Monat: Dezember 2020

  • TEM-Kurzmeditation für’s Homeoffice

    TEM-Kurzmeditation für’s Homeoffice

    In Zeiten von vermehrtem Homeoffice kommt die Arbeit meist direkt ins Wohnzimmer, und damit auch der Stress. Eine kleine Heilmantra-Meditation der TEM für Zwischendrin kann helfen, den Stress nicht überhand nehmen zu lassen und wieder Atem zu schöpfen.

    Stressvermeidung durch Herz–Meditation
    Dass negativer Stress nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche auf Dauer krankmacht, ist bekannt. Gerade in Zeiten von Corona kann durch Doppelbelastung zuhause und zusätzliche Ängste die Anspannung überhandnehmen. Meditationen als Unterbrechung der Arbeit wirken den Folgen negativen Stresses entgegen, fördern die Konzentration und sind wichtig für die innere Balance. Eine alte TEM-Tradition, die es wiederzuentdecken gilt, ist dabei die Herz-Meditation.

    Heil-Mantra der Klostermedizin
    Viele Menschen vertrauen darauf, dass es ein letztes göttliches Geheimnis gibt, von dem her Heilung kommen kann. Der Name Jesus, ein hebräischer Name in seiner griechisch-lateinischen Form bedeutet eben dieses: „Das göttliche Geheimnis ist heilend gegenwärtig!“ Singen Sie – ganz gleich, welcher religiösen Tradition Sie sich zugehörig fühlen – innerlich im Ausatem ein Heilmantra der Klostermedizin und erleben Sie die Heilwirkung. Alternativ können Sie zum heiligen Namen Jesus auch Schalom oder ein schlichtes, bejahendes Ja als meditatives Heilwort nutzen.

    Vollzug als Kurz-Meditation
    Es gibt ausführliche Anleitungen zur Herzmeditation – siehe hierzu den Buchtipp. Allerdings können Sie jetzt sofort loslegen und sich von der guten Wirkung der Herzmeditation überzeugen:

    1. Aufrechte Sitzposition auf einem Sessel oder formellen Meditationssitz einnehmen. Die Augen sind „halb-geöffnet“ – das heißt, man lässt die Lider etwas sinken, aber schließt die Augen während der Meditation nicht vollständig.
    2. Achtsamkeit zunächst auf den Leib, dann auf den freigegebenen Atem richten.
    3. Ausatem mit dem Heiligen Wort verbinden:
      1. Eine erste hilfreiche Vorstellung könnte sein, in den Atem hinein zu lauschen und zu hören, wie der Name dort schon klingt, um dann „mitzusingen“.
      2. Eine zweite hilfreiche Vorstellung könnte sein, den Namen quasi wie eine zarte Feder ganz sanft in den Atem einzulegen.
    4. Sobald man bemerkt, dass man von Gedanken in Beschlag genommen wurde, aus der Wachheit herausgefallen ist oder man sonst irgendwie die Meditation verloren hat, kehrt man zum Atem und zum im Atem klingenden Namen zurück und schwingt wieder in die Meditation ein.
    5. Beginnen Sie mit 10 Minuten. Die Meditation in ihrer Vollform dauert 20 bis 25 Minuten.

    Buchtipp: Karl-Heinz Steinmetz. Stille, Seelbad, Engelsbrot: Heimische spirituelle Traditionen neu entdecken, Wien (Styria) 2018.

  • Räuchern, ein traditionelles Ritual.

    Räuchern, ein traditionelles Ritual.

    Das Räuchern wird seit jeher als traditionelles Ritual geschätzt. Es ist so alt wie die Menschheit selbst, seit es das Feuer gibt. Das Räuchern ist eine weltweit überlieferte Tradition bei der mit wohlriechenden Kräutern, Harzen und Hölzern die Duftstoffe nutzbar gemacht werden.

    Der Geruchsinn ist einer unserer ältesten Sinne, der unmittelbar Lebensgefühle und Lebensstimmungen in uns hervorruft. Althergebrachtes, überliefertes Wissen machen wir uns zunutze, um den Geist der Pflanze freizusetzen.

    Aktueller denn je, gibt uns das Räuchern eine besondere Möglichkeit, Desinfektionsmittel zur Reinigung der Raumluft einzusetzen. Gleichzeitig sorgt es sofort für gute Stimmung und Wohlbefinden.

    Wenn man Fleisch durch Räuchern haltbar machen kann, so kann man erahnen, wie wirksam diese Methode ist, Räume auf natürliche Art und Weise zu desinfizieren. Die Anwendung von Räucherwerk im alltäglichen Leben, bei Festen und Zeremonien zaubert angenehme Atmosphären in unser Leben, einmal zur energetischen Reinigung, zur Harmonisierung von Räumen, Häusern, Wohnungen und Grundstücken, aber auch von Personen. Räuchern kann als natürliche Kraftquelle stimmungsaufbauend wirken. So fördert es unser persönliches Wohlbefinden.

    Im Wesentlichen erfolgt Räuchern in 3 Schritten:
    1. Reinigung: Der wesentlichste Schritt im Räucherritual!
    Empfohlen wird hier gegen den Uhrzeigersinn und von oben nach unten zu räuchern. Die Reinigung bereitet die nächsten Schritte der Harmonisierung und des Energieaufbaus vor. Sowie auch die physische Reinigung unseres Körpers und unserer Seele essentiell ist, so ist auch die feinstoffliche, energetische Reinigung wesentlich. Räuchern schließt den physischen Bereich mit ein, beseitigt „dicke“ Luft, klärt Gedanken und reinigt Emotionen.

    Myrrhe, Salbei, Kampfer, Drachenblut, Heiliges Holz, Beifuß, Johanniskraut, Wacholder und Engelwurz können hierfür eingesetzt werden. Gleichzeitig sind diese Pflanzen auch wesentliche Schutzpflanzen. Wichtig nach der Reinigung ist es, die Räume gut zu lüften. Zwischen 21. und 23. Dezember ist eine optimale Zeit, eine Reinigungsräucherung durchzuführen.

