Monat: September 2021

  • Meisterwurz

    Meisterwurz

    Der Star der Hildegard Medizin und „Meisterin aller Heilwurzen

    Die Meisterwurz, auf die man hauptsächlich im alpinen Bereich auf über 1000 Meter Seehöhe trifft, präsentiert sich als Heilpflanze, deren Heilkräfte in den letzten Jahrhunderten von Ärzten besonders geschätzt wurden. Für einige Jahrhunderte galt sie sogar als Allheilmittel. Paracelsus schätzte die Heilpflanze so sehr, dass er angeblich immer ein Wurzelstück bei sich getragen haben soll.

    „Die Meisterwurz ist warm und taugt gegen Fieber“, schrieb auch Hildegard von Bingen und beschrieb damit die Qualität der Meisterwurz, innerlich wärmend und damit auch immunanregend gegen Infektionskrankheiten zu sein.

    Aus den Kräuterbüchern der Gegenwart ist die Meisterwurz allerdings in den letzten Jahrzehnten immer mehr verschwunden. Dies jedoch ohne Grund, wie man anhand der vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten und medizinisch bestätigten Wirkung erkennen kann.

    Allheilmittel des Mittelalters
    Im Mittelalter stand die Meisterwurz in ihrem höchsten Ansehen. Die innerlich anregende Wirkung einer Pflanze, deren „warme“ Elementqualität das „innere Feuer“ anregen kann, in Kombination mit einer entgiftenden Wirkung, brachte Paracelsus dazu, die Meisterwurz in Rezepturen einzusetzen, die dazu dienen sollten, „den inneren Alchemisten“ anzuregen. Doch nicht nur zur Stoffwechselanregung nutzte Paracelsus die Meisterwurz, er war der Meinung, dass sie vor allem bei Männern Lebensgeister stärken kann. Ein volkstümlicher Spruch drückt dies recht deutlich aus: „Die Meisterwurz hilft dem Meister auf die Meisterin“. Im Alpenraum wird sie bis heute als „Ginseng des Westens“ geschätzt.

    Anwendung in der Volksmedizin
    Meisterwurz wird und wurde in der Volksmedizin zur Steigerung der Abwehrkräfte und bei Atemwegserkrankungen, wie der Verschleimung von Atemwegen, sowohl innerlich als Tee, als auch äußerlich zur Inhalation, verwendet. Eines der Hauptanwendungsgebiete ist ebenso der Verdauungstrakt. So wird Meisterwurz bei Problemen wie Appetitlosigkeit, Magenverstimmungen, Blähungen und Magenkrämpfen verwendet und hilft den gesamten Darmtrakt zu reinigen und durch die Anregung aller Verdauungssäfte die Darmtätigkeit zu verbessern.

    Auch als Wasser treibendes oder Schweiß absonderndes Mittel bei Fieberzuständen, sowie zur Behebung von Schwächezuständen bei älteren Menschen wird es gerne verwendet. Nicht zuletzt als Potenz förderndes Stärkungsmittel ist Meisterwurz bekannt und wird auch zur Umstimmung des Stoffwechsels mit guten Erfolgen eingesetzt.

    Eine Anwendung bei Entzündungen der Magen- oder Darmschleimhäute und bei Gallensteinen sollte jedoch vermieden werden.

    Meisterwurz wissenschaftlich
    Meisterwurz ist ein Amarum aromaticum, also eine aromatische Bitterstoffdroge. Der scharfe Geschmack der Meisterwurz ist auf das in ihr enthaltene ätherische Öl zurückzuführen, in dem sich 95% Terpene befinden. Diese sind stark antibakteriell, immunmodulierend und entzündungshemmend. Die Bitterstoffe wirken tonisierend, appetitanregend und verdauungsfördernd, was unter anderem die Verdauung angeregt und die Gallensaftproduktion fördert. Blähungen werden gelindert. Untersuchungen am Institut für Pharmakognosie der Karl – Franzens – Universität in Graz zeigten, dass Extrakte aus der Meisterwurz antioxidativ und als Radikalfänger wirken.

    Unser Tipp: die Zubereitung von Meisterwurz Tee

    2 Teelöffel des getrockneten Wurzelstocks werden mit 250 ml kaltem Wasser angesetzt und bis zum Kochen erhitzt; 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen und zweimal täglich trinken.

