Autor: Purpur Apotheke

  • Meister des Herzfeuers

    Meister des Herzfeuers

    Pure Sommerfreude im Hier und jetzt Genießen- ohne zu verglühen. So füllen wir unsere Energiespeicher auf.
    Felder wiegen in verschiedensten satten Farben im Wind, Früchte gedeihen, der Boden dampft, selbst die Luft vibriert. Es brodelt um uns, die geballte Kraft der Natur entlädt sich in Gewitterschauern, um dann ungezügelt und durch das Wasser genährt, weiter zu wachsen.

    Das Element Feuer, dem der Sommer in traditionellen Medizinlehren zugeordnet wird, umgibt uns. Wir sind ein Teil der Natur und die Natur ist ein Teil von uns. Die Flammen der wärmsten Jahreszeit lodern auch in unserem Körper, in unserem Geist und in unserer Seele. Das Feuer steht für Kommunikation, Spontanität, Liebe und ein herzhaftes Lachen. Doch Vorsicht: Zu viel Herzfeuer lässt uns verglühen. So wie im Kreislauf der Natur ein Gewitter reinigend und ausgleichend wirkt, so sollten wir auf das rechte Maß der Flammen in uns achten.

    Gerade in der heißen Zeit brauchen wir ausreichend Ruhe, um Energie zu sammeln, damit wir auch die Winterzeit kraftvoll genießen können. Organisch entsprechen dem Sommer das Herz und der Dünndarm. Während das Herz vor Freude überschäumen möchte, gilt es auch auf unser Bauchgefühl zu hören, unsere Mitte zu stärken und die Kraft der Ruhe wirken zu lassen.

    GUTES BAUCHGEFÜHL IM SOMMER
    Der Darm ist maßgeblich für unser Immunsystem verantwortlich. Schweres Essen und auch Alkohol entziehen ihm Energie. Gegrilltes ist im Sommer beliebt. Wichtig ist der Ausgleich der Hitze mit Kühlendem, wie Salaten. Alte Gurkensorten, Rucola oder der Asia-Salat Mizuna eignen sich optimal. Ihre wertvollen, kühlenden Bitterstoffe wirken positiv auf die Verdauung. Tausendguldenkraut unterstützt unseren Körper dabei, das Brauchbare vom Unbrauchbaren zu unterscheiden. Kamillenblüten beruhigen, wirken krampflösend und geben das Gefühl der Geborgenheit. Der Dünndarm ist, durch seine Fähigkeit Klares von Unklarem zu trennen, in der Lage das Feuer zu zügeln. Im Gegensatz dazu, neigt unser Herz in Begeisterung auszubrechen. Es geht dabei, wie so oft, ums rechte Maß. Freude soll nicht in Fahrigkeit und Gemütlichkeit nicht in Stillstand münden.

    HERZENSWÜNSCHE AUFSPÜREN
    Mit Weißdornblättern und -blüten lässt sich das Herz stärken und beschützen. Rosmarin und Mistel können den Blutdruck regulieren und Baldrian beruhigt uns ganzheitlich. Mit ihm genießen wir den Moment und halten das Feuer im Lot. Das wirkt sich auch auf den Kreislauf aus. Denn als Taktgeber hält das Herz den Blutkreislauf kontinuierlich. Kontinuierlich? Es gibt immer wieder eine Situation, in der unser Verstand noch nicht weiß „ob“, unser Herz aber bereits schneller schlägt. Wofür unser Herz brennt und wo es uns hinführen möchte, wissen wir selbst am besten. Wir brauchen uns nur die Zeit zu nehmen, um es auch zu hören.

    Text aus: https://www.purpurapotheke.at/sites/default/files/2018-091_PUR_Sommerausgabe_O1_lmh.pdf, Bild von Peggychoucair, Pixabay

  • Wegbegleiter Gundermann

    Wegbegleiter Gundermann

    Das kleine Kraut mit großer entschlackender Wirkung begegnet uns überall vor der Haustüre.

    Er soll vor Blitzschlag schützen, Bauern zu mehr Milch verhelfen, hellsichtig machen können, Hexen und die Pest abwehren. Doch die Wirkungen des Gundermanns auf den menschlichen Körper sind keineswegs ein Ammenmärchen.

    Wenn das Krächzen der Krähen dem fröhlichen Zwitschern der Singvögel Platz macht, scharrt er bereits in den Startlöchern. Der Gundermann, auch Gundelrebe oder Erdefeu genannt, kehrt nach seiner Winterpause zurück in die Gärten und freie Natur Mitteleuropas.
    Das rankende Kraut ändert rasch seine Gestalt. Während es Anfang März noch in dichten Polstern den Boden besiedelt, wuchern die Triebe nach der Blütezeit im April mit herz-nierenförmigen, gekerbten Blättern bis zu einem Meter.

    Humboldts Frühjahrssuppe
    Kulinarisch lässt sich das bittere Pflänzchen fast das ganze Jahr hindurch verwenden. Bereits Alexander von Humboldt aß es alljährlich drei Wochen lang in einer Frühlingskräutersuppe. Heute kennen wir diese in mehreren Variationen unter dem Namen „Gründonnerstagsuppe“. In Bitterschokolade getunkt, eignet sich der Gundermann auch als Dekoration für Desserts. Bis das Reinheitsgebot beim Bierbrauen eingeführt wurde, wurde er sogar dort als bittere Note und Konservierungsstoff eingesetzt. Heute erlebt das kleine Kraut in innovativen Kräuterbieren ein Revival. Seine Inhaltsstoffe sind aber nicht nur für einen außergewöhnlichen Geschmack, sondern auch für eine vielfältige Heilwirkung verantwortlich.