    2. Harmonisierung:
    Die Bewegungsrichtung ist hier mit 8-er Schleifen durch die Räume zu gehen. Durch die Harmonisierung wird der Grundstein für Ausgeglichenheit und Balance in allen Lebensbereichen gelegt. Wohlriechende Kräuter wie Lavendel und Rose, Harze wie Fichte und Lärchenharz sind hierfür gut geeignet.

    3. Aufbauen:
    Empfohlen wird im Uhrzeigersinn und von unten nach oben zu räuchern. Im Speziellen ist jegliche Form von Weihrauch, Rose, Balsam und Harz geeignet. Das Harz des Weihrauches ist für das Aufbauen besser geeignet als für die Reinigung, da es alle Energien verstärkt, sowohl positive als auch negative. Wesentlich besser für eine Reinigung sind Myrrhe, Salbei und Kampfer wie in Punkt 1 erwähnt. Empfehlenswert ist es Weihrauch mit Myrrhe gemeinsam in einer Mischung aus gleichen Teilen zu verwenden.

    In die Welt des Räucherns einzutauchen, ist ein wunderbares Erlebnis. Hierbei können wir im Jahreszyklus immer wieder räuchern, im Besonderen zur Weihnachtszeit in den Raunächten.

  • Kraftvolle Welt der Düfte

    Kraftvolle Welt der Düfte

    Ätherische Öle und ihre Wirkung auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit

    Ein Duft sagt mehr als 1.000 Worte. Denn Gerüche bilden eine wichtige Basis der Kommunikation. Tiere und Pflanzen verständigen sich zum Großteil auf diese ursprüngliche Art: Pflanzen vertreiben Schädlinge mit ätherischen Ölen und locken Bestäubungsinsekten mit Pheromonen an – auf letztere setzen auch viele Tiere beim Becircen eines Fortpflanzungs-Partners.

    Geruchsgedächtnis
    Riechen war und ist immens wichtig für unser Leben. Schon bei der Befruchtung findet das Spermium die Eizelle nämlich nur anhand einer ausgelegten Duftspur, die übrigens unwiderstehlich nach Maiglöckchen riecht. Genauso clever, aber weit komplexer funktioniert der menschliche Geruchssinn. Er hat eine besonders schnelle und direkte Verbindung ins Gehirn. Insbesondere zum limbischen System, das vor allem unbewusste Handlungen steuert und der Verarbeitung von Gefühlen dient. Dieses Geruchsgedächtnis lässt uns noch Jahrzehnte später ganz genau daran erinnern, wie es zu Weihnachten in Omas Küche gerochen hat – oder im ersten Urlaub auf der Alm.

    Sind mit einem bestimmten Geruch angenehme Gefühle verbunden, können wir durch den gezielten Einsatz dieses Dufts wieder Wohlbehagen auslösen. Auch auf verschiedene Bereiche und Funktionen in unserem Körper haben die Inhaltsstoffe ätherischer Öle positive Auswirkungen: Keime in den Atemwegen werden beseitigt und wir können freier durchatmen, Stresshormone werden abgebaut und unser Nervenkostüm beruhigt sich, Verspannungen lösen sich, Schmerzen und Entzündungen gehen zurück. Im Laufe der Jahrhunderte haben wir verschiedene Techniken entdeckt und weiter verfeinert, um die duftgebenden ätherischen Öle der Pflanzen zu gewinnen und zu nutzen.

    Ätherische Öle
    Kurz gesagt: Ätherische Öle sind flüchtige Flüssigkeiten, die duften. Sie kommen zumeist in Blüten, Samen, Fruchtschalen und Harzen der Pflanzen vor. Die einfachste Methode, die Wohlgerüche aus der Pflanze zu holen, ist die Räucherung des getrockneten Ausgangsmaterials. Also „per fumum“ – durch den Rauch. Daher kommt auch die heutige Bezeichnung „Parfum“. Für ein längeres, reineres Dufterlebnis muss das Öl von der Pflanze getrennt und zur späteren Verwendung aufbewahrt werden. Relativ simpel ist die Kaltpressung der Schalen, die für Zitrusöle angewandt werden kann: Hier wird das ätherische Öl durch Zentrifugieren von der beim Pressen entstandenen Flüssigkeit getrennt. Das gebräuchlichste Verfahren ist jedoch die Destillation mithilfe von Wasserdampf: Über das zerkleinerte Ausgangsmaterial geleiteter heißer Wasserdampf treibt das ätherische Öl aus der Pflanze. Das Öl-Wasser-Gemisch kondensiert dann in einem gekühlten Rohr, Wasser und Öl werden in getrennten Behältern aufgefangen.

    100 % natürlich
    Ätherische Öle, die ausschließlich aus Pflanzen stammen, dürfen mit den Begriffen „naturbelassen“ oder „natürlich“ bezeichnet werden. Das ist deshalb bedeutend, weil sich ätherische Öle auch im Labor „nachbauen“ lassen. Dann spricht man von „naturidentischen“ bzw. von „künstlichen“ ätherischen Ölen – die meist fantasievolle Namen tragen wie „Bratapfel“ oder „Vanillekipferl“ und entsprechend billig zu haben sind. Da für einen Liter echtes Rosenöl bis zu fünf Tonnen handgepflückter Blüten benötigt werden, ist die Qualität hier auch am Preis zu erkennen. Nur eine rein pflanzliche Herkunft garantiert die komplette Fülle und das Zusammenspiel der natürlichen Eigenschaften der Öle – die bei weitem noch nicht in ihrer ganzen Komplexität erforscht sind.

    Es lohnt sich auf jeden Fall, bei der Qualität keinerlei Abstriche zu machen und auf den natürlichen Ursprung der Substanzen sowie deren schonende Verarbeitung zu achten. Schließlich gelangen diese Stoffe in unsere Atemwege und an unsere Haut. Apropos Haut: Alle Wirkstoffe, die wir auf unser äußeres Schutzorgan auftragen – wie Kosmetika oder Massageöle – und deren Teilchen klein genug sind, gelangen innerhalb von 15 Minuten direkt in unsere Blutbahn.

