Autor: Mag.a pharm. Dr. Gabriele Kerber-Baumgartner

  • Die Rose des Winters

    Die Rose des Winters

    Die Töchter des Königs Proitos von Argos wurden, da sie gegen Hera oder Dionysos Frevel begangen hatten, von den Göttern mit Wahnsinn bestraft. Nachdem eine der Töchter daran verstorben war und die anderen Töchter noch wilder wurden und der Irrsin auf alle Frauen übergriff, heilte Melampus alle Frauen und erhielt von Proitos als Belohnung die Hälfte des Königreichs. Gemäß Dioscorides hatte er die Frauen mit der schwarzen Nieswurz behandelt.

    Die schwarze Nieswurz, Helleborus niger, häufig Schneerose oder Christrose genannt, ist eine ausdauernde, immergrüne Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse. Der frische Wurzelstock wird im Dezember und Jänner gegraben, hat einen widerlich, ranzig, scharfen Geruch, der zum Niesen reizt. Der Geschmack des Rhizoms ist erst süß, dann bitter und beißend reizend. Alle Teile der Pflanze sind giftig und werden von Weidetieren wegen des Geruchs der Wurzel gemieden.

    Schon im Altertum wurde die Wurzel bei Geisteskrankheiten verabreicht, bei Epilepsie, Wutanfällen, Melancholie oder bei Gicht. Sagte man im alten Rom von jemandem „Der hat die Nieswurz nötig!“ war damit gemeint, dass dieser leicht verrückt sei. Die Wurzelabkochung in Wein wurde als kräftig abführendes Purgiermittel genutzt, das Feuchtigkeit sowie Gelb- und Schwarzgalle austreibt“ (Matthiolus). Auch Verstopfungen von Pfortader und Milz sollten mit ihrer Hilfe gelöst werden. Die Wurzel diente weiters bei Hauterkrankungen, alten Wunden oder Gelenksrheumatismus in Form von Umschlägen oder als Puder. Später fand die Wurzel in geringer Dosierung bei Herzerkrankungen, Kopfschmerzen oder Amennorhoe Verwendung und galt als sehr gutes Hirn-, Uterus-, und Nierenmittel. Paracelsus empfahl das Pulver als Altersmittel zur Verlängerung des Lebens.

    Heute hat die Wurzel bei vergleichbaren Indikationen Einzug in die Homöopathie gehalten, Samuel Hahnemann hat über die Schneerose seine Doktorarbeit geschrieben. Als Leitsymptom gelten melancholische Zustände, die mit starker Erregung wechseln; „allgemeine, muskuläre kardiale oder renale Schwäche, die mit Ödemen in Beinen und Körperhöhlen verbunden ist“ (Garvelmann) gilt als wesentliches Kennzeichen. Typische Indikationen sind reduzierte Vitalität, schweres Atmen oder Lungenödeme, Nierenentzündungen, pulsierenden Kopfschmerzen, stets verbunden mit Unruhe, auch im Wechsel. Die Wurzel gilt als warm und trocken. Sie steigert die physiologische Wärme, eliminiert Schärfen sowie phlegmatische Stauungen, wirkt reinigend und auf Gewebsverhärtungen erweichend. Der Christrose werden immunmodulierende und tumorhemmende Wirkungen nachgesagt; entsprechende Untersuchungen liegen vor. Welche Inhaltsstoffe für diese Wirkung in Frage kommen, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Bekannte Wirkstoffe sind herzwirksame Glycoside, Alkaloide sowie Steroidsaponine. Der Einsatz bei Krebspatienten erfolgt bis dato jedoch nur auf anthroposophischer Basis, oft in Kombination mit Mistelpräparaten.

    In der Nieswurz zeigt sich überwiegend die Kraft des Saturns: Sie wächst in den nördlichen Kalkalpen auf Abhängen und in Wäldern; sie ist ein Kalkanzeiger. Ihre Blätter sind immergrün, sieben bis neunfach charakteristisch pedat gefiedert und ledrig. Auch die antizyklische Blütezeit ist durch den Saturn geprägt. Aus der nickenden Knospe entwickelt sich auch bei Schneelage gelegentlich bereits um Weihnachten, zumeist erst nach Lichtmess, die weiße Blüte. Das Weiß der Blüte ist mit Neubeginn und Helligkeit assoziiert. Da die Schneerose im Winter, manchmal bereits zur Wintersonnwende blüht, galt sie lange als Orakelpflanze. Die Blüte gilt als botanische Besonderheit: Die zu Blütenblättchen modifizierten Kelchblättchen sind spiralig angeordnet, die eigentlichen Kronblättchen zu Nektarien umgestaltet. Sie bilden reichlich duftenden Nektar, um Wildbienen anzulocken. Die Nieswurz kann unabhängig davon ihren eignen Pollen zur Selbstbestäubung nutzen. Die Staubblätter sind gelb, in deren Mitte mehrere oberständige Fruchtblätter stehen. Nach der Bestäubung bleiben die Blütenblätter erhalten, ergrünen und dienen der Versorgung der heranreifenden Balgfrüchte. In der immergrünen Farbe zeigt sich die Sonne, in der Schärfe der Wurzel der Mars. Die schwarze Farbe des Rhizoms sowie der Geruch und die Giftigkeit sind jedoch wieder Zeichen des Saturns.

    Die schwarze Nieswurz, die der Überlieferung nach früher Menschen vor dem Tod bewahrte, hat ihre Bedeutung in der Traditionellen Europäischen Medizin nicht gänzlich verloren und wird heute therapeutisch in verdünnter Form genutzt. Um die winterliche Melancholie zu vertreiben, kann man verschiedene Arten an schattigen Plätzen in den Garten setzen und sich zeitig im Jahr an der Schönheit der Rose des Winters erfreuen.

  • Abwehr außer Kontrolle

    Abwehr außer Kontrolle

    Allergien und Autoimmunerkrankungen Teil II

    Kennen Sie das? Sie treten noch mitten im Winter an einem sonnigen Tag vielleicht im Jänner oder Februar vor die Haustüre und ziehen die frische Luft gut durch ihre Nase. Sie gehen ein paar Schritte und merken, dass die Nase kitzelt, die Augen jucken womöglich: Die Heuschnupfen- Saison ist eröffnet!

    Wie in Teil I beschrieben wird die Therapie einer Disbalance des Immunssystems über einen längeren Zeitraum durchgeführt; daher können natürliche Mittel zur Kupierung der Symptome angezeigt sein. Das meistverkaufte Mittel hierfür ist das Gemmomazerat der schwarzen Johannisbeere. Diese fördert die Ausschüttung vom körpereigenen Cortisol aus Nebennierenrinde. Weiters regt das Mazerat den Stoffwechsel an, entgiftet und wirkt dadurch entzündungshemmend. Sie vermittelt zwischen den Polaritäten; schafft Aus-gleich zwischen dem Selbst und der jener Welt, die durch das überschießende Immunsystem bekämpft wird. Andere Mittel sind die Hundsrose oder die Rotbuche, welche die Mastzellen stabilisieren. Die Knospe der Walnuss ist ein ausgesprochenes Lymphmittel und unterstützt die Darmflora. Zudem ist die Walnuss geprägt durch den Saturn, dies bewirkt eine gewisse Abgrenzung zur Außenwelt, welche sich unter anderem in der sta-cheligen Hülle des Samens zeigt.

    Die Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra) ist eine der am längsten bekannten Arzneipflanzen nach einem ägyptischen Papyrus und findet schon Jahrtausende Anwendung bei Lungenleiden. Hippokrates, Theophrastus, Hildegard und viele andere nutzen die Wurzel, die eine „vorzügliche Kraft wider aller Schärfe der Säfte“ aufweist. Heute wissen wir von ihrer starken, antientzündlichen Wirkung. Tragant (Astragalus sp.) ist zwar eine chinesische Heilpflanze, die jedoch eine lange Tradition hat, gut untersucht ist und modulierend auf das Immunsystem wirkt. Antientzündliche und antiasthmatische Wirkungen sind nachgewiesen. Die Pflanze kommt als Nahrungsergänzungsmittel in den Handel. Die in Österreich heimischen Tragantarten sind leider pharmakologisch noch nicht untersucht. Für all jede, denen der chinesische Tragant zu exotisch ist, bietet sich der Mandelpilz (Agraricus subrufescens) an. Der Speisepilz bringt das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht. Er gilt daher als Therapeutikum bei Allergien und Autoimmunerkrankungen. Der glänzende Lackporling (Ganoderma lucidum) wird ebenfalls unterstützend bei hypersensitiven Reaktionen gegeben. Die Verwendung des bei uns heimischen, als Reishi bezeichneten Pilzes bedarf die Hände von erfahrenen Therapeuten, da er durchaus seine Eigenheiten aufweist. Recht unbekannt ist, dass die Samen und das Öl des Schwarzkümmels (Nigella sativa) die allergische Symptomatik verbessert. Nachgewiesen ist dies bei allergischem Asthma. Da die Freisetzung von Histamin sowie dessen Wirkung gehemmt wird, kann eine Gabe bei Pollinosen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Betracht gezogen werden. Am einfachsten ist die Einnahme von je einem Teelöffel des kaltgepressten Öls morgens und abends über einen längeren Zeitraum.

    Allergische Erkrankungen sensu lato gelten in der konventionellen Medizin zumeist als chronische Erkrankungen. Die Erfahrung lehrt uns, dass ein aus den Fugen geratenes Immunsystem mit natürlichen Mitteln zurück in seine Balance gebracht werden kann. Der Frühlingsspaziergang kann dann im wahrsten Sinne des Wortes wieder in vollen Zügen genossen werden.

    Allergikertee

    • Hb. Millefolii
    • Hb. Euphrasiae
    • Hb. Virgaureae aa 20
    • Flos Neroli
    • Flos Malvae aa ad 100
    • M.f. spec.

    1TL pro Tasse, 2-3 Tassen pro Tag

    Juckreizlindernder Tee (nach Friedemann Garvelmann)

    • Hb. Galii veri
    • Hb. Violae tricoloris
    • Fol. Melissae aa ad 100
    • M.f. spec.
    1TL pro Tasse, 2-3 Tassen pro Tag
  • Wildkräuterküche des Frühjahres in der Traditionell Europäischen Medizin

    Wildkräuterküche des Frühjahres in der Traditionell Europäischen Medizin

    Die Traditionell Europäische Medizin kennt keine für jeden gültige Ernährungsform, jedoch richtet sie sich unter anderem nach dem Jahreszyklus. Jene Lebensmittel also, die aktuell im Garten und der Umgebung wachsen, gelten demnach als gesund. Im Übergang von Winter zu Frühling sind die Vorräte aufgebraucht, frisch Angebautes ist noch nicht verfügbar. Traditionell haben sich die Menschen folglich in Feld, Wald und Wiese bedient.