    Entwässernde Frühjahrskur
    Bereits sein Name verrät sein Einsatzgebiet: „Gund“ war das germanische Wort für „Eiter“. Die entzündungshemmende Wirkung des Gundermanns führt sich auf die ätherischen Öle und Flavonoide zurück. Flavonoide sind Farbstoffe in den
    Blüten, denen eine besonders hohe antioxidative Wirkung zugesprochen wird. Gundermann kann äußerlich, bei Geschwüren und Wunden, aber auch innerlich, bei Magen- und Darmverstimmungen oder Entzündungen des Mund-Rachen-Raumes verwendet werden. Indem man das Kraut mit Olivenöl auf der warmen Fensterbank ansetzt, kann ein heilender Ölauszug gegen Erkältungssymptome und zur Hautpflege leicht hergestellt werden. Zusätzlich zu seiner antioxidativen Wirkung bringt der Gundermann den Stoffwechsel in Schwung und die Verdauung auf Trab. Das unscheinbare Powerkraut wirkt entwässernd und fördert das Ausschwemmen von Schlacken und Schwermetallen aus dem Körper. Damit ist der kleine Gundermann eine große Heilpflanze und ein guter Begleiter bei einer entschlackenden Frühjahrskur.

    Rezept: Aufstrich mit Schafs- oder Ziegentopfen
    Zutaten: 1 Handvoll Kräuter (z. B. Gundermann, Giersch, Bärlauch, Scharbockskraut, Schafgarbe, Löwenzahnblätter oder Dost) 250 g Topfen (aus Schaf- bzw. Ziegenmilch) 2–3 EL Leinöl 1/2 Zwiebel, fein geschnitten 1 Knoblauchzehe, fein gehackt oder gerieben Salz und Pfeffer
    Zubereitung: Das Leinöl unter den Topfen rühren und Zwiebel sowie Knoblauch hinzugeben. Die Kräuter zerkleinern und unterheben, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Als Garnitur eignen sich Wildkräuterblüten, etwa von Löwenzahn, Gundermann oder Borretsch.

    Pflanzensteckbrief Gundermann (Glechoma hederaceae)
    Arten: Glechoma hederaceae und Glechoma hederacea „Variegata“ – eine Züchtung mit weißgrünem Laub
    Synonyme: Gundelrebe, Erdefeu, Soldatenefeu, Blauhuder, Donnerrebe, Heilrauf, Huder, Zickelskräutlein
    Wuchsform: 15–60cm flach wachsend bis kriechend mit charakteristisch vierkantigem Stängel, ab April blau bis rotviolett blühend
    Pflanzenfamilie: Lippenblütler (Fam. Lamiceae)
    Verwendete Pflanzenteile: Ganzes Kraut zur Zeit der Blüte im Frühjahr Anwendungsbereiche: Entschlackungskuren, Magen-Darm-Verstimmungen, Entzündungen des Mund- und Rachenraumes, schlecht heilende Wunden, Wurmbefall

    Text zur Verfügung gestellt von: Mag.a Dina Rahman, aus der Purpur Apothekenzeitung, Frühjahrsausgabe 2018, https://www.purpurapotheke.at/sites/default/files/2017-378_PUR_Fr%C3%BChjahrsausgabe_O1_lh.pdf

  • Heiße Tipps für kalte Zeiten

    Heiße Tipps für kalte Zeiten

    Mit dem Rhythmus der Natur voller Wärme und Lebensfreude den Winter erleben.

    Summertime, and the living is easy.“ Diese Lied-Zeile aus George Gershwins Oper „Porgy and Bess“, bekannt in der Interpretation von Ella Fitzgerald besingt das leichte Leben im Sommer. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, wir fühlen uns gut. Denken wir hingegen an die Winterzeit, bekommen wir Gänsehaut und es läuft uns ein Schauer über den Rücken. Wenn wir diese Einstellung ändern wollen, hilft uns ein veränderter Gedankenansatz: Stellen wir uns den Winter weniger als eisige, sondern vielmehr als kuschelige Zeit vor. Eine Zeit, wo wir auf uns selbst achten, ein paar Gänge zurückschalten und es uns mit einer warmen Decke einfach gemütlich machen. Dazu entrümpeln wir unseren Terminkalender. Müssen wir wirklich jeden Termin wahrnehmen oder haben wir den Mut, auch einmal ein Treffen abzusagen? Unser Körper reagiert auf die längere dunkle Zeit im Rhythmus der Natur. Er stellt sich hormonell um und verlangt nach mehr Ruhe. Geben wir diesem Bedürfnis nach, sind wir nicht nur mehr in Harmonie mit uns selbst, sondern legen auch einen wichtigen Grundstein, um gesund zu bleiben.