    Anwendungsarten
    Weil die ätherischen Öle stark konzentriert sind, werden sie niemals pur verwendet – ausgenommen Lavendelöl. Die angegebene Dosis gilt bei jeglicher Anwendung stets für gesunde Erwachsene. Kinder und Schwangere sollen immer nur ein Drittel bis maximal die Hälfte verwenden. Prinzipiell gibt es vier Arten der Anwendung: Einreibung, Bad, Inhalation und Beduftung.

    Bei der Einreibung wird verdünntes Öl auf den Körper aufgetragen und einmassiert. Auf 50 ml Basisöl (z. B. Oliven-, Mandel- oder Jojobaöl) kommen dabei 20 bis 30 Tropfen ätherisches Öl. Das reicht für viele Male.

    Für das Bad werden ein paar Tropfen des Öls mit 3–5 EL Meersalz vermengt – dadurch mischt sich das Öl besser mit dem Badewasser – und in die Wanne gegeben. Zur Behandlung der oberen Atemwege oder der Gesichtshaut ist die Inhalation empfehlenswert. Dazu reicht eine Schüssel mit maximal 70 °C heißem Wasser und ein paar Tropfen des gewünschten Öls. Ein Handtuch über dem Kopf hilft, den wohltuenden Dampf nicht ungenützt entweichen zu lassen.

    Von der Nase ins Herz
    Die Beduftung mit ätherischen Ölen unterstützt unsere Gesundheit. Denn oft lässt sich unser geistig-seelisches Gleichgewicht ins Lot bringen, noch bevor wir körperliche Symptome entwickeln. Ähnlich wie bei Parfüms werden die ätherischen Öle nach ihrer Flüchtigkeit und ihrem Charakter in Kopf-, Herz- und Basisnoten unterteilt. Kopfnoten sind sofort riechbar, verflüchtigen sich aber nach der ersten Viertelstunde (z. B. Zitrusfrüchte, Pfefferminze, Rosmarin). Diese Düfte bringen uns Frische und Konzentration. Um einiges länger sind die Herznoten zu riechen (z. B. Lavendel, Rose, Melisse), die uns beruhigen und entspannen. Viele Stunden lang sind die Basisnoten bemerkbar (z. B. Weihrauch, Sandelholz, Patchouli). Diese schenken uns Kraft, Urvertrauen und Ausgeglichenheit.

    Diffuser, Vernebler & Rauch
    Da ätherische Öle bei Zimmertemperatur verdunsten, funktioniert die Duftausbreitung von selbst. Ein Fläschchen ätherisches Öl, in das ein paar Holzstäbchen gestellt werden – fertig ist ein einfacher Diffuser. Genauso simpel geht es mit einem Duftstein aus porösem Material, auf den das Öl geträufelt wird. Mit einem Ventilator verteilen sich die Düfte natürlich rascher und weiter. Hierfür gibt es kleine Geräte für die Steckdose oder mit Batterien, in denen ein mit Öl versehenes Pad eingelegt wird. Am effektivsten ist die Vernebelung der Aromen mit Ultraschall-Geräten, bei denen durch Schwingungen erzeugter, ionisierter Wasserdampf die Düfte verbreitet und dabei auch noch die Luft reinigt. Besonders stimmungsvoll ist freilich eine schöne Duftlampe mit Teelicht und großer Wasserschale, damit das Öl nicht zu heiß wird. Und wer das ursprüngliche Dufterlebnis schätzt, greift zu klassischem Rauchwerk.

    Räucherwerk: Spezielle Baumharze, Hölzer, Rinden, Wurzeln und Kräuter setzen im Feuer ihre Duft- und Wirkstoffe frei. Die Bestandteile der Mischungen sollen natürlichen Ursprungs sein. 1 bis 2 Prisen reichen für eine Anwendung aus. Jedes Räucherritual immer mit einer reinigenden Mischung beginnen.

    Räucherschale: Ein flaches Gefäß aus feuerfestem Material mit ca. 15 cm Durchmesser, das am besten rutschfest auf einem Teller platziert wird. So kann die Schale auch gut durch den Raum bewegt werden.

    Räucherkohle: Kohle beim Entzünden immer mit einer Zange halten. Das beigemengte Salpetersalz dient den Holzkohletabletten als Zündhilfe, darum „britzelt“ es anfangs wie bei einer Wunderkerze. Sofort auf den Sand legen und 10 Min. durchglühen lassen. Die Kohle glost sehr gleichmäßig und erreicht die richtige Temperatur (bis zu 300 °C!).

    Räuchersand: Der Sand belüftet die Kohle von unten und hält die Hitze vom Gefäß ab. Außerdem wird die Schale so nicht mit Rückständen des Räucherwerks verschmutzt. Sand bei Bedarf nachfüllen. Für besinnliche und sichere Räucherzeremonien. Qualitäts-Utensilien, passend zum edlen Räucherwerk in Form von Blättern, Harzen, Holzen oder Mischungen: hochwertige Gefäße und geeigneter Räuchersand, Holzkohle, Kohlezangen, Harzlöffelchen und Aschepinsel.

     

  • Balneotherapie

    Balneotherapie

    Baden: ein Wirken, tief und kräftig hinein in die Heilungsvorgänge des gesamten Menschen. Außerdem ist das sich „vom Wasser getragen fühlen“ ein urvertrautes Gefühl, aus dem wir hervorgehen. Das Fruchtwasser weist einen pH-Wert von 8 auf. Es ist also sehr angenehm basisch. Das Meer war es bis vor einiger Zeit auch.

    Zu Zeiten von Hippokrates war eine der Hauptanwendungen, natürliches Fieber durch ein Bad zu erzeugen. Das führte zur Heilung von gar vielen Krankheiten. Dabei kam und kommt es auf die verschiedenen Diagnosen und Anwendungsformen an. Ein Bad kann als Vollbad, kalt oder warm, ansteigend, lauwarm oder heiß verordnet werden. Ob Teilbäder einzelner Körperteile, wie Arme, Füße, Unterleib oder Wechselbad in Frage kommen, bestimmt der Kurarzt oder Therapeut. Große vorbeugende Wirkung erzielt ein Dampfbad und ist auch ohne Diagnose jedem zu empfehlen, der entweder wasserscheu oder hitze-/kälteempfindlich ist. Ein etwas neuartigeres Kaltbad ist eine Ganzkörper-Kältetherapie (Kryo-Therapie) bei minus 110° C und hat u.a. eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung. Diese wie auch Kaltbad-Anwendungen basieren auf der jeweiligen Feststellung in der Befundung, ob die Entzündung einer kalten oder hitzigen Ursache zugrunde liegt. Schon ein einmal wöchentlich genommenes Vollbad hat ganzheitlich pflegende Wirkung. Es dient im Allgemeinen der Reinigung, regt den Stoffwechsel an, belebt die Drüsenfunktion, erfrischt und beruhigt.

