Monat: Oktober 2021

  • Stille, Seelbad, Engelsbrot

    Stille, Seelbad, Engelsbrot

    Heimische spirituelle Traditionen neu entdecken

    Autor: Dr. Karl-Heinz Steinmetz

    Auch wenn sich immer weniger Menschen als religiös im klassischen Sinn bezeichnen: Das Bedürfnis nach spiritueller Orientierung ist ungebrochen. Dabei landen viele bei den Traditionen weit entfernter Länder und Kulturen. Doch läge auch hier das Gute so nah!
    Fernab der angeblichen christlichen Leib- und Lustfeindlichkeit bergen unsere Klosterbibliotheken einen Weisheitsschatz für ein gutes und gelingendes Leben.

    Der Historiker und Theologe Karl Steinmetz hat die Vielfalt heimischer Spiritualität neu entdeckt und ins Heute übersetzt. Er zeigt, wie dieses alte Wissen uns wieder erden und so die Antwort auf moderne Probleme wie Stress, Überforderung und seelische Entwurzelung sein kann.

  • Pflanzliche Hilfe aus der Natur in der Frauenheilkunde

    Pflanzliche Hilfe aus der Natur in der Frauenheilkunde

    Was hilft bei Menstruationsbeschwerden, Wechselerscheinungen, bei Pilzinfektionen und unerfülltem Kinderwunsch und in welcher Form können die Arzneipflanzen verwendet werden.

    Heilpflanzen gehören zu unseren ältesten Begleiterinnen auf dem Weg zu Gesundheit und Wohlbefinden. Frauen wussten in allen Zeitepochen über die Heilkraft, über Zubereitungsmethoden und Anwendung Bescheid. Bei vielen Beschwerden kann Frau zu Heilpflanzen greifen. Häufig steht zuerst eine genaue schulmedizinische Abklärung des Problems. Dann erfolgt die Auswahl der richtigen Heilkräuter oder sie werden ergänzend zu schulmedizinischer Behandlung eingesetzt.

    Menstruationsbeschwerden machen sich vor Beginn der Monatsblutung und während der Tage bemerkbar oder treten als Rhythmusstörungen und zu starken oder zu schwachen Blutungen auf.

    Als Prämenstruelles Syndrom werden Probleme zusammengefasst, welche ab dem Eisprung bis zum Beginn der Regel auftreten können. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Depression, Müdigkeit, Hautprobleme, Brustempfindlichkeit, Migräneartige Beschwerden, Bauchschmerzen, Gewichtszunahme, Wasseransammlungen und Heißhunger gehören zu diesem Beschwerdebild. Andere Frauen leiden unter krampfartigen Beschwerden vor allem bei Menstruationsbeginn.

    Die Ursachen können vielfältig sein. Im Laufe des Zyklus kommt es natürlicherweise zu Veränderungen im Hormonhaushalt. Manchmal entstehen dabei Ungleichgewichte zwischen den wichtigen beiden weiblichen Hormonen Östrogen und Progesteron und dies löst Beschwerden aus. Häufig hat auch der Lebensstil Einfluss auf das weibliche Körpergeschehen. Stress, Schlafmangel, ungünstige Ernährungsgewohnheiten, Koffein, Nikotin und Alkohol und psychische Belastungen können einen Anteil an der Entstehung von Regelbeschwerden haben. Auch die Schilddrüse muss berücksichtigt werden.

    Wichtige Frauenpflanzen bei Regelbeschwerden wirken hormonausgleichend, entkrampfend, stimmungshebend, zyklusharmonisierend, schmerzlindernd.

    Mönchspfeffer in Tropfen- oder Tablettenform hilft bei PMS Symptomen wie Müdigkeit, Gereiztheit, Kopf- und Rückenschmerzen, Wassereinlagerungen, Brustspannen und Rhythmusstörungen. Frauenmantel als Tee oder in konzentrierter Tropfenform ist hilfreich zur Zyklusstärkung, bei Blutungsbeschwerden und bei PMS.