    Das Wort „Unkraut“ leitet sich von mhd. „unkrut“ ab und bezeichnet vom Menschen nicht verwertbare Pflanzen. Dabei haben selbst die alten Germanen die Unkräuter im Frühling als erste Nahrung herangezogen und so deren Kraft genutzt. Was vor einer oder zwei Generationen noch gängig war, ist heute, wenn nicht vergessen, doch nicht mehr üblich: Die Wildkräuterküche des Frühjahres.

    Die ersten jungen Pflanzentriebe des Frühjahrs können bereits geerntet werden und bieten Pflanzenkraft mit wertvollen Inhaltsstoffen. Knospen enthalten Stammzellen die regenerierend auf den Organismus wirken. Besonders schmackhafte Knospen sind jene der Brombeere und der Linde. Brombeerknospen schmecken aromatisch nach Beeren. Sie sind ein gutes Tonikum. Sie stärken das Atemsystem und verbessern die Sauerstoffversorgung des Blutes. Lindenknospen haben ein Aroma nach jungen Erbsen. Sie haben eine steigernde Wirkung auf das Immunsystem und sind gut blutreinigend. Vor allem aber vertreiben die Lindenknospen die Winterdepression und stellen den Körper auf Frühling ein. Die Triebspitzen des Wacholders sind stark blutreinigend und haben eine desinfizierende Wirkung auf die ableitenden Harnwege. Ein besonders würziges Aroma entfalten sie, wenn sie kurz in der Pfanne geröstet werden.

    Auch die jungen Pflanzentriebe der Unkräuter sprießen schon da und dort aus dem Boden. Diese Pflänzchen eignen sich für eine Frühjahrskur. Bärlauch wirkt verdauungsfördernd und ist für seine entgiftende Wirkung auf Schwermetalle bekannt. Sauerampfer enthält viel Vitamin C und zählt zu den blutreinigenden Pflanzen. Löwenzahn ist eine Pflanze, die Verdauungssäfte anregt und das Gänseblümchen unterstützt die Niere. Birkenblätter wirken harntreibend. In fast jeder Frühjahrskur ist auch Brennnessel enthalten, die gleichfalls eine entwässernde Wirkung hat, darüber hinaus auch Mineralstoffe und Eisen enthält. Die jungen Blätter dieser Pflanzen eignen sich frisch als Salat oder als 7-Kräutersuppe. Meine Kinder freuen sich jedes Jahr auf das grüne Kartoffelpüree: Zuerst werden die Kräuter gesammelt und dann gemeinsam verkocht. Und so gilt: Vom Garten in die Töpfe.

    Brombeerknospenschokolade

    1-2 Hand voll frische Brombeerknospen
    80g Kakaobutter
    20 g Kakao
    20 g Honig
    30 g Haselnussmus
    30 g Mandelmus

    Die Kakaobutter bei niedriger Temperatur schmelzen. In ein schmales hohes Gefäß überführen und Kakao und Honig ergänzen. Mit dem Pürierstab rasch durchrühren. Anschließend die Muse zugeben und nochmals pürieren. Die Knospen werden untergehoben und in eine Schokoladenform gegossen. Alternativ kann die Masse auf eine Dauerbackfolie gestrichen werden. Am besten im Tiefkühler fest werden lassen. Durch die frischen Knospen ist die Schokolade nicht lagerbar. Rasch verbrauchen.

    Grünes Kartoffelpüree

    1,5 kg festkochende Erdäpfel
    2 große Zwiebel
    Öl
    2 Knoblauchzehen
    2 Hand voll junge Brennnesselblätter und Triebspitzen
    1-2 Hand voll Giersch
    2 Hand voll gemischte Kräuter: Vogelmiere, Löwenzahn, Spitzwegerich, Schafgarbe, Sauerampfer, Birkenblättchen, Gänseblümchen…
    Ca. 300 ml Schlagobers und Milch gemischt

    Kartoffeln werden in Schale weichgekocht. Die Zwiebel werden geschält, geschnitten und in Öl angedünstet. Der Knoblauch wird klein gehackt und dem Zwiebel zugegeben und kurz angeschwitzt. Anschließend werden die grob gehackten Kräuter hinzugegeben und gerade erwärmt.

    Die Kartoffeln werden geschält, zerdrückt und mit Milch und Sahne zu einem Püree verarbeitet. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Die Kräutermischung wird untergezogen und sofort serviert.

    Wildspargelragout

    1 kleine Zwiebel
    1 EL natives Kokosöl
    1 Hand voll Wildspargel wie Hopfensprossen oder Waldgeißbartschösslinge.
    etwas gemischte Gemüsewürze
    gemischte Kräuter (Dost, Petersilie, Ysop und Zitronenthymian)
    Cashewnüsse
    Sahne (Schlagobers oder Cashewnussmus)

    Für das Ragout Zwiebel in Kokosöl anrösten. Den Wildspargel in 3 cm lange Stücke schneiden und mit der Würze dünsten. Zum Verfeinern mit etwas Sahne und den gehackten Kräutern würzen. Wer vegan lebt, ersetzt das Schlagobers durch Cashewnussmus. Dazu passt hervorragend: Selbstgemachte Nudeln und frischer gerösteter Spargel.

  • Ätherische Öle in Zeiten wie diesen

    Ätherische Öle in Zeiten wie diesen

    Die Medizin der alten Zeit benutze die Mittel so, wie sie in der Natur wachsen. Und so kannte die frühe Heilkunst den Einfluss der Riechstoffe auf den Menschen zunächst in Form von Räucherungen, aromatische Öle werden seit fast 5.000 Jahren verwendet. In Europa gilt der französische Parfümhändler und Kosmetikchemiker Rene M. Gattefosse als Begründer der Aromatherapie. Durch die Veröffentlichung seiner Forschungen in seinem Buch „Aromatherapie“ prägte er auch den Begriff dieser Therapieform.

    Die Aromatherapie ist ein Teilbereich der Phytotherapie und beruht auf der systematischen Verwendung von ätherischen (konzentrierten) Ölen, die aus aromatisch riechenden Pflanzenteilen zumeist destilliert werden. Ätherische Öle sind intensiv duftende Vielstoffgemische, die mit Wasser nicht mischbar sind, aber im Wasserdampf flüchtig. Die Zusammensetzung der ätherischen Öle variiert stark je nach Pflanzenmaterial und daher entfalten sich die einzelnen Öle auch in unterschiedlichsten Bereichen des Organismus. Durch ihren unmittelbaren Effekt auf Zentren im Gehirn regulieren sie psychische und physische Vorgänge wie etwa Gedächtnis, Stimmungen und Kreativität. Über das vegetative Nervensystem haben sie Einfluss auf vielfältige Organ- und Stoffwechselfunktionen. Zusätzlich zu den Reaktionen über das Riechen der Duftstoffe entfaltet das ätherische Öl durch seine reichhaltigen Inhaltsstoffe auch pharmakologisch seine starken, aber ausgewogenen Wirkungen. Viele Duftstoffe besitzen die Fähigkeit die Stimmung zu beeinflussen und somit das Wohlbefinden zu verbessern. Dabei können sie sowohl sedierende als auch stimulierend wirken. Menschen, die an stressbedingten Krankheiten leiden erfahren Erleichterung ihrer Beschwerden durch die entspannenden Eigenschaften der ätherischen Öle und ihrer speziellen Anwendungsmethoden. Viele ätherische Öle besitzen darüber hinaus eine starke antimikrobielle Wirkung vor allem auf Viren, Bakterien und Pilze.

    Vorschläge zu ätherischen Ölmischungen, die uns in dieser Zeit gut begleiten und unterstützen könnten:

    Ätherische Ölmischung zur Reinigung der Raumluft, auch immunstimulierend

    • 1 ml Lavendel
    • 1 ml Ravintsara
    • 3 ml Zitrone
    • 5 ml Bergamotte

    Die Öle werden gemischt. 5 ml der Mischung können in 45 g 96% Ethanol in einer Sprühflasche gemischt und als Raumspray verwendet werden. Alternativ kann die Ölmischung in einem Aromastreamer verwendet werden, der den Duft gut über den Raum verteilt. Neben einer Wirkung zur Reinigung der Raumluft ist die Mischung aufgrund seiner Öle auch zur Steigerung der Immunabwehr geeignet. Lavendel wird zu Recht als Allheilmittel gesehen. Das Öl weist antiseptische und entzündungshemmende Wirkungen auf und unterstützt die Zellregeneration und Heilung. Seine krampflösende, entspannende und beruhigende Wirkung hilft dem Körper bei Erkältungskrankheiten.

    Ravintsara wird in Madagaskar angepflanzt und dort zur Immunstimulation, aber auch bei akuten Erkrankungen aufgrund seiner antibakteriellen, antiviralen und schleimlösenden Wirkung verwendet.

    Zitronenöl ist durch seine starke antiseptische Wirkung charakterisiert. In manchen Krankenhäusern wird das Öl folglich zur Keimreduktion genutzt. Durch seinen Duft wirkt das Öl anregend und konzentrationsfördernd und muntert niedergeschlagene Gemüter auf.

    Bergamotte hat wie alle Zitrusdüfte eine stimmungsaufhellende Wirkung, ist angstlösend und ausgleichend. Des Weiteren wirkt es antiseptisch und antiviral. Aufgrund seiner fiebersenkenden Eigenschaften wurde das Bergamotteöl früher bei Malaria genutzt.

    Aromaöl zur Erleichterung des tiefen Durchatmens

    • 2 ml Cajeput
    • 2 ml Zeder
    • 2 ml Douglasie

    Die Öle werden gemischt. Die Anwendung erfolgt tropfenweise auf einem Stofftaschentuch, in einem Aromastreamer oder zur Herstellung eines Brustöls. Hierfür werden maximal 3-5% der Mischung mit Jojobaöl gemischt oder in eine neutrale Salbengrundlage eingearbeitet.

