleitend bei Verletzungen auf physischer und psychischer Ebene ferner bei skrofulösen Erkrankungen. Neben der Verwendung als Tinktur bietet sich die Zubereitung eines Tees oder einer Salbe an. Die jungen Blätter können ferner im Frühjahr als Spinat gegessen werden, sie eignen sich als Salat und die Blüten frischen das ganze Jahr über Speisen auf.

    Das Gänseblümchen erfreut nicht nur unsere Augen im Frühjahr, sondern ist auch eine Pflanze mit einer fast vergessenen Rolle in der europäischen Heiltradition. Von der Linderung alltäglicher Beschwerden bei Kindern bis hin zu seiner symbolischen Bedeutung ist das Gänseblümchen ein wertvoller Bestandteil der traditionellen Medizin und des kulturellen Erbes.

    Kindermischung bei Neurodermitis
    Angelikatinktur und Gänseblümchentinktur werden zu gleichen Teilen gemischt. Die Einnahme erfolgt 3 x täglich. Bei Bedarf und nach den humoralen Begebenheiten können weitere Kräuter wie etwa Löwenzahn, Melisse oder Stiefmütterchen ergänzt werden. Vorsicht ist bei Korbblütlerallergie allerdings gegeben.

    Kindertee Wonne Sonne
    20 g Gänseblümchen
    20 g Himbeerblätter
    20 g Schafgarbe
    25 g Melisse
    5 g Malvenblüten
    5 g Kornblume
    5 g Lavendel

    Die Bestandteile werden gemischt. Der Tee kann kurmäßig getrunken werden.

    Gänseblümchenöl
    Eine Handvoll Gänseblümchen (Blatt, Blüte und je nach Literatur Wurzel) werden mit Öl übergossen. Als Basisiöl können etwa Sonnenblumenöl (zur Verstärkung der Sonnensignatur), Distelöl (bei kratzigen Hautproblemen), Ghee (bei Traumata in der Konstitution) oder Olivenöl (klassisches Medizinalöl) dienen. Die Pflanzenteile müssen vollständig bedeckt sein. Der Auszug erfolgt 6 Wochen lang an einem hellen Ort. Anschließend wird gut abgepresst.

    Zur Bereitung einer Salbe werden 100 g Ölauszug mit 7g Bienenwachs 2 g Wollwachs und 1 g Gänseblümchentinktur vermengt.

    Mehrmals täglich auf Wunde und schuppige Hautareale auftragen. Die Haltbarkeit richtet sich nach den verwendeten Basisölen.

  • Eisbaden: Erfrischt durch den Winter

    Eisbaden: Erfrischt durch den Winter

    Interessiert an einem Bad im erfrischend kalten Nass im Winter? Solche ein eisiges Bad in der kalten Jahreszeit mag für viele abschreckend wirken, erfreut sich aber zunehmend an Beliebtheit. Das Eisbaden bietet eine Fülle von Vorteilen für den Körper und Geist und ist seit Jahrhunderten eine bewährte Methode zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens.

    Zum Jahreswechsel oder wenn es draußen stürmt und schneit, sieht man Bilder zumeist aus Skandinavien: Menschen, die lediglich bekleidet mit einer Badehaube und Badekleidung in einem Eisloch in einem zugefrorenen See schwimmen. Das Eisbaden, auch als Kryotherapie oder Kaltwassertherapie bekannt, ist nach den Prinzipien der traditionellen europäischen Medizin eine Form der Reiztherapie, die das Immunsystem stimuliert und bei chronischen Erkrankungen helfen kann.

    Unser Organismus ist stets Reizen ausgesetzt. Diese können von außen kommen, sowie durch Tätigkeiten des Organismus von innen entstehen. Um gesund zu bleiben, ist der Körper gezwungen sich stetig zu verändern und mit den neuen Gegebenheiten zu leben. Über den Sommer gewöhnen wir uns auf diese Weise an das warm-heiße Wetter, im Herbst ist uns dadurch bereits bei 15°C kalt. Nach dem Winter gehen wir bei derselben Temperatur ins Freie und empfinden es als angenehm frühlinghaft warm. Reagiert der Körper auf Impulse nur wenig, so kann dies durch Symptome bis Krankheiten zum Ausdruck kommen. Typische Beispiele für eine verringerte Anpassungsfähigkeit sind Allergien oder hormonell bedingter Kopfschmerz. Ziel aller Formen der Reiztherapie ist, den Körper in seinen Reaktionen zu trainieren. Eisbaden ist eine effektive Methode, um dieses Ziel zu erreichen.