    Bild: Aus Köhler’s Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte (1887)

  • Die Organpflege im Jahreskreis

    Die Organpflege im Jahreskreis

    September – Jungfrau – Merkur

    Ordnung heißt das klare, ruhige und bedachte Prädikat der Jungfrau-Geborenen. Es gibt immer etwas zu reinigen, zu sortieren, Gutes vom nicht Brauchbaren zu trennen. Sie sind auch immer darauf bedacht, etwas Vorrat „für magere Zeiten“ anzulegen und sparsam mit Ressourcen umzugehen. Die Gedankengänge in diesem Habitat gleichen einem Bienenstock. Es ist wie ein ständiges, beinahe schon wieder rhythmisches Pflegen und Hegen und Umsortieren wertvoller Lebensart. Jeder nach seinen Möglichkeiten und für alle gedacht.

    Verdauungsorgane
    Der Verdauungstrakt wird dem Monat September zugeteilt, dem Jungfrau-Monat. Ernten, Ordnen und Verarbeiten, so wie es mit der Verdauung der Mahlzeit im Körper geschieht. Der Magen über den Dünn- und Dickdarm zu Milz und Bauchspeicheldrüse werden an diesen Tagen und im Sternzeichen-Geborene selbst angesprochen und bedürfen einer etwas tiefer gehenden Pflege. Es könnte bereits die erste morgendliche Information, die der Magen erhält/empfängt, ein wichtiger Schritt sein, ihn liebevoll zu einer Tasse feucht/warmem Tee aus folgenden Kräutern als „willkommen im neuen Tag“ einzuladen:

    Teemischung:
    Schafgarbe 6 g, Mandarinenschalen 5 g, Pfefferminzblätter 4 g, Ringelblume 6 g, Süßholz 3 g, Fenchelsamen 9 g, Enzianwurzel 3 g, gekeimte Gerste 9 g, Weißdornfrüchte 9 g (Quelle: Ploberger, Florian Bacopa Verlag).

    Betrachten wir den Magen als eine Schüssel (empfangendes Symbol), die alles so aufnimmt, wie sie es verabreicht bekommt, bedarf es einer bewussten Begutachtung, einer geistigen Einladung und eines Dankeschöns in Bezug auf die dargereichten Lebensmittel, für die Schwerarbeit im Sortieren und Ordnen der jeweiligen Qualität! Das ist es dann, was „den Körper zu schaffen macht, oder wohlwollend entgegengebracht wird“! In eigener Verantwortung. Und vielleicht kommt das sich bildliche bewusst machen aus der Chinesischen Medizin sehr zu Hilfe: „Der Magen hat keine Zähne“. Ja, in der Tat! D.h., dass eben die eingenommenen Happen aus trockener, fester, breiiger oder flüssiger Konsistenz sehr gut durchzukauen und einzuspeicheln sind. Dies kann zum Ziel führen, den Prozess des Stoffwechsels maßgeblich zu beeinflussen. Damit lassen sich schon mal primär sich anbahnende Verdauungsbeschwerden vermindern und bereits erwachsene Beschwerden vermeiden!

    Durch den Magen strömen auch so gut wie alle hinlänglich bekannten Meridiane und es ist nur zu offensichtlich, dass die Station MAGEN in der Verdauungsarbeit eine der wichtigsten Stationen ist, eine der wichtigsten Rollen im Verarbeitungsprozess zukommt!

    In der TEM werden Magen und Zwölffingerdarm zusammenhängend betrachtet und lediglich durch einen Sphinkter (ringförmiger Muskel) in zwei Funktionsräume unterschieden. Durch ihre beiden Kräfte werden verschiedene Organe zur Mithilfe angeregt, die wiederum dem Magen zur optimalen Verstoffwechselung der Nahrung bereitstehen (erste Kochung beeinflusst durch zweite und dritte Kochung und Assimilierung): Dünn- und Dickdarm, Galle, Leber, Bauchspeicheldrüse, Herz, Milz, Pankreas, Lunge. Daran erkennt man die multifunktionale Zusammenarbeit, um den Körper in seiner ganzheitlichen Erhaltung verdauungs- und aufnahmetüchtig zu halten.