    Gesund bleiben können
    Besonders in der kuscheligen Jahreshälfte haben wir es selbst in der Hand, ob wir uns gesundheitlich gut und vital fühlen oder ob wir uns kränklich von einem Infekt zum anderen schnäuzen. Es geht darum, aktiv zu werden und auf ein paar wichtige Dinge zu achten. Egal, wie kurz die Tage sind und wie das Wetter ist: Wir brauchen Tageslicht und frische Luft – täglich, zumindest für 15 Minuten. Also gut einpacken und die Nase in die Winterluft halten. Auf unsere Teller sollte jetzt besonders viel Frischgekochtes kommen: reichlich Gemüse, Kartoffeln und Reis, wenig Weizenprodukte wie Nudeln oder Brot, Kuhmilchprodukte und Zucker. Haben wir Heißhunger auf Süßes, greifen wir lieber zu getrockneten Feigen und Datteln oder zumindest zu einer Schokolade mit hohem Kakaoanteil. Gerade in der Erkältungszeit sind Nahrungsergänzungsmittel in aller Munde, um dem Immunsystem unter die Arme zu greifen. Da heißt die Devise: Qualität geht vor Quantität – bei Reinheit, Konzentration und Zusammensetzung keine Kompromisse eingehen. Sinnvoll sind hochwertiges Vitamin C, z. B. aus pflanzlicher Quelle wie Camu-Camu, und Zink. Als Immun-Booster hat sich Sternanis bestens bewährt. Nicht umsonst wurde aus der sternförmigen Frucht das Anti-Grippemittel Tamiflu® entwickelt. Als gute Ergänzung empfehlen sich pflanzliche Tropfenmischungen z. B. aus Heckenrose, Johannisbeere, Edelkastanie und Birkenknospen.

    Krank sein dürfen
    Hat uns eine Erkältung oder ein grippaler Infekt erwischt, ist jetzt der Moment, es einmal gut sein zu lassen und zu akzeptieren, dass wir auch krank sein dürfen. Gönnen wir dem Körper die Ruhe, die er braucht. Legen wir Smartphone und Tablet zur Seite. Viel schlafen, die Langeweile genießen und wieder einmal ein Buch lesen.

    Text zur Verfügung gestellt von Mag.a Dina Rahman, aus den Purpur News 2017 https://www.purpurapotheke.at/sites/default/files/2017-202_PUR_Winterausgabe_O1_as.pdf

  • Besinnlicher Winter

    Besinnlicher Winter

    Sich verinnerlichen, zurückziehen und Energien sammeln – für einen kraftvollen Neubeginn.

    Zugedeckt von einer weichen, weißen Decke liegt die Landschaft da. Die Stille ist allgegenwärtig, denn der Schnee schluckt jedes Geräusch. Durch ein bewusstes Erleben dieser Ruhe wird unser Urvertrauen gestärkt. Denn, egal wie lange der Winter dauert, unser Glaube an den kommenden Neubeginn ist unerschütterlich.

    Zeigt sich der Winter dann und wann von seiner unangenehmen Seite und müssen wir den nasskalten Stürmen der Witterung trotzen, macht sich auch ein Überlebenswillen bemerkbar. Der Winter ist da, aber er wird wieder gehen. Schließlich steht diese Jahreszeit bzw. Wechselphase ganz im Zeichen des Elements Wasser. Und zu dessen größten Stärken zählt bekanntlich Beständigkeit.

    Nierenenergie stärken.

    Ob steter Tropfen, Dampf oder Eis – Wasser ist sehr wandelbar. Als Fluss bahnt es sich stets den gewünschten Weg. Auch der dem Winter zugeordnete salzige Geschmack ist in der Lage, sozusagen „die Schleusen zu öffnen“: Er kann Körperzellen zugänglich machen und ihnen Energien sowie materielle Aufbaustoffe liefern. Das funktioniert genauso gut in die andere Richtung: Aus den geöffneten Zellen können Stoffe und Energien herausgelöst und für den Körper wieder frei verfügbar gemacht werden. Da unser Organismus zu rund 80% aus Wasser besteht, ist die Balance der Körperflüssigkeiten überlebensnotwendig. Die Nieren als Organe des Winters spielen eine wesentliche Rolle im Wasser- und Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Sie reinigen und entgiften nicht nur das Blut, sondern regulieren auch Blutdruck und das Säure-Basen-Gleichgewicht. Wer eine starke Nierenenergie besitzt, vertraut dem Fluss des Lebens. Ruhephasen und ausreichend Zeit zur Regeneration stärken – das ist gerade in der dunklen Jahreszeit wichtig. Denn eilen wir von einem Fest zur nächsten Einladung und jagen wir von Pistengaudi zum Après-Ski, erschöpft sich die Nierenenergie rasch. Wir fühlen uns ausgelaugt und angsterfüllt. In Kombination mit den permanent schlechten Nachrichten aus aller Welt, die die Medien zu uns nach Hause bringen, ein ungesunder Cocktail für Körper, Geist und Seele. Erschaffen wir eine heimelige Atmosphäre in den eigenen vier Wänden – bei Kerzenschein, guter Musik und einer stärkenden Tasse Zinnkrauttee. Ein Fußbad wärmt den Nieren-Akupunkturpunkt, Bauch und Blase können entspannen. Die Nierenenergie und damit unser Urvertrauen in das Leben bekommen frische, neue Kraft.

    Text zur Verfügung gestellt: Purpur Apotheke, Herbst Winter Magazin

  • Zeit der Bitter

    Zeit der Bitter

    Die lukullischen Festtage sind eine Herausforderung für unsere Verdauung. Ein Hurra auf die Bitterstoffe!