    Durch den plötzlichen Kontakt mit kaltem Wasser wird der Körper aktiviert, die Haut und Extremitäten massiv gekühlt. Der Körper schüttet Adrenalin, Endorphine sowie entzündungshemmende Kortikoide aus, die körperliche Leistungsfähigkeit wird erhöht. Das Nervensystem reduziert die Reizwahrnehmung und stärkt so den Vagusnerv, der als Entspannungsnerv gilt. Die Kälte erhöht ferner die Herzfrequenz und den Blutdruck, die Durchblutung bis in die kleinsten Äderchen wird verbessert. Diese gesteigerte Durchblutung kann wiederum den Stoffwechsel ankurbeln und die Ausscheidung von Toxinen fördern. Das Eisbaden kann das Immunsystem stimulieren und die Produktion von weißen Blutkörperchen, die für die Bekämpfung von Krankheiten verantwortlich sind, erhöhen. Indem es den Körper einem vorübergehenden Stress aussetzt, fördert das Eisbaden den Aufbau einer natürlichen Widerstandskraft gegenüber Krankheiten.

    Nicht nur der Körper profitiert vom Eisbaden, auch der Geist kann von dieser traditionellen Praxis profitieren. Die durch die plötzliche Kälte freigesetzten Endorphine, auch als Glückshormone bekannt, können zu einer verbesserten Stimmung und einem Gefühl von Entspannung und Wohlbefinden führen. Viele Menschen, die regelmäßig ein Eisbad nehmen, berichten von einer gesteigerten mentalen Klarheit, einer erhöhten Fähigkeit, mit Stress umzugehen und dem Gefühl der körperlichen und geistigen Wohligkeit, die sich nach dem Eisbaden ausbreitet. Wer auch noch mit Freunden ins Eiswasser steigt, erlebt darüber hinaus noch ein intensives Gefühl der Gemeinschaft und Spaß.

    Bei allen Vorteilen ist dennoch eine langsame Anpassung an die Kälte entscheidend, um den Körper nicht zu überfordern. Bei Herzkreislauferkrankungen ist ebenso Vorsicht geboten wie bei Melancholikern. Außerdem ist eine regelmäßige Reizsetzung sinnvoll mit Wiederholungen jeden 3 Tag. Darüber hinaus sollten sich auch geübte Eisbader eine Begleitung für Notfälle ans Wasser mitnehmen.

    Wem das Baden im Wasser zu extrem erscheint, kann Kältereize durch einen Barfuß-Spaziergang um das Haus setzen. Eine andere Methode ist das Abreiben des Körpers mit Schnee oder Eiswürfeln, um einen ähnlichen Kryoeffekt zu erzielen. Auch das klassische Kneippen in Eiswasser kann als Reiztherapie genutzt werden.

    Traditionell gilt das Eisbaden als natürliche Methode zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden. Obwohl es sicherlich nicht für jedermann geeignet ist, kann das Eisbaden für diejenigen, die es regelmäßig und verantwortungsbewusst praktizieren, erstaunliche Vorteile bieten. Jedenfalls ist Eisbaden empfehlenswert. Anwender lieben es, denn es macht einfach nur süchtig. Also rein ins eisige Nass.

  • Die Rose. Duftende Königin und Arznei im Garten

    Die Rose. Duftende Königin und Arznei im Garten

    Die Rose gilt als Königin der Blumen, Geschichten und Mythen ranken sich um ihre Entstehung. Bereits vor 40 Mill. Jahren wuchs die Gattung Rose im Gebiet des heutigen Chinas wie Fossilien bestätigen. Funde zeigen, dass Rosen bereits 3000 Jahre v.u.Z. in Persien kultiviert wurden. Heute ist die Rose in fast jedem Garten finden. Bekannt sind Rosen, die auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet sind, in zahlreichen Natur- und Zuchtformen. Nicht nur Hagebutten, sondern die duftenden Rosenblüten werden traditionell seit Jahrtausenden als Arznei genutzt.

    Die Rose begleitet den Menschen seit Generationen, diente zunächst als Hag zum Schutz. Begriffe wie Hagebutte oder Hagerose (Hundsrose) erinnern uns daran. Die Früchte dienten den Menschen der Nahrung, die Blüten als Arznei und Luxusgut. Als Heilmittel haben Rosenblüten eine lange Tradition, die bis in die Antike zurückreicht. Bereits aus dem frühesten Altertum sind Schriften über die gesundheitlichen Wirkungen überliefert, bei den Ägyptern galt sie gar als Universalmittel. Von Theoprastus über Dioskorides, Hippokrates, Hildegard und Paracelsus – um die bekanntesten zu nennen – wurden die zarten, duftenden Blättchen als Heilpflanze gerühmt.