    Schwere oder fettreiche Speisen und die sicherlich gesunde Rohkost sind nichts für gefühlsbetonte Jungfrau-Geborene und deren Herzensangelegenheiten, die sie lieber ganz für sich im Inneren auszubalancieren versuchen. Sie sprechen nicht gern offen über das, was sie bedrückt und ausgiebig beschäftigt. Darmprobleme deuten sehr oft auf eine vernachlässigte Wirklichkeit im Umgang mit seinen eigenen Bedürfnissen. Da werden Zorn, Bedauern oder Selbstkritik „hinuntergeschluckt“. Die Sorgfalt im Umgang mit geistig/seelisch/körperlichen Themen gehört auch zum Verdauungssystem und spiegeln sich psychosomatisch im Bauchraum als „schwer verdaulich“ und zu Gewichtzunahme neigend wider. Jahrelang geübte Verhaltensweisen lassen sich nicht über Nacht beheben. Der Körper reagiert langsam auf Umstellungen wie etwa Essgewohnheiten. Dazu braucht es Geduld, die Jungfrau nicht immer hat und dabei gern schnelle Resultate auf dem Tisch hätte. Im Monat September kündigt sich auf dem Gemüsemarkt schon der nahende Herbst an. Genau richtig, um dem Magen und Darm seine Medizin zukommen zu lassen: Kürbis beispielsweise, der goldgelbe bis orange. Es ist die Farbe des Monats, der guten Verdauung, der Medizin für Milz und liebevoll wärmende, süßliche Geschmack für die Bauchspeicheldrüse. Es ist die Süße, die im Koch- oder Dämpfvorgang den natürlichen pflanzlichen Zucker freisetzt, ein Stück der Verdauungsarbeit schon geleistet hat, um heilsam zu wirken und Kräfte zu bündeln. Genauso verhält es sich mit vielen anderen Gemüsesorten wie Rote Bete, weißer Rettich oder Karotten, um nur einige zu nennen.

    Ihr Planet ist der Merkur, der beflügelte Götterbote, der die Dunkelheit erhellt und den Menschen die Botschaften der Götter erläutert. Er vermittelt Logik, Kommunikation, Analyse, Kritische Betrachtung. Sein Metall ist das Quecksilber. Er wird oft in Verbindung mit der Schlange gebracht. In der Alchemie bildet Merkur die Verbindung zwischen Sal und Sulfur und dient auch hier als Vermittler.

  • Erdender Spätsommer

    Erdender Spätsommer

    Eine stärkende Mitte bringt Stabilität auf allen Ebenen und schafft Vertrauen in sich selbst.

    Wenn der Sommer zu Ende geht, lassen wir ihn noch einmal Revue passieren. Die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut, die entspannten Abende mit Freunden im Freien, sorglos bis tief in die Nacht hinein. Das Innehalten zur Zeit der Reife und Ernte hilft uns, die gesammelte Energie zu bündeln und unsere Speicher noch einmal gezielt für die kommenden Monate aufzufüllen. Nicht umsonst stehen im Spätsommer viele Erntedankfeste an.

    Der richtige Moment, Dankbarkeit zu empfinden und uns vertrauensvoll zu erden. Denn die Erde, das Element dieser sogenannten Wandlungsphase, versorgt uns verlässlich mit Nahrung. Aufnehmen, Annehmen, Umwandeln und Verteilen – die typischen Aufgaben der Erde erfüllen auch die dem Spätsommer zugeordneten Organe: der Magen und die Milz. Ideal, sie jetzt zu stärken!

    In der Mitte liegt die Kraft
    Unsere Mitte ist als Sitz der ganzheitlichen Weisheit, der Intuition und der inneren Stimme zu verstehen. Durch Meditation, Achtsamkeit und bewusstes Atmen lassen sich Geist und Seele zentrieren. Das ermöglicht uns aktive Spiritualität. Der innere Energiefluss dieses Kräftezentrums steht mit unseren Körpersäften eng in Verbindung. Kühlende und verschleimende Nahrungsmittel, wie Rohkost, Kuhmilchprodukte, Weizenbrot oder Nudeln, schwächen die Mitte. Auf mentaler Ebene werden die Gedanken trüb und träge. Jetzt sind warme, gekochten Speisen mit saisonalem Gemüse und Obst die richtige Wahl. Gerade im Spätsommer stehen Verdauung, Stoffwechsel und eben die Produktion der Körpersäfte im Mittelpunkt.

