Monat: September 2020

  • Körperliche Bewegung – einst und jetzt

    Körperliche Bewegung – einst und jetzt

    Teil 2: Reizlehre und Anpassungsfähigkeit

    Im 1. Teil des Artikels habe ich über Bedeutung der körperlichen Bewegung in der Physiologie der Humorallehre sowie über Diätetik bei unterschiedlichen Konstitutionen geschrieben. Im 2. Teil geht es nun um Reizlehre und Anpassungsfähigkeit.

    Reizlehre
    Der Organismus ist zu jedem Zeitpunkt einer Flut von Einflüssen bzw. Reizen ausgesetzt, die von exogen einwirken und auch endogen entstehen. Reize können chemischer, physikalischer und energetischer Natur sein und sowie die physische als auch die seelische und geistige Ebene beeinflussen.

    „Leben ist die ständige Anpassung innerer Beziehungen an äußere Bedingungen“ (Herbert Spencer): Die Fähigkeit eines Lebewesens, auf Reize zu reagieren, um sich entweder zu adaptieren oder die Reize neutralisieren zu können, ist existentiell notwendig. Ein Mensch ist so lange gesund, wie er sich auf allen Ebenen symptomfrei den wechselnden Bedingungen seiner Umwelt anpassen kann. Ist die individuelle Anpassungsfähigkeit durch die Reizsituation überfordert, entstehen krankhafte Symptome verschieden Schweregrades.

    Reize sind keineswegs nur pathogen, sondern haben unverzichtbare physiologische Bedeutung. Zell- und Gewebsfunktionen müssen z. B. durch Reize in Gang gehalten und reguliert werden.

    Anpassungsfähigkeit
    Sind die Fähigkeiten eines Menschen, sich an wechselnde Reizsituationen anzupassen, gut und stabil ausgeprägt, gilt er als konstitutionell stabil, man spricht dann von ´großer Anpassungsbreite´. Eine wichtige Aufgabe der Naturheilkunde und speziell der Konstitutionstherapie besteht darin, die Grenzen der Anpassungsfähigkeit und damit die Ressourcen eines Patienten zu erweitern.

    Genauso geht es bei körperlicher Bewegung bzw. bei (leistungsorientiertem) sportlichem Training um die Fähigkeit zu Adaptation: Trainingsreize zwingen den Körper zur Reaktion auf die Anforderung – Änderungen passieren in der Mechanik (Muskelwachstum, Stärkung von Bänder, Sehnen, Knochen,…), im Stoffwechsel (Vergrößerung von Energiespeicher, effizienterer Energiefluss,…) und auch mental (mentale Bereitschaft zum Erbringen von hohen Leistungen,…).

    Das Prinzip der Superkompensation besagt, dass der Körper nach einer Trainingsbelastung nicht nur die Bereitschaft zur Erbringung des gleichen Leistungsniveaus wiederherstellt, sondern im Verlauf der Erholung (Regeneration) die Leistungsfähigkeit über das ursprüngliche Niveau hinaus steigert und über einen bestimmten Zeitraum auf diesem Niveau hält.

    Dieses Prinzip ist natürlich stark vereinfachend, jedoch umso leichter verständlich. Nicht nur die klassische sportliche Trainingslehre wird hierdurch erklärbar, jede Reizsetzung im Rahmen von Therapien zielt darauf ab: therapeutischer Reiz – Reaktion des Organismus oftmals mit Symptomen (Entzündung!) – Anpassung mit höherer Funktionsfähigkeit, Gewebsheilung u. a.

    Die Prinzipien von sportlichem Training und therapeutischen Reizsetzungen sind somit gar nicht so unähnlich!