    Muskatellersalbei wirkt auf den Hormonkreislauf, kombiniert mit ätherischem Rosenöl als PMS Spray für die äußerliche Anwendung oder im Roll On zum Auftragen auf die Haut.

    Schafgarbe in Teeform oder als Tropfenkonzentrat wirkt entkrampfend und blutungsregulierend.

    Bei sehr starken Blutungen ist auch an einen ausgeglichenen Eisenhaushalt zu denken. Günstige Arzneipflanzen sind Brennnessel als Tee oder in spagyrischer Tropfenform. Auch Eisen aus dem Curryblatt in Kapselform kann gut und ohne unangenehme Nebenwirkungen in den Körper aufgenommen werden.

    Ein Teemischung für eine starke Zyklusmitte kann auf den Eisprung regulierend wirken.

    Immer wiederkehrende Pilzinfektionen oder Entzündungen im Genitalbereich können hervorragend mit magistral hergestellten Zäpfchen behandelt werden, die pflanzliche Wirkstoffe in hochkonzentrierter Form enthalten. Teils sind es Tinkturen, teils ätherische Öle, die eine breitgefächerte Wirkung gegen Bakterien, Pilze und Viren haben.

    Hilfreich sind Thymian, Rose, Frauenmantel, Ringelblume, Kapuzinerkresse, Rosengeranie.

    Bei trockenen Schleimhäuten helfen Zäpfchen oder Vaginalgele mit Rotklee, Rose, Frauenmantel oder Rosengeranie.

    Bei Wechselbeschwerden verändert sich die Hormonproduktion im Körper und nimmt langsam ab. Unregelmäßige Zyklen, ausbleibende Menstruationsblutung, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Schweißausbrüche, mentale Verstimmungszustände, Gewichtsveränderungen und allgemeine Schwäche macht vielen Frauen zu schaffen. Alternativ zu Hormonersatztherapie oder dem Einsatz von bioidenten Hormonen eignen sich vor allem hormonmodulierende Arzneipflanzen wie Traubensilberkerze, Yamswurzel, Rotklee, Granatapfel. Eine Yamswurzelcreme wird wie ein Hormonersatzpräparat auf die Innenseite von Oberarm oder Oberschenkel aufgetragen. Beschwerden wie Schwitzen, Schlafstörungen und Energiemangel können mit Tropfen oder Tees aus Salbei, Hopfen, Melisse oder Johanniskraut behandelt werden. Muskatellersalbei, Pfefferminze, Rosengeranie wirken in speziellen Körpersprays über Haut und Schleimhaut. Lavendelextrakte in Kapseln helfen bei ängstlichen Verstimmungszuständen und bei Schlafproblemen.

    Endometriose, eine Erkrankung mit Wucherungen, Blutungen und Schmerzen kann nach erfolgter Abklärung durch den Facharzt mit Arzneipflanzen wie Frauenmantel, Scharfgarbe, Löwenzahn, Ackerschachtelhalm beeinflusst werden. Teemischungen oder individuelle Tinkturenmischungen mit Heilkräutern können verwendet werden.

    Bei unerfülltem Schwangerschaftswunsch gibt es unterstützende Arzneipflanzen und ganzheitliche Behandlungsansätze. Entgiftung des Körpers mit Nestreinigungstees, Leberentgiftung in Tropfenform, Hormonbalance mit Tees und Tinkturen begleiten körperliche und seelische Aspekte des unerfüllten Kinderwunsches.

    Heilpflanzen die Verwendung finden sind Frauenmantel, Storchschnabel, Scharfgarbe.

    Arzneipflanzen sind wirksam und stellen gute und sichere Behandlungskonzepte dar. Ergänzen Sie diese mit dem richtigen Mindset, das heißt mit einer optimistischen guten inneren Einstellung zum Heilgeschehen, dem Vertrauen, dass ab sofort ganzheitliche Heilung in die Wege geleitet wird. So können Sie Ihren Heilungsprozess noch einmal vertiefen und beschleunigen.