    Rosen sind in Garten und Natur bezaubernde Erscheinungen mit heilenden Wirkungen auf Körper, Geist und Seele. Betrachten wir eine Rosenblüte so steigt uns ein lieblicher, süßlicher Duft in die Nase. Zaubert der Anblick oder der Duft uns ein Lächeln ins Gesicht, stimmt uns milde und zufrieden? In der Blüte wirkt die Kraft der Venus, die wir mit Anmut, Sanftheit, Entspannung und Weiblichkeit assoziieren. Die Rosenblüte wirkt harmonisierend und ausgleichend. Traditionell wird die Rosenblüte zum Korrigieren von stark wirksamen Arzneien oder Giften genutzt und entsprechend eingenommen. Außerdem galt sie als Herz- und Nerventonikum, Aphrodisiakum, wurde bei Schmerzen, Magenproblemen und Frauenleiden verordnet und diente dem Anti-Aging.

    Heute kann uns die Rosenblüte, die als Arznei sicher eher in Vergessenheit geraten ist, einiges für unsere Gesundheit schenken: Bekannt ist sicher ihre wohltuende Wirkung auf die Haut. Eine Auszugsöl der Rose kann gleich nach der Dusche, solange die Haut noch feucht ist, aufgetragen werden. Aufgrund ihrer antientzündlichen und antibakteriellen Eigenschaften ist das Öl auch bei Problemhaut wie Neurodermitis, bei Ekzemen, Sonnenbrand und sogar Akne geeignet. Bestätigt ist ihre Wirkung darüber hinaus bei kratzigen Augen und zur Pflege der alternden Haut. Traditionell in Herzmitteln enthalten, zeigen heute Forschungsergebnisse, dass die Rose beruhigend auf Herz und Lunge wirkt. Weiters wirkt sie bei Kopfschmerzen und Migräne. All diese Effekte werden sicher durch die ausgleichenden Wirkungen auf das Nervensystem unterstützt. Das ätherische Rosenöl hilft bei Angstzuständen, Stress und Schlaflosigkeit. Untersucht wird die Anwendung bei Alzheimer; das Hydrolat wird gerne in der Geburts- und Sterbebegleitung verwendet, außerdem in der Tierheilkunde. Generell wurde in der Geschichte eher das Hydrolat als das reine ätherische Öl genutzt, ferner alkoholische und ölige Auszüge, Zäpfchen und Sirupe oder die Blütenblättchen wurden in spagyrischen Zubereitungen verarbeitet.

    Mit Hilfe einer Kupferdestille lässt sich leicht das wundervoll, duftige Hydrolat gewinnen. Alle duftenden Rosensorten sind geeignet, am feinsten gilt das Hydrolat der Damascenarosa (Rosa damascena). Die Blüten sollten dabei rosa gefärbt sein, so ist es zumindest in der Literatur beschrieben. Das Destillat enthält alle flüchtigen Bestandteile der Rosenblüten, das ätherische Öl – den Sulphur der Pflanze. In den Blüten wurden weiters Gerbstoffe, Bitterstoffe, fettes Öl sowie organische Säuren bis dato nachgewiesen. Rosengewächse sind besonders reich an Phenolverbindungen, die als Antioxidantien dienen. Wer diese Inhaltsstoffe und andere Wirkkräfte der Blüte erschließen möchte, kann die Blütenblätter als Tinktur ansetzen. Für diesen Zweck werden die angewelkten oder getrockneten Blütenblätter mit Alkohol übergossen. Besonders Apfelbrand ist geeignet, da dieser die venerische Kraft der Blüte verstärkt. Für den täglichen Genuss eignet sich ein Sirup oder Wein, für die innere und äußere Schönheit die Verarbeitung zu Rosenglycerit oder Rosenessig. Zur Bereitung eines Auszugsöles werden die Rosenblüten mit einem duftneutralen Öl übergossen und an einem warmen Ort, jedoch nicht in der Sonne für drei Wochen mazeriert. Als Basisöle eignen sich die Öle der Rosengewächse wie etwa Mandel- oder Wildrosenöl (gewonnen aus den Hagebuttensamen). Übrigens bieten sich derzeit die frischen Rosenblüten als Beigabe zu Salaten an. Sie können in Salz eingelegt werden, um uns als Badezusatz zu erfreuen. Getrocknet wandern sie in wohlriechende Potpourris, die pulverisierten Blütenblätter können eingenommen, in Gewürze gemischt oder sogar zu Puder verarbeitet werden.