    Zum Heilbad wird es, wenn dem Wasser bestimmte Zusätze beigemengt werden. Damit können diverse Leiden gelindert werden oder ganz verschwinden. Heublumen, Latschenkiefern-Extrakt, Fichtennadeln, Zinnkraut, Eichenrinde, Kamille, Walnussblätter, Salz, ätherische Öle, Honig, Sahne, um nur einige zu nennen, geben alle ihre spezifischen Wirkprofile ab.

    Ein abendliches Latschenbad etwa entspannt nicht nur, sondern wirkt auch angenehm klärend und Nerven beruhigend auf die Psyche. Die oberen Luftwege und Bronchien werden durch das reichlich frei gewordene ?-Pinen, Limonen, ?-Pinen u.a. vom Schleim gelockert und zur Ausscheidung gebracht. Man kocht sich entweder einen Absud mit einer Hand voll Latschenkiefer-Spitzen in 1 L Wasser 10 – 20 Min. auf und filtert den Sud in die Badewanne ab. Auch in 2 EL Honig eingerührtes ätherische Öl von Latschenkiefer (Pinus mugo), gelöst im 37° C warmen Badewasser, erfüllt diesen Zweck. 20 Tropfen wirken eindeutig.

    Ein weiteres, probates Mittel, das Badewasser mit heilsamen Zutaten anzureichern, ist das Salz. Salz dringt bekanntlich durch mehrere Hautschichten und erwirkt somit als eine Zellreinigung sondergleichen. Ein Bad mit einer längeren „Auslauge-Kapazität“, wie es z.B. das Edelsteinbad von Michael Droste Laux inhaltlich entsprechend unterstützt, steuert diese Qualität in effizienter Weise. Es dient auch als Entgiftungsbad zur raschen Überwindung von Erkältungs- und Infektionskrankheiten, sowie der Blut- und Säfte Reinigung. Bei öfterer Anwendung und einer Badetemperatur von 37° mit einer Badedauer von 40-50-60 min. geht es dabei in Richtung Entsäuerung, Entschlackung, Entfettung und Zellregeneration aus dem Konzept nach Alfred Pischinger. Wenn beim Baden noch eine Bürstenmassage ins Entschlackungsprogramm eingeplant wird, können die Ablagerungen aus den unteren Hautschichten gelöst werden und zeichnen sich am Badewannenrand ab. Pischinger war ein Zellforscher mit Elan, einer, der aus dem Puls des Lebens den Zellmetabolismus in einem größeren Kontext bringen konnte.

    Ein Fußbad als Teil-Bad kann sehr hilfreich sein, die Nieren zu entlasten. Man nennt es in der Fachsprache ein „Hilfsnieren-Bad“, d.h. die Füße verhelfen den Nieren zu Entlastungsfunktionen. In der Tat beugen warme Füße Schnupfen vor.

    Die Wasserqualitäten bringen hervor, was unserer Gesundheit förderlich ist. Sie sind mit Mineralien und Metallen und vielen angereicherten Stoffen aus der Pflanzenwelt aufgewertet. Wasser hat Löslichkeits- und Einfließ-Power. Wasser ist das demütigste Element auf Erden, nimmt es doch so gut wie alles auf, was es auf dem langen Weg von der Quelle zum Ozean und aufsteigend über die Sphären wieder zurück berührend, schenkt.

    An bestimmten Stellen überall auf der Erde verstreut, quellen heilende Wasserströme unterschiedlichster Zusammensetzung hervor. Sie werden, mehr oder weniger in Strukturen/Anlagen gefasst, als Anstalten geführt oder als frei zugängliche Thermalterrassen der Öffentlichkeit überlassen. Schwefelbäder kommen sehr häufig vor. Sie erreichen u.U. hohe Temperaturen und können äußerlich wie innerlich schaden. Eine zu lange Aufenthaltsdauer in einem Schwefelbad kann zu Erschöpfung führen, von der man sich nicht so schnell erholt. Schwefelbäder erfreuen sich deshalb so großer Beliebtheit, weil sie über sehr reinigende Eigenschaften und Ausleitungskräfte verfügen.

    Genannt seien noch die Kneipp- und F.X.Mayr-Badekulturen. Letzterer übernahm das „Rumpfreibebad“ nach Louis Kuhne, und verschrieb es zur Vorbeugung und Behandlung akuter Infekte. Nach dem Naturgesetz: “Kälte immer nur auf Wärme!“ empfahl er keiner frierenden Person, begonnen bei kalten Händen oder Füßen, eine kalte Wasseranwendung durchzuführen. Es beeinflusst das vegetative Nervensystem und kann die Parasympathikus-Aktivität dabei ungünstig verstärken. Das Rumpfreibebad dauert ca. 10 min… Die Behandlung kann jedoch auch mit 5-6 min. begonnen und steigernd auf 15 min. ausgedehnt werden. Das jeweilige Befinden des Badenden wird dabei berücksichtigt. Zur Behandlung selbst dient eine Sitzwanne (oder Badewanne), eine Wassertemperatur zwischen 30° und 22° C und ein raues Tuch, mit dem der Bauch (Bauchlymphe), Leisten, Scham- und Kreuzbeingegend in über die Haut streifenden Reibungen gearbeitet wird. Anschließend kann Ruhe oder Bewegung verordnet werden. Durch das kühle Wasser ist der Körper angeregt, selbst Wärme zu erzeugen, durchblutet zu werden und die äußeren Reize der Kälte auszugleichen.