  • Die Frauendreissiger

    Die Frauendreissiger

    Das Jahr hat mit dem Hochunserfrauentag am 15.August seinen Höhepunkt erreicht, die Pracht der Fruchtbarkeit ist auf allen Ebenen der Landschaft ersichtlich ausgereift und zum Helfen, bzw. Dienen bereit. Der Auftrag der Pflanze an die Menschheit, und damit auch an die Schöpfung, ergießt sich in der Kraft der Elemente. Sie strebt nach dieser Erfüllung, rundet sie ab und kann sich anschließend wieder in sich selbst zurückziehen. Dieser Tag wirkt mit seinen Kräften einen vollen Mondzyklus lang und durchdringt in diesen kosmisch-irdischen Kräften stark und direkt alles Lebendige.

    Ab der Geburt Jesu bis ins 21. Jahrhundert, einer weltlichen Zeitrechnung von vielen, wurde der Hochunserfrauentag von der Katholischen Kirche zum Marientag erkoren und darauf konzentriert, den „heidnischen Kult-Bräuchen“ etwas mindestens genauso wirksames an Heilbringenden Wesen bei zu setzen. Schauen wir genauer hin, ist die Gottesmutter Maria in allen Frauenfiguren der Weltgeschichte präsent, repräsentiert doch die Mutter Erde die Mutter allen Lebens, Werdens und Sterbens. Und Wiedergeboren Werdens, genauso wie es unsere Pflanzen leben, uns vorleben und Heil sichern. Göttinnenverehrung und Fruchtbarkeitsriten gehören genau so dazu wie Rituale im Jahreskreis, um das Weiterbestehen der Menschen zu erlangen und sichern. Der Präventive Aspekt dieser Rituale wird oft nicht so achtsam bemüht, erzielt aber genau soviel Wirkung.

    In den folgenden Wochen vom 15.August bis zum Tag der Kreuzerhöhung am 14.September werden alle Heilkräuter und Wurzeln, die im Mai (Marienmonat) nicht gesammelt wurden, oder noch nicht reif waren, aufgesucht. Daraus werden Kräuterbuschen gebunden, getrocknet und auf den Hausaltar gelegt. Wurzeln werden gesammelt, bevor sie sich wieder ganz ins Erdenbett zurückziehen, ihre Kräfte zurückgeben und für die kommende Generation hinterlassen.

    Seit tausenden von Jahren wissen die Menschen um die Heilwirkung der Pflanzen, mit denen sie wohnen, die in abgelegenen Gebieten auf ihre Bestimmung warten, helfen wollen. In alten Zeiten sahen sie das Wesen der Pflanze, die Bedeutung und das Heil und verehrten sie deshalb in hohem Maße. Götter und Göttinnen wurden ihnen zugewiesen wie z.B. Arthemis, die Göttin der Wildnis, der alles Pflanzliche und niedere Getier unterstellt war. Die Menschen holten damit das Göttliche zu sich. Die Erscheinungen der Elemente, die Heilwirkung auf Beschwerden und Rettung vor Unwettern taten ein Übriges, um Pflanzen demütig zu verehren.

    Die Kirche konzentrierte die Verehrung der Weiblichkeit, Fruchtbarkeit, des Schutzes, der Führsprache der Großen Mutter Erde von einst auf die Gottesmutter Maria im hellblauen, alles umhüllenden Mantel. So ist bis heute vielerorts der Brauch geblieben, die „Frauendreissiger“, die Zeit von Maria Himmelfahrt am 15.August zu zelebrieren. Kirchlich dauert sie bis zum Tag der Kreuzerhöhung Jesu am 14.September. In Festen und Feiern zu Ehren der Jungfrau Maria werden medizinale Kräuter gesammelt, getrocknet und geweiht.