    Mit der Süße der Erde in die eigene Kraft kommen.
    Süße Erdkräuter wie Kalmus – der aphrodisierende europäische Ingwer – und Engelwurz, auch als Angelika bekannt, wirken krampflösend und regen Magen und andere Organe an, sämtliche Verdauungssäfte herzustellen. „Das Wasser läuft uns im Mund zusammen“, wie das alte Sprichwort so schön sagt. Lebensmittel von süßem Geschmack vermitteln Sicherheit und wohlige Entspannung. Die gewonnene, vertrauensvolle Stabilität schenkt die Kraft, übertriebene Sorgen und negative Grübeleien loszulassen, sodass sich tiefe Zufriedenheit einstellen kann. Die entzündungshemmende Süßholzwurzel stärkt das zweite Herbstorgan, die Milz. Ihre Aufgabe ist es, den Körper mittels Abwehrzellen vor Bakterien, Viren und Pilzen zu schützen. Sie nimmt daher eine wichtige Schlüsselrolle für ein gesundes Immunsystem ein.

    Das Wesen des Spätsommers

    • Element: Erde
    • Geschmack: süß
    • Wirkung: entspannend, zentrierend, stärkend, befeuchtend, den Flüssigkeitshaushalt regulierend, die Säfte anregend, energiespendend
    • Emotionale Aufgabe: vertrauen und entspannen
    • Organe: Milz und Magen
    • Heilpflanzen: Kalmus und Engelwurz heizen das Verdauungsfeuer an, Süßholz und Eibisch wirken reinigend und schützend auf die Schleimhäute
    • Ernährung: Süßes aus der Natur tut uns jetzt gut, z.B. gekochtes Getreide (alle Sorten außer Weizen), Karotten, Kürbisse und Nüsse. Weniger gut geeignet sind Zucker, Milchprodukte und Rohkost.
  • Pilze für Wohlbefinden und Gesundheit

    Pilze für Wohlbefinden und Gesundheit

    Teil II

    Im Spätsommer und Herbst gilt es hinaus in den Wald zu den Pilzen zu gehen – die Pilzsaison ist eröffnet. Bereits während der Sommermonate sprießen Champignons, Steinpilze oder Pfifferlinge, im Herbst sind sie besonders ausgiebig zu finden. Pilze aus Wald und Flur stehen jedoch ganzjährig zu Verfügung: im Herbst der Schopftintling, im Spätherbst und Winter das Judasohr, der Austernseitling und der Samtfußrübling, im Frühling die Morcheln. Die Schmetterlingstramete ist ganzjährig in der Natur zu ernten, jedoch kein Speisepilz. Viele Schwammerl werden mittlerweile aus Bio-Zucht im Handel frisch oder getrocknet angeboten. Fast alle haben nachgewiesene therapeutische Wirkungen.

    Die Verwendung der Pilze hat bei uns eine lange Tradition. Bilder aus dem 11. und 12. Jhd. n. u. Z. zeigen Bibelszenen mit groß dargestellten Pilzkörpern. Die Nutzung der Pilze bei spirituellen Ritualen veranlasste die Kirche vermutlich Pilze mit Hexen in Verbindung zu bringen, womit das Wissen über die Heileigenschaften in Folge verloren ging. In mittelalterlichen Kräuterbüchern sind nur mehr wenige bis gar keine Schwammerl erwähnt. Asiatische Länder zeigen indes eine durchgehende Tradition. Mittlerweile wird seit ein paar Jahrzehnten verstärkt im abendländischen Raum an medizinischen Anwendungsmöglichkeiten von Pilzen und deren Inhaltsstoffen geforscht, denn viele Schwämme beinhalten pharmakologisch aktive Stoffe. Einige davon lassen sich in Form der Fruchtkörper leicht in unseren Wäldern finden:

    Champignon (Agaricus bisporus und andere Arten)
    Wir kennen schätzungsweise 200 verschiedene Champignon-Arten; die meisten sind essbar. Vorsicht ist dennoch geboten, da auch einige Giftige wie etwa der Karbolchampignon beschrieben sind. Diese Schirmlinge bilden von Mai bis Oktober in den heimischen Wiesen und Wäldern Fruchtkörper aus und sind weiters ganzjährig als Zuchtpilze verfügbar. Kein anderer Speisepilz wird weltweit in solch großen Mengen angebaut wie der Champignon.

    Studien zufolge schützen diese Pilze die Leber und unterstützen die Gesundheit. Präventiv kann er bei Tumorerkrankung angewendet werden. Medizinisch begleitet von erfahrenen Therapeuten erfolgt die Anwendung bei verschiedenen Krebserkrankungen ergänzend zur klassischen Therapie. Ferner fördert der Champignon die Wundheilung und beugt übermäßiger Narbenbildung vor.

