Monat: Juni 2021

  • Die Organpflege im Jahreskreis

    Die Organpflege im Jahreskreis

    Juni-Zwillinge-Merkur

    Die Reise durch den Körper geht im Juni weiter zu den Körperzonen Schultern, teilweise Lungen, Arme und Hände.

    Interessant und stark ist im Juni generell die Zeit um Johanni (24. Juni). Die Sommersonnenwende am 21.06.21 fällt auf einen besonderen Lichttag, der Johanni und die Tage danach nochmal zu unterstützen vermag. Heilpflanzen, welche an diesen Tagen mit höchster Lichtentfaltung gesammelt werden, tragen eine besonders starke Heilkraft in sich. Die gelb blühenden unter ihnen werden beispielsweise bei akuten Krankheiten und weiteren Ritualen im Jahreslauf eingesetzt.

    Die Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae) sollten besondere Beachtung erfahren. Sie liegen als vier linsengroße Einzelorgane an der Rückseite der Schilddrüse. Oft werden diese „unbeabsichtigt“ bei einer Schilddrüsenoperation entfernt, was u.a. zu Überregung von Nerven und Muskeln führt. Ihre wichtigste Funktion ist die Absonderung komplexer Sekrete mit dem lebenswichtigen Parathormon, ein Peptidhormon, das die extrazelluläre Kalziumkonzentration reguliert. Sinkt die Konzentration ab, kommt es zu einer Freisetzung aus den Knochen, wo das meiste Kalzium gespeichert ist. Schilddrüsenunterfunktion oder -überfunktion und beide Beschwerden im Wechsel, besonders bei Frauen, sind die Folge und verursachen weitere Beschwerden. Hier ist eine breitgefächerte, genaueste Anamnese erforderlich. Flor de Piedra, die Steinblüte kann zu Beginn einer Störung u.U. ein Mittel der Wahl sein.

    „Schwere Last auf den Schultern mit sich herumzutragen“, „sich Verletzlichkeit in Beziehungen nicht stellen“ und „Dickdarmprobleme“ können einige Winke sein, sich um eine Behandlung beim Heilpraktiker, Masseur oder um ein entspannendes Bad zu kümmern. Wetterumschwünge ereignen sich häufig an Zwillingetagen. Merkur lässt grüßen, wie etwa am 09./10./11.Juni 2021. Daher können sich rheumatische Beschwerden und Zipperlein an Zwillingetagen schneller bemerkbar machen und vorbeugend sehr effizient gepflegt werden.

    In vergangenen Zeiten wurde bei rheumatischen Schmerzen ein Bettbezug/Kissen mit Farnkräutern wie Straußfarn (Matteuccia struthiopteris) oder Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) ausgelegt, worauf der Patient sich legte. Oder man bereitete einen Farngeist zu, der als Einreibung gute Dienste leistete. Der ist übrigens heute noch von Vorteil, im Rucksack mit auf die ausgedehnte Wanderung zu nehmen. Nach einem herrlich belebenden Kneipp-Fußbad im Bergbach auf die Beine eingerieben, kann er müde Wanderfüße auf merkuriale Weise von Schlapp auf Munter umstimmen/aktivieren. Von einer innerlichen Anwendung von Farntinktur muss abgeraten werden, da Farne zu einem ganz anderen Arzneimittel- und Diagnosespektrum gehören. Sie stehen auch unter Naturschutz. Es ist jedoch bekannt, dass alles an Kräutlein Brauchbare um uns herum wächst und diese Hilfe ganz bescheiden anbietet.

    An dieser Stelle sei ein bewährtes Rheuma-Kräuterwein-Rezept ohne den giftigen Farn weitergegeben:
    Wacholdernadeln 10g, Erikablüten 20g, Tausendgüldenkraut 10 g, Ebereschenbeeren 50 g, Faulbaumrinde 10 g (die sollte bereits 1 Jahr vor Gebrauch gelagert worden sein), Weidenrinde 20 g, Quecke 20 g in der Apotheke mischen lassen; auf 1 l Apfelwein nimmt man 30 g davon, setzt kalt an, lässt 2 Min. kochen und 10 Min. ziehen, seiht ab, presst aus und trinkt untertags ¼ l schluckweise.

    Aderlass, Heilfasten, Saunen, gezielte Körperübungen und Ernährungsumstellung und/oder die Änderung kalter Wohnverhältnisse (Schimmel) schaffen grundlegende Voraussetzungen im Heilungsprozess des vielschichtigen rheumatischen Formenkreises (www.rheuma-liga-hamburg.de).

    Verschiebungen im Bereich des 12. Brustwirbels oder verborgene Eiterherde an Zähnen begünstigen schleichendes Rheuma genauso wie Fehlernährung und die geistigen Einladungen an sich selbst, „…wie bitter doch das Leben schmeckt…“ oder „…wenn mich schon niemand liebt, brauche ich nichts vom Leben zu erwarten…“. Leider übersieht man dabei die Geschenke der Güte und Milde vor den tiefsitzenden, hartnäckigen Erwartungserfüllungen.

    Zum Schultergürtelbereich zählen also Drüsen, Lungen, Arme und Hände.

    ATMEN: Ein- und Ausatmen beschreibt den Charakter des Zwillinge-Geborenen in seinem schnellen Aufnehmen und wieder abgeben. Manchmal eben zu schnell, aus seiner Leichtigkeit heraus.

    Eine Duft-Übung aus dem Mönchs-Qi-Gong veranschaulicht das richtige Atmen ganz besonders: Stell dich so gerade wie möglich hin, die Beine einen Fußbreit auseinander, etwas locker in die Knie gehend und damit aus der Hüfte wirkend. Der Kopf richtet sich auf, das Kinn etwas nach Hinten gerichtet, die Augen verlieren sich in der Landschaft. Die Schultern „hängen herab wie reife Äpfel vom Baum“, die Handinnenflächen und Arme nach außen gestreckt. Langsam einatmen und dabei Arme über den Kopf führen. Dabei langsam und bewusst EINATMEN, bis die Arme gestreckt und die Hände betend über dem Kopf zusammenkommen. Fingerspitzen gegenüberstellen, gestreckte Arme langsam vor sich nach unten bewegen, dabei langsam und gut hörbar all das AUSATMEN, was du nicht mehr brauchen kannst. Hände seitlich ablegen. 10 Mal wiederholen und anschließend NACHSPÜREN.

    Durchblutungsstörungen, kalte Hände oder ein geschwächter Kreislauf können erste Symptome wie oben beschrieben aufzeigen. Hier helfen für den Beginn einer Stärkung Bürstenmassagen, Bewegung und die Einnahme von genügend warmer Flüssigkeit. Die Signatur dazu kann z.B. mit einem kribbeligen Gefühl in Arm und Finger auf das Merkuriale, Sprunghafte, Bewegende, Rastlose hinweisen. Dies beinhaltet schon die neugierig gestellte Frage, woher das kommt und in welchem Zusammenhang diese Symptome stehen.