    In alten Zeiten, lange bevor Badeanstalten angelegt wurden, strömte das Volk zum nahen Fluss, an geeignete Badestellen für Frauen, Kinder und Männer, um sich zu waschen. Unsere Vorfahren hatten noch die Gabe, sich über die urinalen Ausscheidungswege ca. 1 l Quellwasser in die Blase zu „saugen“ und sie mittels Druck zu reinigen.

    Moorbäder, über Jahrtausende angereichertes Erosionsgut, „humifiziert“ mit wertvollsten Pflanzeninhalten, dienen zur Heilung von unterschiedlichen Beschwerden. Das „schwarze Gold der Erde“ heilt rheumatische, entzündliche, chronische, degenerative Erkrankungen, sowie Gicht– und Venenbeschwerden. Auch in einem solchen Bad erfährt der Körper eine maximale Funktionsentlastung mit thermisch-physikalisch-biochemischen Wirkfaktoren.

    Baden bewirkt also einen ganzheitlichen Heilungsvorgang mit spezifischen Indikationen. Was sonst noch unter das Stichwort „Baden“ fällt, kann ein ziemlich ausdehnbarer Begriff sein: Waldbad (Shinrin yoku=CO²), Sonnenbad (Vit. D für die Psyche), Luftbad (Sauerstoff fürs Blut), Wollbad (in Schafwolle gehüllt das Schwitzen veranlassend), Heubad (in frisches Bergheu gehüllt, Schwitzen erzeugend, heilende, sekundäre Pflanzenstoffe über die Haut aufnehmend) und nicht zu vergessen die vielen Schönheitsbäder, denen sich die Kosmetikindustrie bedient. In Milch und Honig baden, oder in Champagner und Stutenmilch, kann hoffentlich mittels Bewusstmachung wissenschaftlicher Verifikationen bedeutenderen innerlichen Anwendungen zugeführt werden. Alles unterliegt auch hier dem Maß der Dinge und der Relation zu den zu erzielenden Effekten.

  • Der Darm in der Traditionellen Europäischen Medizin

    Der Darm in der Traditionellen Europäischen Medizin

    Teil 2

    Im letzten Newsletter wurde die Bedeutung des Darmes aus Sicht der Traditionellen Medizin aufgezeigt und gleichzeitig ausgiebig auf die Verdauung und Coctio eingegangenen. Wie dargelegt, ist ausreichend Wärme der Organe, der Fluss der Säfte sowie eine intakte Trias Lymphsystem-Schleimhaut-Symbiontenflora die Grundlage eines funktionierenden Gastrointestialtraktes.

    Der Nährstoffbedarf für die Stoffwechselvorgänge wird über das enterale Nervensystem geregelt und zeigt sich durch das Gefühl des Hungers.

    „Natürlicher Hunger“ ist der Bedarf des Gewebes an bestimmten Nährstoffen zur Bewerkstelligung seiner Stoffwechselaufgaben. Daher zeigt dieser Hunger das Bedürfnis an spezifischen Nährstoffen an. Das Defizit soll zunächst durch Stoffe aus dem Interstitium, dem System der Grundregulation gedeckt werden; der benötigte Stoff wird an den Ort des Bedarfs gezogen. Fehlt der Stoff im Interstitium, so wird der Bedarf zunächst aus den zirkulierenden Säften oder den Depots gedeckt. Fehlen im Organismus die benötigten Stoffe, kann zur Deckung der Bedürfnisse auf körpereigene Ressourcen zurückgegriffen werden. Das ist etwa bei speziellen Aminosäuren der Fall. Ist eine Bedarfsdeckung auf diese Art nicht möglich, entsteht ein Mangel wie bei Mikronährstoffen.

    Entscheidend für die unproblematische Versorgung des Organismus ist der optimale Fluss im Gewebe sowie die Zirkulation des Blutes. Für die Versorgung bedarf es ausreichend physiologischer Wärme. Sind nun alle Speicher geleert, muss der Organismus auf Nährstoffe aus der Außenwelt zurückgreifen. Diese Form des Hungers wird als „animalischer Hunger“ bezeichnet und bezieht sich ebenfalls auf den Bedarf von Wasser und Luft. Der animalische Hunger ist daher bewusst gewordener Nährstoffbedarf.

    Raffinierte Nahrungsmittel befriedigen lediglich den animalischen Hunger. Aufgrund des Nährstoffmangels können sie den natürlichen Hunger allerdings nicht stillen. Die betroffenen Menschen sind ständig hungrig und erleiden folglich immer wieder Heißhungerattacken.

    Durch den Mangel an Vital- und Aromastoffen, wie etwa den Bitterstoffen, fehlen dem Körper die für die Assimilation nötigen Substanzen, jedoch auch jene, die für die Ausscheidung der Schärfen und Abfallprodukte erforderlich sind. Diese von dem Mediziner und Autor Dr. Max Otto Bruker als „Konserve“ oder „Nahrungspräparaten“ bezeichnete Nahrung kann der Körper nicht richtig verwerten. Der Mensch kann diese Kost nicht denaturieren und schiebt den Brei weiter an den Dünndarm, welcher dieser ihm zugeschobenen Aufgabe nicht gewachsen ist. Er öffnet seine Schleusen. Diese nicht physiologische Öffnung der tight-junctions ist als Leaky-Gut-Syndrom bekannt. Weitere Ursachen hierfür können neben der heutigen Ernährung die üblichen anderen Verdächtigen wie etwa Stress, Rauchen, Medikamente und fehlende Bewegung sein. Dem Körper werden nicht nur mehr Schadstoffe zugeführt, sondern auch die Sanguifikation verringert und dadurch die Ausscheidung gedrosselt.

    Die Qualität der Humores wird bestimmt durch die Qualität des Chylus und der zugeführten Nahrung sowie durch die Kraft der Verdauungsorgane. Die Funktion der Organe gelingt störungsfrei, wenn die Qualität der Nährsäfte hoch ist. Dies reduziert die Menge der Schärfen sowie deren Pathogenität. Durch physiologische Wärme wird sowohl der Nährstrom als auch der Klärstrom in Fluss gehalten. Da diese Abläufe sehr energieintensiv sind, hängt auch diese Funktion von der Qualität der Nahrung ab.