    Judasohr (Auricularia polytricha)
    Das Judasohr ist ein Pilz der ganzjährig auf Holundersträuchen wächst und folglich Hollerschwamm genannt wird. Der Pilz ist für Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen gedacht, er verbessert die Fließeigenschaften des Blutes und damit die Durchblutung insgesamt. Seine Wirkungen entfalten sich bei zu hohem Blutdruck und Blutzucker; er wird bei Typ 2 Diabetes gegeben. Interessanterweise hilft er sowohl innerlich und äußerlich zur Blutstillung. Beschrieben ist die Harmonisierung bei Muskelkrämpfen und Rückenschmerzen, er wirkt allgemein vitalisierend und als Stärkungsmittel und selbstverständlich zur Unterstützung des Immunsystems.

    Schopftintling (Coprinus comatus)
    Dieser Lamellenpilz wächst bis November auf nährstoffreichen Wiesen, Äckern und am Wegesrand, er ist häufig zu finden. Er muss jung rasch verarbeitet werden, denn er zerfließt bald zu einer schwarzen Flüssigkeit, in der die reifen Sporen enthalten sind. Wegen seines besonderen Aromas wird er auch Spargelpilz genannt, er kann getrocknet werden. Er enthält Vitamin C, B1, B2, und B3 sowie Inhaltsstoffe die antioxidativ wirken. Haupteinsatzgebiet ist die begleitende Therapie bei Diabetes sowohl Typ 1 als Typ 2. Die Blutzuckersenkung kann so heftig sein, dass zwingend eine Überwachung der Werte erforderlich ist. Bei Durchblutungsstörungen kann er ebenso gegeben werden, wie bei Störungen der Darmflora und bei Hämorrhoiden. Wie alle Pilze kann er bei Tumorerkrankungen unterstützend helfen.

    Samtfußrübling (Flammuling velutipes)
    Der auch „Winterpilz“ genannte Schwamm ist ein ausgezeichneter Speisepilz, wobei nur die Hüte verarbeitet werden. Er kommt von Oktober bis März vor, seine Fruchtkörper sind frostunempfindlich und faulen nicht. Zu finden ist er an Totholz von Laubbäumen sowie an lebenden Stämmen und ist zu dieser Jahreszeit fast unverwechselbar. Als Zuchtpilz ist er unter dem Namen Enoki erhältlich. Untersucht sind seine antimikrobiellen Eigenschaften sowie sein modulierender Einfluss auf das Immunsystem. Dem entsprechend kann er bei Infekten sowie präventiv und begleitend bei verschiedenen Krebsarten gegeben werden.

    Schmetterlingstramete (Trametes versicolor)
    Die hübsche Schmetterlingstramete ist bei uns ganzjährig leicht zu finden, allerdings ist sie kein Speisepilz. Sie wächst an totem Holz, bildet flache, rosettenartige Hüte aus, die in verschiedenen Farben zonenartige Ringe aufweist.

    Der auch als Coriolus bezeichnete Schwamm enthält neben Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen einen hohen Anteil an proteingebundenen Polysacchariden. Diese sind hocheffektive Immunstimulanzien und erzielen in der begleitenden Krebstherapie Erfolge. Das Haupteinsatzgebiet liegt somit in der Prävention sowie bei der Unterstützung bei der Behandlung von Tumoren, jedoch auch zur Abschwächung der Nebenwirkung in der Strahlen- und Chemotherapie. Bestätigt ist seine Anwendung zur Verbesserung der Wirksamkeit von Krebsmedikamenten. Die Schmetterlingstramete weist einen kräftigen antimikrobiellen Effekt auf und wird bei Candidainfektionen sowie allen Formen der bakteriellen und viralen Erkrankungen gegeben; sie stärkt und reguliert das Immunsystem. Therapeutische Anwendung findet sie darüber hinaus zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen und Allergien.

    Da der Pilz aufgrund seiner Zähigkeit und seiner Aromen als Speisepilz ungeeignet ist, wird er getrocknet und zu Pulver verarbeitet. Dieses kann bis zu einer Dosis von 8 g pro Tag eingenommen oder als Tee aufgegossen werden. Die Verarbeitung in Speisen ist unter Beachtung des Eigenaromas möglich.