    Traumzeit und Glück

    • 4 ml Orange
    • 1 ml Bergamotte
    • 2 ml Rose 2%
    • 2 ml Vanille

    Die Öle werden gemischt. Die Anwendung erfolgt tropfenweise auf einem Stofftaschentuch oder in einem Aromastreamer. Fein ist die Mischung auch als Vollbad: Hierfür werden 10-15 Tropfen mit etwas Milch vermengt und dem Badewasser zugesetzt. Wer keine Wanne hat oder lieber duscht fügt 200 ml duftfreiem Duschdas 30-50 Tropfen der Mischung bei.

    Gelassen im Stress – „Wenn das Chaos auszubrechen droht“

    • 3 Tr. Zeder
    • 3 Tr. Lavendel
    • 2 Tr. Geranie
    • 4 Tr. Petit-grain

    Die Öle werden gemischt. Die Anwendung erfolgt in der Duftlampe oder in einem Aromastreamer.

    Powerpack – „Wenn die Energie noch nötig ist, aber fehlt“

    • 3 Tr. Rosmarin
    • 3 Tr. Ingwer (oder ein Zitrusduft)
    • 3 Tr. Wacholder
    • 1 Tr. Pfefferminze

    Die Öle werden gemischt. Die Anwendung erfolgt in der Duftlampe oder in einem Aromastreamer.

    Literatur:
    Marion Romer: Aromatherapie für die ganze Familie, Hirzel Verlag, 2007
    Monika Werner: Ätherische Öle, Gräfe und Unzer Verlag, 1999

  • Abwehr außer Kontrolle

    Abwehr außer Kontrolle

    Allergien und Autoimmunerkrankungen Teil I

    Im Herbst können die meisten Allergiker mal richtig gut durchatmen; nur mehr wenig Pollen liegt in der Luft, Regen reinigt feine Partikel aus der Atmosphäre. Jetzt gilt es an eine naturheilkundliche Allergietherapie zu denken, diese hat nämlich in der Allergienebensaison große Bedeutung.

    Der Begriff Allergie leitet sich aus dem griechischen für „allos“ anders und „ergein“ arbeiten ab. Der Name zeigt, dass bei dieser Erkrankung das Immunsystem differenziert agiert. Spielen die verschiedenen, an der Abwehr beteiligten Organe, Zelltypen und Stoffe perfekt und in einem komplexen System zusammen, dann ist der Mensch mit einer funktionierenden Abwehr gesegnet. Bei allergischen Reaktionen klappt dieses Zusammenspiel nicht; der Körper reagiert auf im Grunde unschädliche Stoffe. Diese fehlgeleiteten Antworten des Immunsystems richten sich bei einer Allergie gegen körperfremde Partikel, während sie bei einer Autoimmunkrankheit gegen den eigenen Körper zielen. Interessant ist, dass bei einer Allergie das Verhältnis der T-Helferzellen TH1 zu TH2 Richtung TH2 verschoben ist, während bei vielen Autoimmunerkrankungen umgekehrte Proportionen vorliegen. In beiden Fällen kommt es zu Entzündungsreaktionen mit unangenehmen, bekannten Begleiterscheinungen. In Deutschland und vermutlich auch in Österreich weist knapp jeder Dritte eine allergische Erkrankung auf, jeder Fünfte leidet darunter. Geschätzt fünf bis acht Prozent sind von einer Autoimmunerkrankung betroffen.

    Wird die Signatur dieser Fehlleitung betrachtet, so zeigt sich, dass unser Körper übersensitiv auf seine Umwelt reagiert. Epidemologen haben als Ursache unsere westliche, industrialisierte Lebensweise als wesentlichen Parameter ausgemacht. Unser Lebensraum wurde im letzten Jahrhundert von chemisch, synthetischen Stoffen überschwemmt sei es in der Kleidung, der Luft, den Reinigungsmitteln und vielem mehr. Diesem zu viel an Umweltschmutz steht ein zu wenig an Dreck gegenüber. Die industrielle, denaturierte Kost ist vollgestopft mit Molekülen, die natürlicherweise in kein Lebensmittel gehören und gleichzeitig sind durch die intensive Landwirtschaft die Böden ausgelaugt und verarmt. Viel Zeit verbringen wir im Inneren von Gebäuden mit spärlicher Bewegung. Hinzukommt Lärm, Elektrosmog und ionisierende Strahlung und eine Vielzahl an Stoffen, die unser Mikrobiom beeinflussen. Ist es verwunderlich, dass der eine oder andere gegenüber dieser Welt eine gewisse Abwehrreaktion entwickelt? Im Falle einer Autoimmunerkrankung richtet sich das kriegerische Bestreben gegen eine eigene körperliche Struktur. Welches innere Gefüge bedarf einer Auflösung, dass die Aggression des Körpers sich dagegen richtet? Hier hilft ein mutiges Infragestellen der eigenen Lebensprinzipien und die Auseinandersetzung mit persönlich erforderlichen Ab- und Umbauten.

    Verschiedene Formen der Allergie sind bekannt wie etwa jene vom Früh- und Spättyp. Bezeichnet wird die Allergie nach dem auslösenden Stoff. Dabei liegt bei allen hypersensitiven Reaktionen des Körpers ein und dieselbe Ursache dahinter: Das fehlgelenkte Abwehrsystem unseres Körpers!

    Eine naturheilkundliche und ganzheitliche Therapie versucht folglich die Überempfindlichkeit zu reduzieren und stellt nicht das Allergen in den Vordergrund etwa durch Abstinenz oder Sensibilisierung.

    Grundsätzlich bedarf nicht jede überschießende Reaktion eine Therapie. In manchen Fällen reicht eine Lebensstilanpassung. Beispiele sind etwa regelmäßiges Staubsaugen und Vermeidung von Teppichböden bei einer Staubmilbenallergie oder Abstinenz des Allergens wie etwa bei gewissen Lebensmitteln. Auch Nasenspülungen oder Haarewaschen oder -spülen bei Pollinose zählen zu derartigen Maßnahmen. Zu beachten ist hierbei, dass die Basis der Symptomatik, der Lymphatismus oder Skrofulose dadurch unbeeinflusst bleiben und eine Verschlechterung des Gesamtzustands nicht ausgeschlossen werden kann.

    Der Therapeut, Arzt oder Apotheker wird entsprechend der vorliegenden Symptomatik, Anamnese und Konstitution ein Therapieschema vorschlagen. Bei saisonalen Formen wie Heuschnupfen wird der Therapiebeginn in die symptomfreie Zeit gelegt. Im Regelfall bieten sich Mittel an, die bei Lymphatismus und Skrofulose gegeben werden, da diese die konstitutionelle Basis für die Allergie darstellen. Die bekannteste Kombination ist jene von Eberraute (Artemisia abrotanum) mit Braunwurz (Scrophularia nodosa). Als alternatives Lymphmittel kann beispielsweise Augentrost (Euphrasia offizinalis) rezeptiert werden, insbesondere wenn die Haut bei Neurodermitis und Ekzemen betroffen ist. Apis wird eventuell bei juckenden, brennenden Beschwerden ergänzt, Allium cepa bei wässrigen, scharfen Absonderungen. Bei Beteiligungen der Lunge etwa im Fall von Asthma bietet sich Angelika (Angelica officinale) an, die ihren Schwerpunkt auf den Schleimhäuten und dem Lymphsystem der Atemwege hat und auch positive Effekte auf die Psyche mitbringt. Bei massiven Stauungen im Kopflymphsystem wird Kalmus (Acorus calamus) oder Stiefmütterchen (Viola tricolor) verordnet. Die Auswahl ist hier groß; die Mischung wird individuell zusammengestellt.

    Aufgrund der Bedeutung der Darmflora auf das Immunsystem, ist zwingend eine Therapie mit Probiotika erforderlich. Entsprechende Darmkeime sollten gemeinsam mit dem konstitutionellen Mittel über einen längeren Zeitraum gegeben werden, dies gilt sowohl für klassische Hypersensitivität als auch Autoimmunerkrankungen. Die Mikrobiota des HNO-Bereichs sollten nicht vergessen werden! An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Darmflora stark von der Zusammensetzung unserer Lebensmittel abhängig ist. Unsere Ernährung stellt somit das beste Mittel in der Therapie von Allergien dar (Buchtipp: M.O. Bruker: „Allergien müssen nicht sein“).

    Dem Immunsystem kann durch weitere Therapien unter die Arme gegriffen werden: Nosoden, gespritzt oder potenziert helfen zusätzlich und aktivieren die Selbstheilungskräfte. Akupunktur oder Akupressur bringen unsere Energiebahnen in Fluss. Durch das überschießende Immunsystem werden Mikronährstoffe vermehrt verbraucht. Allergiker profitieren daher von der Gabe von Zink, Selen und den Vitaminen C und D. Da die Symptomatik bei den Patienten durchaus wechseln und unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann, leiden die Patienten unter dem fehlenden Verständnis der Umgebung. Bekannt ist, dass die Ausprägung der Erkrankung zusätzlich psychosomatisch geprägt wird. Entspannungstherapien und entsprechende pflanzliche Therapeutika können sinnvollerweise die Maßnahmen vervollständigen.

    Erfahrungsgemäß ist eine Nebensaison zu kurz, um das Immunsystem wieder zu stabilisieren. Helfer aus dem naturheilkundlichen Portfolio sind daher für die eigentliche, symptomgeprägte Saison relevant. Welche Therapieoptionen zur Unterstützung in der Allergiezeit helfen können, lesen sie in einem späteren Newsletter.

  • Pilze für Wohlbefinden und Gesundheit

    Pilze für Wohlbefinden und Gesundheit

    Teil II

    Im Spätsommer und Herbst gilt es hinaus in den Wald zu den Pilzen zu gehen – die Pilzsaison ist eröffnet. Bereits während der Sommermonate sprießen Champignons, Steinpilze oder Pfifferlinge, im Herbst sind sie besonders ausgiebig zu finden. Pilze aus Wald und Flur stehen jedoch ganzjährig zu Verfügung: im Herbst der Schopftintling, im Spätherbst und Winter das Judasohr, der Austernseitling und der Samtfußrübling, im Frühling die Morcheln. Die Schmetterlingstramete ist ganzjährig in der Natur zu ernten, jedoch kein Speisepilz. Viele Schwammerl werden mittlerweile aus Bio-Zucht im Handel frisch oder getrocknet angeboten. Fast alle haben nachgewiesene therapeutische Wirkungen.