    Merkur ist des Zwillings Planet, als Vermittler zwischen Sonne und Mond. Dem strahlenden Äußeren und dem tiefer liegenden Innerverborgenen. Denken und Sprechen nähren den Verstand und die Logik. Die Begegnung zwischen dem Offenbaren und tieferen Sein macht sich breit.

  • Naturheilpflanze Hanf

    Naturheilpflanze Hanf

    Cannabidiol in der Humanmedizin

    Die Hanfpflanze ist eine der ältesten vom Menschen kultivierten Pflanzen und begleitet uns seit jeher. Erste Aufzeichnungen über ihre medizinische Anwendung finden sich bereits im alten Ägypten und der altindischen Ayurveda-Heilkunde. Verarbeitet zu CBD Produkten, erlebt die Pflanze in der Naturmedizin eine Renaissance. Doch was steckt hinter der Kraft des Hanfs?

    Natürliche Unterstützung
    CBD steht für Cannabidiol. Es ist einer von mehr als 150 in der Hanfpflanze enthaltenen Inhaltsstoffen. Die zwei bekanntesten Inhaltsstoffe sind THC und CBD. Im Gegensatz zu THC wirkt CBD jedoch nicht berauschend und ist somit völlig legal. CBD ist kein Wunder- oder Allheilmittel, es kann aber, aufgrund seiner wohltuenden Eigenschaften, in der naturgestützten Medizin eingesetzt werden. 1

    Wechselspiel
    Cannabidiol bildet einen Schutzschild für unser seelisches und körperliches Gleichgewicht. Eine große Rolle spielt dabei das Endocannabinoidsystem, kurz ECS. Es ist fester Bestandteil des Nervensystems und unter anderem für die Schmerzregulierung sowie das körperliche Wohlbefinden verantwortlich. Durch ein Zusammenspiel der körpereigenen CB1- und CB2-Rezeptoren und des ECS gelangt das CBD in unseren Blutkreislauf. 2

    Wie bei jedem Präparat, kann es auch bei CBD Produkten zu Wechselwirkungen kommen. In der Kombination mit Medikamenten ist daher Vorsicht geboten. CBD kann die positive Wirkung von Medikamenten verstärken, es kann aber auch die jeweiligen Nebenwirkungen beeinflussen. Rein durch CBD ausgelöste Nebenwirkungen, wie Durchfall, wurden bisher nur bei sehr hohen Dosierungen verzeichnet. 3

    1, 2, 3 vgl. Dr. med. Pleyer, Iris, Mag. Michael Hlatky, Philipp Hlatky MA, Cannabidiol – ein natürliches Heilmittel des Hanfs., 2. Auflage, Wien, Verlagshaus der Ärzte GmbH, 2020

    Mehr Wissen, mehr Gesundheit
    Der Verkauf von CBD boomt. ExpertInnen warnen vor unreinen Produkten aus fragwürdiger Herkunft. Wie können wir sicher sein, welches Produkt auch hält, was es verspricht?

    Sind Alkohol oder andere wirkungsbeeinträchtigende Stoffe enthalten? Hat das Produkt tatsächlich den genannten CBD Gehalt? Wurde ein Verkehrstauglichkeitstest durchgeführt? Das alles sind keine unwesentlichen Fragen. Das österreichische Unternehmen HEROSAN etwa ist Spezialist für innovative Gesundheitsprodukte. In Zusammenarbeit mit ExpertInnen aus dem Gesundheitsbereich setzt sich das Unternehmen für die Schaffung von Qualitätsstandards für CBD Produkte im EU-Raum ein.

    „Seriöse Anbieter erkennt man an einer transparenten Arbeitsweise im gesamten Herstellungsprozess. Qualität beginnt schon beim Anbau des Hanfs und endet mit regelmäßigen Analysen in akkreditieren Laboren. Vor der Anwendung sollten Endverbraucher unbedingt ExpertInnen zu Rate ziehen“, meinen Conny Pint und Daniel Taurer – CEOs der HEROSAN healthcare gmbh.

    Vom Steckling zum CBD Tropfen
    Ideal ist, die Produktion – vom Samen bis zum fertigen Produkt – aus einer Hand und zu 100% aus Österreich. Denn auf hauseigenen Glashaus-Plantagen können handgezogene, biozertifizierte Hanfpflanzen kontrolliert und geschützt heranwachsen. Im unternehmenseigenen Labor kann dann Cannabidiol per schonendem CO2-Extraktionsverfahren aus den Hanfpflanzen entnommen und zu hochreinen CBD Produkten verarbeitet werden.

    Sie möchten einen Blick hinter derartige die Kulissen werfen? Etwa die Fa. HEROSAN bietet derartiges auf 20 Hektar Gesamtfläche in Graz und Umgebung an und freut sich über Ihren Besuch auf der Plantage. Gerne können Besichtigungen der Plantage auch kurzfristig gegen telefonische Voranmeldung organisiert werden. Weitere Informationen unter www.herosan.at.

    Im Interview mit MedR Dr. med. univ. Gudrun Lorenz-Eberhardt
    MedR Dr. med. univ. Gudrun Lorenz-Eberhardt ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Sie erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen in der Behandlung ihrer Patientinnen mit Cannabidiol.

    Wofür kann Cannabidiol in der Humanmedizin eingesetzt werden?
    Moderate Schmerzzustände, Hauterkrankungen, Schlafstörungen oder Menstruationsbeschwerden sind nur einige wenige Beispiele für die breitgefächerten Einsatzgebiete. Aus meiner Sicht liegt die bedeutendste Anwendung in der begleitenden Therapie von chronischentzündlichen Erkrankungen und Schmerzzuständen.

    Was sind Ihre persönlichen Erfahrungswerte in der Behandlung Ihrer Patientinnen?
    Sehr gerne biete ich Patientinnen CBD als alternative Behandlungsmöglichkeit an.

    Bei Menstruationsbeschwerden und bei, durch die sogenannten Wechseljahre bedingten Symptomen, wie Schlafstörungen, Gelenks- und Muskelschmerzen, Hautveränderungen oder bei Neigung zu Infekten, empfehle ich die Anwendung von CBD Öl. Die Tropfen sollten mit der Pipette unter die Zunge oder an die Wangenschleimhaut aufgebracht werden. Bei Schmerzen während der Monatsblutung ist auch das Beträufeln eines Tampons hilfreich.