    Der Duft, das ansehnliche Aussehen, das Gefühl im Mund bei Aufnahme, das gesamte sinnliche positive Erleben trägt genauso zur Wirkung bei, wie eine entsprechende positive innere Grundhaltung. Eine frischaufgebrühte Tasse Tee, dampfend und duftend, eine kleine Ruhepause beim Dosieren von Tropfen, dabei ein tiefes Durchatmen und ein kurzer Fokus auf die Heilwirkung die angestrebt wird, Augenschließen und ein kleiner Tagtraum beim Aufsprühen eine aromatherapeutischen duftenden Körpersprays, oder die bewusste Auszeit beim Einmassieren eines wirksamen Körperöls, all das trägt mehr zur Wirkung bei, als wir annehmen.
     

  • Voller Elan mit Esskastanie

    Voller Elan mit Esskastanie

    Eine stärkende Mitte bringt Stabilität auf allen Ebenen und schafft Vertrauen in sich selbst.

    „Vereinzelter Sohn des Südens, von einem Rompilger vor Zeiten mitgebracht“ – wenn Hesse in Narziss und Goldmund den Kastanienbaum beschreibt, erzählt er gleich seine Geschichte. Tatsächlich wurde die Edelkastanie im kaukasisch-armenischen Gebiet bereits in prähistorischen Zeiten gegessen. Später verbreiteten sie die Römer im ganzen Reich und weihten sie Jupiter, ihrem höchsten Gott.

    Mit dem Geistlichen war die Kastanie auch im Mittelalter verbunden: Viele Klöster ließen die kräftigen Bäume in Gebirgslandschaften pflanzen. Bei Nahrungsengpässen stellte sich das als lebensrettend für die Bevölkerung heraus. Denn das „Brot der Armen“, die Kastanien, wurde zu lange haltbarem Mehl vermahlen und diente als sättigendes Grundnahrungsmittel. Blätter, Blüten und Knospen wurden zur Medizin.

    Edel oder nicht?

    Auch wenn sich die Früchte gleichen, die essbare Edelkastanie ist nicht mit der Rosskastanie verwandt, die einer anderen Gattung angehört. Bei den im Herbst angebotenen, leicht zu schälenden Maroni handelt es sich um eine Zuchtform der Esskastanie. Wird sie heute aufgrund ihrer Nährstoffe wieder sehr geschätzt, galt die Kastanie bei den Edelleuten des Spätmittelalters als unschicklich und verursachte angeblich Verdauungsbeschwerden. Dabei hatte Hildegard von Bingen die vielen positiven Wirkungen der Kastanie längst schriftlich festgehalten.

    Verleiht Mut statt Wut

    Laut Hildegard gehört die Edelkastanie zu den wenigen Universalmitteln, die für den Menschen uneingeschränkt gesund sind. Ihre Schriften berichten von der Anwendung als Dampfbad gegen Jähzorn und Gicht. Die wärmende Kastanie stärke außerdem die Milz, die Körperkräfte und die Venen – was heute als erwiesen gilt. Auch das Sinnbild der Zurückhaltung, das Hildegard der Kastanie zuschreibt, wird bis heute in der Gemmotherapie genutzt. Denn als zurückhaltende Menschen stauen wir oft innerlich Wut an, die uns, ähnlich der stacheligen Kastanienschale, unantastbar macht. Das aus Kastanienknospen gewonnene Gemmomazerat hilft, die Wut abzubauen und uns neuen Wegen zu öffnen. Frischen Mut bei Lebenskrisen verleiht die Kastanien-Bachblüte Sweet Chestnut.

