Autor: Mag.a pharm. Dr. Karin Rahman

  • Der Phlegmatiker und seine Heilkräuter

    Der Phlegmatiker und seine Heilkräuter

    In der TEM ist eines der vier Basis-Temperamente der Phlegmatiker. Er zeichnet sich durch seine meist introvertierte, pessimistische Art aus. Phlegmatiker sind oftmals distanzierte Persönlichkeiten und besitzen kaum Eigenmotivation, um etwas durchzuziehen.

    Viele Phlegmatiker sind unentschlossen und ziehen es vor, Verantwortung abzugeben oder diese zu meiden. Jedoch lässt sich dieser Konstitutionstyp nicht so schnell aus der Ruhe bringen und wirkt auf andere Menschen meist kompetent, beständig, gütig und in sich ruhend. Er wird oft als stiller Beobachter wahrgenommen. Segeln, Surfen und Schwimmen erfreuen den Phlegmatiker besonders, aber er braucht Antrieb und Motivation, um sich zu bewegen. Das gilt für sein komplettes Leben.

    Sein Gesundheitszustand wird oft von Kreislaufschwäche, Wasseransammlungen und Verschleimungen begleitet. Beim Phlegmatiker dominiert der Saft Phlegma. Damit gehen Eigenschaften wie Kälte und Feuchtigkeit einher. In den Wintermonaten sollten Phlegmatiker daher besonders auf sich achten. Der Stoffwechsel geht in eine Art Ruhemodus, so entstehen Stauungen und Ablagerungen.
    Rosmarin wirkt hier wärmend und fördert die Ausleitung von Feuchtigkeit. Auch Wermut und Enzian wirken durch ihre vielen Bitterstoffe anfachend und anregend. Enzian ist besonders hilfreich bei Atemwegsinfekten, da er festsitzenden Schleim löst. Fenchel und Meisterwurz bestärken das Magenfeuer der Bauchorgane. Krankheiten verlaufen bei diesem Typ oft schleichend und können chronisch werden. Auch die Ausscheidungsorgane wie Haut, Schleimhäute und Nieren neigen zu Trägheit und Verstopfung. Thymian wirkt durch seine antivirale Wirkung im Kampf gegen Erkältungskrankheiten. Holunderblüten können den Körper hier zusätzlich entlasten und verunreinigtes Phlegma ausleiten. Wegen seiner Vorliebe für Wärme wird in der TEM auf eine Behandlung mit warmen Brust- und Herzwickeln gesetzt. Ein Fenchel-Salbei-Ringelblumentee oder Heilpflanzen wie Holunder, Thymian und Brennnessel sind eine wahre Wohltat und bringen sein häufig stagnierendes Energiesystem zum Fließen.

    Beim Essen greift der Phlegmatiker gerne auf Maroni, Zimt, Rind und Wild, aber auch Reis und Sellerie zu, da diese Zutaten sein Wohlbefinden stärken. Der Phlegmatiker verträgt kaltes Essen und Rohkost nur schlecht. Sind Magen und Darm verstimmt, kann Kümmel der Verdauung helfen. Knoblauch schmeckt nicht nur gut, sondern wirkt ferner aktivierend und beschleunigend auf den Körper.

    Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Phlegmatiker#/media/Datei:Phlegmatiker_by_Johann_Heinrich_Lips.jpg

  • Der Melancholiker und seine Heilkräuter

    Der Melancholiker und seine Heilkräuter

    Eines der vier Basis-Temperamente in der TEM ist der Konstitutionstyp „Melancholiker“, der einige ganz spezielle Ausprägungen vorweist: Melancholiker zeichnen sich durch eine nachdenkliche, pessimistische, ja fast schon depressive Grundhaltung aus.

    Sie sind eher introvertiert und bleiben gerne im Hintergrund, da ihr Selbstbewusstsein nicht sehr ausgeprägt ist. Sie grübeln gerne und wirken dadurch sehr ernst und einzelkämpferisch. Als verlässliche und gewissenhafte Menschen können sie jedoch sehr feinfühlig und kreativ sein. Was der Melancholiker braucht, ist Anerkennung und Zuspruch. Der Melancholiker hat meist ein sehr ruhiges Gemüt, bei ihm dominiert der Saft Melanchole – auch Schwarzgalle genannt. Er ist kälteempfindlich, da bei ihm Kälte und Trockenheit im Vordergrund stehen. Seine Anspannung schlägt sich oftmals im Körperinneren nieder. Der Stoffwechsel kommt nicht richtig in Gang, ferner arbeitet die Verdauung nicht effizient. Den Zellen fehlt deshalb Sauerstoff, was die Milz beeinträchtigt. Borretsch und Hirschzunge können die Milz in ihrer Funktion unterstützen. Linde, Johanniskraut und Melisse regen den Stoffwechsel an und können sogar stimmungsaufhellend wirken. Die vorherrschende Trockenheit begünstigt das Dehydrieren von Gewebe, Haut und Schleimhäuten. Das begünstigt die Entstehung von trockener Gicht, Arthritis und Osteoporose. Gegen trockene Haut und den daraus entstehenden Juckreiz kann Borretsch helfen, zudem verbessert dieser die körpereigene Abwehr. Engelwurz und Artischocke können stoffwechselanregend wirken und Ingwer wärmt von innen. Zudem fördert Ingwer die Zellregeneration. Auch Fenchel führt dem Körper Wärme zu und bringt den Verdauungstrakt auf Trab. Gegen Magen-Darm-Beschwerden und Kopfweh kann Kalmus mit seinen vielen Bitterstoffen förderlich sein. Weitere gesundheitliche Schwachstellen sind oftmals die Lunge beziehungsweise die Bronchien. In der TEM versucht man u. a. die klassischen Krankheitsbilder mittels Wärme und Feuchtigkeit – Bäder, Leberwickel, Melissen-Brennnessel-Johanniskraut-Tee – zu therapieren. Wärmende Heilpflanzen, wie bereits oben einige genannt, heizen dem Melancholiker ein und sorgen für sein Wohlbefinden.