    Bei gehäuften Scheideninfektionen und bei trockener Scheide können bei regelmäßiger lokaler Anwendung von CBD Cremen, Salben oder Suppositorien sehr gute Behandlungserfolge erzielt werden.

    Welche Erkenntnisse haben Sie bisher über medizinische Hanfprodukte gesammelt?
    Eine für mich erstaunliche Erfahrung war es, als eine Patientin mit einem chronischen Exanthem an einer ihrer Hände zufällig zu mir kam. Seit 20 Jahren hatte sie viele erfolglose Therapien hinter sich. Durch den Einsatz einer CBD Salbe bildeten sich die Hautveränderungen sehr rasch zurück – und das auf Dauer.

    Manche Patientinnen mögen den Geschmack von CBD Öl nicht. Hier kann ich einen Löffel Joghurt oder ein Butterbrot zur Geschmacksneutralisierung empfehlen, denn Wasser sollte erst wieder eine halbe Stunde nach der Einnahme des Öls getrunken werden.

    Was raten Sie ExpertInnen, die mit dem Einsatz von CBD beginnen möchten?
    Haben Sie keine Scheu und versuchen Sie es einfach! Medizinische CBD Produkte sind eine zusätzliche Option in der Behandlung vieler PatientInnen. Beginnen Sie langsam und erhöhen Sie die Dosis auf den individuellen Bedarf des jeweiligen Menschen abgestimmt.

    Es gibt bereits eine große Menge an guter Fachliteratur zu diesem Thema. Beispielsweise kann ich die Fachlektüre „Cannabidiol – ein natürliches Heilmittel des Hanfs.“ von Dr. med. Iris Pleyer empfehlen.

  • Die Milz – ein fast vergessenes Organ

    Die Milz – ein fast vergessenes Organ

    Teil 3

    Zum Abschluss möchte ich Ihnen sechs Heilpflanzen vorstellen, die einen besonderen Wirkungsbezug zur Milz haben: Ceanothus americanus, Grindelia robusta, Scolopendrium vulgare, Fumaria officinalis, Borago officinalis, Scilla maritima (Aktuell: Drimia maritima)

    Ceanothus americanus

    • Deutsche Namen: Säckelblume, Amerikanischer Seckelstrauch
    • Galenik: Ceantothus ø, oder potenziert, optimale Wirkung als Ceanothus D2
    • Humorale Qualität: w 2 / f 2
    • Wirkungskriterien: Erwärmend, befeuchtend, eröffnend
    • Säftebezug: Fördert die Ausscheidung der Schwarzgalle durch die Milz.
    • Indikationen: Chron. Anämie (gut in Kombination mit Urtica), eröffnet die verstopfte Milz und Leber. Vergrößerte, harte Milz mit Schmerzen im linken Oberbauch, depressive Stimmung
    • Besonderheiten: Pflanze wird in der alten Literatur nicht erwähnt. Die Angaben sind Rückschlüsse aus der praktischen Anwendung und homöopathischer Literatur.
    • Irisdiagnostische Hinweiszeichen: Dunkle Verbreiterung des Ziliarrandes, beige, graue, schwarze Pigmentierung (topolabil)
    • Konstitutionstherapie: Anämische Konstitution, melanchologene Konstitution

    Grindelia robusta

    • Deutsche Namen: Grindelia, Grindeliakraut, Milzkraut
    • Galenik: Hb. Grindeliae, Grindelia ø, homöopathische Potenzen, spagyrische Zubereitungen
    • Anwendungsmöglichkeiten: Hb.: Infus (1 gehäufter TL pro 0,25 l Wasser, 5 Min. ziehen lassen)
    • Humorale Qualität: w2 / t2
    • Säftebezug: Erwärmt und leitet zähen, rohen Schleim aus
    • Indikationen: Chron. Bronchitis, Asthma bronchiale, Lungenemphysem (Chronische Lungenerkrankungen, bes. Asthma bronchiale auf der Basis einer Milzschwäche), Milzschwellung, Seitenstechen
    • Irisdiagnostische Hinweiszeichen: Stauungsradiären oder – transversalen im Milzsektor, Krankheitsbezug Milz – Lunge
    • Besonderheiten: Die Pflanze wird erst seit Ende des 19. Jahrhunderts in Europa als Heilpflanze verwendet. Daher findet man in der alten Literatur keine Angaben.
    • Die aufgeführten humoralen Qualitäten leiten sich aus der Wirkungsweise ab.
    • Konstitutionstherapie: Melanchologene Konstitution, katarrhalisch-rheumatische Konstitution

    Scolopendrium vulgare

    • Deutsche Namen: Gemeine Hirschzunge, Hirschzungenfarn
    • Galenik: Hb. Scolopendrii, Scolopendrium ø, Homöopathische Niedrigpotenzen, spagyrische Zubereitungen
    • Anwendungsmöglichkeiten: Hb.: Infus (1 gehäufter TL pro 0,25 l Wasser, 5 Min. ziehen lassen)
    • Humorale Qualität: k 2 / t 2 (?) Diese Angabe in der traditionellen Literatur muss angesichts des therapeutischen Einsatzbereiches der Pflanze kritisch hinterfragt werden. Die praktische Anwendung lässt w1 / f1 erkennen.
    • Wirkungskriterien: Entstauend, zusammenziehend, verdünnend
    • Säftebezug: Trocknet und verzehrt zähen Schleim, kühlt unnatürliche Hitze, zerteilt melancholische Säfte
    • Indikationen: Wichtiges Milzmittel: Milzverstopfung, Milzschwellung, Milzsucht, Seitenstechen, Leberverstopfung, plethorische Zustände von Leber und Milz (Pfortaderstauung), Magenschmerzen: Erwärmt und trocknet den Magen von Schleim
    • Blutige Durchfälle und andere Bauchflüsse, Beschwerden durch melancholisches Phlegma: Schwere Träume, Schwermut, Traurigkeit, reinigt das Blut, stärkt das Herz
    • Irisdiagnostische Hinweiszeichen: Krausenektasierung im Milz-Sektor (li. Auge, 4 Uhr), Transversalen im Milz-Sektor (Alle Plethora-Zeichen)
    • Konstitutionstherapie: Melanchologene Konstitution, plethorische Konstitution, Skrofulose

    Eine geradezu geniale Kombination von Pflanzen, die den Bauchraum entstauen (Plethora der Pfortader), enthält das Scolopendrium Spezial der Fa. Nestmann*. In diesem Mittel ist die Hirschzunge (Entstauung der Milz) kombiniert mit der Mariendistel (Entstauung der Leber), dem Wurmfarn (Entstauung der Darmlymphe) und der Taubnessel (nimmt Schärfen aus dem Schleim, dämpft dadurch Reizungen).