    Die Verdauung ist ein komplexer Vorgang. „Wie im Innen, so im Außen“ zeigt sich dies auch in der komplexen Welt, in der noch vor 150 Jahren viele Dinge unbekannt waren, wie beispielsweise die Industrialisierung, mediale Vernetzung oder work-life-balance. In Bezug auf unsere Nahrung sind ethische Überlegungen, Umweltverschmutzung und das Tempo der Verfügbarkeit ausschlaggebend geworden. An uns liegt es die Nahrung, die Natur um uns herum, die Menschen und Tiere, schlussendlich alles Wahrnehmbare und nicht Wahrnehmbare zu schätzen und all dem mit Respekt und Liebe zu begegnen.

    Beginnen wir bei uns selbst! Nehmen wir uns wichtig, hören wir in uns hinein, schenken wir uns selbst mehr Achtsamkeit, widmen wir unserem Bauchgefühl mehr Beachtung und damit unseren Darm. Es lohnt sich!

  • Winterzeit, Einkehr, Ruhe … Wärme suchen

    Winterzeit, Einkehr, Ruhe … Wärme suchen

    Denkst du bei Winter zuerst an Finsternis, Kälte, Schneematsch und Zähneklappern? Erinnere dich an deine Kindheit: Rodeln, Schneeballschlacht und ein nasser Hosenboden. Unbeschwert und sorgenfrei. Danach: Hosen wechseln, wieder raus – und … ja die Stille genießen.

    Herrlich! Hör mal … du hörst – ja genau nichts, ist das nicht fein? Einzig das Knirschen des Schnees unter den Schuhsohlen klingt wie Musik. Kuscheln am Kamin, ein schönes Buch, eine Tasse Tee, nichts wärmt besser.

    Jetzt ist die Zeit des Ausruhens. Die Zeit um die Nerven zu schonen – zurückzuschauen und nach vorne. Die winterlichen Eigenschaften dämpfen. Die Natur ist ruhiger als in den anderen Jahreszeiten. Lehn dich zurück, entspann dich – ABER, so kann es passieren, dass du den Frühling verpasst. Ja, möglicherweise verschläfst. Denn im Winter ist das dämpfende Funktionsprinzips des Phlegmas dominant. Kühl & feucht. Dies gilt es auszugleichen und zu harmonisieren. Deine Schleimhäute können austrocknen. Die Infektanfälligkeit steigt. Verkühlung, Husten, Schnupfen und Heiserkeit stehen auf der Tagesordnung. Daher ist es gerade jetzt besonders wichtig, die nährende Feuchte zu bewahren, zu erwärmen und zu stärken.

    Die Qualität der Winterkost soll warm, nährend, aber nicht belastend sein. Rohe, ungekochte und kalte Speisen bringen im Winter kaum Wohlbefinden. Hingegen weckt der Geruch eines über lange Zeit geschmorten Eintopfes ein wohliges Gefühl. Kraftsuppen, Eintöpfe und große Braten, denen durch lange Garzeiten kräftig eingeheizt wurde, sind deshalb im Winter sehr beliebt und tun wohl.

    Je nach Konstitution und Notwendigkeit temperierst du sie mit unterschiedlichen Gewürzen. Wärmende Gewürze, die in Wintergerichten nicht fehlen sollten, sind: Muskatblüte und Muskatnuss, Safran, Kakao, Senf, Pfeffer, Koriander, Gewürznelke, Zimt, Vanille, Kardamom, Galgant, Anis, Ingwer und Honig. Auch Rosinen geben eine gewisse Würze und wirken noch dazu verbessernd auf das Phlegma.

    Wenn die Tage kurz sind, wenn das Sonnenlicht fehlt, gilt es die Nerven zu stärken: Mandeln, Kamille, Melisse, Thymian, Rose, Pfeffer, Zwiebeln und Äpfel sind nun einfach gut. Warme Speisen und Getränke durchwärmen den Körper. Bewegung aktiviert. Ja, verzichte nicht auf Bewegung an der frischen Luft! Doch Obacht. Betreibe Sport, wenn es hell ist und nicht spätabends, denn die Kälte, die du über die Lungen aufnimmst, kühlt auch dein Herz. So liegt es nahe ein wärmendes Gericht aus den Schätzen der kalten Jahreszeit zu zaubern.

    Eine wunderbar sämige Maronicremesuppe
    Vorgegarte Maroni, Butter, fein gehackte Zwiebel und eine Knoblauchzehe sowie eine Prise Zucker dünsten. Mit etwas Weißwein ablöschen und mit Gemüsesuppe aufgießen. Klein geschnittene Kartoffelstückchen dazugeben und weich kochen. Die Suppe pürieren und mit Mandel- oder Haferdrink auf die gewünschte Konsistenz bringen. Nochmals erhitzen und mit Salz, Pfeffer, frisch geriebenem Muskat und zerstoßenen Fenchelsamen abschmecken. Als Einlage passen geröstete Maroni oder Schwarzbrotwürferl. Wusstest du, dass Maroni einst sogar eine Hauptnährquelle waren? Als Getreide noch teuer und Mangelware war, griff man zu Kastanien.

    TEM-Steckbrief

    • Element Feuer
    • Qualitäten-Mischung warm 1 & trocken 1
    • Geschmack süßlich, nussig, schleimig
    • Wirkung nährend, schwer verdaulich … wenn nicht richtig zubereitet

    Guten Appetit und temperamentvolle Grüße.
    Schön, dass Du da bist, auf dich achtest und dich nährst!

  • Unter dem Mistelzweig

    Unter dem Mistelzweig

    Immergrüne Pflanzen spielen in unseren Ritualen als Symbolik für das Licht und die Wiederkehr der Sonne eine große Rolle – vor allem in der Weihnachtszeit. Tannenbaum, Stechpalme, Efeu und die Mistel zählen zu diesen Pflanzen.