    Speisen wie Karotten, Bananen, Mandeln und Honig, aber auch Geflügel und Fisch, tun ihm gut. Aktivitäten wie Fechten, Ballett, Tanzen, Golfen oder Wandern bieten dem oftmals schwermütigen Einzelgänger die perfekte Möglichkeit, seine Balance zu finden.

    Bild: https://www.metmuseum.org/de/art/collection/search/336228

  • Temperamente – Gehören Sie zu den Cholerikern?

    Temperamente – Gehören Sie zu den Cholerikern?

    Der „hitzige“ Vertreter der vier Basis-Temperamente aus der TEM-Lehre ist der Choleriker. Diese willensstarken, dynamischen und aktiven Menschen zeichnen sich durch Unabhängigkeit und immense Selbstständigkeit aus. Sie sind richtige „Macher“.

    Zeitgleich verspürt der Choleriker den Drang zur Veränderung, wobei er stets den Überblick behält, schnell Lösungen für Probleme findet und sowohl gut organisieren als auch delegieren kann. Sportarten, bei denen Aktivität und Geschwindigkeit ausgelebt werden können, werden bevorzugt. Er ist ein richtiger Wettkampftyp und neigt zum Extremen. Seine Achillesferse ist die Völlerei. Dadurch hat der Choleriker oft Magenprobleme, Sodbrennen und Verstopfung. Süße, bittere, leicht säuerliche Speisen und fermentiertes Gemüse sowie Rohkost (Superfood wie Gurke & Kürbis) und Fisch schaffen Abhilfe und sorgen für sein Wohlbefinden. Oft hat der Choleriker aber auch mit Akne und fettiger Haut, Rheuma-, Lungen- und Nierenproblemen zu kämpfen. Empfehlenswert – um wieder in Balance zu kommen – ist die Verabreichung eines speziellen Choleriker-Tees aus Löwenzahn und Lavendelblüten oder auch ein kalter Leberwickel. Pflanzen wie kühlender Eibisch, beruhigender Baldrian und auch Kamille besänftigen den extrovertierten, „feurigen“ Choleriker und „kühlen“ ihn etwas ab.

    Welche Heilkräuter passen zum Choleriker?
    Beim Choleriker ist die gelbe Galle der vorherrschende Saft. Sein cholerisches Temperament ist geprägt von überschießender Hitze und Trockenheit. Die fehlende Feuchtigkeit führt oft zu einem hormonellen Ungleichgewicht. Süßholz wirkt hier befeuchtend und lindert die durch die gelbgallige Hitze entstehende Trockenheit. Die oft überschießenden Emotionen des Cholerikers haben auch Auswirkungen auf den Organismus. Choleriker neigen zu entzündlichen und gastrischen Erkrankungen, da sich der Ärger auf Leber und Galle niederschlägt. Baldrian und Melisse können bei innerer Unruhe, Nervosität und Verkrampfung ausgleichen. Hopfen und Löwenzahn hemmen durch ihre leberkühlenden Bitterstoffe Entzündungen. Auch Herzgespann und Rose beruhigen und gleichen hitzige Zustände aus. Choleriker neigen zur Bildung von Steinen in Niere, Galle und Blase. Hier kann der stoffwechselregulierende Odermenning der Bildung von Steinen entgegenwirken, indem er Leber und Galle entlastet. Stress führt bei Cholerikern oft zu Extremen, entweder essen sie übermäßig oder sie hungern. Hier hilft es, den Stress auszugleichen und auf eine gesunde Ernährung und Verdauung zu achten. Sollte man doch einmal über die Stränge geschlagen haben, unterstützt Koriander die Verdauung.

    Bild: Raphaël Sadeler (I), after Maerten de Vos, 1583 Antwerpen
    Dieses Werk gehört zum Prentalbum mit der Geschichte der Welt aus der Bibliothek von Jean de Poligny
    https://www.rijksmuseum.nl/en/search/objects?p=1&ps=12&f.classification.iconClassDescription.sort=summer%2c+%27Aestas%27%3b+%27Estate%27+(Ripa)+(%2b+with+zodiacal+signs)&st=Objects&ii=1#/RP-P-2005-214-22-1,1

  • Entgiften und Entschlacken mit der Kraft der Natur

    Entgiften und Entschlacken mit der Kraft der Natur

    Mit dem Frühlingserwachen steigt in uns der Wunsch nach Erneuerung. Die meist von üppigen Festtagen geprägte Winterzeit liegt hinter uns – mit einem Zuviel an Süßem, Fett und Alkohol sowie einem Zuwenig an Bewegung. Die Fastenzeit am Ende des Winters hat daher Tradition. Der Körper soll wieder erwachen.

    Doch was steckt hinter den überall kolportieren Wunderkuren und Entschlackungsdiäten? Und was ist langfristig gesund und wirklich sinnvoll? Können wir durch regelmäßige Kuren den Körper wieder in Schwung bringen und damit viele Krankheiten frühzeitig vorbeugen?

    Unser Organismus gleicht einem Speicher, der neben gewünschten Nährstoffen auch unerwünschte Stoffe sammelt. Solche „Mülldeponien“ sind vor allem das Binde- und Fettgewebe, aber auch der Darm. Zum Neutralisieren der Gifte und entstehenden Säuren benötigt der menschliche Organismus Mineralstoffe, die – wenn sie nicht in ausreichenden Mengen von der Nahrung kommen – den körpereigenen Reserven wie Knochen oder Muskeln entzogen werden.