    Die Heilkräfte der Rose begrenzen sich jedoch nicht auf die Blüte. Wie schon unsere Vorfahren wussten, bietet die Rose uns ganzjährig Hilfe für unsere Gesundheit. Im Frühjahr schenkt sie uns Knospen, im Sommer unter anderem die Blüten. Im Herbst beglückt sie uns mit Hagebutten und dem Rosenholz, dessen ätherisches Öl ebenfalls in der Aromatherapie beschrieben ist.

    Die Rosenblüte erfreut uns jetzt mit Schönheit, Anmut und betörendem Duft. Wer Zeit und Lust hat sollte die Blüten jedoch auch als Arznei verarbeiten und so die sommerliche Venuskraft mit in die kalte Jahreszeit nehmen.

    Rosa damascena
    Les Roses: Rosa Damascena, subalba, 1817–1824. Henry Joseph Redouté (French, 1766–1853). Stipple and line engraving, with hand coloring; The Cleveland Museum of Art, Mr. and Mrs. Charles G. Prasse Collection 1965.291

    Rezepte
    Praktisches: Je nach Pflanze erscheinen die Rosenblüten kleiner oder üppiger, sind manchmal wenig oder sehr gefüllt. Die Mengenangeben sind daher oft schwierig. In der Praxis hat sich bewährt die Blüten an einem sonnigen Tag am Vormittag zu ernten und dann lose auf Papier anwelken zu lassen. Dadurch können kleine Käfer und andere Tierchen flüchten, andererseits bilden die Blüten noch Inhaltsstoffe im Sterbeprozess aus. Dann werden die Blättchen vereinzelt und lose in die Flasche gefüllt. Traditionell wird einem Ansatz stets eine ganze Blüte hinzugegeben. Beim anschließenden Übergießen sinken die Blättchen zusammen und bieten der Ansatzflüssigkeit genug Platz.
    Füllen die Blüten die Flasche nicht voll, dann wird mit weniger übergossen; bei einem zuviel können die Blüten gegessen oder getrocknet werden.

    Rosenwein:

    • Rosenblüten, vereinzelt
    • 1 Flasche Rosewein oder Weißwein (0,75)
    • nach Bedarf ein paar Himbeeren
    • nach Bedarf ein Zweig Rosenthymian oder Lavendel oder andere Blüten

    Die Rosenblüten werden vereinzelt und in der Sonne etwas liegen gelassen. In eine Weithalsflasche füllen, gegebenenfalls Früchte und / oder Kräuter ergänzen und mit Wein übergießen. 3-4 Wochen ziehen lassen. Abgießen. Bei Bedarf mit Kandiszucker (max 10%) oder Holunderblütensirup süßen. Als Aperitif zur Harmonisierung. Im Kühlschrank lagern.
    Tipp: Werden mehrere ganze Blüten hinzugegeben ändert sich der Geschmack. Der Wein gelingt auch mit getrockneten Blütenblättern, entfaltet jedoch ein herberes Aroma. Durch Zugabe anderer Blüten wie etwa Holunder lassen sich himmlische Kompositionen kreieren.

    Rosensirup:

    • Rosenblüten
    • 1 Liter Wasser
    • 1 Zitrone
    • 500 g Zucker

    Zitrone in der Hand drücken, dann in Scheiben schneiden, den ausgetretenen Saft auffangen. Rosenblüten vereinzeln. Mit der Zitrone in ein geeignetes Gefäß geben und mit 1 Liter Wasser übergießen. 3-4 Tage stehen lassen. Durch ein Mulltuch gießen. Alles mit 500 g Zucker aufkochen lassen, in Flaschen füllen und gut verschließen.
    Die Reste der Rosenblüten bitte nicht wegwerfen. Diese vorsichtig auf eine Dauerbackfolie ausbringen, und im Rohr bei max. 70 °C trocknen. So erhält man leicht noch kandierte Rosenblüten!
    Kühl lagern. Zur Aromatisierung von Speisen und Säften.

    Tipp: Zu den Rosenblüten lassen sich je nach Jahreszeit Holunderblüten, Lavendelknospen, Akazienblüten, Rotkleeblüten usw. ergänzen.

