Monat: Juli 2022

  • Temperamente – Gehören Sie zu den Cholerikern?

    Temperamente – Gehören Sie zu den Cholerikern?

    Der „hitzige“ Vertreter der vier Basis-Temperamente aus der TEM-Lehre ist der Choleriker. Diese willensstarken, dynamischen und aktiven Menschen zeichnen sich durch Unabhängigkeit und immense Selbstständigkeit aus. Sie sind richtige „Macher“.

    Zeitgleich verspürt der Choleriker den Drang zur Veränderung, wobei er stets den Überblick behält, schnell Lösungen für Probleme findet und sowohl gut organisieren als auch delegieren kann. Sportarten, bei denen Aktivität und Geschwindigkeit ausgelebt werden können, werden bevorzugt. Er ist ein richtiger Wettkampftyp und neigt zum Extremen. Seine Achillesferse ist die Völlerei. Dadurch hat der Choleriker oft Magenprobleme, Sodbrennen und Verstopfung. Süße, bittere, leicht säuerliche Speisen und fermentiertes Gemüse sowie Rohkost (Superfood wie Gurke & Kürbis) und Fisch schaffen Abhilfe und sorgen für sein Wohlbefinden. Oft hat der Choleriker aber auch mit Akne und fettiger Haut, Rheuma-, Lungen- und Nierenproblemen zu kämpfen. Empfehlenswert – um wieder in Balance zu kommen – ist die Verabreichung eines speziellen Choleriker-Tees aus Löwenzahn und Lavendelblüten oder auch ein kalter Leberwickel. Pflanzen wie kühlender Eibisch, beruhigender Baldrian und auch Kamille besänftigen den extrovertierten, „feurigen“ Choleriker und „kühlen“ ihn etwas ab.

    Welche Heilkräuter passen zum Choleriker?
    Beim Choleriker ist die gelbe Galle der vorherrschende Saft. Sein cholerisches Temperament ist geprägt von überschießender Hitze und Trockenheit. Die fehlende Feuchtigkeit führt oft zu einem hormonellen Ungleichgewicht. Süßholz wirkt hier befeuchtend und lindert die durch die gelbgallige Hitze entstehende Trockenheit. Die oft überschießenden Emotionen des Cholerikers haben auch Auswirkungen auf den Organismus. Choleriker neigen zu entzündlichen und gastrischen Erkrankungen, da sich der Ärger auf Leber und Galle niederschlägt. Baldrian und Melisse können bei innerer Unruhe, Nervosität und Verkrampfung ausgleichen. Hopfen und Löwenzahn hemmen durch ihre leberkühlenden Bitterstoffe Entzündungen. Auch Herzgespann und Rose beruhigen und gleichen hitzige Zustände aus. Choleriker neigen zur Bildung von Steinen in Niere, Galle und Blase. Hier kann der stoffwechselregulierende Odermenning der Bildung von Steinen entgegenwirken, indem er Leber und Galle entlastet. Stress führt bei Cholerikern oft zu Extremen, entweder essen sie übermäßig oder sie hungern. Hier hilft es, den Stress auszugleichen und auf eine gesunde Ernährung und Verdauung zu achten. Sollte man doch einmal über die Stränge geschlagen haben, unterstützt Koriander die Verdauung.

    Bild: Raphaël Sadeler (I), after Maerten de Vos, 1583 Antwerpen
    Dieses Werk gehört zum Prentalbum mit der Geschichte der Welt aus der Bibliothek von Jean de Poligny
    https://www.rijksmuseum.nl/en/search/objects?p=1&ps=12&f.classification.iconClassDescription.sort=summer%2c+%27Aestas%27%3b+%27Estate%27+(Ripa)+(%2b+with+zodiacal+signs)&st=Objects&ii=1#/RP-P-2005-214-22-1,1

  • Wund(er)heiler Ringelblume

    Wund(er)heiler Ringelblume

    Kaum eine andere Pflanze ist von Natur her so vorzüglich als Wundheilkraut geeignet wie die Ringelblume. Allein ihr Anblick ist schon eine Wohltat – die beliebte, pflegeleichte Gartenpflanze erfreut uns vom frühen Sommer bis zum Spätherbst mit ihren leuchtenden gelben und orangen Blüten.