    * Das Mittel ist unter dieser Bezeichnung in Deutschland nicht mehr im Handel, kann aber in Deutschland als „Sonderrezeptur Mischung 275 Nestmann“ in einer Mindestmenge von 1 Liter von Apotheken bei dem Hersteller bezogen und auf Rezeptur durch einen HP (oder Arzt) an Patienten abgegeben werden.

    Fumaria officinalis

    • Deutsche Namen: Erdrauch, Ackerrautenkraut, Grindkraut, Tabernaemontanus: Taubenkropff
    • Galenik: Hb. Fumariae, Tct. Fumariae, ø, homöopathische Potenzen, spagyrische Zubereitungen
    • Anwendungsmöglichkeiten: 1 TL / 0,25 l Wasser, Infus über 10 Min.
    • Humorale Qualität: w 1 / t 2
    • Wirkungskriterien: Zerteilend, verdünnend, durchdringend, eröffnend, stärkend, eröffnet verstopfte Eingeweide, bes. Magen, Milz und Leber
    • Säftebezug: Besänftigt die Gallen (Cholera und Melancholera), leitet versalzene und verbrannte Feuchtigkeit aus. Reinigt das grobe, dicke, unreine, melancholische und verbrannte Blut über Stuhl und Harn. Verhindert die Neubildung pathologischer Säfte.
      Fumaria ist eine der wenigen Pflanzen, die sowohl cholerische, als auch melanchcholische Säfteverunreinigungen ausleiten kann.
    • Indikationen: Gelbsucht, Wassersucht, Chron. Ekzeme („Grind, Krätze“), hyperkinetische Syndrome des Magen – Darm – Traktes und des Leber – Galle – Systems, Bleichsucht
    • Besonderheiten: „Diese Arzney reiniget das unsauber / dick / melancholisch Geblüt dermaßen / dass sich zu verwundern / führet darneben auß die Gall / alle cholerische und faule verlegene Feuchten und verhütet vor vielen schädlichen Krankheiten: Es sollte ein jeder / der seine Gesundheit lieb hätte / ihme diese Arzney / als einen theuren Schatz lassen befohlen seyn.“ (Tabernaemontanus)
    • Irisdiagnostische Hinweiszeichen: Reizfasern im Leber – Galle und / oder Milzsektor
    • Konstitutionstherapie: Melanchologene Konstitution (mit Reizfasern im Milzsektor), chologene Konstitution

    Borago officinalis

    • Deutsche Namen: Borretsch, Gurkenkraut
    • Galenik: Hb. Boraginis, Borago ø, spagyrische Zubereitungen
    • Anwendungsmöglichkeiten Droge: Infus, (1 gehäufter TL pro 0,25 l Wasser, 5 Min. ziehen lassen). In der alten Heilkunde wurden die Blüten viel verwendet. Dies ist aber nur für Menschen möglich, die an frische Blüten gelangen können, weil diese nicht über die Apotheken verfügbar sind.
      Häufig empfohlene Zubereitung: Auszug in Wein. Blätter und Blüten als Gewürz (macht Gurken verträglicher) oder in Salaten.
    • Humorale Qualität: w 2 / f 2
    • Wirkungskriterien: Reinigend, erweichend
    • Säftebezug: Korrigiert melancholische Säfte, reduziert überhitzte Gelbgalle
    • Indikationen Int.: Stärkt das Gedächtnis und das Herz und wendet die melancholische Traurigkeit vom Herz ab. Reinigt das Blut von Melancholera und Cholera, Traurigkeit, Melancholie. Herzzittern (Tachycardie, Extrasystolen) durch Hitze: Hb und Flor. Infus in Wasser; Herzzittern durch Kälte: Hb und Flor. Infus in Wein; Trockener Husten; Rauheit des Halses; Hitzige, hartnäckige Fieber; Kopfschmerzen durch Hitze; „Der gestoßen Saamen in Wein getrunken / bringet den Weibern die versiegende Milch wieder.“
      Ext.: Gurgelmittel bei allen Krankheiten von Hals, Mund, Zunge, Zahnfleisch, Heiserkeit; Rote hitzige Augen: Auflage
    • Besonderheiten: „Welchen Menschen von melancholischen Dünsten das Hirn ausgetucknet ist / der nemme Borragen und Erdrauchsaft / netze einen Schwamm oder leinen Tüchlein darinn / und lege sie über das Haubt.“ (Tabernaemontanus)
      Angesichts der großen unbewältigten Melancholie unserer Zeit (Psychopharmaka – Abusus !) ist Borrago eine Heilpflanze, die unbedingt wieder mehr Beachtung in der Therapie verdient!
    • Irisdiagnostische Hinweiszeichen: Alle Zeichen im linken Auge, die den Milz-Sektor mit dem darüber liegenden Herz-Sektor „verbinden“
    • Konstitutionstherapie: Melanchologene Konstitution. atonisch – asthenische Konstitution

    Scilla maritima (Aktuell: Drimia maritima)

    • Deutsche Namen: Meerzwiebel
    • Galenik: Scilla D4, andere Galenika sind rezeptpflichtig oder nicht mehr erhältlich.
    • Humorale Qualität: w3 / t3
    • Wirkungskriterien: Ausleitend, Eröffnend, zerteilend, durchdringend, reinigend, verdünnend
    • Säftebezug: Zerteilt und leitet kalte, zähe Feuchtigkeit aus.
    • Indikationen: Ödeme, Wassersucht: Leitet die Feuchtigkeit aus. Eröffnet Milz und Leber, treibt Schleim und Schwarzgalle über den Stuhl aus. Schwerer Atem, Erstickungsgefühl durch Schleim in der Brust
    • Wirkstofforientierte Phytotherapie: Tachykarde Herzinsuffizienz mit Ödemen, stark diuretische Wirkung
    • Irisdiagnostische Hinweiszeichen: Zeichen für Feuchtigkeitsstockung (Wolken, Tophi, nebelartige Zeichen) in Kombination mit Schwächezeichen im Milz-Sektor (Abdunkelung, Lakunen, Lockerungszeichen, Krypten)
    • Konstitutionstherapie: Hydrogenoide Konstitution, plethorische Konstitution, melanchologene Konstitution
    • Besonderheiten: Die heutige Haupindikation dieser Pflanze (Myokardinsuffizienz mit Ödemen) dürfte eine Sekundärwirkung der Milzwirkung sein: Die Stimulation sowohl der Schleimbewegung als auch die Ausleitung melancholischer, energetisch blockierender Säfte verbessert die Energieversorgung auch des Herzens. Die Ausleitung überschüssiger Feuchtigkeit entlastet das Herz zusätzlich.