    Eine Überlegung tut sich automatisch auf. Diese Maria und den Heilkräutern am 15.8. beginnende, geweihte Zeit könnte rechnerisch aber auch am 12.September, dem Tag von Mariä Namen enden. Das ergibt 28 Tage und entspricht somit einem Mondmonat. In früheren Zeiten waren die Gezeiten des Mondes eng mit dem Frauenleben verwebt, entsprach dieser doch ihrem zyklischen Rhythmus zwischen Fruchtbarkeit und Reinigung. Dazwischen steht der 8. September (der kleine Frauentag, Mariä Geburt), dem eine weitere Sonderstellung eingeräumt wird. Mit der Zahl 8 für den Tag und 9 für den Monat und dem bestimmten Sonnenstand zusammengeschaut, dürfte dieser Tag genauso ein spezieller Krafttag geblieben sein. Daraus leitete man auch die Anzahl der zum Buschen gebundenen Sträuße: „Acht so gut wie neun lass vorm Altar benedein; soll dir an St. Marein großer Segen sein!“ Diesen Kräuterspruch binden die Frauen vielerorts nach wie vor in jedes Kräuterbüschel.

    Heute darf ruhig in die eigene Intuition hineingespürt werden, da das Alte mit dem Neuen doch verbunden werden will. Wer nach altem Brauch die Königskerze in der Mitte des Buschens platzieren will, kann das tun. Mit Demut, mit Bescheidenheit, mit dem Bewusstsein, dass das Göttliche in uns allen interaktiv lebt, wirken kosmische wie irdische Kräfte auch ohne Sammelauflage früherer BotschafterInnen. Diesem Gespür nachzugehen rettet oftmals genauso eine prekäre Situation und lässt uns in wirklichen Kontakt mit den Pflanzen kommen. Die „Vorschriften“ dazu, wie man zu einem Kräuterbuschen gelangt, gehören eben in eine vormalige Epoche. Das macht den Weg frei für den Ruf zur Selbsterkenntnis. Lediglich die Kräuter selbst sind die wahren Helfer, wenn man sie denn studieren mag und mit der eigenen Intuition in Verbindung bringt. Dies kann eine starke Erfahrung hinterlassen.

    Bis zum Tag des 23. September, dem Herbstäquinokt sind es dann 40 Tage, zu denen der gebundene Buschen getrocknet und einsatzfähig ist. Er gehört auf den Hausaltar oder in den Hergottswinkel. Er wird hervorgeholt, wann immer eine Seele des Hauses dadurch die Verstärkung eines Gebetes verspürt: sei es ein großer Dank für, sei es eine große Bitte um. In jedem Fall gilt das Stoßgebet, das die Schöpfungskraft erreicht.

    Die Bräuche sind vielfältig: das Krankenzimmer ausräuchern, ungute Energien aus einem Raum entfernen, heilende Tee´s zubereiten, Tinkturen energetisieren, Pulver zur Wundheilung verreiben, in Salben integrieren, bei drohendem Gewitter oder Unwetter um Schutz vor Blitzschlag damit beten, oder/und ins Feuer legen. Gebete um Verstärkung jedweder Hilfe aussprechen, spezielle Mischungen für Rauhnächte mischen u.v.m.

  • Giftiges aus der heilsamen Natur

    Giftiges aus der heilsamen Natur

    Das Wort Gift leitet sich aus dem althochdeutschen für „Gabe, Geschenk“ ab, wie man am engl. gift „Geschenk“ noch gut erkennen kann. In unserem Sprachraum ist der Ursprung belegt durch das Wort Mitgift „das der Braut in die Ehe Mitgegebene“. Der Begriff Toxin stammt aus dem griechischen für ??????? (toxikós) „zu Pfeil und Bogen gehörend“ bzw. zu ????? (tóxon) „Bogen, Pfeil“. Die häufigste Interpretation ist, dass die Naturvölker Pfeile vergifteten. Aus der griechischen Mythologie und Symbolik ist jedoch die Zugehörigkeit zum Mars ausschlaggebend, der die Richtung vorgibt. Ein Toxin gibt also eine Richtung vor, im Zweifel auch Richtung Tod.