    Die Schlackenansammlungen in unserem Körper sind Ursachen vieler Zivilisationskrankheiten, so kann es auch zu chronischen Erschöpfungszuständen, Depressionen, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, chronischen Hautausschlägen, Geschwüren, sexueller Unlust oder Allergien kommen. Diesen Erkrankungen können wir etwa durch regelmäßige Entgiftungskuren im Frühjahr und im Herbst frühzeitig vorbeugen.

    Säfte in Fluss bringen
    Entschlacken gilt als therapeutische Maßnahme, um Stoffwechselprodukte vermehrt auszuscheiden. Dafür müssen die Körpersäfte wieder in Fluss gebracht werden. Für eine erfolgreiche Entgiftung und Entschlackung, also den Abtransport von Stoffwechselprodukten, sind folgende Ausscheidungsorgane von zentraler Bedeutung: Darm, Leber, Niere und Blase, Lymphe sowie die Haut. Diese müssen in ihrer Funktion bei einer Entschlackungskur unterstützt werden.

    Gerade im Frühjahr bietet sich dazu die Gemmotherapie an – hier werden Zubereitungen aus jungen Knospen und Sprossen verwendet, die reich an pflanzlichem Embryonalgewebe sind. Das Gemmomazerat Edelkastanie wird zur Lymphreinigung verwendet und stärkt auch die Milz, die wichtig für das Lymphsystem ist. Wacholdersprossen haben eine positive Wirkung auf die Leberfunktion und wirken leberregenerierend. Als bekanntes Entwässerungs- und Entgiftungsmittel unterstützen die Birkenknospen auf sanfte Art unsere Nieren und unsere Blase. Zusätzlich werden der Darm und die Darmlymphe mit Heilerde oder Zeolith einem Vulkan-Mineral- gereinigt. Sinnvoll ist, die Kur bei abnehmendem Mond zu beginnen und ferner über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen bis zu sechs Wochen durchzuführen.

    Doch auch viele der folgenden Kräuter, die schon sehr bald im Frühjahr zu finden sind und die traditionellerweise auch in die Gründonnerstagssuppe gehören, unterstützen uns beim Prozess der Entgiftung. Der Löwenzahn gehört zu den ersten Pflanzen, die austreiben. Sein bitterer Geschmack zeigt seine reinigende Kraft; er ist eine der besten Leber und Galle-Heilpflanzen. Der Bärlauch wirkt entgiftend, regt die Blutbildung an und hilft, Schwermetalle auszuleiten. Er lässt sich als schmackhaftes Bärlauch Pesto genießen. Die Brennnessel kann überall gefunden werden und ist eine bei uns allseits bekannte Pflanze; ihre entwässernde Wirkung wird in vielen Stoffwechsel- und Entschlackungstees genützt. Die Gundelrebe wirkt entgiftend und schleimlösend, regt die Verdauungssäfte an und stärkt das Herz.

    Basenbäder, Basenpulver, Meersalzbäder, Massagen, basische Gemüsesuppen oder Gemüsesäfte unterstützen den Reinigungsprozess und helfen, das Säure-Basen-Gleichgewicht wieder herzustellen. Nicht zu vergessen die Stoffwechselanregende Wirkung von Bewegung ergänzt durch die heilende Wirkung des Waldes. Unerwünschte Kilos verabschieden sich dabei meist von selbst. Zum gezielten Entschlacken, Entgiften und Reinigen ist eine individuelle Beratung unerlässlich.

  • Die Bedeutung der Rituale

    Die Bedeutung der Rituale

    Rituale & Rhythmen in der TEM

    Die Bedeutung der Rituale
    Seit jeher nutzt der Mensch Rituale als Anker in einer sich ständig verändernden Welt. Rituale oder anders gesagt Bräuche finden sich in unserem Alltag wieder und sind Handlungen, die wiederkehren. Sie bringen Ordnung und einen gewissen Rhythmus in unsere Welt und geben dadurch Beständigkeit und Sicherheit.

    Wir kennen eine Fülle an Ritualen: * persönliche – etwa der Morgenkaffee oder die kalte Dusche. * familiäre – ein gemeinsames Frühstück, Spieleabende, Sonntagsausflüge. * soziale – Hochzeit, Taufe, Weihnachten, Neujahrswalzer. Auch in der Traditionell Europäischen Medizin (TEM) gibt es einige bedeutsame Rituale, die mit Kräutern, Licht, Feuer, Danksagungen, aber auch Heilung und Gesundheit zu tun haben. Pflanzen verstärken stets die Wirkung von Ritualen, ebenso das Licht einer Kerze oder geweihtes Wasser. Das Sammeln von Kräutern nach den Jahreszeiten, das Verabreichen einer bestimmten Arznei oder die Weihnachtstanne als Zeichen des Lichtes sind rituelle Handlungen in der TEM. Das Anzünden von Kerzen und das Aufstellen von Barbarazweigen spendet uns Hoffnung. Räucher-Zeremonien werden oft zur Reinigung eingesetzt. Rituale leiten uns Menschen durch unser Leben und markieren wichtige Stationen. Sie machen die Welt für uns einfacher!

    Kennen und fühlen Sie Ihren Rhythmus?
    Unser Leben ist in bestimmte Phasen, Zyklen oder anders gesagt Rhythmen unterteilt. Ebenso wie Pflanzen und Tiere unterliegen wir Menschen den Schwankungen der Natur. Sie alle kennen Begriffe wie Lebensrhythmus, Jahreskreislauf, Tageszyklus, Mondphasen und Menstruationszyklus. Jeder Abschnitt unseres Lebens ist von bestimmten Ereignissen und Entwicklungsprozessen geprägt. Wir leben im Einklang mit der Natur und sind über jahreszeitliche Rituale in das Leben eingebunden. Auch unser Stoffwechsel richtet sich nach den Rhythmen. Bedeutet der Frühling noch Entschlackung des Organismus, so nehmen wir im kühlen Winter eher deftigere Speisen und wärmende Gewürze zu uns. Saisonale Nahrung wird zu bestimmten (Ernte)Zeiten besser verwertet und wir sehnen uns entweder nach heißen Bädern oder auch nach Kneipp-Anwendungen. Punkto Tageszyklus sind wir aktiv, wenn die Sonne scheint und eher müde, wenn das Tageslicht schwindet. Die Zeitumstellung bringt unseren Bio-Rhythmus durcheinander und Nachtarbeit uns teilweise aus dem Gefüge.