    Die Wirkstoffe der Ringelblume sind besonders auf das Verschließen von Verwundungen ausgerichtet: Wenn man ein Bündelfrisch geschnittener Pflanzen in der Hand ein paar Mal leicht drückt, überzieht eine etwas klebrige, balsamische Substanz alle Pflanzenteile, die ein wunderbar warmes Aroma verströmt – und für eine rasche Wundheilung sorgt. Ihren deutschen Namen bekam die Pflanze von Hildegard von Bingen, die sie „Ringula“ oder „Ringella“ nannte – und damit die gekrümmte Form ihrer Samen beschrieb. Zu Hildegards Zeiten wurde die Ringelblume auch zum Färben von Fasern und Textilien eingesetzt – heute noch dient sie als Farbstoff in der Lebensmittelindustrie, z. B. für Butter und Käse.

    Entzündungshemmende Wirkung – von Innen und Aussen
    Im Gegensatz zu anderen Korbblütlern enthält die Ringelblume keine allergieauslösenden Sesquiterpenlactone, weshalb allergische Reaktionen äußerst selten sind. Daher wird Calendula auch sehr gerne in Säuglings- und Kinderpflegeprodukten verwendet. Die Pflanzenheilkunde nutzt die vielseitige Ringelblume in Form von Teeaufgüssen, wässrigen Auszügen, Tinkturen, Extrakten und Salben. Aufgrund ihrer stark entzündungshemmenden Wirkung wird die Ringelblume bei allen Arten von Wunden – insbesondere bei eiternden oder schlecht heilenden – eingesetzt, ebenso bei Verbrennungen und Erfrierungen der Haut sowie Quetsch- und Rissverletzungen. Verdünnte Ringelblumen-Urtinktur ist eine Wohltat für die empfindlichen Schleimhäute unseres Körpers: als Spülung bei Halsschmerzen, Zahnfleischentzündungen oder Parodontose, eingenommen bei Magen- und Darmgeschwüren. Die Ringelblume wirkt sehr ähnlich wie ihre Schwester, die Arnika. Sie ist dabei aber weitaus verträglicher.

    Liebes- und Wetterorakel
    „Er liebt mich, er liebt mich nicht …“ Wie beim Gänseblümchen wird diese Frage seit Jahrhunderten während des Reihum-Zupfens der Blütenblätter gestellt. Zuverlässiger, und bei den Bauern sehr beliebt, gestaltete sich da schon die Wettervorhersage mittels Ringelblumen: Waren die Blüten in der Früh bereits geöffnet, versprach dies einen schönen, sonnigen Tag. Blieben sie bis nach 7 Uhr noch geschlossen, musste mit Regen gerechnet werden.

    Pflanzensteckbrief Ringelblume (Calendula officinalis)

    • Wuchsform: 30 bis max. 70 cm hohe, krautige Pflanze, meist einjährig
    • Synonyme: Ringelrose, Studentenblume (regional sehr unterschiedlich)
    • Pflanzenfamilie: Korbblütler (Asteraceae)
    • Verwendete Pflanzenteile: ganze bzw. zerkleinerte Blütenkörbchen oder die getrockneten Zungenblüten
    • Anwendungsbereiche: Ausschläge, Hautentzündungen, schlecht heilende Wunden, Magen- und Darmgeschwüre, Menstruationsbeschwerden, Zyklusunregelmäßigkeiten

    Ringelblumendip für den Sommer

    • frische Ringelblumenblütenstände
    • 1 Becher Sauerrahm
    • 1 Becher Creme fraiche
    • Salz
    • roter Pfeffer
    • wenig Orangenschale gerieben, ersatzweise Zitronenschale

    Die Ringelblumenblüten werden vereinzelt („herausgezupft“), klein gehackt und der Rest der Blüte verworfen. Sauerrahm und Creme fraiche werden vermengt und mit Salz und rotem Pfeffer gewürzt. Ein wenig frische Orangenschale wird hineingerieben. Abschließend wird die Ringelblume ergänzt.
    Passt zu frischem Nußbrot, Gemüsestangen oder als Dip zum Grillen.

    Gelingt auch Süß: Creme fraiche durch Joghurt ersetzen und statt Salz mit Hollerblüten- oder Schafgarbensirup abschmecken. Der Pfeffer passt auch in der süßen Variante.
     