    Eine Zusammenfassung über die pharmakologischen Wirkungen der Rose finden sie hier: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3586833/

     

  • Salz ist Meer, das nicht in den Himmel zurückkehren konnte

    Salz ist Meer, das nicht in den Himmel zurückkehren konnte

    Alles Leben stammt aus dem Meer, denn vor Jahrmillionen entstanden die ersten Einzeller im Meerwasser. Lebensraum und Nährstoffe spendete dieses Wasser und diente der Aufnahme der Schadstoffe. Auch unsere Körperzellen werden von salziger Flüssigkeit umspült. Diese ernährt die Zellen und entsorgt die Schadstoffe aus den Körperzellen wie das Meer vor Millionen von Jahren.

    Der Begriff „Salz“ leitet sich vermutlich vom indogermanischen „hal“ oder „sal“ ab. Der Begriff Salz bedeutet „das Graue“, da früher Salz als gräuliche Kristalle in den Handel kam. Weitere Ursprünge werden diskutiert. Unter dem Begriff „Salz“ wird üblicherweise Speisesalz verstanden. Steinsalz oder Halit genannt, wird aus unterirdischen Salzablagerungen abgebaut, die aus dem Urmeer entstanden sind. Meersalz wird meist durch Verdunstung des Meerwassers gewonnen und fällt als Nebenprodukt von Meerwasser-Entsalzungsanlagen an. Der Hauptbestandteil von unbehandeltem Speisesalz ist Natriumchlorid, sowie Magnesium-, Calcium- und Kaliumchlorid, Calcium-, Natrium- und Magnesiumsulfat sowie Spurenelementen.

    Nicht nur die Römer und Griechen, auch die Kelten kannten einige Jahrhunderte vor unserer Zeit Methoden der Salzgewinnung. Salz galt im Altertum als heiliges Element und Göttergabe. Im Mittelalter spielte Salz folglich auch bei Tischsitten eine große Rolle. Auf den Tischen wurde Salz in kostbaren Gefäßen präsentiert, um die Bedeutung hervorzuheben. Gastfreundschaft drückte man dadurch aus, dass man Brot und Salz teilte. Noch heute wird beim Einzug in ein neues Haus Salz und Brot geschenkt.

    Nach Paracelsus muss Salz in jeder Speise und Arznei enthalten sein. Demnach kann die Speise ohne Salz nicht richtig gekocht und verdaut werden. Dabei ist auf die richtige Menge zu achten, also das Mittelmaß einzuhalten. Zuwenig oder gar kein Salz führt zu phlegmatischem Blut, das zu Krankheit neigt. Salz ist das beste Gewürz und macht alle Speisen schmackhaft. Deshalb soll es auch stets auf dem Tisch stehen. Salz ist nach den Vorstellungen der TEM etwas Wunderliches, denn es öffnet und zieht zusammen, reinigt und säubert. Das verwendete Salz soll vollkommen unbelastet, unbehandelt und ohne Zusätze sein, damit alle lebensnotwendigen Mineralien und Spurenelemente enthalten sind. Raffiniertes Salz wird gewaschen und umkristallisiert, bis weiße Kristalle vorliegen, deren Mineralstoff- und Spurenelementgehalt nicht mehr relevant ist. Unbehandeltes Salz lässt sich mit Kräutern und Pilzen abrunden – täglich am Tisch oder als kleines Präsent.

    Rezept: Gewürz-, Wildkräuter-, Pilzsalz
    Je 1-2 Stiele frischer Rosmarin, Thymian, Basilikum, Liebstöckel, Petersil
    oder Je 1-2 Stiele Schafgarbe, Vogelmiere, Gundelrebe, Giersch, Gänseblümchen
    oder was sich gerade noch in Garten und am Balkon finden lässt
    alternativ 50 g getrocknete Kräuter oder getrocknete Pilze (Parasol, Totentrompeten, Steinpilz, Birkenpilz sind besonders aromatisch)
    100 g unbehandeltes Salz

    Frische Kräuter werden sehr klein geschnitten, mit dem Salt vermischt und für 2h bei lediglich 40°C und offener Backrohrtüre getrocknet.
    Pilze werden zerbröselt. Die getrockneten Kräuter und Pilze werden mit dem Salz vermengt.

    Tipp: Nach und nach alle Kräuter trocknen, die für Tees, als Gewürz oder Heilzubereitungen gebraucht werden. Aus dieser wilden Mischung lässt sich gegebenenfalls mit Pilzen gemischt, je nach Lust und Geschmack eine abwechslungsreiche Komposition zusammenstellen. Die Kräutermischung wird in eine Salzmühle abwechselnd mit dem Salz eingefüllt und dann geschüttelt.