    Unsere Zungenrezeptoren können laut aktuellem Forschungsstand fünf Geschmacksrichtungen wahrnehmen: bitter, süß, sauer, salzig, und – weniger bekannt – umami*. Während die vier letzten Geschmäcker meist als angenehm empfunden werden, neigen wir dazu, Bitteres eher zu meiden.

    Das ist kulinarisch wie gesundheitlich schade, denn: Bitter macht fitter. Bitterstoffe sind wahre Lebenselixiere. Sie fördern die Verdauung und bringen dadurch unseren Stoffwechsel in Schwung. Die Produktion von Speichel und Magensäure, sowie die Funktion von Leber, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase werden angeregt. Auch die Schleimhäute im Verdauungstrakt machen mit und arbeiten auf Hochtouren. Neben einer verbesserten Nährstoffaufnahme und Fettverdauung profitiert auch das Immunsystem von den aktivierten Stoffwechselvorgängen.

    Heißhunger auf Süßes bremsen
    „Amara“, Bittermittel, zählen weltweit zu den wichtigsten Arzneien der Naturheilkunde. Hildegard von Bingen empfahl den bitteren Wermut gegen Verdauungsbeschwerden. Auch Paracelsus schuf aus Myrrhe, Aloe, Safran und Bitterwurzeln einen medizinischen Bitter. Und gerade in unserer Zeit sind Bitterstoffe bitter nötig. Erstens, weil Weihnachten naht und wir da Verdauungshelfer gut brauchen können. Zweitens, weil unsere Nahrung heute viel weniger Bitteres enthält als noch vor 20 Jahren. Zugunsten des süßen Geschmacks sind die gesunden Bitterstoffe aus zahlreichen Obst- und Gemüsesorten herausgezüchtet worden. Dabei macht Bitteres schneller satt und hemmt auch den Appetit auf Süßes. Anders als Zucker, sind die blutreinigenden Bitterstoffe auch noch gut für die Haut, da sie ihren Stoffwechsel anregen und so bei Akne, Neurodermitis und Schuppenflechte helfen können.

    Good, Better, Kräuterbitter
    Ob pur als Aperitif und Digestif oder als aromatischer Cocktail: Kräuterbitter bieten eine elegante Art und Weise, Bitterstoffe lustvoll zu genießen – gerade in der Festzeit! Kein Wunder, dass dieses alte Kräuterelixier schon in der Klostermedizin verwendet wurde. Die edlen Bitter sind nicht nur ein gesundes wie großartiges Geschenk, sondern können als Drink üppigen Festen eine inspirierende Leichtigkeit für Körper, Geist und Seele verleihen. Salute!

    Text zur Verfügung gestellt: Purpur Apotheke, Herbst Winter Magazin

  • Befreiender Herbst

    Befreiender Herbst

    Prüfen, entscheiden, sich verabschieden und mutig mit Leichtigkeit weiterschreiten.

    Ein Spaziergang in der herbstlichen Natur zeigt uns rasch, was die Stunde geschlagen hat. Die Bäume werfen ihre Blätter ab und verwandeln den Boden in ein Farbenmeer des Abschiednehmens. Die Säfte der Pflanzen versiegen. Alles rollt sich ein, zieht sich zurück, bereitet sich auf den Winter vor. Thematisch ist diese Zeit dem Element Metall zugeordnet, das der Himmelsrichtung Westen entspricht. Auch hier schwingt der bevorstehende Abschied mit, denn im Westen wird die Sonne untergehen. Damit wir in den Genuss eines besinnlichen Winters kommen, tun wir jetzt gut daran, uns neu zu ordnen und uns abzugrenzen. Was brauchen wir wirklich, was können wir auf dem Weg zurücklassen und was können wir sein lassen? Die Organe des Herbstes, Lunge und Dickdarm, machen’s uns vor.

    Selbstbewusst Abschied nehmen.
    Die Lunge holt alles, für uns Wertvolle, aus der Luft, das Unbrauchbare wird wieder ausgeschieden. So einfach kann es sein! Aber nicht nur das: Sie steuert unseren Atem und damit in gewisser Weise unseren Energiehaushalt. Atmen wir ruhig, brauchen wir wenig Energie. Je schneller wir atmen, umso mehr Energie wird aufgenommen und abgegeben.

    Im Rhythmus des eigenen Atems Herausforderungen meistern.
    Wird der Atem vor Angst, Wut oder Anstrengung angehalten, steht uns weniger Energie zur Verfügung und wir fühlen uns schneller erschöpft. Ein wichtiges Thema für Lunge und Dickdarm ist das Immunsystem. Allergien zum Beispiel haben immer mit beiden Organen zu tun, die ein drittes nutzen, um sich bemerkbar zu machen: die Haut. Die Steuerung aller Funktionen von Schleimhäuten und Haut erfolgt über das Luftelement. Dem Herbst zugeordnete Heilpflanzen wie Spitzwegerich und Thymian sorgen für die Reinigung der Schleimhäute und der Atemwege. Spitzwegerich fördert zudem die Wundheilung. Bei Erkrankungen der Atemwege – der im Herbst klassischen Erkältung – wärmt Thymian die Lunge. Schwarzkümmelöl entgiftet den Darm und fördert den Ausscheidungsprozess. Die energetische Seite des Abschiednehmens wird gestärkt – das kommt in weiterer Folge auch der Lunge zugute. Denn je weniger Ballast, umso leichter fällt das Durchatmen. Beschwerden des Darms lassen sich ebenfalls mit herbstlichen Heilkräutern beikommen. Die Rinde des Faulbaums, „Meister des Darms“, reinigt das Blut und tötet Keime ab. Kümmel wirkt entkrampfend und unterstützt die Ausleitungsprozesse des Dickdarms.