    Bewegt die Lymphe

    Neben ihrer stärkenden Wirkung auf Geist und Seele hat die Esskastanie auch unserem Körper einiges zu bieten. Denn während uns viele Lebensmittel übersäuern, ist die leicht verdauliche Kastanie nährstoffreich, basisch und glutenfrei. Mit zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen, darunter besonders viel Kalium, baut sie den Säure-Überschuss im Körper ab und empfiehlt sich daher bei Rheuma. Da sie die Zusammensetzung der Lymphe verbessert, fördert die Kastanie generell Entgiftung und Entschlackung. Als Folge davon klärt sich auch das Hautbild. Und wer mit vereinzelter Sohn des Südens, von einem großen Schritten durch den Herbst spazieren will, findet in der Kastanie eine gute Unterstützerin. Lymph und Blutstauungen in den Beinen, Krampfadern und Venenprobleme weiß sie mit dem Bioflavonoid Rutin zu lösen. Gegen geistige und körperliche Erschöpfung geht sie mit Phosphor und einem beachtlichen Anteil an B-Vitaminen vor. Damit stärkt sie auch unsere Nerven und macht uns stressresistenter, Stichwort: Schulbeginn. Zu guter Letzt funktioniert die Kastanie auch als gesunder, kalorienarmer Schokoladenersatz: Die enthaltene Aminosäure L-Tryptophan, die Vorstufe unseres Glückshormons Serotonin, beruhigt, wirkt schmerzlindernd und hellt unsere Stimmung auch an grauen Herbsttagen auf.

    Pflanzensteckbrief Esskastanie (Castanea sativa)

    • Wuchsform: Baum, 25 bis 35 m hoch
    • Synonyme: Edelkastanie, Kestenbaum, Maronen
    • Pflanzenfamilie: Buchengewächse (Fagaceae)
    • Verwendete Pflanzenteile: frische Blattknospen, Blätter, Früchte
    • Anwendungsbereiche: Unterstützung der Lymphe und Blutgefäße, Entgiftung, Linderung schwerer Beine und Krämpfe in Dickdarm und Gebärmutter, klärend bei unreiner Haut. Abbau von Wut, Hilfe bei Krisen, Leid und Ratlosigkeit

    Tipp zum Genießen: Kastanien Praliné

    Zutaten:

    • 50 g Bio-Butter
    • 100 g Bio-Maronipüree
      (selbst gemacht oder tiefgekühlt)
    • 500 g Bio-Zartbitterkuvertüre
    • 30 g Bio-Staubzucker, 2 EL Rum

    Zum Glasieren:

    • 200 g Bio-Zartbitterkuvertüre

    Zubereitung: Die Schokolade im Wasserbad schmelzen, dann Butter, Zucker, Maronipüree sowie Rum unterrühren und kühl stellen. Die fest gewordene Masse durchkneten und kleine Kastanien modellieren (oder jede andere beliebige Form), auf ein mit Backpapier belegtes Brett legen und gut durchkühlen lassen. Zum Überziehen die Kuvertüre im Wasserbad handwarm schmelzen, die Pralinen hineintauchen, trocknen lassen und kühl stellen.

    Tipp: Man kann die Pralinen mit gerösteten Mandeln, kandierten Veilchenblättern oder Ähnlichem verzieren – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

  • Abwehr außer Kontrolle

    Abwehr außer Kontrolle

    Allergien und Autoimmunerkrankungen Teil I

    Im Herbst können die meisten Allergiker mal richtig gut durchatmen; nur mehr wenig Pollen liegt in der Luft, Regen reinigt feine Partikel aus der Atmosphäre. Jetzt gilt es an eine naturheilkundliche Allergietherapie zu denken, diese hat nämlich in der Allergienebensaison große Bedeutung.