    In der TEM kann durch die Beobachtung und Wahrnehmung der Taktung unseres Lebens der Erfolg von Therapien verbessert werden, aber auch die Wirksamkeit und Aufnahme von Medikamenten in gewissen Zyklen besser gelingen.

    Werden wir uns dessen bewusst und versuchen wir danach zu leben!

    Spüren Sie Ihren Rhythmus?

  • Kraftvolle Welt der Düfte

    Kraftvolle Welt der Düfte

    Ätherische Öle und ihre Wirkung auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit

    Ein Duft sagt mehr als 1.000 Worte. Denn Gerüche bilden eine wichtige Basis der Kommunikation. Tiere und Pflanzen verständigen sich zum Großteil auf diese ursprüngliche Art: Pflanzen vertreiben Schädlinge mit ätherischen Ölen und locken Bestäubungsinsekten mit Pheromonen an – auf letztere setzen auch viele Tiere beim Becircen eines Fortpflanzungs-Partners.

    Geruchsgedächtnis
    Riechen war und ist immens wichtig für unser Leben. Schon bei der Befruchtung findet das Spermium die Eizelle nämlich nur anhand einer ausgelegten Duftspur, die übrigens unwiderstehlich nach Maiglöckchen riecht. Genauso clever, aber weit komplexer funktioniert der menschliche Geruchssinn. Er hat eine besonders schnelle und direkte Verbindung ins Gehirn. Insbesondere zum limbischen System, das vor allem unbewusste Handlungen steuert und der Verarbeitung von Gefühlen dient. Dieses Geruchsgedächtnis lässt uns noch Jahrzehnte später ganz genau daran erinnern, wie es zu Weihnachten in Omas Küche gerochen hat – oder im ersten Urlaub auf der Alm.

    Sind mit einem bestimmten Geruch angenehme Gefühle verbunden, können wir durch den gezielten Einsatz dieses Dufts wieder Wohlbehagen auslösen. Auch auf verschiedene Bereiche und Funktionen in unserem Körper haben die Inhaltsstoffe ätherischer Öle positive Auswirkungen: Keime in den Atemwegen werden beseitigt und wir können freier durchatmen, Stresshormone werden abgebaut und unser Nervenkostüm beruhigt sich, Verspannungen lösen sich, Schmerzen und Entzündungen gehen zurück. Im Laufe der Jahrhunderte haben wir verschiedene Techniken entdeckt und weiter verfeinert, um die duftgebenden ätherischen Öle der Pflanzen zu gewinnen und zu nutzen.

    Ätherische Öle
    Kurz gesagt: Ätherische Öle sind flüchtige Flüssigkeiten, die duften. Sie kommen zumeist in Blüten, Samen, Fruchtschalen und Harzen der Pflanzen vor. Die einfachste Methode, die Wohlgerüche aus der Pflanze zu holen, ist die Räucherung des getrockneten Ausgangsmaterials. Also „per fumum“ – durch den Rauch. Daher kommt auch die heutige Bezeichnung „Parfum“. Für ein längeres, reineres Dufterlebnis muss das Öl von der Pflanze getrennt und zur späteren Verwendung aufbewahrt werden. Relativ simpel ist die Kaltpressung der Schalen, die für Zitrusöle angewandt werden kann: Hier wird das ätherische Öl durch Zentrifugieren von der beim Pressen entstandenen Flüssigkeit getrennt. Das gebräuchlichste Verfahren ist jedoch die Destillation mithilfe von Wasserdampf: Über das zerkleinerte Ausgangsmaterial geleiteter heißer Wasserdampf treibt das ätherische Öl aus der Pflanze. Das Öl-Wasser-Gemisch kondensiert dann in einem gekühlten Rohr, Wasser und Öl werden in getrennten Behältern aufgefangen.

    100 % natürlich
    Ätherische Öle, die ausschließlich aus Pflanzen stammen, dürfen mit den Begriffen „naturbelassen“ oder „natürlich“ bezeichnet werden. Das ist deshalb bedeutend, weil sich ätherische Öle auch im Labor „nachbauen“ lassen. Dann spricht man von „naturidentischen“ bzw. von „künstlichen“ ätherischen Ölen – die meist fantasievolle Namen tragen wie „Bratapfel“ oder „Vanillekipferl“ und entsprechend billig zu haben sind. Da für einen Liter echtes Rosenöl bis zu fünf Tonnen handgepflückter Blüten benötigt werden, ist die Qualität hier auch am Preis zu erkennen. Nur eine rein pflanzliche Herkunft garantiert die komplette Fülle und das Zusammenspiel der natürlichen Eigenschaften der Öle – die bei weitem noch nicht in ihrer ganzen Komplexität erforscht sind.

    Es lohnt sich auf jeden Fall, bei der Qualität keinerlei Abstriche zu machen und auf den natürlichen Ursprung der Substanzen sowie deren schonende Verarbeitung zu achten. Schließlich gelangen diese Stoffe in unsere Atemwege und an unsere Haut. Apropos Haut: Alle Wirkstoffe, die wir auf unser äußeres Schutzorgan auftragen – wie Kosmetika oder Massageöle – und deren Teilchen klein genug sind, gelangen innerhalb von 15 Minuten direkt in unsere Blutbahn.