    Die unveränderte Verbreitung dieses Textes, sowie seine Verwendung als Zitat in anderen Veröffentlichungen ist unter Angabe des Verfassers und der Quelle ausdrücklich gestattet und erwünscht! Der Autor bittet darum, über die Verwendung des Textes informiert zu werden.

  • Bogenschießen aus der Mitte in die Mitte

    Bogenschießen aus der Mitte in die Mitte

    „Mit einem Pfeil kannst Du nicht zwei Ziele treffen“ – (Sprichwort)

    In der Ausführung des Bogenschießens begegnen wir im wahrsten Sinne des Wortes un-terschiedlichen Dreh- und Angelpunkten von Wirkkräften, um deren Gleichgewicht wir auch im Alltag ringen. Um mit einem Pfeil ein gewähltes Ziel zu erreichen, bedarf es ei-ner sicheren Verankerung, einer zentrierten Vertikalachse, einer inneren Sammlung und Ausrichtung, einer kontrollierten Spannung und eines ruhigen Lösens derselben. Die Meis-terschaft all dessen in einem fließend ineinander über Gehen kommt aus der Auseinan-dersetzung mit und der Beherrschung von all diesen Kräften in uns selbst.

    Die Verankerung (elementares Wasser)
    Die Verbindung der eigenen Wurzeln mit dem Boden ist das Abbild der Sicherheit im ei-genen Stehen. Aus dem in sich Ruhen kommt die Kraft, die von dem, worin wir verwur-zelt sind, durch Beine und Wirbelsäule nach oben gezogen wird und darin das Säulenhafte der Wirbelsäule, das stabil Tragende herausbildet. Es verkörpert, von oben betrachtet, den Mittelpunkt des Mandalas, von dem aus wir, in dem uns zu Verfügung stehenden Ma-ße, unsere Kräfte in die Peripherie lenken und nach außen Wirksamkeit entfalten können, ohne dabei unser Gleichgewicht zu verlieren.

    Das Vertrauen in die Macht unseres eigenen Standes errichtet dabei in uns einen Ruhepol, der jedwede Spannung, Emotion, Aufregung, Angst und Streben ausreichend zu kontrol-lieren vermag, sodass wir unserem Wirken eine Ausrichtung zu geben vermögen, in wel-cher sich unsere eigene Mitte im zu erreichenden Ziel widerspiegelt.

    Der fliegende Pfeil trägt in seiner Flugbahn die Ruhe der Verwurzelung mit unserem Standpunkt mit sich.

    Die vertikale und die horizontale Achse (elementare Erde und elementarer Äther)
    Wie bereits erwähnt, erhebt sich vom Boden aus die Zentralachse unseres Körpers, die Wirbelsäule getragen von unseren Beinen. Von ihr aus gehen sowohl Nerven als auch Muskeln in die Peripherie, wirken in den Handlungsspielraum, der sich um dieses Zent-rum dreht. Das koordinierte Zusammenspiel unterschiedlicher Spannungsmuster gibt uns die Möglichkeit, uns auf vielfältige Art und Weise in der Welt zum Ausdruck zu bringen, unterschiedliche Haltungen einzunehmen, Tätigkeiten auszuführen in einem Maße, bei dem wir weder Stand noch Gleichgewicht verlieren. Ein zu weites Hinausreichen über unsere Grenzen, ist in diesem Sinne gleichbedeutend damit, Beherrschung und innere Ruhe zu verlieren. Die Zentrierung ist ein Abbild der eigenen Mitte, des eigenen schöpfe-risch tätigen ICHs, aus dem heraus wir wirksam werden. In angemessener Haltung be-wahren wir den Kontakt zwischen diesem ICH und unserem Handeln und können das Eine auf das Andere beziehen. „Das war ich, der/die hier tätig war und das, was ich geschaf-fen habe, ist ein Abbild meiner Selbst, in dem ich mich wieder finde und erkenne mit all meinen Stärken und Schwächen, dem mir Bewussten und entdecke das mir noch nicht Bewusste.“

    Diese Verbindung zwischen Achse und Peripherie ist die Voraussetzung für Selbstsicher-heit und Eigenverantwortung, da die Ergebnisse unserer Ideen, unseres Entscheidens, Ausrichtens und Handelns klar mit uns selbst verbunden bleiben.

    Die Achse des gespannten Bogens zischen unseren Händen ist die Horizontale, die mit der Vertikalen ein Kreuz bildet, das Abbild des aufgefalteten Würfels, welcher Ausdruck ist für eine geerdete Stabilität, die imstande ist, große Spannungen im Gleichgewicht zu halten.

    Die Klarheit, die in dieser Haltung zum Ausdruck kommt, bildet sich in der Stabilität des Pfeilfluges ab.

    Innere Sammlung und Ausrichtung (elementares Feuer)
    Den eigenen Geist zur Ruhe zu bringen, ist die nächste Herausforderung. Da beim intuiti-ven Bogenschießen keine Zielvorrichtung benützt wird und beide Augen geöffnet bleiben, ist das Zielen weniger ein aktives, sondern eher ein sich Einschwingen auf die Mitte des Ziels. Dies ist eine Tätigkeit des Herzens, der Verkörperung des Zentrums, die sich in der Sonne als Zentrum des planetaren Systems ebenso zum Ausdruck bringt wie im Zellkern als Zentrum der Zelle und in der Pupille als Zentrum des Auges, in der Synkope des Atems oder des Herzschlags als Innehalten im rhythmischen Fluss. Diese Ausrichtung ist in ebensolchem Maße eine innere, wie es im Richten des Pfeiles auf das Ziel eine äußere ist. Der/die geübte BogenschützIn spürt, ob der Pfeil sein Ziel erreicht, sobald er die Sehne verlässt. Es ist die Verbindung von der Mitte des Herzens zur Mitte des Zieles, die entweder besteht und nicht durch den Bewegungsablauf, noch durch eine Ablenkung des eigenen Fokus gestört wird, oder eben nicht.

    Der Flug des Pfeils, in welcher die innere Mitte die äußere sucht, ist in diesem Sinne der Ausdruck dieser Verbindung.

    Spannung und Lösung (elementare Luft)
    Das Aufbringen von Kraft, die den Bogen spannt, geschieht, wenn die zuvor erwähnten Voraussetzungen geschaffen sind, aus einer ruhigen Leichtigkeit heraus, ohne Zittern – die Stärke des Bogens sollte dafür natürlich der physischen Kondition des/der Schützen/in entsprechen – und ohne Wanken. Der Pfeil ruht dabei zwischen Sehne und Bogen, die wiederum zwischen der Horizontalen der Arme aufgespannt sind. Verwurzelung, aufge-richtete Mitte, innere Zentriertheit, welche in die fokussierte Spannung einfließen, lösen sich schließlich und gehen über in ein vertrauendes Entlassen, das in ein entspanntes Nichts – Tun einmündet. Wir vertrauen den Flug des Pfeiles etwas an, das sich nun unse-rer Kontrolle entzieht, nachdem wir zuvor alles uns Mögliche getan haben, das sich im Folgenden darin zeigt, in welcher Art der Pfeil von der Sehne geworfen seine Bahn be-schreibt und aus der Verbindung mit uns in die Verbindung mit dem Ziel geht.