    Foto: Alexandra Hackstock-Nail

  • Meister des Herzfeuers

    Meister des Herzfeuers

    Pure Sommerfreude im hier und jetzt genießen – ohne zu verglühen

    Felder wiegen in verschiedensten satten Farben im Wind, Früchte gedeihen, der Boden dampft, selbst die Luft vibriert. Es brodelt um uns, die geballte Kraft der Natur entlädt sich in Gewitterschauern, um dann ungezügelt und durch das Wasser genährt, weiter zu wachsen.

    Das Element Feuer, dem der Sommer in traditionellen Medizinlehren zugeordnet wird, umgibt uns. Wir sind ein Teil der Natur und die Natur ist ein Teil von uns.
    Die Flammen der wärmsten Jahreszeit lodern auch in unserem Körper, in unserem Geist und in unserer Seele. Das Feuer steht für Kommunikation, Spontanität, Liebe und ein herzhaftes Lachen. Doch Vorsicht: Zu viel Herzfeuer lässt uns verglühen. So wie im Kreislauf der Natur ein Gewitter reinigend und ausgleichend wirkt, so sollten wir auf das rechte Maß der Flammen in uns achten. Gerade in der heißen Zeit brauchen wir ausreichend Ruhe, um Energie zu sammeln, damit wir auch die Winterzeit kraftvoll genießen können. Organisch entsprechen dem Sommer das Herz und der Dünndarm. Während das Herz vor Freude überschäumen möchte, gilt es auch auf unser Bauchgefühl zu hören, unsere Mitte zu stärken und die Kraft der Ruhe wirken zu lassen.

    Gutes Bauchgefühl im Sommer
    Der Darm ist maßgeblich für unser Immunsystem verantwortlich. Schweres Essen und auch Alkohol entziehen ihm Energie. Gegrilltes ist im Sommer beliebt. Wichtig ist der Ausgleich der Hitze mit Kühlendem, wie Salaten. Alte Gurkensorten, Rucola oder der Asia-Salat Mizuna eignen sich optimal. Ihre wertvollen, kühlenden Bitterstoffe wirken positiv auf die Verdauung. Tausendguldenkraut unterstützt unseren Körper dabei, das Brauchbare vom Unbrauchbaren zu unterscheiden. Kamillenblüten beruhigen, wirken krampflösend und geben das Gefühl der Geborgenheit. Der Dünndarm ist, durch seine Fähigkeit Klares von Unklarem zu trennen, in der Lage das Feuer zu zügeln. Im Gegensatz dazu, neigt unser Herz in Begeisterung auszubrechen. Es geht dabei, wie so oft, ums rechte Maß. Freude soll nicht in Fahrigkeit und Gemütlichkeit nicht in Stillstand münden.

    Herzenswünsche aufspüren
    Mit Weißdornblättern und -blüten lässt sich das Herz stärken und beschützen. Rosmarin und Mistel können den Blutdruck regulieren und Baldrian beruhigt uns ganzheitlich. Mit ihm genießen wir den Moment und halten das Feuer im Lot. Das wirkt sich auch auf den Kreislauf aus. Denn als Taktgeber hält das Herz den Blutkreislauf kontinuierlich. Kontinuierlich? Es gibt immer wieder eine Situation, in der unser Verstand noch nicht weiß, „ob“, unser Herz aber bereits schneller schlägt. Wofür unser Herz brennt und wo es uns hinführen möchte, wissen wir selbst am besten. Wir brauchen uns nur die Zeit zu nehmen, um es auch zu hören.

    Das Wesen des Sommers – Steckbrief

    • Element: Feuer
    • Geschmack: bitter
    • Wirkung: festigend, trocknend, klärend, ausleitend, beruhigend, entzündungshemmend
    • Emotionale Aufgabe: Die Balance zwischen Begeisterungssucht und Freudlosigkeit finden und halten
    • Organe: Herz & Dünndarm
    • Heilpflanzen: Weißdorn, Baldrian und Mistel beruhigen zu intensives Feuer; Rosmarin, Fenchel und Beifuß fachen fehlende Energien an
    • Ernährung: Gut sind jetzt bittere Nahrungsmittel und Gewürze.
    • Als Getränke eignen sich z. B. grüner Tee oder schwarzer Kaffee unter Beigabe von Kardamom, welcher die Säure neutralisiert. Scharfe Speisen, Gegrilltes und Gebratenes brauchen Ausgleich durch Kühlendes.
  • Kinder sind anders krank

    Kinder sind anders krank

    Weshalb wir den Umgang mit fiebrigen Kinderkrankheiten überdenken sollten.

    „Gib mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit.“ Parmenides

    Im kindlichen Organismus läuft einiges anders als bei uns Erwachsenen. Das Abwehrsystem befindet sich sozusagen noch mitten in der Ausbildung. Dringen nun unbekannte Krankheitserreger ein, reagiert der Körper zunächst mit Fieber. Und das ist durchaus etwas Positives!

