Autor: Miriam Wiegele

  • Venuskräuter – passend zum Wonnemonat Mai

    Venuskräuter – passend zum Wonnemonat Mai

    Der Wonnemonat Mai war bei allen Völkern den Liebesgöttinnen geweiht: bei den Germanen der Freya, den Griechen der Aphrodite und den Römern der Venus. Daher galt der Mai immer und überall als der Monat des Lenzes, der Liebe und der Hoffnung auf kommende Fruchtbarkeit.

    Das Venusprinzip
    Es ist daher auch ein guter Zeitpunkt, im Mai auf gesundheitsfördernde Venuspflanzen, sprich auf Frauenkräuter hinzuweisen: Frauenpower durch die Kräfte der Natur!

    Liest man die antiken Göttersagen, sieht man, dass Venus/Aphrodite geprägt war durch Liebe, Schönheit, Harmonie und Fühlen. Die Schwäche der Venus ist ihre Eitelkeit. Den Planetenprinzipien werden bestimmte Qualitäten zugeordnet, zur Venus gehört das lichte Grün der Frühlingsblätter und das zarte Weiß- Rosa der Blüten in dieser Jahreszeit. Der Tag, der von Venus und ihren Prinzipien dominiert wird, ist der Freitag und in der Pubertät, also der Zeit von 14- 21 Jahren sollten sich ihre Prinzipien wie gefühlsmäßige Ausrichtung, aber auch Liebesfähigkeit und Sinnlichkeit entwickeln. Ein gestärktes Venusprinzip wird häufig in der Phase der Pubertät deutlich. Die meisten Psychosen brechen in diesem Alter aus. Das betrifft die Gefühle und deren Verarbeitung, die Nahrungsaufnahme und deren Resorption, Essstörungen und Fettsucht. Viel-leicht zeigt sich auch im gehäuften Auftreten von Anorexie und Bulimie und andererseits Fettsucht, dass die Verwirklichung des venusischen Prinzips in der heutigen Zeit sehr gestört ist. Die Organe, die dem Planeten Venus unterstehen, sind die Nieren, überhaupt der ganze Urogenitaltrakt, also auch die weiblichen Organe und der venöse (!) Blutkreislauf.

    Auch hier könnte man zu philosophieren beginnen, dass weibliche Gesundheitsprobleme wie unerfüllter Kinderwunsch, Zyklusprobleme und gehäuftes Auftreten von Wechselproblemen ein Zeichen für mangelnde venusische Prinzipien in der heutigen Zeit sind.

    Venuskräuter
    Dem Venusprinzip entsprechend gehören dazu harmonisch ausgebildete Pflanzen, solche, bei denen die Blätter harmonisch gezahnt sind, runde, herzförmige oder samtig behaarte Blätter. Üppige Blütenbildung, häufig mit lieblichem, süßen Duft, Blütenfarben von rosa, weiß- rosa bis dunkelrosa zeigen die Venus ebenso wie süßlich angenehmer Geschmack. Viele Obstbäume, vor allem solche, die zu den Rosengewächsen zählen wie Apfel (war schon immer die Pflanze für den Liebeszauber), Pfirsich, Marille, Kirsche (deren Wirkung zwar unerforscht ist, aber wie der Spruch „Kirschen aus Nachbars Garten pflücken“ vermuten lässt, könnten Kirschblüten vielleicht eine weiblich anregende Wirkung haben) und Beerenfrüchte wie Erdbeere, Himbeere (die traditionell in der Geburtshilfe eingesetzt wird), Brombeere, etc. zeigen das Venusprinzip. Viele Rosengewächse wie der Frauenmantel enthalten Phytoöstrogene. Und natürlich ist die Rose die Venuspflanze schlechthin, allerdings- keine Rose, ohne Dornen (auch wenn es sich botanisch korrekt um Stacheln handelt). Stachelige Pflanzen werden dem kriegerischen Marsprinzip zugeordnet, aber das kennt man ja- keine Liebe ohne Leiden!