    Anwendungsarten
    Weil die ätherischen Öle stark konzentriert sind, werden sie niemals pur verwendet – ausgenommen Lavendelöl. Die angegebene Dosis gilt bei jeglicher Anwendung stets für gesunde Erwachsene. Kinder und Schwangere sollen immer nur ein Drittel bis maximal die Hälfte verwenden. Prinzipiell gibt es vier Arten der Anwendung: Einreibung, Bad, Inhalation und Beduftung.

    Bei der Einreibung wird verdünntes Öl auf den Körper aufgetragen und einmassiert. Auf 50 ml Basisöl (z. B. Oliven-, Mandel- oder Jojobaöl) kommen dabei 20 bis 30 Tropfen ätherisches Öl. Das reicht für viele Male.

    Für das Bad werden ein paar Tropfen des Öls mit 3–5 EL Meersalz vermengt – dadurch mischt sich das Öl besser mit dem Badewasser – und in die Wanne gegeben. Zur Behandlung der oberen Atemwege oder der Gesichtshaut ist die Inhalation empfehlenswert. Dazu reicht eine Schüssel mit maximal 70 °C heißem Wasser und ein paar Tropfen des gewünschten Öls. Ein Handtuch über dem Kopf hilft, den wohltuenden Dampf nicht ungenützt entweichen zu lassen.

    Von der Nase ins Herz
    Die Beduftung mit ätherischen Ölen unterstützt unsere Gesundheit. Denn oft lässt sich unser geistig-seelisches Gleichgewicht ins Lot bringen, noch bevor wir körperliche Symptome entwickeln. Ähnlich wie bei Parfüms werden die ätherischen Öle nach ihrer Flüchtigkeit und ihrem Charakter in Kopf-, Herz- und Basisnoten unterteilt. Kopfnoten sind sofort riechbar, verflüchtigen sich aber nach der ersten Viertelstunde (z. B. Zitrusfrüchte, Pfefferminze, Rosmarin). Diese Düfte bringen uns Frische und Konzentration. Um einiges länger sind die Herznoten zu riechen (z. B. Lavendel, Rose, Melisse), die uns beruhigen und entspannen. Viele Stunden lang sind die Basisnoten bemerkbar (z. B. Weihrauch, Sandelholz, Patchouli). Diese schenken uns Kraft, Urvertrauen und Ausgeglichenheit.

    Diffuser, Vernebler & Rauch
    Da ätherische Öle bei Zimmertemperatur verdunsten, funktioniert die Duftausbreitung von selbst. Ein Fläschchen ätherisches Öl, in das ein paar Holzstäbchen gestellt werden – fertig ist ein einfacher Diffuser. Genauso simpel geht es mit einem Duftstein aus porösem Material, auf den das Öl geträufelt wird. Mit einem Ventilator verteilen sich die Düfte natürlich rascher und weiter. Hierfür gibt es kleine Geräte für die Steckdose oder mit Batterien, in denen ein mit Öl versehenes Pad eingelegt wird. Am effektivsten ist die Vernebelung der Aromen mit Ultraschall-Geräten, bei denen durch Schwingungen erzeugter, ionisierter Wasserdampf die Düfte verbreitet und dabei auch noch die Luft reinigt. Besonders stimmungsvoll ist freilich eine schöne Duftlampe mit Teelicht und großer Wasserschale, damit das Öl nicht zu heiß wird. Und wer das ursprüngliche Dufterlebnis schätzt, greift zu klassischem Rauchwerk.

    Räucherwerk: Spezielle Baumharze, Hölzer, Rinden, Wurzeln und Kräuter setzen im Feuer ihre Duft- und Wirkstoffe frei. Die Bestandteile der Mischungen sollen natürlichen Ursprungs sein. 1 bis 2 Prisen reichen für eine Anwendung aus. Jedes Räucherritual immer mit einer reinigenden Mischung beginnen.

    Räucherschale: Ein flaches Gefäß aus feuerfestem Material mit ca. 15 cm Durchmesser, das am besten rutschfest auf einem Teller platziert wird. So kann die Schale auch gut durch den Raum bewegt werden.

    Räucherkohle: Kohle beim Entzünden immer mit einer Zange halten. Das beigemengte Salpetersalz dient den Holzkohletabletten als Zündhilfe, darum „britzelt“ es anfangs wie bei einer Wunderkerze. Sofort auf den Sand legen und 10 Min. durchglühen lassen. Die Kohle glost sehr gleichmäßig und erreicht die richtige Temperatur (bis zu 300 °C!).

    Räuchersand: Der Sand belüftet die Kohle von unten und hält die Hitze vom Gefäß ab. Außerdem wird die Schale so nicht mit Rückständen des Räucherwerks verschmutzt. Sand bei Bedarf nachfüllen. Für besinnliche und sichere Räucherzeremonien. Qualitäts-Utensilien, passend zum edlen Räucherwerk in Form von Blättern, Harzen, Holzen oder Mischungen: hochwertige Gefäße und geeigneter Räuchersand, Holzkohle, Kohlezangen, Harzlöffelchen und Aschepinsel.

     

  • Tabuthema Angst

    Tabuthema Angst

    Wir alle kennen sie, möchten aber ungern darüber sprechen – Angst! In Österreich sind etwa 1,2 Millionen Menschen von Angstzuständen oder einer Depression betroffen. Studien belegen, dass Ängste, in Verbindung mit Depressionen, eine der häufigsten Todesursachen darstellen – Tendenz steigend. Wir sollten also offen darüber reden!