    Der Begriff Allergie leitet sich aus dem griechischen für „allos“ anders und „ergein“ arbeiten ab. Der Name zeigt, dass bei dieser Erkrankung das Immunsystem differenziert agiert. Spielen die verschiedenen, an der Abwehr beteiligten Organe, Zelltypen und Stoffe perfekt und in einem komplexen System zusammen, dann ist der Mensch mit einer funktionierenden Abwehr gesegnet. Bei allergischen Reaktionen klappt dieses Zusammenspiel nicht; der Körper reagiert auf im Grunde unschädliche Stoffe. Diese fehlgeleiteten Antworten des Immunsystems richten sich bei einer Allergie gegen körperfremde Partikel, während sie bei einer Autoimmunkrankheit gegen den eigenen Körper zielen. Interessant ist, dass bei einer Allergie das Verhältnis der T-Helferzellen TH1 zu TH2 Richtung TH2 verschoben ist, während bei vielen Autoimmunerkrankungen umgekehrte Proportionen vorliegen. In beiden Fällen kommt es zu Entzündungsreaktionen mit unangenehmen, bekannten Begleiterscheinungen. In Deutschland und vermutlich auch in Österreich weist knapp jeder Dritte eine allergische Erkrankung auf, jeder Fünfte leidet darunter. Geschätzt fünf bis acht Prozent sind von einer Autoimmunerkrankung betroffen.

    Wird die Signatur dieser Fehlleitung betrachtet, so zeigt sich, dass unser Körper übersensitiv auf seine Umwelt reagiert. Epidemologen haben als Ursache unsere westliche, industrialisierte Lebensweise als wesentlichen Parameter ausgemacht. Unser Lebensraum wurde im letzten Jahrhundert von chemisch, synthetischen Stoffen überschwemmt sei es in der Kleidung, der Luft, den Reinigungsmitteln und vielem mehr. Diesem zu viel an Umweltschmutz steht ein zu wenig an Dreck gegenüber. Die industrielle, denaturierte Kost ist vollgestopft mit Molekülen, die natürlicherweise in kein Lebensmittel gehören und gleichzeitig sind durch die intensive Landwirtschaft die Böden ausgelaugt und verarmt. Viel Zeit verbringen wir im Inneren von Gebäuden mit spärlicher Bewegung. Hinzukommt Lärm, Elektrosmog und ionisierende Strahlung und eine Vielzahl an Stoffen, die unser Mikrobiom beeinflussen. Ist es verwunderlich, dass der eine oder andere gegenüber dieser Welt eine gewisse Abwehrreaktion entwickelt? Im Falle einer Autoimmunerkrankung richtet sich das kriegerische Bestreben gegen eine eigene körperliche Struktur. Welches innere Gefüge bedarf einer Auflösung, dass die Aggression des Körpers sich dagegen richtet? Hier hilft ein mutiges Infragestellen der eigenen Lebensprinzipien und die Auseinandersetzung mit persönlich erforderlichen Ab- und Umbauten.

    Verschiedene Formen der Allergie sind bekannt wie etwa jene vom Früh- und Spättyp. Bezeichnet wird die Allergie nach dem auslösenden Stoff. Dabei liegt bei allen hypersensitiven Reaktionen des Körpers ein und dieselbe Ursache dahinter: Das fehlgelenkte Abwehrsystem unseres Körpers!

    Eine naturheilkundliche und ganzheitliche Therapie versucht folglich die Überempfindlichkeit zu reduzieren und stellt nicht das Allergen in den Vordergrund etwa durch Abstinenz oder Sensibilisierung.

    Grundsätzlich bedarf nicht jede überschießende Reaktion eine Therapie. In manchen Fällen reicht eine Lebensstilanpassung. Beispiele sind etwa regelmäßiges Staubsaugen und Vermeidung von Teppichböden bei einer Staubmilbenallergie oder Abstinenz des Allergens wie etwa bei gewissen Lebensmitteln. Auch Nasenspülungen oder Haarewaschen oder -spülen bei Pollinose zählen zu derartigen Maßnahmen. Zu beachten ist hierbei, dass die Basis der Symptomatik, der Lymphatismus oder Skrofulose dadurch unbeeinflusst bleiben und eine Verschlechterung des Gesamtzustands nicht ausgeschlossen werden kann.