    Der Frauenmantel, die Venuspflanze
    „Aller Frauen Heilmittel“ wurde der Frauenmantel seit jeher genannt. Es geht ein ganz besonderer Zauber von dieser Pflanze aus. Wenn die Sonnenstrahlen auf die sanftgrünen rundlichen Blätter strahlen und der Tropfen in der Mitte des Blattkelches wie eine kristallklare Zauberperle zu strahlen beginnt, offenbart sich die Schönheit dieses Rosengewächses. Sinau nannte man daher den Frauenmantel , die Pflanze, die immer Tau trägt. Doch es ist kein Tau, der Frauenmantel scheidet das Wasser durch feine Poren am Blattrand selbst aus. Die Alchemisten betrachteten diese Tropfen als von der Pflanze gefiltertes Wasser, als natürliches Destillat und gaben ihr auch den Namen ihrer Wissenschaft, Alchemilla.

    Dass der Frauenmantel eine wahre Hilfe für alle gesundheitlichen Frauenprobleme ist, zeigt er uns in seiner Signatur. Die Blätter sind rosettenartig gefaltet und muten wie ein Mäntelchen an, das die Frauen schützend einhüllen kann. Sowohl das Sanftgrün als auch die runde Form der Blätter zeigt eine reine Venussignatur genauso wie die zart-gelben Blüten. Besonders aussagekräftig ist, dass die zarten Blüten apomiktisch sind, das heißt, sie können ohne vorhergegangene Befruchtung keimfähige Samen bilden: Nachwuchs ohne männliches Wirken also! Wie schade, dass eine Pflanze, die ihren heilenden Einfluss auf Frauen so demonstrativ zeigt, von der Wissenschaft so vernachlässigt wird. Gegen Durchfall wird der Tee empfohlen, weil der Frauenmantel Gerbstoffe enthält. Doch diese Gerbstoffe zeigten bei japanischen (!) Untersuchungen ein viel breiteres Wirkungsprofil. Die Ellagitannine wirken gestagenisierend und bieten eine Breitbandwirkung von pilzhemmend über antibakteriell bis antiviral, weshalb sie in eben diesem breiten Spektrum gegen Erkrankungen im Scheidenbereich helfen. Noch viel wichtiger ist, dass diese Ellagitannine eine so starke Wirkung auf das Immunsystem haben, dass sie sogar tumorhemmend wirken können. Die japanischen Untersuchungen ergaben, dass sie das Wachstum von Brustkrebszellen hemmen können. Somit ist der Frauenmantel wirklich ein Schutzmantel, der vorbeugend gegen weibliche Krebsformen helfen kann.

    Verwendet wird das blühende Kraut und es hilft bei folgenden Indikationen: Regelschmerzen, hormonregulierend, bei Zyklusschwankungen, prämenstruelles Syndrom, gebärmutterstärkend vor und nach der Geburt, Entzündungen im Scheidenbereich, milchbildungsanregend, Klimakteriumsbeschwerden, vorbeugend gegen Krebs weiblicher Organe und begleitend zur Krebstherapie

    Taubnessel, das „sanfte“ Pendant zur Marspflanze Brennnessel
    Die Taubnessel ist auch ein generelles Frauenkraut. Es ist wieder die Signatur, die ihre Wirkung anzeigt: ein rhythmischer Aufbau, abwechselnd weiße Blüten und Blätter. Das ergibt aus Sicht der anthroposophischen Medizin eine Pflanze, die die Rhythmik im weiblichen Körper herstellen kann. Sie hilft den Zyklus zu regulieren, vor allem wirkt sie sich regulierend auf die Schleimhäute aus. Die Taubnessel ist nämlich primär eine Mondpflanze und der Mond „regiert“ die Haut und die Schleimhäute. Hautzellen haben übrigens eine durchschnittliche Lebensdauer von 28 Tagen. Die Taubnessel enthält vor allem Schleimstoffe, etwas ätherisches Öl, Labiatengerbstoffe (die sogar antiviral wirken) und Iridoide mit einem breiten antibakteriellen Wirkungsspektrum. Damit wird die Taubnessel zu einem Balsam für Frauen mit Scheidenproblemen. Man nutzt die Taubnessel am besten in Form von Scheidenzäpfchen, in Kombination mit Frauenmantel und Rosenöl (ätherisches Öl). Solche Zäpfchen kann man in der Apotheke herstellen lassen. Sie helfen bei Scheidenproblemen nach Antibiotikagaben oder im Wechsel.