    Denn die erhöhte „Betriebstemperatur“ treibt die Immunkräfte zu Höchstleistungen an, wodurch Bakterien und Viren schneller unschädlich gemacht werden können. Fieber-Infekte haben in dieser Hinsicht eine wichtige Funktion für Kinder, denn sie tragen dazu bei, das Abwehrsystem nachhaltig aufzubauen, wodurch die Anfälligkeit für Erkrankungen im späteren Leben sinkt. Je höher das Fieber, je besser der Organismus „durchgekocht“ wird, desto effektiver wird die Abwehr gefordert und ausgebildet. Zudem bieten Krankheiten dem kindlichen Körper Gelegenheit, das Lymphsystem zu reinigen. Da Kinder noch für viele Viren anfällig sind, gegen die wir Erwachsene längst Immunität besitzen, setzt ihr Körper das Abwehrmittel Fieber besonders häufig ein. Dieser Umstand lässt sich zwar manchmal schwer mit unserer leistungsorientierten Zeit vereinbaren – als Berufstätige möchten wir Pflegefreistellungen schließlich möglichst kurz halten. Doch wir sollten auch bedenken, dass unsere Kinder diese wertvolle Ruhezeit für ihre Entwicklung brauchen, bevor wir allzu schnell zu fiebersenkenden Medikamenten greifen.

    Fieber ist eine sehr ausgeklügelte Waffe. Bei Temperaturen über 38,5 Grad wird die Vermehrung von Viren deutlich gebremst. Die begleitende Mattigkeit hindert das Kind am Herumtoben, sodass alle Energien zur Bekämpfung der Krankheit genutzt werden können. Ähnliches gilt für den fehlenden Appetit: Die energieaufwendige Verdauung hat nun eine niedrigere Priorität, nur viel trinken ist wichtig, um die Erreger auszuspülen. Im Idealfall sorgt das körpereigene Regulationssystem dafür, dass die Temperatur nicht zu weit ansteigt. Hat das Fieber seine Funktion erfüllt, geht es von selbst zurück. Greifen wir vorher mit Fiebersenkern ein, wird ein sinnvoller Prozess gestört. Denn häufig machen Kinder nach erfolgreicher Überwindung der Krankheit einen Wachstumssprung in der körperlichen und geistigen Entwicklung durch. Oft fühlen sie sich nach der Krankheit besser als zuvor, was vielleicht auch an der Erkenntnis liegt, dass sie das Gesundwerden aus eigener Kraft geschafft haben.

    Fiebernde Babys gehören aber in jedem Fall zum Arzt. Bei älteren Kindern ist Fieber erst gefährlich, wenn das Kind apathisch wirkt oder nichts trinken mag. Wichtig ist, das Verhalten des Kindes aufmerksam zu beobachten. Verläuft das Fieber normal, ist dem Kind am besten mit Bettruhe, Fürsorge, leichter Kost und Tee oder verdünnten Fruchtsäften geholfen. Erkältungen mit Antibiotika zu bekämpfen, schwächt den Körper und macht ihn anfällig für weitere Krankheiten, besonders für Allergien, Mandel- und Mittelohrentzündung. Gerade in den ersten sieben Lebensjahren ist die Stärkung der Mitte wichtig, also u. a. Darm und Milz, um ein stabiles Immunsystem aufzubauen. Neben einem geregelten Tagesablauf mit ausgewogenen Bewegungs- und Ruhephasen helfen regelmäßige Mahlzeiten aus gegarten, gedünsteten und gekochten Lebensmitteln. Sehr empfehlenswert: Hirse, Buchweizen, Gerste, Karotten, Kartoffeln, helles Fleisch, Brunnenkresse, Sellerie und Rettich.

    Hausmittel-Tipp:
    von Jennifer Käfer,
    Fiebersöckchen haben sich bei kleinen und großen Patienten bewährt, sollten allerdings nur auf warmen Füßen angewendet werden. Neben 2 Paar Baumwollsocken werden dafür die Schüßlersalze Nr. 3, 5 und 8 gebraucht. Je 10 Stück davon werden in ca. 250 ml kühlem Wasser aufgelöst und nach 5 Minuten in eine Schüssel abgegossen. Anschließend wird das erste Paar Socken in die Lösung getaucht, ausgewunden und dem Fiebernden angezogen. Darüber kommt das zweite, trockene Paar. Die Fiebersöckchen werden am besten anbehalten, bis sie vollständig getrocknet sind.

    Gute Besserung!

    Verkühlung verschicken
    Stell dir vor, dein Husten, dein Schnupfen und dein Kopfweh sind Ballone. Große, bauchige Heißluftballone. Umhülle diese Ballone mit deinen Lieblingsfarben. Blau, Rot, Grün, Rosa oder Gelb? OK, der Husten kommt in den grünen Ballon. Dann pack den Schnupfen in den blauen und das Kopfweh in den gelben. Dann lass die Ballone aufsteigen und ganz weit weg fliegen. Du siehst, wie sie immer kleiner und kleiner und kleiner werden – bis sie ganz verschwunden sind.

  • Safran: Lila-Laune-Krokus

    Safran: Lila-Laune-Krokus

    Das wertvolle pflanzliche Antidepressivum zaubert Sonne in unsere Herzen

    Das teuerste Gewürz der Welt kam wahrscheinlich mit den Kreuzrittern im späten Mittelalter zu uns und wird heute noch in Österreich angepflanzt. Seine ursprüngliche Heimat liegt wohl im mittleren Osten – historische Quellen nennen Stationen in China und dem alten Ägypten genauso wie im Mittelmeerraum der Antike. Safran war und ist eines der bedeutendsten Exportgüter seines Hauptanbaugebietes, des Iran – vom alten Perserreich bis zur heutigen Republik.