    Der Therapeut, Arzt oder Apotheker wird entsprechend der vorliegenden Symptomatik, Anamnese und Konstitution ein Therapieschema vorschlagen. Bei saisonalen Formen wie Heuschnupfen wird der Therapiebeginn in die symptomfreie Zeit gelegt. Im Regelfall bieten sich Mittel an, die bei Lymphatismus und Skrofulose gegeben werden, da diese die konstitutionelle Basis für die Allergie darstellen. Die bekannteste Kombination ist jene von Eberraute (Artemisia abrotanum) mit Braunwurz (Scrophularia nodosa). Als alternatives Lymphmittel kann beispielsweise Augentrost (Euphrasia offizinalis) rezeptiert werden, insbesondere wenn die Haut bei Neurodermitis und Ekzemen betroffen ist. Apis wird eventuell bei juckenden, brennenden Beschwerden ergänzt, Allium cepa bei wässrigen, scharfen Absonderungen. Bei Beteiligungen der Lunge etwa im Fall von Asthma bietet sich Angelika (Angelica officinale) an, die ihren Schwerpunkt auf den Schleimhäuten und dem Lymphsystem der Atemwege hat und auch positive Effekte auf die Psyche mitbringt. Bei massiven Stauungen im Kopflymphsystem wird Kalmus (Acorus calamus) oder Stiefmütterchen (Viola tricolor) verordnet. Die Auswahl ist hier groß; die Mischung wird individuell zusammengestellt.

    Aufgrund der Bedeutung der Darmflora auf das Immunsystem, ist zwingend eine Therapie mit Probiotika erforderlich. Entsprechende Darmkeime sollten gemeinsam mit dem konstitutionellen Mittel über einen längeren Zeitraum gegeben werden, dies gilt sowohl für klassische Hypersensitivität als auch Autoimmunerkrankungen. Die Mikrobiota des HNO-Bereichs sollten nicht vergessen werden! An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Darmflora stark von der Zusammensetzung unserer Lebensmittel abhängig ist. Unsere Ernährung stellt somit das beste Mittel in der Therapie von Allergien dar (Buchtipp: M.O. Bruker: „Allergien müssen nicht sein“).

    Dem Immunsystem kann durch weitere Therapien unter die Arme gegriffen werden: Nosoden, gespritzt oder potenziert helfen zusätzlich und aktivieren die Selbstheilungskräfte. Akupunktur oder Akupressur bringen unsere Energiebahnen in Fluss. Durch das überschießende Immunsystem werden Mikronährstoffe vermehrt verbraucht. Allergiker profitieren daher von der Gabe von Zink, Selen und den Vitaminen C und D. Da die Symptomatik bei den Patienten durchaus wechseln und unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann, leiden die Patienten unter dem fehlenden Verständnis der Umgebung. Bekannt ist, dass die Ausprägung der Erkrankung zusätzlich psychosomatisch geprägt wird. Entspannungstherapien und entsprechende pflanzliche Therapeutika können sinnvollerweise die Maßnahmen vervollständigen.

    Erfahrungsgemäß ist eine Nebensaison zu kurz, um das Immunsystem wieder zu stabilisieren. Helfer aus dem naturheilkundlichen Portfolio sind daher für die eigentliche, symptomgeprägte Saison relevant. Welche Therapieoptionen zur Unterstützung in der Allergiezeit helfen können, lesen sie in einem späteren Newsletter.

  • Die Organpflege im Jahreskreis

    Die Organpflege im Jahreskreis

    Oktober – Waage – Venus, Hüfte-Nieren-Blase

    Das Symbol der Waage zeigt uns auf eine recht eindrückliche Art, wie mit der weltlichen Dualität umzugehen versucht wird. Dualität ist nicht mit Polarität gleichzusetzen. Vielmehr steht der Dualität etwas Vermittelndes dazwischen, eine Art Achse, die diese beiden Anteile in Balance zu halten versucht. Sie stehen in Beziehung.