    Pflanzen produzieren chemische Verbindungen, die in den Organismus bei Mensch und Tier eingreifen und dort eine Wirkung entfalten können. Diese Inhaltsstoffe ermöglichen die Verwendung als Gewürz und Aromastoff, als Arznei- und Gesundheitsmittel. Manche können jedoch zu unerwünschten Reaktionen führen. Der Übergang ist fließend etwa vom Gewürz zum Arzneimittel bei Thymian oder Fenchel oder vom Arzneimittel zum Mordinstrument wie bei Aloe, Mohn oder Fingerhut. Entsprechend gilt der von Paracelsus geprägte Spruch „Was ist, das nicht Gift ist, alle Dinge sind Gift und nichts ohne“. Verkürzt und wesentlich bekannter klingt das dann als: „Nur die Dosis macht das Gift“. Zu bedenken hierbei ist, dass aufgrund des Standortes, unterschiedlicher Arten oder anderen Umweltbedingungen Schwankungen im Wirkstoffgehalt vorliegen können.

    Nicht überall sind die Angaben zu der Giftigkeit einer Pflanze vergleichbar. Erdrauch etwa gilt da und dort als giftig und unterliegt deswegen sogar der Rezeptpflicht, andere Literaturstellen sehen dies weniger problematisch. Die Kuhschelle (Pulsatilla) gilt allgemein als giftig, ist jedoch als Tinktur erhältlich, der Huflattich oder der Beinwell sind erst giftig geworden, seid die Pyrrolizidinalkaloide bekannt sind und diesen eine Lebertoxizität nachgewiesen wurde. Die Blätter des letzteren werden durchaus als Frühlingsgemüse gegessen.

    Die Traditionelle Medizin spricht heutzutage aufgrund der negativen Belastung des Wortes Gift von stark und schwach wirksamen Pflanzen. Das ermöglicht auch, dass eine Pflanze bei einer Person stark wirkt, bei anderen nicht. Dabei ist die Stärke der Wirkung insbesondere im Hinblick auf das Individuum zu betrachten. Bei einem Menschen kann die Tinktur der Kuhschelle gerade passend sein, während sie beim anderen zu stark wirkt und unerwünschte Reaktionen auslöst. Die Nutzung von solchen eben giftigen Pflanzen, kann jedenfalls reizvoll sein, manchmal ist sie gut etabliert. Arnika hat sich als Mittel bei Traumata bewährt, Huflattich wird volksheilkundlich bei Husten verwendet und Präparate aus dem Efeu werden in jeder Apotheke verkauft. Stärkere wie Tollkirsche oder Eisenkraut sollten unbedingt verdünnt angewendet werden, damit sie die erwünschte Wirkung ohne unangenehme Folgen entfalten können.

    Die Verdünnung erfolgt dabei in homöopathischen Verdünnungsschritten. Für eine D-Potenz wird hierfür 1 ml der Tinktur auf 10 ml mit Alkohol verdünnt und potenziert, um anschließend daraus 1 ml zu entnehmen und abermals auf 10 ml verdünnt weiter zu verschütten. Der Nachteil dieser Methode ist, dass man viele Fläschchen erhält. Die erhaltenen Potenzen können auch auf Neutralglobuli aufgezogen werden. Traditionell erfolgt die Anwendung mit D4-D6 Potenzen, auch höhere D-Potenzen oder gar C-Potenzen sind möglich. Orientieren kann man sich gut nach den Vorgaben, die in der Homöopathie empfohlen werden. Auch Lehrbücher der traditionellen Medizin, die auf die Konstitution eingehen, können hier eine Hilfestellung bieten.

    Die Verwendung von giftigen Pflanzen und Mitteln hat eine sehr lange Tradition. Wie für alle Anwendungen sollte die Nutzung mit Bedacht erfolgen, nur solche Pflanzen genutzt werden die einwandfrei identifizierbar sind und natürlich muss das Wissen zur Verarbeitung vorhanden sein. Mit entsprechender Vorsicht und Verdünnung kann mit diesen Gaben und Geschenken der Natur der Schatz an nutzbaren Pflanzen um einige erweitert werden.

    In diesem Blogbeitrag wird die Nutzung von giftigen Pflanzen vorgestellt. Eine mögliche Verarbeitung oder Verwendung erfolgt auf eigenes Risiko. Weder der Autor noch der Verein sind für auftretende Schäden verantwortlich.