    Betonie oder Ziest
    Die Betonie ist mit ihren dunkelrosa Blüten und ihrer edlen, fast stolz anmutenden Gestalt, ebenfalls eine echte Venuspflanze. Leider ist ihre Verwendung als Frauenheil-pflanze in Vergessenheit geraten. An Inhaltsstoffen findet man Gerb- und Bitterstoffe sowie Alkaloide, denen eine nervenstärkende Wirkung zugeschrieben werden kann. Hippokrates schätzte die Betonie als Wunderheilmittel und als krampflösende Pflanze. Hildegard von Bingen empfahl das Kraut gegen Albträume und auch gegen Menstruationsstörungen: „Eine Frau, die an zu starkem Mondfluss leidet, der auch unregelmäßig ist, lege das Betonienkraut in Wein und trinke oft und sie wird geheilt werden“. Auch in der Volksmedizin wurde die Betonie bei starken Monatsblutungen eingesetzt. Auch wenn es keine aktuellen wissenschaftlichen Forschungen zur Wirkung der Betonie gibt, könnte man ihren Einsatz empfehlen in Form von Tee (im Aufguss zubereiten, 10 Minuten ziehen lassen) oder als Tinktur (frisch gepflückte Blätter und Blüten zerkleinert in ein Glas geben, mit 40 % Alkohol übergießen (wenn möglich an einem Freitag = Venustag) und nach 3 Wochen abfiltern. Als Heileigenschaften und Indikationen kann man folgende empfehlen: Starke Menstruationsblutungen, nach Operationen, vor allem solche an der Gebärmutter oder Kaiserschnitt, gegen Durchfall, auch bei Blasenentzündungen, bei Neigung zu Migräne wirkt die Betonie mild ausgleichend und nervenstärkend, überhaupt kann sie auch Schmerzpatienten empfohlen werden.

    Achtung: Nicht währen der Schwangerschaft

    Venusische Düfte für anziehende Frauen
    Es sind vor allem Blütendüfte, die Frauen anziehend machen können. Dabei sind dem Venusprinzip eher die süßen lieblichen Düfte wie Rose und Geranium, honigsüß duftende Ginsterblüten oder süßholzig duftendes Sandelholz und Rosenholz sowie süß- duftende Harze wie Benzoe und Tolubalsam zugeordnet. Aber auch narkotisierend schwülstige Monddüfte wie Jasmin, Ylang- Ylang oder Tuberose und moschusähnlich duftendes Patschuli und Moschuskörner können helfen, die Ausstrahlung von Frauen zu unterstützen. Je nach Frauentyp kann man durch eine richtige Mischung dieser ätherischen Öle ein Parfüm gestalten, das die venusischen Prinzipien bei Frauen optimal zur Geltung bringt.

  • Haare dicht wie eine Löwenmähne

    Haare dicht wie eine Löwenmähne

    Teil II – Die Haare ernähren

    Die Ernährung und die Regeneration des Haares finden in der Haarwurzel statt. All jene Stoffe, die zum Aufbau der Haarsubstanz des Haares notwendig sind, sollte man dem Haar durch die Nahrung zuführen. Biotin, das zum Vitamin B- Komplex zählt, wurde früher Vitamin H (für Haut und Haar) genannt.