    Und Waagemenschen sind Beziehungsmenschen, abwägende, ausgleichende Prinzipien lebend. Das Mittige versinnbildlicht das Schiedsgericht, das in sich ruhend unbeeinflusst bleibt von äußeren Belangen.

    Waage Geborene lieben und brauchen Verbindungen, gute Kameraden und Freundschaften und schöpfen ihre Kräfte daraus. Liebe und Harmonie gehören zu ihren Lebensbedürfnissen. Das „Wahre, Schöne und Gute“ können sie geschickt und großzügig weiterschenken. Nicht ganz so entschlossen, aber der Entscheidung doch gern gerecht werden wollend, zögern Waagemenschen und wägen lieber einmal öfter zu viel ab, als feste Entschlüsse zu fassen.

    Im Zeichen Waage und den körperlichen Entsprechungen finden wir das Nierenpaar, das Becken und in deren Mitte die Blase als „empfindlich reagierende Organe“ wieder. An Waagetagen sollte jede Feuchte in diesen Bereichen vermieden werden. Denn schon eine feuchte Badehose länger am Leib getragen, kann zu Nieren- oder Blasenproblemen führen. Wärme tut da vor allem gut.

    Die Nieren sind Ausgleichsgefäße und Partner der Blase. Sie regulieren den Wasserhaushalt des Körpers und erfüllen das ganze Zellsystem. Ihre Arbeit gleicht bildlich einer Destillationsanlage. Beinahe jeder Tropfen wird durchgefiltert und auf einen Scheideweg gebracht, um saure, scharfe oder unreine Säfte ausscheiden zu können. Ist ihre Funktion beeinträchtigt, stauen sich die zirkulierenden Flüssigkeiten an verschiedenen Körperzonen, -Stellen und Systemen wie Gelenken, Muskeln, Fasern, Lymphsystem u.a. (Sekundär-Fluida nach TEM).

    Der Nierenmeridian verläuft entlang der Wirbelsäule zum Schädel hochsteigend. Klagen Klienten über Kreuzschmerzen oder Nackenschmerzen, kann dies an einer Schwäche oder Verspannung des Lendenmuskels oder/und Darmbeinmuskels liegen. Oder Nieren, deren Funktionen eingeschränkt sind und auf die Wirbelsäule drücken. Auch der obere trapezförmige Muskel steht in Verbindung zu Augen- oder Ohrenstörungen, dessen Ursache in Nieren und Blasenfunktion zu finden sein kann.

    Eine gereizte Blase entsteht auch, wenn ihrem Drang der Entleerung nicht zur gerufenen Zeit stattgegeben wird. Bei Müttern ist das dann der Fall, wenn sie denken: „…jetzt mach ich schnell noch dies und jenes, und dann gehe ich auf die Toilette…“. Hier wird das natürliche Bedürfnis, „der Ruf der Blase“, übergangen und kann aufgrund dessen und kürzerer Harnröhre bei der Frau schneller zu Stauungen und Ablagerungen in den Kanälen führen. Diese kristallisieren, reiben sich an den Wänden und verursachen Schmerzen. Denn Säuren verdichten sich bekanntlich zu Salzen.

    Als Luftzeichen spürt die Waage die feinsten Bewegungen, Vibrationen und die Dinge, die eben „in der Luft liegen“ zuallererst. Es scheint auch ein wenig an ihrem Schutzmechanismus zu liegen, den prekären Situationen lieber aus dem Weg gehen zu wollen. Denn Konflikten zu begegnen, zählt so gar nicht zu seinen Stärken. Das geht ihr besonders an die Nieren – und macht Angst. Das erfordert im Grunde Mut und Willenskraft und das Bedürfnis nach Ausgleichung. Mit Feuchte und Wärme zubereiteter Nahrung und moderat dosierter Anwendung von Salz und vielen basenreichen Kräutern lässt sich so manche irritable Grundstimmung regulativ unterstützen. Fragt man Klienten nach dem Bedarf an salziger Nahrung, wir meist angegeben, dass man wenig Salz verwende….. Für den einen ist gesalzene Nahrung wenig, für den anderen ungenießbar. Vor allem das chemisch hergestellte Natrium Chlorid ist seiner Gestalt nach unter dem Mikroskop molekular großformatig und löst sich nur bedingt so auf, dass es in flüssiger Form (v.a. über die Nieren) wieder ausgeschieden werden kann. Hier liegt m. M. nach, zusammen mit herkömmlichen Speiseölen hinterfragt, der wahre Grund für Wasseransammlungen wie Cellulitis & Co.