    Was Safran so wertvoll macht? Von dem ohnehin nicht großen Krokus werden lediglich die Stempelfäden der Blüte verwendet. Diese werden bis heute in mühevoller Handarbeit geerntet und in winzigen Mengen abgefüllt – bis zu 200.000 Blüten braucht es für ein Kilo Safran. Der kostet dann aber auch in etwa so viel wie ein kleiner Gebrauchtwagen.
    Safran zeichnet sich vor allem durch seine starke Färbekraft aus. Wenige Stempelfäden reichen, um Speisen leuchtend gelb (= gehl!) erstrahlen zu lassen. Das Färben von Kleidungsstücken benötigt schon bedeutend mehr des kostbaren Rohstoffes – daher galten safrangelbe Roben als Erkennungszeichen von hohem Rang und Namen.

    Safran macht den Kuchen gehl – und Naschkatzen glücklich.
    Neben der Farbe, die Safran auf den Tisch bzw. in den Alltag brachte, wurde er auch wegen seiner medizinischen Wirkkraft geschätzt. Entzündungshemmend, schmerzlindernd, antioxidativ und stimmungsaufhellend – diese Attribute verhießen Erleichterung oder Heilung für sehr viele Beschwerden und Erkrankungen. Was früher aufgrund jahrhundertealter Erfahrungen praktiziert wurde, bekommt heute durch wissenschaftliche Studien ein solides Fundament.

    Safran: Gold für die Seele
    Iranische Mediziner haben herausgefunden, dass Safranal – der Hauptaromastoff des Safrans – es durchaus mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, den am häufigsten verschriebenen Antidepressiva, aufnehmen kann. Safranal hebt den Serotoninspiegel ähnlich hoch wie das Medikament – nur ohne dessen Nebenwirkungen. Viel mehr noch: Während zu den unerwünschten Wirkungen des Medikaments auch Libidoverlust, Erektionsstörungen und Scheidentrockenheit gehören können, bringt Safran Potenz und Libido in Schwung – Seele und Körper werden auf Zweisamkeit eingestimmt.

    Zellschutz & Durchblutung
    Safran unterstützt auch die Verdauung, hilft bei Blähungen und Sodbrennen. Das enthaltene Carotinoid Crocetin schützt die Leberzellen vor oxidativen Schäden durch z. B. freie Radikale. Eine gesunde Verdauung und eine starke Leber sind wichtige Faktoren für einen umfassenden Krebsschutz. Daher tun wir gut daran, mehr Safran in unseren Speiseplan einzubauen oder die Nahrung entsprechend zu ergänzen.
    Auch unseren Augen kommt die Einnahme von Safran zugute. Bei geröteten oder müden Augen hilft Safranextrakt, am besten gemeinsam mit Curcumin – das ergänzt und verstärkt die Wirkung. Die beiden starken Antioxidantien gewährleisten die Durchblutung der kleinsten Blutgefäße im Auge und können so die Netzhautfunktion verbessern. Gute Durchblutung heißt gute Sauerstoffversorgung – auch im Gehirn. Davon profitieren Demenz-Patienten, wenn sie Safran zu sich nehmen. Und auch hier ohne die beim entsprechenden Vergleichs-Medikament üblichen Nebenwirkungen, z. B. Erbrechen – wie eine Studie bewies.
    Frauen haben mit Safran auch einen guten Freund für die ungeliebte Zeit vor der Menstruation: Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen etc. lassen sich mit Safran gut in den Griff kriegen. Zudem hemmt er den Appetit – insbesondere auf Süßes – und verstärkt das Sättigungsgefühl.

    Da sich Safranpflanzen auch in unseren Breiten wohl fühlen und winterhart sind, kann jeder mit einem kleinen, sonnigen Plätzchen einen eigenen Lila-Laune-Krokus pflanzen – fürs Backen und Kochen sind nur ein paar Safranfäden notwendig.

    Safran Pflanzensteckbrief
    (Crocus sativus)

    • Wuchsform: mehrjährige Knollenpflanze, 5 bis 10 cm hoch, bildet lockere Horste
    • Synonyme: Safrankrokus
    • Pflanzenfamilie: Schwertliliengewächse (Iridaceae)
    • Verwendete Pflanzenteile: Stempelfäden (= weibl. Blütenteil)
    • Anwendungsbereiche: Depressive Verstimmungen, Stimmungsschwankungen, Augenheilkunde, Magen-/Darmbeschwerden, Leberleiden, Nervenerkrankungen, Demenz bzw. Alzheimer, Frauenleiden
  • Voller Elan mit Esskastanie

    Voller Elan mit Esskastanie

    Eine stärkende Mitte bringt Stabilität auf allen Ebenen und schafft Vertrauen in sich selbst.

    „Vereinzelter Sohn des Südens, von einem Rompilger vor Zeiten mitgebracht“ – wenn Hesse in Narziss und Goldmund den Kastanienbaum beschreibt, erzählt er gleich seine Geschichte. Tatsächlich wurde die Edelkastanie im kaukasisch-armenischen Gebiet bereits in prähistorischen Zeiten gegessen. Später verbreiteten sie die Römer im ganzen Reich und weihten sie Jupiter, ihrem höchsten Gott.