    Die Mistel war bei den Kelten ein Symbol des Friedens, die mit Obacht und Vorsicht geerntet wurde. Nicht nur in der keltischen Mythologie werden über die Mistel faszinierende Geschichten erzählt. Bei den Römern und Griechen galt sie als heilige Zauberpflanze und als Symbol für Glück, Mut, Gesundheit und Fruchtbarkeit.

    Die Mistel ist eine strauchartige Pflanze, die schwebend über dem Erdboden auf Bäumen wächst. Bei ihr ist botanisch vieles anders. Vielleicht war sie auch deshalb bei den Druiden der Kelten die Heiligste aller Pflanzen und fand ihren Weg rasch in die Traditionelle Medizin. Die Mistel wird seit mindestens 2500 Jahren arzneilich genutzt. Von Hippokrates, Dioskorides, Paracelsus und Tabernaemontanus bis in die heutige Zeit wurde und wird die Mistel zu therapeutischen Zwecken verwendet.

    Der Name Mistel (Viscum album) stammt vermutlich von dem germanischen Wort „mitsa“, „Dünger, Exkremente“. Die Bezeichnung „viscum“ stammt aus dem Lateinischen von „klebrig“, wie die Früchte. Sie vermehrt sich fast ausschließlich über den Kot der Vögel, die zuvor die Beeren verzehrt haben. Dieses Gewächs kommt auf fast allen Laubbäumen vor. Dabei gelten Apfel und Pappel als besonders mistelhold; seltener ist es auf dem Weißdorn zu finden, nicht etwa auf der Rot-Buche oder auf Walnussbäumen. Je nach Wirtsbaum werden Viscum album mehrere Unterarten zugeordnet; solche die auf Laubbäumen wachsen sowie solche die auf Nadelgehölzen zu finden sind. Die Eichenmistel (Loranthus europaeus) wird zu einer anderen Art gezählt; sie wächst zumeist auf Eichen und Edelkastanien und fruchtet anders als die weißbeerige Mistel im Spätsommer.

    Die Mistel ist etwas Besonderes! Sie weist eine antizyklische Vegetation auf und richtet sich gegen den Jahreslauf. Sie blüht im Winter und bildet etwa 9 Monate später Früchte – kein Wunder, dass die Menschen Vergleiche mit sich selbst zogen und sie aus diesem Grund als fruchtbarkeitsfördernde Pflanze nutzten. Darüber hinaus wächst sie anders als die meisten Pflanzen nicht nach oben, orientiert sich nicht nach der Schwerkraft. Sondern Sie breitet sich nach allen Seiten aus, im Zweifel auch nach unten. Obwohl die Mistel Früchte bildet, die uns wie Beeren erscheinen, handelt es sich dabei um keine Früchte in botanischem Sinne. In den Scheinfrüchten ist der Embryo direkt ohne Schutz durch eine Samenschale in einer schleimig-klebrigen Masse eingebettet. Diese zeigen keinerlei Signalfarbe, obwohl sie auf die Verbreitung durch Vögel ausgelegt sind. Weiters haben sie keine Wurzel, sondern ein sogenanntes Haustorium, einem Organ zur Nährstoffaufnahme. Die Blätter sind, anders als bei Laubblättern üblich, oben und unten identisch. Die Zweige sind gabelig verzweigt, wodurch die Pflanze kugelige Strukturen hervorbringt, bis zu einem Meter im Durchmesser, bei einem Alter von ca. 70-80 Jahren. Interessant ist auch, dass die Mistel auf Bäumen wächst, die der Mensch gepflanzt hat; im Wald ist die Mistel kaum zu finden. Von all den Eigenheiten ist abschließend noch anzumerken, dass die weißbeerige Mistel in Mitteleuropa ein Nischendasein führt. Alle anderen etwa 100 Mistelarten kommen in tropischen und subtropischen Zonen vor.

    Die Mistel wird gemeinhin als Halbparasit beschrieben. Bedenkt man jedoch, dass ein Apfelbaum zwischen 50-70 Jahre und eine Mistel ca. 80 bis über 100 Jahre alt werden kann, so stellt sich die kritische Frage, ob hier nicht eher eine Symbiose mit Verlängerung des Lebens des Wirtsbaumes vorliegt. Kontroversiell zu betrachten ist auch die Giftigkeit der Pflanze, die für alle Pflanzenteile belegt wird. Am giftigsten gelten die Misteln von Ahorn, Linde, Walnuss, Pappel und Robinie. Am wenigsten giftig scheinen jene vom Apfelbaum zu sein. Von der Apfelmistel sind die Beeren mit einem süßlich schleimigen Aroma essbar, die Knospen sind knackig und wenig aromatisch. Früher galten Misteln als proteinreiche Futterergänzung für landwirtschaftliche Tiere.

    Während die Mistel seit alters her als Schutzpflanze gegen Verfluchungen und Dämonen verwendet wurde, folgte im Mittelalter der Gebrauch gegen Anfallsleiden wie Epilepsie. Da sie als warm und feucht beschrieben wird, kommt sie nach der Traditionellen Medizin gegen trockene und kalte, also melancholische Zustände zum Einsatz, wie etwa bei Verhärtungen, oder bei Störungen von Leber und Milz.

    Ihre Signaturen sind unterschiedlicher Natur. Als immergrüne Pflanze ist sie der Sonne zugeordnet, die männliche Pflanze hat sogar eine Tendenz zum Güldenen und Sonnenhaften. Dadurch gilt die Mistel als glückbringend, aber auch als Pflanze für das Herz und dessen Erkrankungen. Die weibliche Pflanze ist eher grünlich. Ihre kugelige Gestalt und auch die weißen Beeren weisen auf die Signatur des Mondes hin. Daraus resultiert die mögliche Anwendung bei Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, des Immun- und Lymphsystems sowie als Pflanze bei Störungen im Fortpflanzungssystem. Die Mistel erscheint als würde sie schweben – ein dem luftigen Merkur zugeordneter Aspekt. Neben all dem passt sich die Mistel dem Wirtsbaum an, eine ebenso merkuriale Eigenschaft: So prägt die Eiche die Mistel eher jovial, der Apfelbaum sie stärker venerisch und der Saturn wirkt in der Tanne. Von der merkurialen Eigenschaft lässt sich die Verwendung bei Epilepsie, Krampfanfällen und auch die Wirkung auf das Immunssystem beschreiben. Unabhängig vom Wirtsbaum hat die Mistel durch ihre abgrenzende Form ebenso wie durch ihr Alter noch Aspekte des Saturns; sie lassen Rückschlüsse auf ihre Anwendung im Alter und bei chronischen Erkrankungen zu. In der Mistel kommen somit die Kräfte von Mond, Sonne, Merkur und Saturn zum Ausdruck.