    Gefahren gehören zum Leben.
    Hätten wir keine Angst, wäre die Menschheit schon lange ausgestorben. Denn Angst ist ein Beschützer, der unser Überleben sicherte – beispielsweise die Flucht unserer Vorfahren vorm hungrigen Säbelzahntiger. Auch heute reagiert unser Körper noch wie damals in lebensbedrohlichen Situationen. Geschärfter Sinn, höchste Aufmerksamkeit, angespannte Muskeln, schnelle Atmung. In vielen Situationen ist das hilfreich – aber eben nicht in allen.

    Wenn die Angst bleibt.
    Ist die Gefahr überstanden verschwinden normalerweise die Angstsymptome wieder. Richten sich unsere Ängste nun aber gegen Komplexeres z.B. finanzielle Sorgen, kann es passieren, dass der angespannte Zustand anhält. Die Angst bleibt im Körper und wird zu Stress. Wird dieser nicht abgebaut, kann er sich als körperliche oder psychische Erkrankung manifestieren und zur Depression werden.

    Angst ist eine Gefühlsregung und hat unterschiedlichste Ausprägungen. Wichtig ist es, sich seinen Ängsten zu stellen und auch offen für professionelle Hilfe zu sein. Angst kann als Chance gesehen werden, sich in Gelassenheit zu üben und Stärke zu gewinnen.

    Dinge, die Ihnen helfen können, ANGST aktiv zu vermindern.
    Regelmäßige „Outdoor“ Bewegung. Durch Bewegung kann die Stressreaktion beendet und der Körper wieder in den „Normalzustand“ zurückversetzt werden. Spazieren/Walken/Laufen im Wald und sich an der frischen Luft bewegen bringt deutliche Entspannung (Biophilia-Effekt).

    Gesunde Ernährung. Das A & O sind Gemüse, Obst, Nüsse oder Hülsenfrüchte. Reich an Mikronährstoffen, sekundären Pflanzenstoffen, Ballaststoffen und Omega-3-Fettsäuren helfen sie Ihnen sich fit zu halten.

    Selektieren & Informationsflut reduzieren. Im Minutentakt erhalten wir Katastrophen-News, die uns stressen. Ein natürlicher Schutzmechanismus wäre, bewusst Dinge auszublenden und nur portionsweise aufzunehmen. Sie entscheiden was Sie zulassen.

    Entspannung gezielt aufbauen. Ängste nehmen ab, wenn man sich entspannt und in sich ruht. Methoden wie Autogenes Training, Meditation und Yoga sind wirksame Entspannungsverfahren.

    Ruhe bewahren und atmen! Unser Körper reagiert auf Angst mit flacher, schneller Atmung. Da heißt es innehalten, ruhig bleiben und laaaaange! ausatmen. Angst und Anspannung lösen sich – versuchen Sie’s!

    Heilkräuter aus der Natur
    Die Natur bietet uns verschiedene natürliche Mittel zur Unterstützung bei Angst und innerer Unruhe wie z.B. Lavendel (angstlösend), Lavendel & Melisse (beruhigend), Baldrian, Hopfen & Passionsblume (entspannend & schlaffördernd), Johanniskraut (stimmungsaufhellend). Ebenso hilfreich: die antidepressiv wirksamen Blütenfäden vom Safran, oder die „Antistresspflanze“ Haferstroh. Leicht dosiert bewirken sie alle eine sanfte Entspannung und helfen uns ein Stückchen mehr die innere Balance zu finden.

    Der Angst die Zähne zeigen & LACHEN!
    Zu guter Letzt sei erwähnt, dass Lächeln – auch ein innerlich vor Augen geführtes Lächeln – eine enorme Kraft besitzt und entspannt. Erfreuen Sie sich selbst und Ihre Mitmenschen mit einem kleinen Lächeln – Sie werden sehen, es kommt viel positive Resonanz zurück und die Angst hat keinen Platz mehr.

  • Gesund durch die kalte Jahreszeit mithilfe von heimischen Kräutern der Traditionell Europäischen Medizin

    Gesund durch die kalte Jahreszeit mithilfe von heimischen Kräutern der Traditionell Europäischen Medizin

    „Alle Wiesen und Matten, alle Berge und Hügel sind Apotheken …“(Paracelsus 1493-1541)

    Die Traditionelle Europäische Medizin (TEM) beschäftigt sich mit der Heilkraft und Wirkung unserer heimischen Pflanzenwelt. Altes Wissen, welches zum Teil verloren gegangen war, wird hier wiederentdeckt und neu aufbereitet, um auch die Menschen von heute in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen. Aktuell, in der Erkältungszeit, ist es wichtig, immer auf warme Füße und Nieren zu achten und auch den Nacken mittels Schal oder Tuch vor Zug und Kälte zu schützen. Wenn in der kalten Jahreszeit unser Körper erkaltet, ist es aber besonders wichtig, Wärme von außen und innen zuzuführen.

    Am besten gekochte, warme Speisen essen und auf Milchprodukte und Orangensaft verzichten, denn diese kühlen den Körper aus. Während des Infekts sind Fleischgerichte oder Kraftbrühen eher kontraproduktiv, sie geben Energie und stärken dadurch auch Viren oder Bakterien. Für den gesunden Organismus ist eine gute Fleischsuppe zum Kraft tanken aber genau richtig.

    Warme aufsteigende Fußbäder mit Basensalz und ätherischen Ölen wie Thymian, Lavendel oder Eukalyptus regen die Durchblutung an.

    Im Herbst ist auch eine pflanzliche Entgiftungskur ratsam, um den Körper gestärkt in die kalte Jahreszeit zu führen. Braunwurz etwa ist gut für die Lymphe, Löwenzahn unterstützt Leber und Galle und die Goldrute tut Niere und Blase gut.

    Um einen beginnenden grippalen Infekt abzuschwächen, helfen der bei uns heimische schwarze Holundersaft, der unsere Immunabwehr unterstützt oder auch Birkenknospen. Letztere leisten auch bei Halsschmerzen gute Dienste – genauso wie Salbei oder Propolistropfen.