    Rezept © Mag.a pharm. Dr. Gabriele Kerber-Baumgartner

  • Zucker – und warum ich dennoch Himbeermarmelade mit Thymian koche

    Zucker – und warum ich dennoch Himbeermarmelade mit Thymian koche

    Beginnen wir gleich mal mit dem Zucker. Zucker mag auf den ersten Blick den süßen Geschmack repräsentieren. Doch das Bild trügt. Der süße Geschmack ist wesentlich diffiziler: Gemüse, Fleisch, Getreide, Milchprodukte und Muttermilch sind süß. Der weiße Haushaltszucker – Rübenzucker –, wie wir ihn heute kennen, kam erst im 18. Jahrhundert auf. Durch Zucker aufbereitete Speisen und Süßigkeiten sind viel zu süß und sorgen für die Überfeuchtung der Gewebe, sie reizen und überhitzen den Organismus. Übergewicht und andere sogenannte Zivilisationskrankheiten entstehen.

    Durch die Kreuzzüge kam um 1100 n. Chr. auch die im Vorderen Orient angewendete Konservierung mit Zucker nach Europa. Bald spielte sie ein wichtige Rolle. Den frühsten überlieferten Hinweis gibt ein königlicher Erlass von 1353: Französischen Apothekern, die mit Zucker eingemachte Früchte herstellten wurde verboten, den weißen „Caffetinzucker“ durch Honig zu ersetzen.

    Knapp hundert Jahre später berichtete der Leibarzt des Fürsten von Tarent, D ‘Asculo über die gärungshemmenden Eigenschaften von Zucker. Dicht bestreute er Butter und Fett mit Staubzucker um es zu konservieren. Doch Zucker war teuer. Noch.

    Mit Beginn der Rübenzuckerindustrie 1801 wurde Zucker erschwinglich und nun konnte man ihn in vollem Umfang einsetzen. Man startete mit Obst. Marmeladen, Konfitüren und Gelees. 1 Kilogramm Obst : 1 Kilogramm Zucker. Alkohol unterstütze die Haltbarkeit. Zitronensäure verringerte den PH-Wert und somit war gegen den Verderb der kostbaren Früchte eine wahre Wunderwaffe geboren.

    Noch heute ist Marmelade kochen – einkochen – beliebt. Selbstgemacht, noch dazu mit den Früchten aus dem heimischen Garten schmeckt es einfach besser.
    In der TEM wird Zucker als Gewürz betrachtet und zum Temperieren von Speisen verwendet. Besonders für Ältere sowie für Menschen, die sich von Krankheiten erholen, und für Melancholiker ist Zucker günstig. Sparsam und punktuell. Ganz nach dem Motto – „Die Dosis macht das Gift“.
    Und daher gehört Marmelade auch in der TEM hin und wieder dazu – nicht täglich, aber wenn, dann selbst gemacht!

    Rezept


    Himbeermarmelade mit Thymian

    1000 g Himbeeren, 3-4 Thymianzweige, 1 Packung Gelierzucker zum Beispiel 2:1, 1 Zitrone, 1 Prise Salz, 1 kleiner Tropfen Öl

    Schraubgläser gründlich reinigen (sterilisieren und mit der Öffnung nach unten auf einem Geschirrtuch bereit halten. Einen kleinen Teller für die Gelierprobe in das Gefrierfach legen. Beeren, Thymian, Zitronensaft, Salz, Öl und Gelierzucker in einem großen Topf erhitzen. Sobald die Masse kocht auf die Uhr schauen – und je nach Packungsangabe ca. 4 Minuten sprudelnd kochen. Den Teller aus dem Gefrierfach holen und die Gelierprobe machen: 1 TL heiße Flüssigkeit auf den gekühlten Teller geben und warten, bis sie kalt ist. Ist die Fruchtmasse danach fest, ist die Marmelade fertig. Wenn nicht, nochmals kurz kochen – aber nicht zu lange. Wenn sich Schaum gebildet hat, mithilfe eines Schaumlöffels zügig abnehmen und die heiße Marmelade sofort bis knapp unter den Rand in die vorbereiteten Gläser einfüllen – dabei ist eine Marmeladetrichter hilfreich. Nun sofort verschließen – vorher noch schauen, ob der Glasrand nicht angetropft und sauber ist. Evtl. mit Küchenpapier abwischen. Nun die Marmelade so schnell wie möglich abkühlen lassen.
    Oft wird beschrieben, dass danach das Glas für 5 Minuten umgedreht werden soll, um auch den Deckel zu sterilisieren. Dies wird mittlerweile nicht mehr empfohlen. Saubere Deckel und der Dampf des heißen Einfüllgutes reicht völlig aus.