    Eine weitere Signatur ist, dass in der Mistel ein höherer Säftedruck vorliegt als in der Wirtspflanze. Deshalb wird sie bei Bluthochdruck, Gefäßleiden und bei Kopfschmerzen sowie Schwindel als Zeichen von Stauungen im Kopflymphsystem oder bei Migräne gerne angewendet. Ihre vielen Eigenheiten, aber auch ihre kugelige Gestalt verweisen auf ihre Anwendung bei Knoten im Körper, wie sie bei Tumorgeschehen beobachtet wird. Relevant ist außerdem die Anwendung bei gutartigen Knoten wie Zysten, Myomen und bei Endometriose.

    Die Inhaltsstoffe in der Mistel sind Proteine, zu denen einerseits Lektine zählen und andererseits die Viscotoxine. Weiters finden sich Flavonoide, Phenylpropane, Lignane, aber auch andere Inhaltsstoffe, deren Zusammensetzung stark durch den Wirtsbaum geprägt wird. Die Mistellektine aktivieren das zelluläre Immunsystem, dies bewirkt eine Zerstörung von Krebszellen. Bei Mamakarzinom-Patienten wird aufgrund der Freisetzung verschiedener Stoffe eine Stimmungsaufhellung und Verbesserung der Lebensqualität beschrieben. Außerdem wird die Apoptose, eine Form des programmierten Zelltods, angeregt, das Tumorwachstum wird gehemmt. Da die Proteine im Gastrointestinaltrakt zerstört werden, werden phytotherapeutische Mistelpräparate zur Krebstherapie gespritzt.

    Arzneiliche Verwendung findet seit jeher das Kraut der Mistel. Anthroposophisch wird zunächst der Wirtsbaum unterschieden. Die Ernte erfolgt in den Wintermonaten zwischen November bis Februar. Eingeschworene Sammler brechen die Zweige einfach ab und legen sie in blaue Tücher oder Gefäße. Dadurch soll der Mistel, die seit Jahrtausenden schwebt, der Eindruck erhalten bleiben, niemals den Boden berührt zu haben. Bei Zubereitungen aus der Mistel – von Bier, über Frischsäfte bis zu Tinkturen oder Wein sowie Ölen und Salben – wird oft jede Erwärmung über 40°C vermieden. Die weißbeerige Mistel wächst in unseren kalten Breiten, Wärme obliegt ihr wenig. Die traditionellen Teebereitung-Rezepte empfehlen Kaltauszüge. Die Zubereitungen werden gerne mit anderen Arzneien gemischt: Mit dem Weißdorn und Gold etwa für das Herz oder mit dem Frauenmantel bei Frauenleiden.

    Neben der Verwendung des Krautes ohne den Beeren und dessen Extrakten werden auch die Knospen arzneilich verwendet. Das Wirkprofil entspricht dabei im Großen und Ganzen den bereits genannten Indikationen. Als seelischer Aspekt ist jedoch eine Besonderheit zu nennen, die aus dem Wachstum der Pflanze abgeleitet werden kann. Die Mistel wächst gerne in und an Störfeldern, etwa unter Strommasten. Das Gemmomazerat ist folglich für Menschen gedacht, deren Mitte beeinträchtigt ist, wodurch sie psychisch wanken und dabei zu körperlicher Verhärtung neigen. Das Gemmomazerat bringt diesen Menschen die Ausgeglichenheit zwischen Sonne und Mond, gibt ihnen die Leichtigkeit zurück und hilft so den eigenen Wünschen treu zu bleiben.

    Den meisten Menschen ist die Mistel als Zierzweig für die Zeit rund um Weihnachten bekannt oder als „böser“ Schmarotzer, der die Bäume entkräftet und schließlich zerstört. In heilkundlichen Kreisen bietet die Mistel heute ein breites Band an Indikationen und Anwendungsmöglichkeiten. Die Forschung liefert immerfort neue Erkenntnisse und auch die Erfahrungsheilkunde wird stetig in ihrem Wissen erweitert. Gewissermaßen wächst die Kunde um die Mistel in alle Richtungen, so wie die Pflanze selbst.

    Rezept Mistelwein

    • 80-100 g frisches Kraut ohne Beeren oder
    • 40 g getrocknetes Kraut
    • 1 Liter süßer Bio-Wein

    Die Mistel wird mit einem Keramikmesser klein geschnitten, anschließend in eine Weithalsflasche gefüllt und mit einem Liter Bio-Wein übergossenen. Die Mischung wird für 3-4 Tage stehen gelassen, danach ein Tuch filtriert und in eine dunkle Glasflasche gefüllt. Dieser Wein gehört zur Lagerung in den Kühlschrank. Als Kur werden täglich 3-4 Stamperl empfohlen.

    Rezept Teemischung bei Arteriosklerose nach Kneipp

    • 20 g Mistelkraut
    • 20 g Schachtelhalmkraut
    • 20 g Hirtentäschelkraut
    • 15 g Löwenzahnwurzel mit Kraut
    • 15 g Kardobenetiktenkraut
    • 15 g Rautenkraut
    • 15 g Schafgarbenkraut

    Die einzelnen Bestandteile werden vermischt. Eineinhalb Teelöffel der Mischung werden in 200 ml kaltem Wasser angesetzt und acht Stunden stehen gelassen. Der Auszug wird durch ein Sieb gegossen. Die Kräuter werden nun mit 200 ml heißem Wasser überbrüht und 10-15 Minuten ausgezogen. Die Kräuter werden abfiltriert und der Kaltauszug mit dem Heißauszug vermengt. Die 400 ml Tee werden über den Tag verteilt getrunken.