    Die Verwendung der Pilze hat bei uns eine lange Tradition. Bilder aus dem 11. und 12. Jhd. n. u. Z. zeigen Bibelszenen mit groß dargestellten Pilzkörpern. Die Nutzung der Pilze bei spirituellen Ritualen veranlasste die Kirche vermutlich Pilze mit Hexen in Verbindung zu bringen, womit das Wissen über die Heileigenschaften in Folge verloren ging. In mittelalterlichen Kräuterbüchern sind nur mehr wenige bis gar keine Schwammerl erwähnt. Asiatische Länder zeigen indes eine durchgehende Tradition. Mittlerweile wird seit ein paar Jahrzehnten verstärkt im abendländischen Raum an medizinischen Anwendungsmöglichkeiten von Pilzen und deren Inhaltsstoffen geforscht, denn viele Schwämme beinhalten pharmakologisch aktive Stoffe. Einige davon lassen sich in Form der Fruchtkörper leicht in unseren Wäldern finden:

    Champignon (Agaricus bisporus und andere Arten)
    Wir kennen schätzungsweise 200 verschiedene Champignon-Arten; die meisten sind essbar. Vorsicht ist dennoch geboten, da auch einige Giftige wie etwa der Karbolchampignon beschrieben sind. Diese Schirmlinge bilden von Mai bis Oktober in den heimischen Wiesen und Wäldern Fruchtkörper aus und sind weiters ganzjährig als Zuchtpilze verfügbar. Kein anderer Speisepilz wird weltweit in solch großen Mengen angebaut wie der Champignon.

    Studien zufolge schützen diese Pilze die Leber und unterstützen die Gesundheit. Präventiv kann er bei Tumorerkrankung angewendet werden. Medizinisch begleitet von erfahrenen Therapeuten erfolgt die Anwendung bei verschiedenen Krebserkrankungen ergänzend zur klassischen Therapie. Ferner fördert der Champignon die Wundheilung und beugt übermäßiger Narbenbildung vor.

    Judasohr (Auricularia polytricha)
    Das Judasohr ist ein Pilz der ganzjährig auf Holundersträuchen wächst und folglich Hollerschwamm genannt wird. Der Pilz ist für Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen gedacht, er verbessert die Fließeigenschaften des Blutes und damit die Durchblutung insgesamt. Seine Wirkungen entfalten sich bei zu hohem Blutdruck und Blutzucker; er wird bei Typ 2 Diabetes gegeben. Interessanterweise hilft er sowohl innerlich und äußerlich zur Blutstillung. Beschrieben ist die Harmonisierung bei Muskelkrämpfen und Rückenschmerzen, er wirkt allgemein vitalisierend und als Stärkungsmittel und selbstverständlich zur Unterstützung des Immunsystems.

    Schopftintling (Coprinus comatus)
    Dieser Lamellenpilz wächst bis November auf nährstoffreichen Wiesen, Äckern und am Wegesrand, er ist häufig zu finden. Er muss jung rasch verarbeitet werden, denn er zerfließt bald zu einer schwarzen Flüssigkeit, in der die reifen Sporen enthalten sind. Wegen seines besonderen Aromas wird er auch Spargelpilz genannt, er kann getrocknet werden. Er enthält Vitamin C, B1, B2, und B3 sowie Inhaltsstoffe die antioxidativ wirken. Haupteinsatzgebiet ist die begleitende Therapie bei Diabetes sowohl Typ 1 als Typ 2. Die Blutzuckersenkung kann so heftig sein, dass zwingend eine Überwachung der Werte erforderlich ist. Bei Durchblutungsstörungen kann er ebenso gegeben werden, wie bei Störungen der Darmflora und bei Hämorrhoiden. Wie alle Pilze kann er bei Tumorerkrankungen unterstützend helfen.

    Samtfußrübling (Flammuling velutipes)
    Der auch „Winterpilz“ genannte Schwamm ist ein ausgezeichneter Speisepilz, wobei nur die Hüte verarbeitet werden. Er kommt von Oktober bis März vor, seine Fruchtkörper sind frostunempfindlich und faulen nicht. Zu finden ist er an Totholz von Laubbäumen sowie an lebenden Stämmen und ist zu dieser Jahreszeit fast unverwechselbar. Als Zuchtpilz ist er unter dem Namen Enoki erhältlich. Untersucht sind seine antimikrobiellen Eigenschaften sowie sein modulierender Einfluss auf das Immunsystem. Dem entsprechend kann er bei Infekten sowie präventiv und begleitend bei verschiedenen Krebsarten gegeben werden.

    Schmetterlingstramete (Trametes versicolor)
    Die hübsche Schmetterlingstramete ist bei uns ganzjährig leicht zu finden, allerdings ist sie kein Speisepilz. Sie wächst an totem Holz, bildet flache, rosettenartige Hüte aus, die in verschiedenen Farben zonenartige Ringe aufweist.

    Der auch als Coriolus bezeichnete Schwamm enthält neben Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen einen hohen Anteil an proteingebundenen Polysacchariden. Diese sind hocheffektive Immunstimulanzien und erzielen in der begleitenden Krebstherapie Erfolge. Das Haupteinsatzgebiet liegt somit in der Prävention sowie bei der Unterstützung bei der Behandlung von Tumoren, jedoch auch zur Abschwächung der Nebenwirkung in der Strahlen- und Chemotherapie. Bestätigt ist seine Anwendung zur Verbesserung der Wirksamkeit von Krebsmedikamenten. Die Schmetterlingstramete weist einen kräftigen antimikrobiellen Effekt auf und wird bei Candidainfektionen sowie allen Formen der bakteriellen und viralen Erkrankungen gegeben; sie stärkt und reguliert das Immunsystem. Therapeutische Anwendung findet sie darüber hinaus zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen und Allergien.

    Da der Pilz aufgrund seiner Zähigkeit und seiner Aromen als Speisepilz ungeeignet ist, wird er getrocknet und zu Pulver verarbeitet. Dieses kann bis zu einer Dosis von 8 g pro Tag eingenommen oder als Tee aufgegossen werden. Die Verarbeitung in Speisen ist unter Beachtung des Eigenaromas möglich.

    Eierschwammerl (Cantharellus cibarius)
    Der als Pfifferling bekannte Speisepilz, dessen pfeffriger Geschmack des rohen Fleisches namensgebend ist, kommt von Juli bis November vor und ist sehr beliebt. Er gilt als schwer verdaulich und sollte daher zur Verarbeitung dünn und klein geschnitten werden. Das Eierschwammerl gehört nicht zu den gängigen Heilpilzen, hat aber vergleichsweiße hohe Werte an Vitamin D und Betacarotin. Nachgewiesen sind hohe Mengen an Kalium, viel Kupfer und Zink. Wie alle Pilze wirkt es auf das Immunsystem. Entgegen der üblichen Meinung lassen sich Eierschwammerl trocknen. Das Kochwasser soll, wie bei allen getrockneten Pilzen weiterverarbeitet werden, da sich darin der Großteil der bedeutenden Inhaltsstoffe befindet.

    Verwandt mit dem Pfifferling ist die Totentrompete (Craterellus cornucopioides), die ein besonders feines Aroma entwickelt und farbige Carotinoide (Xanthine) und Radikalfänger enthält.

    Herrenpilz (Boletus edulis)
    Der Steinpilz ist ein Röhrenpilz mit festem Fruchtkörper und kompaktem Fleisch. Gefunden werden kann er von Juli bis in den November hinein -je nach Witterung- in lichten Nadel- und Mischwäldern. Er ist besonders reich an Aminosäuren, die Hälfte davon besteht aus lebenswichtigen essenziellen Aminosäuren. Praktisch alle B-Vitamine sind nachgewiesen, B 12 ausgenommen, auch Vitamin K und E sind enthalten. Von den Mineralstoffen beinhaltet der Pilz Kalium, Eisen, Kupfer, Mangan und Zink. Er besitzt außerdem ein natürliches Anreicherungsvermögen für Selen, welches organisch gebunden ist und dadurch besonders leicht vom Körper aufgenommen werden kann. Der Steinpilz scheint Schwermetalle wie Quecksilber oder Silber einzulagern, er sollte daher an unbedenklichen Standorten gesammelt. Der Steinpilz enthält antioxidativ wirkende Verbindungen, die eine deutliche Hemmwirkung gegenüber verschiedenen Tumoren zeigen. Die entsprechenden Inhaltsstoffe sind nur im Fruchtkörper enthalten. Der Pilz schützt vor Schädigungen der Gehirnzellen und stärkt die Gesundheit. Plinius empfahl den Steinpilz für den Magen. Eine Tinktur des Steinpilzes wird bei Durchblutungsstörungen, Blutdruck, Durchblutungsstörungen des Herzens und Zysten sowie Myomen eingesetzt. Wegen des Gehalts an Selen und Vitamin E ist die Einnahme bei Schilddrüsenproblemen empfehlenswert.

    Weitere heimische Pilze, denen positive Effekte auf die Gesundheit nachgewiesen wurde, sind etwa der Hallimasch (Armillaria mellea), der Pilz für das „gute Altern“, der beruhigend wirkt. Zu nennen ist der Austernseitling (Pleurotus ostreatus), der antioxidative Wirkungen entfaltet. Medizinisch wird er bei Beschwerden der Muskel und Sehnen gegeben. Ein besonderer Schwamm ist der Schiefe Schillerporling (Inonotus obliquus), der unter dem Namen Chaga arzneilich verwendet wird. Anwendungsgebiete sind Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, wobei die Stabilisierung der Darmflora im Vordergrund steht, wodurch ferner die Beschwerdebilder der Haut verbessert werden. Seine Wirkung ist enorm antioxidativ und zeigt im Vergleich zu anderen Pilzen höchste Werte.

    Pilze gehören aufgrund all ihrer vielfältigen Wirkungen auf den Speiseplan und können auf diese Weise leicht therapeutisch unterstützend genutzt werden. Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie bei den hier oftmals genannten Tumorerkrankungen, sollte zwingend die Hilfe eines Spezialisten hinzugezogen werden. Dieser wird individuell passende Pilze in Ergänzung zur konventionellen Therapie sowie geeignete Darreichungsformen und Dosierungen empfehlen können.