    Mit dem Geistlichen war die Kastanie auch im Mittelalter verbunden: Viele Klöster ließen die kräftigen Bäume in Gebirgslandschaften pflanzen. Bei Nahrungsengpässen stellte sich das als lebensrettend für die Bevölkerung heraus. Denn das „Brot der Armen“, die Kastanien, wurde zu lange haltbarem Mehl vermahlen und diente als sättigendes Grundnahrungsmittel. Blätter, Blüten und Knospen wurden zur Medizin.

    Edel oder nicht?

    Auch wenn sich die Früchte gleichen, die essbare Edelkastanie ist nicht mit der Rosskastanie verwandt, die einer anderen Gattung angehört. Bei den im Herbst angebotenen, leicht zu schälenden Maroni handelt es sich um eine Zuchtform der Esskastanie. Wird sie heute aufgrund ihrer Nährstoffe wieder sehr geschätzt, galt die Kastanie bei den Edelleuten des Spätmittelalters als unschicklich und verursachte angeblich Verdauungsbeschwerden. Dabei hatte Hildegard von Bingen die vielen positiven Wirkungen der Kastanie längst schriftlich festgehalten.

    Verleiht Mut statt Wut

    Laut Hildegard gehört die Edelkastanie zu den wenigen Universalmitteln, die für den Menschen uneingeschränkt gesund sind. Ihre Schriften berichten von der Anwendung als Dampfbad gegen Jähzorn und Gicht. Die wärmende Kastanie stärke außerdem die Milz, die Körperkräfte und die Venen – was heute als erwiesen gilt. Auch das Sinnbild der Zurückhaltung, das Hildegard der Kastanie zuschreibt, wird bis heute in der Gemmotherapie genutzt. Denn als zurückhaltende Menschen stauen wir oft innerlich Wut an, die uns, ähnlich der stacheligen Kastanienschale, unantastbar macht. Das aus Kastanienknospen gewonnene Gemmomazerat hilft, die Wut abzubauen und uns neuen Wegen zu öffnen. Frischen Mut bei Lebenskrisen verleiht die Kastanien-Bachblüte Sweet Chestnut.

    Bewegt die Lymphe

    Neben ihrer stärkenden Wirkung auf Geist und Seele hat die Esskastanie auch unserem Körper einiges zu bieten. Denn während uns viele Lebensmittel übersäuern, ist die leicht verdauliche Kastanie nährstoffreich, basisch und glutenfrei. Mit zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen, darunter besonders viel Kalium, baut sie den Säure-Überschuss im Körper ab und empfiehlt sich daher bei Rheuma. Da sie die Zusammensetzung der Lymphe verbessert, fördert die Kastanie generell Entgiftung und Entschlackung. Als Folge davon klärt sich auch das Hautbild. Und wer mit vereinzelter Sohn des Südens, von einem großen Schritten durch den Herbst spazieren will, findet in der Kastanie eine gute Unterstützerin. Lymph und Blutstauungen in den Beinen, Krampfadern und Venenprobleme weiß sie mit dem Bioflavonoid Rutin zu lösen. Gegen geistige und körperliche Erschöpfung geht sie mit Phosphor und einem beachtlichen Anteil an B-Vitaminen vor. Damit stärkt sie auch unsere Nerven und macht uns stressresistenter, Stichwort: Schulbeginn. Zu guter Letzt funktioniert die Kastanie auch als gesunder, kalorienarmer Schokoladenersatz: Die enthaltene Aminosäure L-Tryptophan, die Vorstufe unseres Glückshormons Serotonin, beruhigt, wirkt schmerzlindernd und hellt unsere Stimmung auch an grauen Herbsttagen auf.

    Pflanzensteckbrief Esskastanie (Castanea sativa)

    • Wuchsform: Baum, 25 bis 35 m hoch
    • Synonyme: Edelkastanie, Kestenbaum, Maronen
    • Pflanzenfamilie: Buchengewächse (Fagaceae)
    • Verwendete Pflanzenteile: frische Blattknospen, Blätter, Früchte
    • Anwendungsbereiche: Unterstützung der Lymphe und Blutgefäße, Entgiftung, Linderung schwerer Beine und Krämpfe in Dickdarm und Gebärmutter, klärend bei unreiner Haut. Abbau von Wut, Hilfe bei Krisen, Leid und Ratlosigkeit

    Tipp zum Genießen: Kastanien Praliné

    Zutaten:

    • 50 g Bio-Butter
    • 100 g Bio-Maronipüree
      (selbst gemacht oder tiefgekühlt)
    • 500 g Bio-Zartbitterkuvertüre
    • 30 g Bio-Staubzucker, 2 EL Rum

    Zum Glasieren:

    • 200 g Bio-Zartbitterkuvertüre

    Zubereitung: Die Schokolade im Wasserbad schmelzen, dann Butter, Zucker, Maronipüree sowie Rum unterrühren und kühl stellen. Die fest gewordene Masse durchkneten und kleine Kastanien modellieren (oder jede andere beliebige Form), auf ein mit Backpapier belegtes Brett legen und gut durchkühlen lassen. Zum Überziehen die Kuvertüre im Wasserbad handwarm schmelzen, die Pralinen hineintauchen, trocknen lassen und kühl stellen.

    Tipp: Man kann die Pralinen mit gerösteten Mandeln, kandierten Veilchenblättern oder Ähnlichem verzieren – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.