    Der Pfeil ist damit Abbild des von uns Entlassenen, des der Welt Geschenkten, das nun jenseits von uns sein Wirken entfaltet und darin sichtbar macht, von wessen Sehne es geschnellt ist und wes Geist es geschaffen hat.

    Bogenschießen ist so betrachtet, eine Übung in bewusster Kontaktaufnahme mit der eige-nen, einzigartigen Identität und im Loslassen all dessen, was Identifizierung ist. Das Eine entsteht im Einfließen des ICH-Wesens ins Ich-Bewusstsein, das andere durch die Be-fürchtung des Egos, nicht gut genug zu sein und dem Bestreben, Eigenschaften Anderer zu entwickeln, die es für besser hält.

    Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte
    Mullah Nasruddin, ein Till Eulenspiegel des Orients, ging mit seinen Schülern spazieren und kam dabei an einem Rummelplatz vorüber. Zielsicher steuerte er den Bogenschieß-stand an mit den Worten: „Ah, hier lässt sich trefflich Theorie mit Praxis verbinden!“

    Er nahm den ersten Pfeil, zielte und … verfehlte das Ziel um Längen. Schnell hatte sich eine Menge von Zuschauern um die kleine Gruppe geschart, die schon des Öfteren Ziel der Streiche von Nasruddin geworden waren, um vielleicht beizuwohnen, wie dieser sich nun lächerlich macht.

    Die Schüler wurden nervös, da ein Fehlen des Meisters ja auch auf die zurückfallen wür-de, die ihm folgten. Die Menge lachte ob des Versagens des Mullahs, doch dieser wandte sich mit folgenden Worten an sie: „Dies war eine Demonstration! Ich habe mich mit ei-nem Soldaten im Krieg identifiziert. Soldaten sind nervös und ängstlich, deshalb schießen sie daneben und verlieren Schlachten.“

    Er nahm den nächsten Pfeil, spannte den Bogen und schoss. Der Flug war so schwächlich, dass der Pfeil dem Ziel nicht einmal nahe zu kommen vermochte. Diesmal schwieg die Menge, da die Menschen befürchteten, wieder zum Teil eines närrischen Streiches des Mullahs zu werden.

    Dennoch sprach dieser wieder: „Ich habe mich ein weiteres Mal mit diesem Soldaten identifiziert, der bereits einmal danebengeschossen hat und nun aus lauter Angst vor den Pfeilen der Feinde nicht mehr die Kraft fand, seinen Bogen ausreichend zu spannen.“

    Ruhig nahm er den dritten Pfeil und ließ ihn, scheinbar ohne zu zielen, von der Sehne schnellen. Dieser Pfeil fand geradewegs den Mittelpunkt der Zielscheibe. Ohne ein Wort wendete sich Nasruddin dem Schießstand zu, um sich seinen Preis zu holen. Als die Men-schen begriffen, dass er keine Erklärung zum Geschehen abgeben würde, begannen sie lauthals durcheinander zu rufen.

    Nasruddin drehte sich um. „Einer soll für alle sprechen.“

    Da trat ein besonders mutiger junger Mann vor und fragte: „Ehrwürdiger Mullah, wer hat nun geschossen?“

    Nasruddin antwortete: „Das, ach das war ICH!“

    In diesem Sinne wünsche ich allen, die sich nach diesen Zeilen möglicherweise zum Bo-genschießen hingezogen fühlen, viel Freude dabei.

    Foto Künstlerische Darstellung der Statue »Teucer« von Hamo Thornycroft 1840

  • Die Dreiheit in der Natur: die philosophischen Prinzipien

    Die Dreiheit in der Natur: die philosophischen Prinzipien

    Der Sinnspruch „Alle guten Dinge sind drei“ scheint uns in einer chaotischen, wenn auch möglicherweise ausklingenden Corona Zeit als hoffnungsvoll naiver Zugang zu einer berechenbaren Weltordnung. Konnten Generationen vor uns auf eine Welt hoffen, die in einer friedlicheren und toleranteren Zukunft münden würde, so blicken die meisten von uns auf omnipräsenten und sinnentleerten Aktionismen, die nicht einmal in der Lage sind, auch nur kurzen Trost zu spenden.

    Die betäubende Wirkung der monotonen Verunsicherung und Angstmache lässt nach, Leere und Orientierungslosigkeit übernehmen gänzlich die Oberhand. Der Spruch, dass alle guten Dinge drei sein sollten, wirkt verloren und vollkommen aus der Zeit gefallen. Und weshalb sollten es genau drei sein? Warum nicht zwei oder gar vier?

    Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir es wagen, der Oberfläche des Offensichtlichen zu entfliehen und in eine Welt „dahinter“ zu blicken. Obgleich wir mit aller Kraft versuchen, eine Umgebung zu schaffen, in der die von uns erfundenen Gesetze regieren, bleiben wir gänzlich der Natur zugehörige Wesen. Damit sind wir auch den alles durchdringenden Naturgegebenheiten nicht nur unterworfen, wir sind ein Teil dieser natürlichen Prinzipien. So sind es Naturverständige und Hermetiker, die uns darauf hinweisen, dass, wenn etwas einmal vorkommt, es alleine stehen kann. Kommt es jedoch ein zweites Mal vor, so ist ein drittes unabdingbar. Das Dritte fordert ein fünftes, kann aber – so wie das eine mal – für sich selber bestehen bleiben. Ein zweites oder ein viertes scheint in dieser Abfolge nicht beständig.

    Die Stabilität der Drei kommt uns immer wieder unter. Ein Hocker mit drei Beinen ist eine stabile Sitzgelegenheit, die drei Musketiere halten zusammen und Kinder spielen Vater – Mutter – Kind; wir halten Körper, Geist und Seele zusammen; eine große Weltreli-gion hat Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist als Grundlage und Rechtfertigung ihrer Existenz gewählt. Hier lassen sich weiter zahllose Beispiele – auch triviale aneinanderreihen. Wenden wir uns einer tieferliegenden Naturbetrachtung zu, in der sich drei „Philosophischen Prinzipien“ Sulfur, Merkur und Sal zu erkennen geben. Ein Hermetiker der zwanzigsten Jahrhundert, Manfred Junius, spricht von „den notwendigen Substanzen, welche die materielle Verdichtung überhaupt erst möglich machen“. Daraus kann man folgern, dass alles manifestierte eine grundlegende Dreiheit in sich trägt und dort immer wieder mit der Drei zu rechnen ist.