    In unseren Wäldern und Wiesen lassen sich neben Kräutern also zusätzlich Pilze für unser Wohlbefinden entdecken. Wie bei den Pflanzen gilt es daher, nur solche zu nehmen, die bekannt oder einwandfrei zu identifizieren sind. Ferner mögen im Sinne der Schonung der Ressourcen Pilze nur für den Eigenbedarf gesammelt werden. Unsere heimischen Pilze können fast ganzjährig unsere Gesundheit und Homöostase, also unsere Mitte und unser Gleichgewicht auf breiter Ebene fördern. Sie sind damit regelrechte Mediziner der Natur.

    Literatur bei der Verfasserin

  • Pilze für Wohlbefinden und Gesundheit

    Pilze für Wohlbefinden und Gesundheit

    Pilze zählen neben der Fauna und Flora zu dem dritten großen Reich der Biologie. Für die meisten Menschen sind die Fungi faszinierende Geschöpfe – vielleicht weil sie in unserem Leben nicht so sehr in Erscheinung treten wie die Pflanzen, oder nicht so mächtig wirken wie die Tiere. Offenbar liegt im Reich der Pilze etwas Geheimnisvolles und Mysteriöses – wohl, weil wir sie suchen müssen?

    Wandern wir im Wald, um Schwammerln zu sammeln, dann gehen wir, genau genommen, von den Pilzen in die Pilze, denn sie befinden sich überall! Das „World wide Web“ aus Myzelien, dem eigentlichen Körper der Schwammerln, welches sich unter unseren Füssen spinnt, ist für das Leben im Boden verantwortlich. Die Pilze recyceln Abgestorbenes, sie zersetzen Totes. Die dabei freigegeben Nährstoffe transportiert der Pilz über das Mycel hinweg zu fernen Orten. De facto geht jede Pflanze in Symbiose mit Pilzen und unterstützt diese. Ohne solche Destruenten wäre unsere Welt vollgefüllt mit Blättern, Laub und Holz und noch viel mehr. Unser Abfall würde nie verrotten! Stirbt ein Organismus, tritt er danach erneut in den Kreislauf des Lebens ein. Die Nährstoffe werden für die Natur durch die Pilze wieder verfügbar: Der Tod ist damit die Basis für neues Leben.

    „Wollen wir die Erde gesund erhalten oder ausgebeutete, vom Menschen geschundene Gebiete retten, müssen wir einen ökosystemischen Blick auf die Natur einnehmen. Und der einzige Weg hierfür ist die Suche nach Organismen, die uns alle verbinden. Dies sind die Pilze. Kein anderer Organismus auf der Erde verbindet Pflanzen mit Tieren oder Bakterien mit Pflanzen. Das Mycel kann unseren Planeten retten“. [1]

    Wirft man einen Blick auf den gesundheitlichen Wert der Pilze, fällt auf, dass sie alles Mögliche zu bieten haben. Gerne wird von der medizinischen Verwendung dieser besonderen Lebewesen erzählt, denn sie verfügen über eine sehr lange Tradition – bereits Ötzi hatte solche mit sich getragen. In der Phytotherapie werden weltweit bei vermutlich 300-450 Tausend höheren Pflanzenarten etwa 50 Tausend medizinisch verwendet. Dieser Vielzahl stehen geschätzte 1,5 bis 100 Millionen Pilzarten mit lediglich 20 bis maximal vielleicht 100 derzeit bekannten Heilpilzen gegenüber. Bis dato sind womöglich erst 140 Tausend Schwammerl beschrieben bei etwa hundert Millionen unentdeckten! Ungemein erschwert wird die Forschung, da nur 10% der Pilze überhaupt Fruchtkörper ausbilden. Bei Betrachtung dieser Zahlen wird klar, dass Pilze bisher links liegengelassen wurden. Allmählich wird zunehmend geforscht! Medizinisch angewendet wird wie erwähnt heute eine Handvoll Pilze. Diese sind gut untersucht und auch in verschiedenen Formen leicht erhältlich. Bereits diese Wenigen lassen eine Vielzahl an beeindruckenden Wirkungen erkennen – für jeden Pilzfreund ist ein Schwammerl dabei. Häufig werden bei den meisten Pilzen die Fruchtkörper genutzt, über die sich die Schwammerl vermehren. Andere Vitalpilze sind Speicherstadien oder Nebenfruchtformen. Pilze leben als Symbionten, Parasiten oder Folgezersetzer. Sie haben sich daher gegen Fressfeinde oder Konkurrenten zu behaupten und gehen auf gewisse Weise zum chemischen Angriff über. Folglich sind sie vollgefüllt mit pharmakologisch aktiven Stoffen.

    Alle Pilze beeinflussen das Immunsystem auf unterschiedlichen Ebenen und haben dadurch Wirkung auf Tumorgeschehen und Krebs. Sie wirken darüber hinaus Sauerstoffradikalen entgegen. All dies ist der Grund Pilze präventiv oft in den Speiseplan einzubauen:

    • Pilze sollten wegen der Lektine stets gut gekocht werden. Deren Verträglichkeit ist mäßig, sie sind hitzelabil.
    • Wegen der Ballaststoffe sind sie möglichst dünn oder klein zu Schneiden und beim Essen besonders gut zu Kauen.
    • Wegen der Güte und Vielzahl der Inhaltsstoffe sollten sie oft und in jeder Form verzehrt werden.

    Als Lebensmittel können Pilze praktisch überall hinein geschummelt werden: Die Schwammerl werden klein geschnitten, mit Zwiebel angeröstet, bis alles Wasser ausgekocht ist. Dann wir mit Wasser übergossen, gut weichgekocht und in Folge püriert. In dieser Form haben die Pilze ihr Aroma weitgehend verloren und können in nahezu jede Speise gegeben werden. Weiters können sie getrocknet und gepulvert zum Würzen herangezogen werden oder sparsam, um wenig Aroma zu geben ins Gewürzsalz gemischt werden. Um einen Tee zu bereiten, werden getrocknete Pilze mit siedendem Wasser übergossen und 10 Minuten gekocht. Ein so zubereiteter Pilzdekokt kann innerlich angewendet werden, bietet sich des Weiteren äußerlich bei Hauterkrankungen an, etwa bei Fieberblasen, ferner zum Spülen und Gurgeln. Pilzpulver können direkt eingenommen werden, ins Essen gemischt oder bei sehr intensiven Aromen mit etwas naturtrübem Apfelsaft aufsupendiert getrunken werden. Pilzextrakte finden ganz bewusst medizinische Verwendung. (Rechtlich gelten sie als Nahrungsergänzungsmittel, Heilversprechen dürfen nicht gegeben werden, unabhängig von den dazu vorliegenden Studien.) Für die Herstellung der Extrakte werden die Pilze von dem wasserunlöslichen Chitingerüst befreit und gelangen dadurch zu einer 20-30 fachen höheren Stärke. Aufgrund der pharmakologischen Breite und Vielfalt gehört die Nutzung dieser Produkte in die Hände eines erfahrenen Therapeuten. Dieser stimmt die Pilze passend mit eingenommenen Medikamenten ab, empfiehlt geeignete Zubereitungsformen und Dosierung sowie den besten Zeitpunkt der Einnahme.

    Inhaltsstoffe

    Obwohl Pilze zwar zu 90% aus Wasser bestehen, enthalten sie dennoch viel Eiweiß und sind darüber hinaus gleichzeitig arm an Kalorien-, Cholesterin- und Fett. Durch die enthaltenen Aminosäuren zeigen sie eine hohe biologische Wertigkeit; viele Pilze enthalten alle acht essenziellen Aminosäure. Das Aminosäureprofil der Pilze erweist sich besonders reich an Leucin, Isoleucin und Valin, welche für das Muskelgewebe besonders wichtig sind. Dazu kommen noch weitere, wichtige regulatorische Aufgaben im Körper. Pilze beinhalten Ballaststoffe zwischen 20 und 50%. Der größte Anteil an Kohlenhydraten u.a. Chitin (Beta-Glucan) in den Pilzen dürfte unverdaulich sein, diese Ballaststoffe sind wichtig für die Darmgesundheit.

    Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Phosphor, Magnesium, Selen und Zink sind reichlich vorhanden; leider reichern sich auch Schwermetalle leicht ein. Hinsichtlich der Vitamine zeichnen sich Schwammerl durch hohe Gehalte an B-Vitaminen wie etwa B1, B2, B3, B5 und B12 aus; die meisten davon finden sich im Austernseitling und Champignon. Bemerkenswert ist das Vorkommen von Ergocalciferol, einer Vorstufe von Vitamin D. Das Stehen von Pilzen in der Sonne, steigert den Gehalt an Ergocalciferol.

    Alle Pilze produzieren die für sie typischen Polysaccaride, die 1,3-1,6-beta-D-Glukane. Sie bilden aufgrund ihrer besonderen Struktur eine Helix aus. Diese Kohlenhydrate verursachen eine besondere Wirkung auf unser Immunsystem; sie greifen an verschiedenen Stellen ein. Sie wirken als Adaptogene mit hohen antioxidativen Wirkungen. Nicht wenige wirken gegen Krebs und Tumore, weil sie die Krebszellen durch Aktivierung der Immunreaktion beeinflussen.

    Lektine sind wasserlösliche kleine Glycoproteine, sie spielen eine wichtige Rolle in der Zellkommunikation im Immunsystem und bei Entzündungsreaktionen und Krebs

    Chitin, das wir vor allem aus dem Panzer von Insekten kennen, wirkt auf Immunzellen und Zellbotenstoffe. Pilze enthalten tetra- (Sterole- zb Ergosterol) und pentacyklische Triterpene – sie wirken entzündungshemmend sowie Polyphenole (Antioxidantien), Indole, Enzyme und vieles mehr.

    Welche heimischen Pilze sind nun für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit besonders ideal? Lesen sie mehr im nächsten Teil.

    [1] Giuliana Furci, aus „Fantastische Pilze“, AT Verlag, 2020

    Literatur beim Verfasser

  • Muttermilch – richtig nähren mit diesem mythischen Universalheilmittel

    Muttermilch – richtig nähren mit diesem mythischen Universalheilmittel

    Teil 2

    Wir wissen, dass unsere Großmütter ihre Kinder gestillt haben, unsere Urgroßmütter vermutlich auch. Sicher ist, dass Frauen schon vor sehr langer Zeit ihrem Nachwuchs unvoreingenommen und natürlich die Brust gegeben haben, so wie alle anderen Säugetiere auch. Im 20. Jh. erreichten die Stillquoten jedoch einen historischen Tiefststand!