    Eierschwammerl (Cantharellus cibarius)
    Der als Pfifferling bekannte Speisepilz, dessen pfeffriger Geschmack des rohen Fleisches namensgebend ist, kommt von Juli bis November vor und ist sehr beliebt. Er gilt als schwer verdaulich und sollte daher zur Verarbeitung dünn und klein geschnitten werden. Das Eierschwammerl gehört nicht zu den gängigen Heilpilzen, hat aber vergleichsweiße hohe Werte an Vitamin D und Betacarotin. Nachgewiesen sind hohe Mengen an Kalium, viel Kupfer und Zink. Wie alle Pilze wirkt es auf das Immunsystem. Entgegen der üblichen Meinung lassen sich Eierschwammerl trocknen. Das Kochwasser soll, wie bei allen getrockneten Pilzen weiterverarbeitet werden, da sich darin der Großteil der bedeutenden Inhaltsstoffe befindet.

    Verwandt mit dem Pfifferling ist die Totentrompete (Craterellus cornucopioides), die ein besonders feines Aroma entwickelt und farbige Carotinoide (Xanthine) und Radikalfänger enthält.

    Herrenpilz (Boletus edulis)
    Der Steinpilz ist ein Röhrenpilz mit festem Fruchtkörper und kompaktem Fleisch. Gefunden werden kann er von Juli bis in den November hinein -je nach Witterung- in lichten Nadel- und Mischwäldern. Er ist besonders reich an Aminosäuren, die Hälfte davon besteht aus lebenswichtigen essenziellen Aminosäuren. Praktisch alle B-Vitamine sind nachgewiesen, B 12 ausgenommen, auch Vitamin K und E sind enthalten. Von den Mineralstoffen beinhaltet der Pilz Kalium, Eisen, Kupfer, Mangan und Zink. Er besitzt außerdem ein natürliches Anreicherungsvermögen für Selen, welches organisch gebunden ist und dadurch besonders leicht vom Körper aufgenommen werden kann. Der Steinpilz scheint Schwermetalle wie Quecksilber oder Silber einzulagern, er sollte daher an unbedenklichen Standorten gesammelt. Der Steinpilz enthält antioxidativ wirkende Verbindungen, die eine deutliche Hemmwirkung gegenüber verschiedenen Tumoren zeigen. Die entsprechenden Inhaltsstoffe sind nur im Fruchtkörper enthalten. Der Pilz schützt vor Schädigungen der Gehirnzellen und stärkt die Gesundheit. Plinius empfahl den Steinpilz für den Magen. Eine Tinktur des Steinpilzes wird bei Durchblutungsstörungen, Blutdruck, Durchblutungsstörungen des Herzens und Zysten sowie Myomen eingesetzt. Wegen des Gehalts an Selen und Vitamin E ist die Einnahme bei Schilddrüsenproblemen empfehlenswert.

    Weitere heimische Pilze, denen positive Effekte auf die Gesundheit nachgewiesen wurde, sind etwa der Hallimasch (Armillaria mellea), der Pilz für das „gute Altern“, der beruhigend wirkt. Zu nennen ist der Austernseitling (Pleurotus ostreatus), der antioxidative Wirkungen entfaltet. Medizinisch wird er bei Beschwerden der Muskel und Sehnen gegeben. Ein besonderer Schwamm ist der Schiefe Schillerporling (Inonotus obliquus), der unter dem Namen Chaga arzneilich verwendet wird. Anwendungsgebiete sind Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, wobei die Stabilisierung der Darmflora im Vordergrund steht, wodurch ferner die Beschwerdebilder der Haut verbessert werden. Seine Wirkung ist enorm antioxidativ und zeigt im Vergleich zu anderen Pilzen höchste Werte.

    Pilze gehören aufgrund all ihrer vielfältigen Wirkungen auf den Speiseplan und können auf diese Weise leicht therapeutisch unterstützend genutzt werden. Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie bei den hier oftmals genannten Tumorerkrankungen, sollte zwingend die Hilfe eines Spezialisten hinzugezogen werden. Dieser wird individuell passende Pilze in Ergänzung zur konventionellen Therapie sowie geeignete Darreichungsformen und Dosierungen empfehlen können.

    In unseren Wäldern und Wiesen lassen sich neben Kräutern also zusätzlich Pilze für unser Wohlbefinden entdecken. Wie bei den Pflanzen gilt es daher, nur solche zu nehmen, die bekannt oder einwandfrei zu identifizieren sind. Ferner mögen im Sinne der Schonung der Ressourcen Pilze nur für den Eigenbedarf gesammelt werden. Unsere heimischen Pilze können fast ganzjährig unsere Gesundheit und Homöostase, also unsere Mitte und unser Gleichgewicht auf breiter Ebene fördern. Sie sind damit regelrechte Mediziner der Natur.

    Literatur bei der Verfasserin