    Rezept: Salzstangerl – Grundteig für Kleingebäck
    Modifiziert nach Peter Gradwohl, 2016

    • 750 g Dinkelvollkornmehl
    • 1 Würfel frische Bio-Hefe (42 g)
    • 410 g Wasser
    • 15 g Salz
    • 20 g Butter

    Salz in etwas Wasser lösen, Hefe in einem weiteren Gefäß ebenso. Salzwasser und restliches Wasser
    zum Mehl geben und ein wenig durchkneten. Die in Wasser aufgelöste Hefe beimengen. Kräftig durchkneten. Etwa zur Halbzeit des Knetens (bei händischem Kneten nach rund 7 min., bei Kneten mit der Maschine nach ca. 3 min.) die Butter hinzufügen und den Teig fertig kneten.
    Den Teig abdecken und 40 min. rasten lassen. Aus dem Teig 50 bis 70 Gramm schwere Stücke abschneiden und für die weitere Verarbeitung daraus Kugeln formen. Aus diesen Kugeln Kleingebäckstücke wie Salzstangerln, aber auch Kaisersemmeln, Flesserl, Baguetteweckerl oder Brezeln fertigen.
    Die Kleingebäck-Rohlinge weitere 40 min. ruhen lassen. Dann gegebenenfalls großzügig mit Wasser bestreichen und – je nach Geschmack – mit Salz, Sesam, Mohn bestreuen oder natur belassen. In den vorgeheizten Ofen schieben.

    Bei 220° bis 230° C bei Heißluft ungefähr 17 bis 18 min. bei fallender Temperatur backen. Dies bedeutet, dass man die Temperatur nach etwa 3 min. auf 180° bis 200° C reduziert.

    Tipp: Wer vegan lebt, kann folgenden Ersatz für die Butter verwenden: 40 g Kakaobutter mit 60 g Rapsöl langsam erwärmen, bis die Kakaobutter geschmolzen ist. Abkühlen lassen. Davon die vorgegebenen Mengen nehmen. Die Mischung kann stets als Butterersatz zum Backen verwendet werden.
     

  • Fundsache: Museum  – Ausstellung: Bilder der Alchemie

    Fundsache: Museum – Ausstellung: Bilder der Alchemie

    Ein Museum, so lässt sich im „Duden“ nachlesen ist ein „Institut, in dem Kunstwerke sowie kunstgewerbliche, wissenschaftliche, technische Sammlungen aufbewahrt und ausgestellt werden.“

    Der Begriff leitet sich von griechisch Muse (mo?sa) bzw. deren Sitz dem Musentempel (mouse?on) ab. Die ersten Museen waren mehr Forschungseinrichtungen als Präsentationsräume und zu dieser ursprünglichen Form kehren die Museen wieder zurück. Exponate werden erklärt und in unseren (vermeintlichen) Kontext gesetzt. So sind dann die Stücke womöglich für so manchen anders zu interpretieren oder einfach nur schön anzusehen.

    Die folgende virtuelle Ausstellung ist unsere „Fundsache“ geworden und wir laden ein, sie zu entdecken: „Matthäus Merian d.Ä. und die Bebilderung der Alchemie um 1600“, gänzlich ohne Vorbehalte, ein Spaziergang durch einen Musentempel.

    Digitales Bild mit freundlicher Genehmigung des Open-Content-Programms von Getty.
    Informationen zum Bild: Unknown
    Teller mit Reliefdekoration, 500–600, Silver
    Object Number: 83.AM.342
    The J. Paul Getty Museum, Villa Collection, Malibu, California

    Hermes Trismegistos lehrt Ptolemaios das Weltsystem (Anzeigetitel):
    Zwei sitzende Philosophen, die als Ptolemäus und Hermes bezeichnet werden, führen auf dieser fragmentarischen Tafel eine lebhafte Diskussion. Hinter jedem der beiden Männer steht eine Frau, die gestikuliert und sich an dem Gespräch beteiligt. Die Frau auf der linken Seite wird als Skepsis identifiziert. Über den beiden sitzenden Männern ist ein nicht identifizierter, thronender Mann teilweise erhalten. Die Szene auf dieser Platte wurde als Allegorie auf die Debatte zwischen Mythos und Wissenschaft gedeutet: Ptolemäus, der Begründer der alexandrinischen Schule des wissenschaftlichen Denkens, debattiert mit Hermes Trismegistos, einer Gottheit, die auf der Seite des Mythos steht.

    Aus technischen, ikonografischen und stilistischen Gründen hatten einige Gelehrte die Echtheit dieser Tafel in Frage gestellt und vorgeschlagen, sie stattdessen in die Zeit um 1500 n. Chr. zu datieren. Eine neuere, detaillierte Untersuchung der Tafel hat jedoch ihre Antike bestätigt.