    Auch der Frischpflanzenauszug der Echinacea etwa regt das Immunsystem an und hat nachgewiesene antivirale Wirkung.

    Hat das nasskalte Wetter doch zugeschlagen und leidet man unter Schnupfen, Fieber oder Husten, leistet die die TEM ebenfalls gute Dienste. Die Heckenrose und die Silberweide helfen bei Fieber und fangen auch Kopfschmerzen und Infekte ab.

    Gegen trockenen Reizhusten eignet sich wildes Stiefmütterchen, aber auch der Spitzwegerich, da durch die einhüllende Wirkung des Schleims die entzündeten Schleimhäute vor lokalen Reizungen geschützt werden.

    Lindernd bei Schnupfen und heilungsfördernd bei Nasennebenhöhlenentzündung wirkt die Weißbuche – besonders gut in Kombination mit der Johannisbeere, die bei allen Symptomen, die plötzlich und akut auftreten, angezeigt ist.

    Schon bei den Kelten sollte die Hasel vor Krankheiten schützen. Heute wird er aufgrund ihrer schleimlösenden Wirkung besonders in der Erkältungszeit gerne eingesetzt. Bei chronischer Bronchitis, bei Halsschmerzen, Hustenreiz, Nebenhöhlen- und Luftröhrenentzündung bringt sie Linderung

    In der Traditionellen Europäischen Medizin zählt der Thymian zu den wichtigsten Heilpflanzen der Winterzeit. Denn während alles friert und bibbert, vermag er genau das zu bringen, wonach wir uns am meisten sehnen: Wärme. Als Saft oder Tee, als Salbe, ätherisches Öl oder als Gewürz in der Küche – ähnlich wie die Glut im Ofen vermittelt Thymian eine tiefe, gleichmäßige Wärme, die den gesamten Körper durchdringt, ein Wohlgefühl erzeugt und den Organismus kräftigt. Bis heute kommt die aromatische Heilpflanze in zum Einsatz, da die krampflösende, bronchienentspannende Wirkung den Hustenreiz beruhigt.

    Leiden Kinder unter Keuchhusten, empfiehlt es sich, am Abend eine Duftlampe mit zwei Tropfen weißem Thymianöl anzuzünden. Doch auch bei gesunden Kindern ist Thymian beliebt! Eine abendliche Fußmassage mit Thymiansalbe wirkt über die Fußreflexzonen, bringt Wärme in den Körper, stärkt die Abwehrkräfte und beruhigt, sodass das Einschlafen leichter fällt. Der Schlaf ist dann ruhiger und erholsamer.

    Und nicht zu vergessen ist der Holunderblütentee, er gilt als Erkältungstee, bei dem der Körper auf Entgiftung schaltet und auf diese Weise versucht, lästige Viren loszuwerden.

  • Der ausgleichende Lavendel, für mehr Ruhe und Kraft!

    Der ausgleichende Lavendel, für mehr Ruhe und Kraft!

    Dass Lavendel reinigend wirkt, zeigt bereits sein Gattungsname – Lavandula wird von „lavare“, dem lateinischen Wort für „waschen“, abgeleitet. Im alten Rom galten die violetten Blüten neben der Rose als wichtigstes Körperpflegemittel. So soll auch Julius Cäsar zur abendlichen Entspannung gerne ein Lavendelbad genossen haben. Die Griechen schmückten ihre Jungfrauenopfer damit, während irischen Bräuten Lavendel-Strumpfbänder als Glücksbringer dienten. Im alten Ägypten war die duftende Pflanze eine beliebte Grabbeigabe.

    Bei der Öffnung des Grabes von Tutenchamun war selbst nach 3.000 Jahren noch der Lavendelduft wahrnehmbar. Und auch der Volksheilkunde blieb, der von Juli bis August blühende Lippenblütler nicht verborgen. In der Antike als Aphrodisiakum, gegen Schlangenbisse und zur Vertreibung von Ungeziefer genutzt, pries man im Mittelalter vor allem seine beruhigende Wirkung. Paracelsus verwendete ihn einerseits als „Nervenkräutel“ bei seelischer Erschöpfung und nachlassender Lebenskraft, andererseits, aufgrund seiner keimtötenden Eigenschaften, als Schutz vor Seuchen. Laut Signaturenlehre ist der blaue Lavendel mit seinen schmalen Blättern und seiner schlanken Gestalt dem Planet Merkur zuzuordnen. Dementsprechend soll er vor allem positiv auf das Nervensystem, die Atmung, den Stoffwechsel und die Drüsen wirken. Die verholzten, graugrünen Lavendelblätter zeigen zusätzlich Saturneinfluss an. Damit kann speziell bei älteren Menschen die Ausdauer und Spannkraft gesteigert werden.

    Öl voll Licht und Wärme
    Hildegard von Bingen schrieb dem Lavendel eine wärmende und wohltuende Wirkung zu. Und das kommt nicht von ungefähr: Die graufilzig behaarten Blätter reflektieren mit ihrem Flaum einfallende Sonnenstrahlen, nehmen Wärme auf und verhindern die Verdunstung von Feuchtigkeit. Die eingerollten Ränder der nach oben gerichteten Blätter halten zudem die Verdunstungsfläche klein. Der Lavendel ist somit bestens gewappnet für heiße Sommertage und kann die Sonnenwärme bis tief in die Nacht hinein speichern. Die so gewonnene Energie nutzt er als Quelle, um sein wertvolles ätherisches Öl zu produzieren. Hochwertiges natürliches Lavendelöl – am besten in Bio-Qualität – klärt und beruhigt mit seinem Duft den Geist, wirkt also auch auf dieser Ebene reinigend. Die antimikrobiellen Inhaltsstoffe des ätherischen Öls bekämpfen außerdem Bakterien und Pilze. Dennoch ist Lavendelöl nur so gering toxisch, dass es problemlos unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden kann. In der Duftlampe oder auf den Kopfpolster geträufelt, fördert es das Einschlafen und sorgt für eine ruhige Nacht – auch, weil es lästige Gelsen fernhält. Darüber hinaus hat es sich bei Ohrenschmerzen und -entzündungen bewährt. Ein ölgetränkter Wattebausch im Ohr bringt Linderung, kann aber auch vorbeugend genutzt werden. Zudem empfiehlt sich Lavendelöl bei Verbrennungen, Verbrühungen und juckenden Insektenstichen.