    Lange Zeit sicherte die Nahrung mit Muttermilch das Überleben eines Neugeborenen. Seit der Antike wurde Stillen wertgeschätzt und in Mythologie, Kunst und Religion auf der ganzen Welt dargestellt. In der Antike und im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris galt die Fütterung mit der Brust als heilig; Göttinnen wurden mit der nackten Brust gemalt, ebenso in Ägypten. Die Göttin Isis soll ihren Sohn Horus gestillt und ihm damit geistige Nahrung und Unsterblichkeit geschenkt haben. Im alten Griechenland wurden die Göttinnen Hera, Demeter und Gaia als Stillende dargestellt; eine Skulptur zeigt Artemis gleich mit mehreren Brüsten und unterstreicht dadurch die Bedeutung des Nährenden und Schützenden. Plutarch schrieb, es sei notwendig, dass Mütter ihre eigenen Kinder stillen, weil sie demnach diese mit mehr Liebe und Freundlichkeit verwöhnen würden. Nach Galen konnte die Natur durch die Muttermilch für das Baby ein Heilmittel vorhersehen und herstellen. Bis zu Beginn der Neuzeit wurden der Muttermilch magische Eigenschaften zugeschrieben. Die Übertragung von sowohl physischen als auch psychischen Besonderheiten durch die Frau wurde vermutet. Nach heutigem Stand der Forschung ist bekannt, dass damals die Menschen die Bedeutung der Muttermilch richtig wahrgenommen haben. Noch im 17. Jh. galt die Muttermilch als einzige Ernährungsform des Kindes bis zu sechstem Lebensmonat, wohl um die Liebe zwischen Mutter und Kind zu fördern. Seit der Industriellen Revolution war das Stillen mit dem zunehmenden Einsatz der Mütter außer Haus nicht mehr vereinbar. Künstliche Nahrung wurde Standard, die Bedeutung der Flasche stieg, obgleich vielerorts Muttermilchbanken öffneten. Aufgrund der Bevölkerungspolitik und der hohen Säuglingssterblichkeit stiegen bis 1945 die Stillquoten wieder an; das „Flascherl“ galt als todbringend. Die wenigsten Neugeborenen überlebten die Gabe der unphysiologischen Ernährung. Mit Mitte des 20. Jh. verbesserte sich die Zusammensetzung des Milchersatzes, die Quoten der stillenden Frauen sanken ab 1950 rapide. Mit der Bewerbung derartiger Produkte wurde die Mutter aus der Pflicht genommen und das Stillen als ihre Entscheidung propagiert, gleichzeitig die Praktikabilität herausgestrichen und die Väter zum Füttern in die Pflicht genommen. Ein riesiger Markt für Produkte rund um die industrialisierte, „nach dem Vorbild der Natur“ angepriesene Milch entstand. Das Ergebnis war prompt ein weiteres Absinken der Stillquoten. Der Weg führte weg von der Natur, das Vertrauen wurde in die Überlegenheit der Technik gesteckt, das mythische Universalheilmittel durch standardisierte, industriell hergestellte Säuglingsnahrung (Instantnahrung oder Formulanahrung genannt) ersetzt.

    Heute gilt das Stillen mancherorts als zweiter Entwicklungsmeilenstein nach dem Atmen. „Stillen ist eine traditionelle Nahrung, die geschützt werden sollte“ beschreibt die Stillberaterin Aiden Farrow, IBCLC (International Board Certified Lactation Consultant – ein international geschützter Titel für examinierte Still- und Lactationsberaterinnen); die Muttermilch, sie geht weit zurück bis zu unserer Schöpfung [1]. In der analogen Betrachtung wird durch den Bedarf an Muttermilch das Element Wasser des Menschen gestillt. Das Wässrige ist die Verbindung mit den Wurzeln – mit dem Mütterlichen und unserer Herkunft. Das Element Wasser „ist der Nährboden, die Basis allen Seins, Nahrung für sein Entstehen. In ihm liegt die Ruhe als Ausgangspunkt allen Wachsens, der Regeneration“ [2]. Das Element Wasser ist nährend, anhaftend und bewahrend. Fehlt es, dann wird der Mensch nervös, unruhig, infektanfällig und geschwächt. Aus diesem Blickwinkel zeigt sich bildhaft die immense Bedeutung des Stillens.

    Stillen ist eine wichtige Säule für die Entwicklung und das Wachstum mit einer Vielzahl von Vorteilen. Die Muttermilch enthält Bakterien, zusätzlich zu den Nährstoffen und bioaktiven Inhaltsstoffen, die den Aufbau der Darmmikrobiota (früher Darmflora genannt) und damit die Entwicklung des Immunsystems positiv unterstützen, wie im ersten Teil beschrieben. Außerdem treten spezifische Antikörper in die Muttermilch über. Auf diese Art und Weise erhalten Säuglinge durch die Mutter etwa deren Covid-19 – Antikörper. [3]. Darüber hinaus ist das Stillen wichtig für die kognitive Entwicklung. Beim Stillen werden vom Kind mehr als 40 Muskelpaare genutzt, wodurch die gesamte Mund- und Kieferregion aktiviert wird, beim Flaschenkind sind es wesentlich weniger. Neben der Bedeutung für die ideale Kieferentwicklung und damit der Zahnstellung wird außerdem die Sprachentwicklung unterstützt. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass bei jedem effektiven Stillvorgang die rechte mit der linken Gehirnhälfte verknüpft wird. Dies ist nötig für die Entwicklung von Empathie und Intelligenz sowie dem Erfassen von komplexen Zusammenhängen. Für die Gehirnentwicklung ist das Vorhandensein von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren entscheidend, welche nur sehr schleppend der Formular-Nahrung beigemischt werden, allerdings in immer gleichen Mengen. Die entsprechende Dosis für den Säugling in der Muttermilch ist jedoch dem individuellen Bedarf anpasst! Ähnliches gilt für den allgemeinen Nährstoffbedarf, der Entwicklungsprioritäten berücksichtigt.

    Die Muttermilch kann in verschiedenen Farbvariationen auftreten: von weiß bis klar oder gelb. Sie ist aus mehreren hundert verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt, die synergistisch wirken und auf die im ersten Teil detailliert eingegangen wurde. Die Muttermilch ist einfach immer perfekt zusammengesetzt; sowohl Nahrung als auch Getränk. Sie verändert sich nach den Bedürfnissen. Die Muttermilch nach einer Frühgeburt ist anders zusammengesetzt als nach einer Geburt rund um den Termin; ihre Inhaltsstoffe sind an die Nährstoffbedürfnisse eines Frühgeborenen angepasst. Grundsätzlich ist die Muttermilch äußerst leicht verdaulich und wird optimal verwertet und aufgenommen.

    Sehr vereinfacht betrachtet wird Muttermilch in den Milchbläschen des Brustdrüsengewebes gebildet, der Vorgang variiert je nach Lactationszyklus und ist äußerst komplex. Bereits vor der Geburt bildet sich dort das Kolostrum, die Vormilch aus. Sie ist dickflüssiger und meist durch den Gehalt an Carotinoiden gelblich gefärbt. Im Vergleich zur reifen Muttermilch ist sie fettarm, weist einen hohen Eiweißgehalt auf sowie Immunstoffe, die das Kind vor allem vor Infektionen schützen sollen. Außerdem wird damit der Darm gepflegt und ausgekleidet. Mit einem bis wenigen Tropfen Vormilch ist das Kind geschützt, genährt und mit allem Nötigen versorgt. Die Natur stellt alles bereit, das für ein Überleben des Neugeborenen im Notfall von elementarer Bedeutung ist; bereits ab der sechzehnten Schwangerschaftswoche wird dieser großartige Powerdrink in seiner Vielfalt bereitgestellt. Durch das frühe, allererste Anlegen an die Brust wird die Kommunikation zwischen Mutter und Kind verbessert. Die Mutter wird vor verstärkten postpartalen Blutungen bewahrt. Die Ausscheidung des Mekoniums, des ersten Stuhls des Neugeborenen, wird unterstützt. Dieser Stuhl enthält viel an Biliverdin, einem Abbauprodukt des Hämoglobins, wodurch seltener eine behandlungsbedürftige Neugeborenengelbsucht auftritt. Das Saugen an der Brust regt die Bildung der reifen Muttermilch an, erhöht die Milchmenge und verlängert die Gesamtstilldauer. [4] Der eigentliche Milcheinschuss kann bis zu 14 Tage auf sich warten lassen. Das Kind verhungert in dieser Zeit sicher nicht, egal was die Krankenschwester über den Arzt bis hin zur (Schwieger)mutter erzählen. Die Vormilch reicht aus, solange das Kind 8-12 mal in 24 Stunden an den Mamillen beidseits effektiv saugt. Die Muttermilch verändert sich allmählich hin zur reifen Muttermilch. Bedacht werden sollte dabei auch, dass der Magen des Babys bei der Geburt winzig ist, lediglich die Größe einer Murmel hat.