    Doch richten wir unseren Blick auf diese einzelnen Aspekte. „Sulfur“ ist nicht mit Schwefel gleichzusetzen, Schwefel ist bloß eine stoffliche Manifestation, die sehr viele offensichtliche sulfurische Eigenschaften in sich bringt. Das Wort „Sulfur“ deutet auf das „Schwefelige“ in den Dingen hin: gefärbt, brennbar, ölig, feurig und scharf. Darüber hinaus sind sulfurische Eigenschaften männlich, aktiv und bewusst.

    Genauso wie Sulfur nicht das chemische Element Schwefel ist, ist Merkur oder Mercurius nicht das chemische Element Quecksilber. Im Prinzip „Merkur“ finden wir Anschmiegsames, Formbares, Passives und Unbewusstes; häufig verwendet wirkt vermittelnd und ist (Über)Träger von Informationen aller Art. In der Hermetik oder Alchymie nutzen wir die merkurialen Überträger- und Vermittlereigenschaften von Alkohol. Im arabischen Raum begegnet uns der Merkur als die bewegte Luft Ruah, im indischen Sanskrit als lebendiger Atem Prana.

    Das Prinzip „Sal“ erinnert vom Wortstamm her an unser „Salz“. Eckig, kantig, hart, starr und fix zeigt es sich uns. Als die Manifestation an sich lässt Sal die Dinge erst sichtbar und greifbar werden. Der Wortstamm „Sal“ findet sich in der Bezeichnung für die hermetische Kunst Alchymie oder wie es Alexander von Bernus schreibt, „Halchymia“, „Salzkochen“.

    Jeder Gegenstand in unserer grobstofflichen Welt beinhält diese drei Philosophischen Prinzipien, jedoch in unterschiedlichem Maße. Die Bordsteinkante aus Granit hat nur sehr wenig vom merkurialen oder sulfurischen Prinzip, hier dominiert offensichtlich das harte, starre Sal Prinzip; das Harz von Bäumen ist brennbar, ölig und es offenbart vorherrschenden Sulfur. Im selben Maß werden wir immer wieder Objekte oder Gegebenheiten vorfinden, in denen ein Prinzip offensichtlich überwiegt oder in einem ausgewogenen Maß innewohnen.

    Die Philosophischen Prinzipien haben sich Wissende zu Nutze gemacht, um Dinge zu erhöhen und dadurch verborgenen Kräfte freizulegen. Pflanzen, Steine, Metalle aber auch Tiere u. a. können entsprechend präpariert und somit „alchymisch“ aufgeschlossen werden. Mit dem geringsten Aufwand offenbaren sich für den Interessierten Adepten Bereitungen aus dem Pflanzenreich. Die Grundhandgriffe zur Darstellung der Prinzipien gelingt leicht und sind für jeden angehenden Naturverständigen in trivialer Weise zu verstehen. Beginnen wir mit der Pflanzen „Tinctur“ oder „Tinktur“. Wir nehmen Pflanzenmaterial, bevorzugt Frischpflanze, auch getrocknetes Pflanzenmaterial kann verwendet werden und übergießen mit Alkohol. Die Qualität des Alkohols als Extraktionsmittel und als der Vermittler zwischen der festen und der flüssigen Phase ist eine Entscheidende. Der industriell dargestellte Ethanol als Abfallprodukt von Syntheseprozessen ist kostengünstig in auch vergällter Form zu erstehen, jedoch nicht für die Bereitung unserer Tincturen geeignet. Augenscheinlich oder mittels einfacher chemischen Analysen handelt es sich bei Industriealkohol und bei Alkohol aus biologischen Ursprung um die selbige Substanz. Entscheidend ist die Herkunftsgeschichte. Natürlich haben wir in der Hauptsache bei beiden Fällen – im maschinell – industriellen und im biologisch – enzymatischen – die identische chemische Struktur C2H5OH, jedoch nimmt der Alkohol andere Substanzen aus seiner Entstehungsgeschichte mit. Beides wurde destilliert. Kosten wir das ethanolische Destillationsprodukt Zwetschenschnaps und vergleichen mit Marille, dann erledigen sich weitere Gedankengänge im Hinblick auf ein Stamperl destillierten Industriealkohol sowie Überlegungen, Industriealkohol für eine Pflanzentinctur zu verwenden.

    Nach ausreichend Zeit filtrieren wir ab und behalten den Filtrationsrückstand. Diesen veraschen wir und waschen mit destilliertem Wasser die löslichen Salze heraus. Der Rückstand „Caput Mortem“ kann endgültig verworfen werden, das klare Filtrat wird vorsichtig eingeengt, bis dass an der Oberfläche ein Häutchen zu sehen ist. Die Wärmezufuhr wird unterbrochen und alles abgekühlt, danach an einem kühlen Ort aufbewahrt. Die klaren Kristalle werden gesammelt. Sind diese Kristalle trüb oder stark gefärbt, werden diese ein weiteres Mal aufgelöst und nochmals eingeengt. Ist dieser Vorgang nicht hilfreich, können die Kristalle nochmals geglüht und der gesamte Vorgang wiederholt werden. Haben wir die Kristalle isoliert, haben wir das gereinigte Prinzip „Sal“ der Pflanze in Händen. Setzen wir den Sal der tingierten Lösung zu, sprechen wir von einer „Spagyrischen Tinktur“. Der Unterschied zu einem herkömmlichen Alkoholauszug ist bedeutend. Das gereinigte Sal stellt die Verbindung zur Körperlichkeit her, der Alkoholauszug alleine greift zu kurz und bleibt flüchtig, er erreicht die Physis nicht wirklich. Das manifestierte Sal bedingt die tiefgreifende Wirkkraft und die Fülle einer Tinktur; diese offenbaren sich bei Einnahme der Präparationen.

    Die Qualität der Präparation des Sal – Prinzips bedingt neben der Verwendung von geeigneten Ausgangsstoffen die Kraft der zusammengeführten, „Cohobierten“ Tinctur. Führen wir den Gedanken weiter und beschränken uns nicht nur auf die Reinigung des „Sal“. In der Tinctur können wir Merkur und Sulfur nicht mehr voneinander trennen, also müssen wir anders beginnen. Wir nehmen das Pflanzenmaterial und übergießen es mit Wasser. Gutes Quellwasser oder destilliertes Wasser eignet sich dafür, weniger gut Leitungswasser. Wir lassen diese Mischung einige Stunden stehen (bei getrockneten Pflanzen über Nacht) und beginnen die Destillation, bei der wir das Hydrolat mit dem „Sulfur“ erhalten. Diesen können wir reinigen, indem wir nur das Öl, das an der Oberfläche des Hydrolats schwimmt, entnehmen und weiterverwenden. Viele Pflanzen haben allerdings einen so geringen sulfurischen Anteil, dass wir im Hydrolat keine ölige Schicht an der Oberfläche erkennen oder gar isolieren könnten. In jenem Fall müssen wir das gesamte Hydrolat aufbewahren.