    Beruhigend bis belebend
    Das Wirkungsspektrum des Lavendels ist breit gefächert, doch seine Haupteigenschaft ist ausgleichend. Je nach unserem Zustand steuert er das bei, was uns fehlt. Sind wir gestresst, beruhigt er, sind wir depressiv, melancholisch oder mit Sorgen beladen, entfaltet sich seine belebende, erfrischende und aufbauende Wirkung. Wann immer Beschwerden auftreten, die mit nervöser Erschöpfung und nachlassender Geisteskraft in Verbindung gebracht werden können, ist Lavendel eine gute Wahl. Das Anwendungsgebiet reicht von Erregungs- und Spannungszuständen über geistige Unruhe und Schlafstörungen bis hin zu psychosomatischen Organstörungen. Zur energetischen Reinigung können neben dem ätherischen Öl auch Blüten für Räucherungen verwendet werden. Der klärende Lavendelduft sorgt dann für Ruhe und Nervenstärke. Der Wilde Lavendel ist warm und trocken, seine Wärme ist gesund.

    Hildegard von Bingen

  • Aderlass nach Hildegard von Bingen

    Aderlass nach Hildegard von Bingen

    Die bewährte Blutreinigung setzt auf die natürliche Regenerationskraft des Lebenssafts.

    Sie stärkt und eignet sich bis ins hohe Alter zur Entgiftung und Linderung vieler

    Zivilisationsbeschwerden.

    Schon seit Jahrtausenden spielt der Aderlass eine Rolle in der Medizin – bis heute wird er angewandt. Als eine der wenigen therapeutischen Maßnahmen wird er in den Krankenhäusern bei Eisenspeicherkrankheit und Polyglobulie indiziert und angewendet. In der modernen Schulmedizin arbeitet man hauptsächlich gemäß einer Indikation. Das heißt: man richtet sich nach einer Diagnose und eine möglichst standardisierte Therapie folgt.

    Harmonie im Körper herstellen
    Früher war das ein bisschen anders. Die alten Mediziner versuchten nicht eine Krankheit zu bekämpfen, sondern einen Menschen von einer Krankheit zu heilen. Dabei versuchten sie, einen Menschen in den Zustand der Eukrasie zu bringen. Eukrasie ist das richtige, harmonisch funktionierende Verhältnis der im Körper wirkenden Vorgänge, die unser Leben erhalten. Es war früher nicht so leicht, einen Heilkundigen zu finden. Vorbeugemedizin war damals notwendig, um zu überleben.

    Gesundheit erhalten
    Der Aderlass gehörte laut Hildegard von Bingen, die vor über 800 Jahren lebte und wirkte, zu den potentesten Mitteln, um eine harmonische Gesundheit zu bewahren bzw. wieder zu erlangen. „Wer gesund bleiben möchte und glaubt, dass ihm der Aderlass dabei helfen kann, der kann 1–2 mal pro Jahr den Aderlass durchführen lassen“ … Da ist keine Rede von Therapie gegen eine Krankheit! Der Aderlass ist also eine perfekte begleitende Methode, um gesund zu bleiben.

    Sie wollen Beweise dafür?
    Bitteschön: Frauen haben gegenüber Männern ein deutlich erniedrigtes Risiko an Schlaganfall und Herzinfarkt zu erkranken – aber nur solange sie nicht im Wechsel sind und ihre Monatsblutung haben. Der Aderlass ist also eine „Nachstellung“ der Mens einer Frau und soll eine „Reinigungsblutung“ sein, wobei die Selbstheilungskräfte im Organismus optimal aktiviert werden. Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Aderlass gibt es längst. Sie dokumentieren, was die Tradition der Klostermedizin bei vielfachen Indikationen ganz selbstverständlich zur Anwendung brachte: Demnach verhütet der Aderlass langfristig Herz- Kreislauf-Erkrankungen, senkt das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko sowie erhöhte Blutfette und soll vor Arteriosklerose und Diabetes bis hin zu Alzheimer schützen.

    Unterschied zur Blutabnahme/Blutspende
    Gegenüber einer herkömmlichen Blutabnahme oder einer Blutspende weist der Aderlass Besonderheiten auf.

    1. Der Vollmond bestimmt den Tag, an dem der Aderlass vorgenommen werden kann. Die ersten 6 Tage nach Vollmond sind dazu geeignet.
    2. Es wird in eine der drei Venen in der Ellenbeuge gestochen. Es gibt aber noch mehr als 50 andere „Aderlass- Venen“ über den Körper verteilt.
    3. Man lässt das Blut tropfen.
    4. Es wird gewartet, bis der Tropfen, der ins Glas fällt, seine Farbe verändert – das nennt man Farbumschlag.
    5. Man nimmt nicht immer die gleiche Menge Blut ab, sondern nur so viel, wie der Körper im Moment des Aderlasses bereit ist zu geben – der Farbumschlag bestimmt den Stopp und damit die Menge. Ein guter Aderlass ist ab 20 ml bis 150 ml möglich. Letztere ist die Maximalmenge, die auch nicht überschritten wird, wenn der Farbumschlag noch nicht sichtbar ist.