    Das vielfach als praktisch angepriesene Flascherl bewirkt nachweislich weniger Hautkontakt. Diese Kinder verbringen meist verschwindend geringe Zeiten in Körperkontakt mit der Mutter, wodurch deren Risiko für einen sogenannten Babyblues oder gar für eine Depression erhöht ist; Schlafstörungen sind möglich. Mütter, die die Brust geben, neigen um 80% seltener an Stimmungstiefs, schlafen tiefer und besser, weil sich deren Schlafrhythmus jenem des Säuglings anpasst. Das Risiko für plötzlichen Kindstod wird minimiert. Flaschenkinder neigen zu Übergewicht! Ihre Nahrungsaufnahme bedeutet für sie – anders als bei gestillten Kindern – keine Anstrengung. Gestillte Säuglinge trinken, bedingt durch den Milchspendereflex, in Intervallen, vergleichbar mit mehreren kleinen Gängen und Pausen. Flaschennahrung kommt ohne diese „Essenspausen“ aus, die Milch rinnt in Babys hinein bis das Sättigungsgefühl eintritt und die Kinder überfüttert sind. Gestillte Kinder hören auf zu trinken, wenn sie satt sind. Sie nuckeln dann zur Erfüllung ihres Nähebedürfnisses weiter. Häufig heißt es, dass Kinder mit Formularnahrung besser schlafen. Würden wir abends nach dem Verzehr von dreimal Schweinsbraten mit Knödel erholsamen Schlaf finden? Keineswegs! Instantnahrung enthält lediglich Nährstoffe; sie stellt nicht einmal annähernd einen Ersatz dar, für den sie angepriesen wird. Dabei handelt es sich vielmehr um ein künstlich aufbereitetes Präparat für den Krisenfall, damit der Säugling im Notfall nicht verhungert. Mütter, deren Kinder zu wenig Muttermilch bekommen oder deren Kinder schlechter zunehmen als mit der Flasche aufgezogene Kinder, sollten zunächst professionelle Hilfe einer Stillberatung in Anspruch nehmen. Von der WHO empfohlen wird das Trinken an der Brust; Spritzen mit Feeder oder Sonde sowie Brusternährungssets werden demnach im Bedarfsfall der Flasche vorgezogen. Im Interesse des Kindes soll auf keinen Fall auf eigene Faust zu dem beworbenen Notfallmittel gegriffen werden. Bereits eine einmalige Gabe von Flaschennahrung nach der Geburt verändert die Darmflora nachhaltig für das ganze Leben. Muss, aus welchen Gründen auch immer, zugefüttert werden sollten die oben genannten Hilfsmittel mit humaner Spendermilch gefüllt sein, im äußersten Fall die Flasche. Entsprechende Milchbanken sind in größeren Städten wie Wien, Linz oder Salzburg eingerichtet. Außerdem sollte den Kindern das Fläschchen an der nackten Brust gegeben und die Seite zum Anlegen öfter gewechselt werden. Wir Menschen möchten, wenn wir verliebt sind, Nähe ohne Maß, überfließend und einhüllend genießen, nicht wahr? Und wir sehnen uns noch immer im tiefsten Inneren nach jener bereits zu Beginn des Artikels im ersten Teil gefragten Arznei, die uns unversehrt, verbundener und intelligenter werden lässt.

    Die Stillraten haben sich seit den neunziger Jahren trotz aller Untersuchungen, nach Studienergebnissen und Empfehlungen nur geringfügig verbessert. Neben all den Vorteilen bringt das Stillen teilweise auch Probleme mit sich, sowohl körperlich als auch psychischer Natur. Für eine glückliche, gelungene Stillzeit ist Information während der Schwangerschaft die oberste Vorbereitung. Vielfach wird leider gar nicht, antiquiert oder falsch beraten. Die Stillquote könnte durch eine geeignete Beratung, vor allem ab der Mitte der Schwangerschaft, massiv erhöht werden. Ein Großteil der Frauen, die eine derartige Beratung erhalten haben, Stillen über das erste Lebensjahr hinaus und liefern damit ihren Kindern genau jenes Gesundheitswundermittel, von dem wir eigentlich träumen. Wir sehnen uns nach der Göttin Venus, nach Nähe, Geborgenheit, Fürsorge, Intuition und Gesundheit. All das liegt im Geschenk der für das Kind maßgeschneiderten Ernährung durch die Mutter. Denn es gilt: Für alle Kinder ist Muttermilch Medizin und damit ist Stillen vorausschauende Therapie.

    Vielen Dank für die fachliche Beratung durch Sigrid Moser, Stillberaterin IBCLC, mobile-stillberatung.at

    [1] „Breastfeeding is a traditional food that should be protected“, indiginews.com/vancouver-island/breastfeeding-is-a-right-that-shouldnt-be-taken-away and journals.sagepub.com/doi/epub/10.1177/0890334419887958, abgerufen am 05.05.2021

    [2] Dieter Poik: 5 Elemente – Begleiter auf dem Weg zum Menschen – Freya Verlag

    [3] „COVID-19 und Stillen: Aktuelle internationale Empfehlungen“, www.stillen-institut.com/de/coronavirus-covid-19-und-stillen-aktuelle-empfehlungen.html, abgerufen am 05.05.2021

    [4] Christine Lang: Bonding – Bindung fördern in der Geburtshilfe – Urban & Fischer in Elsevier Verlag

    Literatur bei der Verfasserin.

    Weitere Informationen unter: www.llli.org/germanwww.stillen-institut.com

    Die unveränderte Verbreitung dieses Textes, sowie seine Verwendung als Zitat in anderen Veröffentlichungen ist unter Angabe des Verfassers und der Quelle ausdrücklich gestattet und erwünscht! Die Autorin bittet darum, über die Verwendung des Textes informiert zu werden. Die beiden Teile des Textes können bebildert als pdf-Datei bei der Autorin angefordert werden.

  • Muttermilch – richtig nähren mit diesem mythischen Universalheilmittel

    Muttermilch – richtig nähren mit diesem mythischen Universalheilmittel

    Teil 1

    Stellen sie sich vor, es gäbe ein Medikament, das den Kindern von der Geburt an bis ins Kleinkindalter täglich gegeben wird, welches die Kinder klüger, sozialer und gesünder macht; dieses Mittel greift in die genetische Programmierung ein und verhindert dadurch vererbte Erkrankungen. Wollen sie ihrem Kind dieses Wundermittel Muttermilch vorenthalten?

    Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt die ersten sechs Monate voll zu stillen, dann weitere zwei Jahre unter Beikost und auch darüber hinaus. Voll gestillt bedeutet: Die Ernährung des Kindes erfolgt ausschließlich mit Muttermilch. Die Realität sieht leider anders aus! Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus werden lediglich 73% der Kinder gestillt; nach sechs Monaten sind nur mehr 10% der Kinder in dieser glücklichen Lage! Den Kindern wird dadurch genau jener Powerdrink vorenthalten, der eingangs beschrieben wurde.

    Das Wort „stillen“ leitet sich höchstwahrscheinlich ab von den Begriffen still, leise, in sich zu sein. Das Wort wurde erst ab dem 16. Jd. anstelle von „säugen“ – auf- oder aussaugen der Mutter- genutzt. Damit ist dem Kind die Brust zu geben mehr als bloße Nahrungsaufnahme; alle fünf Sinne des Kindes werden dadurch angeregt. Das Kind riecht die Mutter und die Nahrung, es spürt die Haut, den Herzschlag der Mama und deren eigene Ruhe, es hört die Stimme und den Rhythmus des Herzens und sieht die Mutter – die Distanz zu dem Gesicht der Mutter ist dabei ideal; es schmeckt die Vielfalt der Aromen, die es im Mutterleib bereits wahrgenommen hat und daher kennt. Kurzum, das Kind fühlt sich mit Liebe genährt.

    Die Brust ist nach der Nabelschnur die zweite, wichtigste Verbindung der Mutter zum Kind. In vielen Kulturen gelten die Brüste der Frau – auch Mammae genannt – als das Symbol der Weiblichkeit. Die Verbindung zu der Mutter, der Mama ist offensichtlich. Der Mensch ist das einzige Säugetier, bei dem die Brust mit der Entwicklung zum Frausein ausgebildet wird und nach dem Stillen verbleibt. Der Busen ist venerisch, verwöhnend, nährend. Unmittelbar nach der Geburt müsste jedes Kind auf den Brustkorb der Mutter gelegt werden, um die Bindung zur Mutter zu intensivieren. Nach meist mehreren Stunden anstrengender Arbeit des Nachwuchses mit Hilfe der Mutter durch den Geburtskanal, findet er sich in einer kalten, hellen und ungewohnten Umgebung wieder und möchte Nähe wahrnehmen, Wärme spüren, das Schlagen des Herzens hören, ihm Vertrautes. Diese Momente sind für Mutter und Kind bindend und werden daher als Bonding bezeichnet. Vielfach werden Neugeborene der Mutter entrissen, um sie zu Wiegen und zu Messen, obwohl sich weder Größe noch Gewicht nach ein paar Stunden nennenswert verändert hätten. Das Bonding verliert jedoch bereits zehn Minuten später diese besondere, enorm wichtige Qualität, vergleichbar, als ob man Tage nach einem verletzenden Erlebnis getröstet würde. Die Hormonausschüttung und damit auch jene Stoffe der Mutter, die in die Muttermilch übertreten, werden so unterbunden. Dies ist wesentlich neben der Verbindung, die zwischen Mutter und Kind entsteht. Viele Mütter realisieren erst durch den Körperkontakt mit dem Kind im Außen, dass es auf der Welt ist und aus der Frau, der Schwangeren eine Mutter geworden ist. Dieses Kuscheln, das nackt erfolgen muss, ist Basis für den Stillerfolg und damit einer der Teile dieses besonderen Gesundheitsmittels Muttermilch, das unsere Jüngsten bekommen sollten.

    Entgegen landläufiger Meinung kann jede Frau stillen; jedes Kind kann gestillt werden. Keine Brustwarze (ein umstrittener Begriff) ist ungeeignet, die jeweilige Mamille passt perfekt zu dem entsprechenden Kind! Besonders Neugeborene mit Beeinträchtigung oder Frühchen sollten in den Genuss dieses Heilmittels kommen, denn weder Vorerkrankungen der Mutter noch Medikamenteneinnahmen sind ein Ausschlusskriterium des Stillens. Die Empfehlung, den Arzt zu fragen, ist nur dann zweckmäßig, wenn dieser ein ausgebildeter Stillberater ist. Sonst wird häufig bei Medikamenten, manchmal sogar bei naturheilkundlichen Mitteln vom Stillen abgeraten; selten ist untersucht, ob oder wieviel des Arzneimittels in die Muttermilch übergeht und welche Auswirkungen es in Wahrheit hat. Tatsächlich liegen immer Erfahrungswerte vor. In jedem Fall kann der Mutter auf individuellem Wege zum Stillen verholfen werden. Mit Hilfe kann sogar Frauen, die bereits abgestillt haben, zu einer Relaktation und damit zu einem erneuten Milchfluss verholfen werden. Nicht einmal eine Schwangerschaft ist Voraussetzung, um zu stillen! Fakt ist: Der Schaden, der durch mangelndes oder fehlendes Stillen entsteht, ist viel größer, nicht nur persönlich, sondern auch wirtschaftlich sowie gesellschaftlich betrachtet. Unwille der Frau und fehlende Unterstützung sind das größte Stillhindernis. Die Anerkennung und Unterstützung des Vaters, dass das Kind gestillt wird, sind -wie Studien zeigen- für die Stilldauer ausschlaggebend.