    Wir übergießen das verbleibende Pflanzenmaterial mit Alkohol, lassen mehrere Wochen stehen und destillieren den Alkohol, unseren „Merkur“ ab. Wem dieser Weg zu kunstlos erscheint, dem bieten sich diese Wege an: mit Zucker- (und Hefezusatz) zum Pflanzenmaterial starten wir die Gärung, durch den Alkohol, der Merkur dieser Pflanze entsteht. Dieser Prozess kann so lange mit Zucker aufrecht gehalten werden, bis wir etwa 15% Alkohol in der Pflanzensuppe erreicht haben. Danach macht es keinen Sinn, mehr Zucker dazuzugeben. Bedenken wir, dass Zucker seine eigene Geschichte, Signatur, Information oder wie auch immer mit sich bringt und so unser Präparat beeinflusst.

    Bei stärkehaltigen Pflanzen reicht es, den Rückstand einige Zeit bei Raumtemperatur stehen zulassen. Die Gärung beginnt spontan, wenn auch nicht so heftig wie mit Zuckerzusatz. Wir warten bei beiden Wegen die Gärung ab und destillieren. Das Destillat kann noch mehrfach rektifiziert werden, der Merkur aufbewahrt.

    Zurück bleibt der wässrige Pflanzenrest, den wir abfiltrieren. Das Filtrat wird eingeengt und durch den Vulkan geführt, der Filterrückstand selber verascht. Aus dem Rückstand können wir das Sal der Pflanze auswaschen und wie oben verfahren, mit der Asche aus dem Vulkan simile modo.

    Wir haben nun die drei Prinzipien der Pflanze gereinigt und isoliert vorliegen. Wir bringen das Sal in den Merkur ein und zirkulieren die Mischung einige Tage. Danach setzen wir den Pflanzensulfur zu. Wir erhalten eine spagyrische Essenz, farblos oder leicht gefärbt und unvergleichlich subtiler als die einfache Pflanzentinctur.

    Eine aufmerksame und bewusste Präparation der Prinzipien, Reinigung und wieder Zusammenführung bedingen ein kunstvolles das Präparat. Aufmerksamkeit und Bewusstheit spielen besonders für die spagyrische Präparation eine entscheidende Rolle; dies gilt in großem Maße für alle Tätigkeiten, die wir mit Aufmerksamkeit verfolgen und zu einem gelungenen Leben beitragen. In dieser Aufmerksamkeit werden wir auch die Stimmigkeit und Stabilität der Dreiheit entdecken. Die Harmonie und Standfestigkeit dieses tief in der Natur verankerten „Dreiecks“ lässt uns schließlich an dieser Stelle klar werden, dass „alle guten Dinge drei sind“.

    Bild: After: Salomon Trismosin, Splendor solis, 1582, British Library, Harley ms. 3469, Reference Wellcome Library no. 38824i
  • Was blubbert da …

    Was blubbert da …

    ja es blubbert und zischt gerade richtig viel in meiner Küche. Fenchel, Kraut, Zwiebeln, Kohlsprossen, Paprika, Tomaten, Senf, Knoblauch, rote Rüben Karotten, Radieschen, …. werden veredelt. Gemüse aufwerten, noch besser machen? JA! Das geht. und wie!

    Fermentieren ist das Zauberwort. Milchsäuregärung ist was Feines, und dabei so natürlich und einfach. Warum ich gerade jetzt so den Fokus drauf habe. Ja eigentlich mache ich es immer wieder. Richtig Feuer gefangen habe ich 2016, damals war ich sogar im ORF zu sehen. WAU, war das eine spannendes Erlebnis. 2018 hab ich meine Diplomarbeit zur Ernährungsexpertin der TEM dazu verfasst – Blubbern für die Lebensgeister, war der Titel und jetzt – ja jetzt ist es der Titel für mein nächstes Buch. Ich bin so unfassbar glücklich und aufgeregt. Im Herbst wird es erscheinen und davor wartet noch jede Menge “blubber” um es zu finalisieren. Daher schneide, drücke, quetsche und salze ich was möglich ist – um alles gut aufzubereiten.

    Warum ich Fermente so grandios finde?

    Fermentierung ist Slow-Food pur. Es ist schnell angesetzt, aber es benötigt Zeit zu reifen. Die Zeit des Gärens und bis sich der richtige Geschmack einstellt kann Wochen dauern, aber das bewältigt es ganz alleine ohne weiteres Zutun. Letztlich sind Fermente aber Fast-Food. Wenn es schnell gehen muss und du keine Zeit zum Einkaufen von frischem Gemüse findest, ist ein Glas schnell geöffnet und eine wunderbar frische Ergänzung zu einer Mahlzeit. … ja und gesund noch dazu.

    Gewürzzwiebeln

    Zutaten für 1 L Glas: 400 g Zwiebeln, 4-5 Stängel Rosmarin oder andere Kräuter, 2-3 Bockshornkleesamen, 1 TL Senfkörner, 1 Sternanis, 2-3 Pfefferkörner, 1-2 Scheiben Kurkuma oder 1 Msp. Kurkumapulver, 1-2 Scheiben Ingwer

    Salzlake: 15 g Salz in 500 ml lauwarmem Wasser auflösen.

    Glas gründlich reinigen und Gummidichtung anbringen. Zwiebeln schälen und in ca. 5-7 mm breite Scheiben schneiden. Zuerst die Kräuter und Gewürze in das Bügelglas einlegen, dann die Zwiebelscheiben darauflegen.

    Mit Salzlake begießen, mit einem Gewicht beschweren und verschließen. Glas mit einem Geschirrtuch zudecken und auf einen Teller stellen. Nach 7-10 Tagen verkosten und je nach Geschmack entweder die Fermentation stoppen oder noch ein paar Tage weiter fermentieren lassen.

    Zwiebeln können durchaus auch lange – mehrere Monate – fermentiert werden, da sie eine feste Struktur haben.

    Und … wie die Gewürzzwiebeln genossen werden können, dazu gibt es natürlich auch Rezepte im Buch …

    Temperamentvolle Grüße. Schön, dass Du da bist!

    Michi