    Dieses Rezept und viele weitere zum Thema Vorratshaltung, im speziellen Fermentieren findest du im neuen Buch von mir, das mit dem Ennsthaler Verlag erschienen ist.

    Bilder zur Verfügung gestellt: Ennsthaler Verlag

  • Pfefferminze – Pflanzenkobold goes Deo

    Pfefferminze – Pflanzenkobold goes Deo

    Die Pfefferminze (Mentha piperita) gehört zu den bekanntesten Heilpflanzen Europas. Über ihre komplexen Wirkungen wissen jedoch nur die wenigsten Bescheid, und auch das Minz-Deo ist eher in Insiderkreisen bekannt. InstiTEM verrät beide Geheimnisse.

    Pflanzenkobold: erst kühl, dann warm, dann kühl
    Nur wenige wissen, dass die Pfefferminze (Mentha piperita) keine reine Naturpflanze ist, sondern einer kunstvollen Kreuzung aus kühlender Bachminze und hitziger Krauseminze entsprang. Daraus erklärt sich ihre komplexe Wirkung: Bei der Einnahme fühlt sie sich kühl an, wirkt dann bei der Verstoffwechselung deutlich wärmend-trocknend. Die Langzeitwirkung der Pfefferminze ist dann aber wieder ein kühlender Effekt, weswegen man mit Pfefferminztee im Winter und bei den kalten Temperamenten Phlegmatiker und Melancholiker vorsichtig sein sollte. Die Hauptanwendungen sind allgemein bekannt: Pfefferminzblätter wirken als Tee ausgezeichnet bei funktionellen Magen- und Verdauungsbeschwerden, sind jedoch bei einer akuten Gastritis kontraindiziert. Bei dumpfem Kopfschmerz hat sich die äußerliche Anwendung bewährt, etwa im Rahmen von Balsamen mit ätherischem Pfefferminzöl, die man an den Schläfen sanft einmassiert.

    Minze und Naturkosmetik
    Die Minze hat in der Kosmetik einen festen Platz erobert, etwa in der Zahnpasta, wie viele aus der täglichen Mundhygiene wissen. Aufgrund der erfrischenden und zugleich trocknenden Wirkung eignet sich die Pfefferminze aber auch hervorragend zur Herstellung von Deodorants. InstiTEM verrät, wie man mit wenigen Zutaten ein eigenes Deo herstellen kann, das gleichermaßen Budget und Umwelt schont.
    Deo selbstgemacht – fest und flüssig
    Tipp 1: Deocreme

    • Glastiegel (mit Alkohol desinfiziert)
    • 6 EL Kokosöl
    • 2 TL Bienenwachsdrops
    • 4 TL Natron
    • 4 TL Speisestärke
    • 10 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl

    Bienenwachs im Wasserbad schmelzen, Kokosöl, Natron und Speisestärke unterrühren bis sich alles gut vermischt hat. Die Creme aus dem Wasserbad nehmen und kalt rühren. Zum Schluss ätherisches Öl einrühren und in Tiegel füllen. Die Tiegel mit Inhalt und Datum beschriften. Die Deocreme ist bei Zimmertemperatur und dunkel gelagert etwa 6 Monate haltbar. (Bei Temperaturen über 25 Grad schmilzt das Kokosöl und wird flüssig.)

    Tipp 2: Deospray
    Wer es lieber flüssig mag, der kann 2 TL frische gehackte Minzblätter in einem Gemisch aus 100 ml Wasser mit 1 TL Natron bei ca. 40 Grad für 15 Minuten ausziehen und dann mit 40%-igem Alkohol (Wodka, Korn) und 5 Tropfen ätherischem Pfefferminzöl versetzen. Allerdings ist dieses Deospray nur etwa 2 Wochen haltbar. Die elegantere und nachhaltigere Lösung ist definitiv, sich in einer Destille ein Hydrolat (ein wässriges Destillat) der Pfefferminze herzustellen. Noch warm in sauberste Sprühfläschchen gefüllt und gut zugeschraubt, hält sich dieses Deo ein ganzes Jahr, bis zur nächsten Saison – vorausgesetzt, man hat genügend Hydrolat hergestellt.