  • Gundermann? Gundelrebe!

    Gundermann? Gundelrebe!

    Die Gundrebe – so hat die Pflanze bereits im Althochdeutschen geheißen – ist eine aromatisch riechende Pflanze, die im vergangenen Jahr bei uns im Übermaß gewachsen ist. Die unscheinbaren, an Efeu erinnernden Blätter, der kriechende Wuchs, die dezenten violetten Blüten und deren charakteristischer Duft ermöglichen eine leichte und sichere Identifikation. Und das kleine Pflänzchen hat allerlei zu bieten.

    Die Pflanze wurde früher Hedera terrestris, also als Erdefeu bezeichnet; heute lautet der lateinische Name Glechoma hederacea. Volkstümlich sind eine Vielzahl an Namen bekannt wie Grundräbli (Schweiz), Gondelkraut (Böhmerwald), Gunnelreif (Eifel), Gunnröbe (Kärnten), „Guck durch den Zaun“, Blauhuder, Donnerrebe, Gartenhopfen und – wegen der Verwendung als Gewürz im Bier – oder als Soldatenpetersil (Österreich, Bayern) in Suppen. Die Pflanze ist ein schmackhaft aromatisches Kraut, das an vielen Standorten sogar den Winter über zu finden ist. Seit März treibt sie frisch und üppig aus und blüht dann von April bis Juni.

    Botanisch ist Glechoma ein Lippenblütler, der Stängel ist typisch vierkantig und behaart, die Blätter stehen kreuzgegenständig, sind nieren- bis herzförmig, stumpf gekerbt und bis rotviolett überlaufen. Die Pflanze blüht an den 10 bis 20 cm aufsteigenden Trieben in violetten Lippenblüten mit dunklen Flecken an der Unterlippe. Aus den Nodien treiben Wurzeln aus, wodurch das Kraut dahinkriecht und duftende Teppiche entstehen. Der Duft lässt das enthaltene ätherische Öl erkennen. Charakteristisch für die Familie sind auch die vorhandenen Lamiaceengerbstoffe, welche austrocknend wirken und auf Anwendung bei Durchfall hinweisen. Gesammelt werden die oberirdischen Teile, die als Tee, Tinktur, als Frischpflanzensaft, Milch- oder Essigauszug sowie als Wein genutzt werden. Häufig ist die Kombination mit Schafgarbe, Wermut und Kräutern für das Bronchialsystem wie etwa mit Huflattich oder für die Niere wie zum Beispiel mit Schachtelhalm sowie mit Milzpflanzen wie dem Erdrauch. Der Soldatenpetersil wird als Gewürz- und Wildkraut in die Gründonnerstagssuppe gegeben oder in einer Palatschinke mitgebacken. Junge Blättchen mit Trieben und Blüten werden als Zutat für Rohkostsalate, Frischkäseaufstriche oder Kräuterbutter verwendet. Das Kraut in Butter gedünstet, auch wie Spinat geschmort, ist schmackhaft und gesund. Früher wurde es Schaffleischeintöpfen hinzugefügt, um den charakteristischen Geschmack des Fleisches ein wenig zu dämpfen. Zudem galt es als wichtiges Würzmittel für Schaf- und Ziegenkäse sowie von Bier. Neben Vitamin C sind zahlreiche Mineralien wie Eisen, Kalium, Jod, Phosphor und Kupfer enthalten.

    Die Pflanze ist in Europa beheimatet, jedoch nicht in Griechenland und dem südlichen Italien; fraglich ist daher, ob den Römern und Griechen dieses Heilpflänzchen bekannt war. Gesichert scheint die Beliebtheit der Gundelrebe unter den Germanen. Das Pflänzchen, dem geheimnisvolle Kräfte zugeschrieben wurden, war entsprechend geschätzt. An alten Häusern wachsend, sah man daran den Sitz der guten Hausgeister und deren Ausstrahlungen. In der mittelalterlichen Literatur wird das Gondelkraut vielfach empfohlen. Dieser Lippenblütler ist ein Wundheilkraut: Neben Umschlägen aus Tee oder Presssafttinktur werden Ölauszüge und Salben genutzt. „Guck durch den Zaun“ fördert die Coctio, reguliert die Verdauung und wird bei den verschiedenen Formen der Skrofulose verwendet. Die Pflanze dient dem Lösen von Stauungen wie Bronchitiden mit reichlich festem Auswurf, da sie zähe Feuchtigkeit mindert. Leber und Milz werden geöffnet, entstaut und erwärmt, die Milzfunktion gestärkt. Der Lymphfluss wird angeregt, übermäßige Feuchtigkeit sowie schwarz- und gelbgallige Schärfen reduziert. Zubereitungen helfen bei Ausfluss, schweren Geburten und fördern als Emmenagogum den Fluss der Blum. Die Wirkung entfaltet sich insbesondere auf den Schleimhäuten des Unterleibs, der Blase und der Lunge. Psoriasis und neurasthenischen Beschwerden sind damit zu lindern. Zur Blauhuder wird gegriffen, wenn die Beschwerden durch „Altlasten“ verursacht werden – „Gund“ bedeutet im germanischen Eiter. Weitgehend unbekannt scheint heute die frühere Nutzung bei Arbeitsüberlastung zu sein. Eingenommen als Tonikum werden Körper und Psyche gestärkt; dieses Heilkraut gilt als Antidyskratikum, das eine Normalisierung des Stoffwechsels bewirkend.