    Jede Muttermilch ist exklusiv zusammengesetzt. Damit ist nicht nur gemeint, dass sich jene der Kuh von jener eines Wales unterscheidet – dies natürlich auch. Bedeutsamer ist, dass die Milch von Mutter zu Mutter, von Kind zu Kind, von Jungen und Mädchen und sogar nach Tages- und Jahreszeit variiert. Farbe, Konsistenz, Geschmack und Komposition verändern sich individuell. Die Muttermilch enthält Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Fette und Proteine, Mikronährstoffe und Vitamine, die für den Säugling von großer Wichtigkeit sind. Darüber hinaus sind Hormone, Enzyme und Nukleotide (RNA- und DNA-Bausteine) enthalten. Muttermilch lebt! In einem Tropfen Muttermilch sind 4000 aktive Zellen enthalten, Stammzellen, Wachstumsfaktoren, Immunglobuline, die für die spezifische und unspezifische Abwehr von Bedeutung sind. Sie beinhaltet Stoffe, die in die genetische Information eingreifen und den Organismus programmieren. Vom Darm über die Niere, dem Stoffwechsel und dem Immunsystem bis zu Gehirn wird epigenetisch eingegriffen und reguliert. Man stelle sich vor, diese Veränderung der menschlichen Software erfolgt mit Hilfe von Stoffen, die für ein Kalb gedacht sind! Nur die Muttermilch und damit das Stillen sichert eine kontrollierte, artspezifische, individuelle, epigenetische Programmierung. Bekannt ist, dass gestillte Kinder um 30-60% seltener an Infektionen, Durchfall, Atemwegserkrankungen oder wie Pseudokrupp und Otitis media erkranken. Das Auftreten von Asthma und Allergien wird eingeschränkt; belegt ist die Reduktion sogar von genetisch vorbelasteter Leukämie. Stillkinder sind nachweislich seltener krank! Während des Stillens sind die Säuglinge durch den sogenannten Nestschutz gegen verschiedenste Krankheiten immunisiert. Gleich nach der Geburt werden bei der Mutter durch das Stillen die Rückbildung und der Wochenfluss gefördert. Stillende haben ein um über 20% vermindertes Brustkrebsrisiko, ebenso wie jenes für Eierstockkrebs oder Osteoporose. Das Diabetesrisiko sinkt sogar um 35%, jenes für kardiovaskuläre Erkrankungen um 28%. Durch die beim Stillen freigesetzten Hormone erhöht sich auch die Bindungsfähigkeit an den Partner. Oxytocin ist das Liebeshormon, Prolaktin fördert das Durchhaltevermögen. Diese Verbindungsfähigkeit, die beim Säugling genährt wird, hält an, sie macht das Stillkind ausgeglichener, geerdeter für sein ganzes Leben.

    Fortsetzung folgt

    Die unveränderte Verbreitung dieses Textes, sowie seine Verwendung als Zitat in anderen Veröffentlichungen ist unter Angabe des Verfassers und der Quelle ausdrücklich gestattet und erwünscht! Die Autorin bittet darum, über die Verwendung des Textes informiert zu werden.

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  • Ostern im Fokus der Tradition

    Ostern im Fokus der Tradition

    Zu Ostern begehen wir christliche Feiertage, die auf ein heidnisches Fest zurückgehen, das bunt und üppig das Ende der dunklen Jahreszeit feierte. Durch die länger werdenden Tage erwacht die Natur, Knospen, Blätter und Blumen sprießen, alle Zeichen der Fruchtbarkeit. Die Symbolik greift diese Themen auf, welche die Osterzeit begleiten, beginnend mit dem Osterhasen, über die bunte Eier bis hin zum Osterschinken. Diese Bräuche sind teilweise bereits Jahrtausende alt.

    Der Ursprung des Wortes „Ostern“ ist nicht geklärt. Naheliegend scheint die Verknüpfung mit der Himmelsrichtung „Osten“, die bildlich für Morgenröte und Wiedergeburt steht. Der Bezug zu Ostara, einer umstrittenen, germanischen Göttin der Fruchtbarkeit und des Frühlings, wird überlegt. In anderen Sprachen weist das Wort „pascha“ auf das hebräische Pessachfest hin, das den Auszug der Juden aus Ägypten feiert und somit ebenfalls einen Neubeginn darstellt. Ausschweifend gefeiert wurde in vorchristlichen Traditionen jedenfalls das Wiedererwachen der Natur, die Wiederkehr des Frühlings und das Wiedererstarken der Fertilität meist zur Frühlingstagnachtgleiche. Dieses Fest war der Höhepunkt der Herrschaft der keltischen Göttin Brigit und ihres Götterbärs. Sie zogen durch die Natur und überall, wo ihre Füße den Boden berührten, sprossen Pflanzen. Viele dieser Gewächse, die den Osterbrauch begleiten, gehen auf germanische Wurzeln zurück.

    Der Palmbuschen beinhaltet sieben oder neun Hölzer je nach Region, gebunden aus alten, heiligen, mächtigen Pflanzen, viele dem Saturn signiert wie etwa Buchsbaum, Stechpalme, Wacholder, Eibe, Thuje, Tanne und die mondigen Weidenkätzchen. Auch Haselnuss, Buchenzweige, Efeu oder Erika befinden sich darin. Die Hasel ist eine Pflanze des Merkurs, der Holler verbindet mit Anderswelten. Als Strauß gebunden oder auf einem Haselholz oder Hollerast befestigt, werden die Buschen am Palmsonntag geweiht, um der Abwehr von Dämonen, Hexen, Pest oder vor Blitz zu schützen, danach auf dem Feld oder im Garten aufgestellt. Dieser schmucke Besen soll die Ernte sichern und zu Kindersegen führen. Die Palme, von der sich der Name ableitet, war schon im Altertum eine geehrte Pflanze; Siegreiche wurden damit geschmückt.

    Der christliche Osterfestkreis beginnt mit dem Aschermittwoch und endet traditionell mit Pfingsten. Zu Ostern wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert und gilt in den christlich geprägten Religionen als wichtigstes Fest des Jahres. Die bei uns bekanntesten Ostersymbole wie der Palmbuschen, der Osterhase oder die Eier sind keltisch inspiriert und bereiten uns im Grunde schon auf den Wonnemonat Mai vor.

    Der Hase oder besser gesagt das Kaninchen ist ein sich leicht vermehrendes Tier und bringt jede Menge Kinder in die Welt. Das Langohr war auch Begleiter der Göttin Ostara und ein Symbol der Fruchtbarkeit. Dass der Hase bald bunte Eier brachte und heute auch Geschenke, ist verständlich. Die Menschen gestalteten daher Nester und später Körbe, die mit Schleifen und Bändern geschmückt wurden.

    Die Eier wurden schon bei den Griechen und Ägyptern als Sinnbild der Potenz verehrt und in Tempeln aufgehängt. Nach dem Winter fangen Hühner zum Eierlegen an, ein Zeichen für die Wiederkehr des Frühlings. In der Fastenzeit galten Eier als flüssiges Fleisch und durften nicht verzehrt werden; es war daher zweckdienlich sie am Ende der Fastenzeit zu essen. Da Hühner früher draußen herumlaufen durften, mussten die Eier gesucht werden. Vermutet wird, dass Menschen die Eier versteckten, da das Eierschenken von der Kirche verboten war. Der Brauch die Eier zu färben und zu bemalen geht wohl in das 13. Jh. zurück. Bis ins 20. Jh. waren die meisten Ostereier rot – als Farbe der Fertilität. Dann zog die Vielfalt ein, manchmal erweitert um die Farbe Violett – als Farbe der Buße, andernorts wird besonders heute das ganze Farbspektrum genutzt.

    Das Lamm galt den Juden als Opfertier und wurde während des Pessachfests gegessen. Im Christentum wurde das Lamm mit Jesus gleichgestellt, die Opfergabe mit dem Opfer Jesu – ein wichtiges Symbol der Auferstehung. Hase, Eier, Lämmchen erhalten wir heute in Schokolade oder gebacken und oft reich verziert. Die Schokoladenvielfalt ließ sich zusätzlich um Schmetterlinge, Marienkäfer und Frühblüher erweitern – alles farbenprächtige Bilder des Frühlings.

    Die Osterbrote wiederum haben ihre Wurzeln in Ägypten und Griechenland: Die Backwaren galten als Insignie der Ehre für die Göttinnen. Bei den Hellenen war Brot Luxus und durfte nur an hohen Feiertagen gegessen werden. Bis heute werden die Wecken mit edlen Zutaten wie Butter, Eiern, Safran, Honig und Nüssen gebacken. Im Mittelalter war dieses Brot die erste Speise, die höhere Mengen an Kalorien enthielt; sie wurde vor allem Patenkindern geschenkt und auch entsprechend geschätzt.

    Als traditionelle Osterspeise gilt meist der geweihte Osterschinken. Die „Weichfleischjause“ besteht aus: Schinken – für das Glück, alternativ oder zusätzlich der Rindszunge – gegen schlechte Worte, Krenn – zum Schutz gegen Schlangen, Eiern – für reichliche Fortpflanzung, Salz – als Erde und schließlich Brot – für Jesus Christus.

    Das traditionelle Osterfeuer mit Wärme und Licht dient dem Austreiben des Winters. Das Feuer, schon seit jeher heilig, wurde geschützt und signiert die Sonne mit ihrer Kraft. Dieser Brauch, seit dem 16 Jh. belegt, wurde jedoch schon in heidnischen Traditionen gepflegt. Entzündet wird dieses Licht in den Abendstunden des Karsamstags. Familien, Freunde und Nachbarn versammeln sich um die Flammen, feiern das Ende des Fastens und den Beginn der warmen Jahreszeit.

    Heute verändern sich die Bräuche. Anstelle des Fastens im Sinne des Katechismus wird auf Fleisch, Süßes, Alkohol oder auf neue Medien verzichtet. Der traditionelle Gang in die Frühmesse des Sonntags wird durch ein ausgiebiges, spätes Frühstück ersetzt. Dabei werden jedoch in den meisten Familien Osterbrot und bunte Eier serviert. Anschließend folgt die Suche nach vielen kolorierten Süßigkeiten und Geschenken im erwachenden Garten. Fast schon so wie vor vielen hunderten Jahren.