    In Europa wächst eines der besten Nieren- und Blasenkräuter: die Goldrute (Solidago virgaurea). Ob Solidago canadensis die gleiche Wirkkraft aufweist, ist, wieder einmal, umstritten. Berberitzenbeeren, 1 EL morgens nüchtern gut gekaut, lindern Blasen- und Nierenbeschwerden. Wacholderbeeren können u.U. Nieren reizen und sind deshalb nicht für jeden geeignet. Die Bärentraubenblätter (Uva ursina) als Tee, oder Preiselbeeren (Vaccinum vitis-idaea), als Saft oder getrocknet, werden häufig bei Blasenleiden wie Entzündungen oder gereizter Blase verordnet. Sie enthalten viel Kalium, Kalcium, Magnesium und Vit. C., Quercetin, Triterpene, Benzoe- und Syringasäure. Das Zinnkraut (Equisetum arvense) weist sehr hilfreiche Linderung da auf, wo Nieren- und Blasenleiden schon in verdichtetere Säfte und Schleime übergegangen sind. Storchenschnabel (Geranium robertianum) oder Spitzwegerich (Plantago lanceolata) als Tee zubereitet, verschafft Klarheit im System Wasserhaushalt. Mit dem Saft vom Bierrettich (Raphanus), den es zu verschiedenen Jahreszeiten als Frühlings-, Sommer- Herbstsorte im Handel gibt stellt man folgende Rezeptur zur Optimierung der Nierenfunktion her: 2-3 EL Frischsaft morgens nüchtern in etwas warmem Wasser, nicht länger als drei Tage lang einnehmen. Damit kann die Nierenfunktion geöffnet werden. Dieser kleine, aber effiziente „Schubs“ bringt ihre Tätigkeit wieder in Fluss. Das Thema viel Trinken nach Tabelle und Statistik ist nicht bei allen Menschen gleich hilfreich anwendbar und sollte differenziert untersucht und gehandhabt werden. Nierenschonend außerdem: abgekochtes Wasser, ohne süße Zutaten, ab 17:00h reduzieren.

    Die Hüfte gleicht einer Schale und bildet die Basis für das Rückgrat. Wie der Mensch im Leben dasteht und sich fortbewegt, hängt von zahlreichen Möglichkeiten ab, einem belasteten Hüftgelenk vorzubeugen. Bewegung, richtig Atmen, spezifische Gymnastik und regelmäßige Kontrolle beim Chiropraktiker klingt nach vollem Programm. Dem braucht nicht so zu sein, denn ½ Std. gezieltes Training jeden Tag kräftigt und schützt vor Abnutzung. Als ganzheitliche und sehr viel weitreichendere Methoden seien hier u.a. Moshé Feldenkrais, Pilates, Benita Cantieni oder Qi Gong erwähnt. Ganz im Sinne einer venusischen Waage kann hier Geschmack, Stil, Sinnlichkeit mit dem richtigen Maß zu Wohlbefinden hinlenken.

    „Sich selbst zu erkennen, scheint mir das Wichtigste, was ein Mensch für sich tun kann. Aber wie kann man sich erkennen? Indem man lernt zu tun, nicht wie man »sollte«, sondern wie es einem selbst gemäß ist.“
    Zitat: Moshé Feldenkrais (aus „Die Entdeckung des Selbstverständlichen“ Suhrkamp 1987)

    Moshé Feldenkrais                                                  Preiselbeere