    Und nun nochmals zu Namen: Was ist sie nun – Gundermann oder Gundelrebe? Die Blüten sind lila, die Blätter oft blauviolett überlaufen und zeigen durch ihre Farbe die Prägung der Venus. Der betörend, wässrige Geruch ist Ausdruck des Mondes. Sie kriecht im Wachstum ohne Tendenz für ein Ziel dahin; es fehlt ihr also an Richtung und somit an Mars. Eine Dame ist sie folglich, zumindest ihrer Signatur nach. So oder so, sie kann als Salat und spinatartiges Gemüse genossen, als Wein getrunken oder als Tinktur eingenommen wer-den. In jedem Fall bietet die Gundelrebe mehr für unsere Gesundheit, als man ihr auf den ersten Blick zutrauen würde.

    Gundelreben- Ölauszug

    • Gundelrebenkraut in der Blüte
    • Öl – ideal ist hochwertiges Olivenöl oder Sonnenblumenöl

    Die Gundelrebe wird locker in ein Glas gefüllt und mit Öl bis an die Kante übergossen. Das Öl mazeriert direkt in der Sonne für 10 Tage. Anschließend wird abgeseiht. In einem frischen Glas lässt man die Phasen für 2-3 Tage trennen und gießt dann vorsichtig die Ölphase ab.

    Für eine Salbe wird die Pflanze in Öl im Wasserbad heiß ausgezogen und anschließend mit Bienenwachs eingedickt. Verwendung bei Wundeiterungen und hartnäckigen Hautproblemen.

    Tipp: Durch den Zusatz geringer Mengen Harzsalbe lässt sich das Öl natürlich konservieren.

    Gundelrebenwein

    • 1-2 Handvoll Gundelrebenkraut
    • 0,75 l Weißwein, säuerlich
    • 50-80 g Honig, so erwünscht

    Der Wein wird zum Sieden erhitzt, das Kraut beigemengt und 5 bis 10 Minuten wallend gekocht. Anschließend wird der Auszug stehen gelassen bis er abgekühlt ist, dann abgeseiht und das Kraut gut ausgepresst. Nach Wunsch kann nun mit Honig gesüßt werden.

    Eingenommen wird kurmäßig 2-3 x täglich ein Likörglas. Im Kühlschrank beträgt die Haltbarkeit ca. vier Wochen.

    Tipp: Der Wein lässt sich leicht durch andere Heilkräuter erweitern. Bei Lungenproblemen wird ein Teelöffel Angelikawurzel zugesetzt, bei Blasen und Nierenprobemen ein Eßlöffel Schachtelhalm.

    Gundelreben-Wildkräuterspinat

    • Je eine Handvoll Gundelrebe (nach Wunsch mehr), Brennnesselblätter, Blattspinat
    • 1 kleine Zwiebel, geschält
    • 2-3 Stück getrocknete Paradeiser
    • 1 EL grob gehackte Walnüsse
    • Butter oder Öl
    • Salz, Pfeffer nach Geschmack

    Die Gundelrebe wird von etwaigen Fremdbestandteilen wie Gras oder Erde befreit, nur im Notfall gewaschen. Die Zwiebel wird klein geschnitten und in etwas Butter glasig angebraten, die getrockneten Paradeiser gehackt. Paradeiser, Wildkräuter und Spinat werden zum Zwiebel hinzugefügt und in der eigenen Feuchte kurz gedünstet, abschließend mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Die Nüsse werden in einer extra Pfanne ohne Fett geröstet.

    Angerichtet wird der Spinat auf frischen Gebäckscheiben (als Vorspeise) oder an frischer Pasta (Hauptgericht), mit den Nüssen garniert.