    Heute weiß man, dass es tatsächlich wichtig ist für gesundes Wachstum von Haut, Schleimhäuten und Haaren. Biotin wird auch von den Darmbakterien produziert. Mängel an Biotin können daher nach langer Behandlung mit Antibiotika, Abführmitteln und extremen Fastenkuren auftreten und zeigen sich häufig auch in Haarausfall.
    Lebensmittel mit hohem Biotingehalt sind neben Leber, Fisch, gekochte Eier, Milch, Käse, Nüsse, Champignon. Darüber hinaus enthält Bierhefe und Gelee royale sehr viel Biotin. Biotin wird als Nahrungsergänzungsmittel vor allem auch gegen jahreszeitlich bedingten Haarausfall angeboten.

    Wichtig für gesunden Haarwuchs sind aber alle B- Vitamine. Auch Eisenmangel kann zu Haarausfall führen, Eisen sollte aber besser auf natürlichem Weg zugeführt werden (Brennnesselsaft, Sanddornsaft, Sesamsamen, Gemüsebrühen mit Petersil- und Liebstöckelblättern, Bierhefe).

    Auch Zink ist wichtig für den Haarwuchs (in Hülsenfrüchten, Nüssen und Pilzen, Kürbiskerne).
    Besonders wichtig zur Stärkung der Haare ist Silizium in Form von Kieselsäure. Diese kommt vor allem in den Randschichten des Getreides vor, also in Vollkornprodukten, besonders in Hirse, aber auch in Erdäpfeln. Fördern kann man die Kieselsäureaufnahme durch die Einnahme des Schüßler-Salzes Silicea D 12 (2 mal tgl. 2 Tabl).

    Was tun?
    Haarwuchsanregende Heilpflanzen sind altbekannte Kräuter wie Birkenblätter, Klettenwurzel oder Brennnessel, die entweder als Tee innerlich oder zur Spülung nach dem Haare waschen verwendet werden oder als Tinktur, auch wieder innerlich oder äußerlich (Einreiben auf der Kopfhaut).

    Birkenblätter: Regen den Stoffwechsel an, helfen den Körper zu entschlacken und die Säure – Basen – Gleichgewicht herzustellen. Innerlich in Form von Teekuren und äußerlich als Tinktur zum Einreiben in die Kopfhaut.

    Klettenwurzel: Gegen „grindige“ Hautkrankheiten empfahl Hildegard von Bingen die Klette. Oft sind Hauterkrankungen wie Schuppenflechte die Ursache von Haarausfall. Da hilft die leberstärkende, stoffwechselregulierende Wirkung der Klette innerlich. Der Tee schmeckt allerdings nicht sehr angenehm.
    Zubereitung: 1 gehäufter TL Klettenwurzel mit 1 Tasse kaltem Wasser übergießen, 5 Stunden ziehen lassen, dann kurz aufkochen und abseihen. Äußerlich wird die Klette als Tinktur in die Kopfhaut einmassiert.

    Rezept: 100g Klettenwurzel mit 300 ml 40% Alkohol und 100ml Rosenwasser übergießen, 3 Wochen ausziehen lassen, dann abfiltern. Die Chinesische Medizin empfiehlt eine Tinktur aus den Klettenfrüchten (Samen) gegen Schuppenflechte. In so einem Fall könnte eine Tinktur sowohl aus der Wurzel als auch den Früchten hergestellt werden.

    Brennnessel: In üblichen Kräuterrezepten wird empfohlen, die Blätter innerlich und äußerlich als Tee gegen Haarausfall zu verwenden. Volksmedizinische Rezepte empfehlen dagegen, die Wurzel zu nutzen. Das könnte durchaus ein guter Rat sein, da in der Brennnesselwurzel Wirkstoffe sind, die den männlichen Hormonhaushalt regulieren können. Also wäre es sicher auch bei Frauen sinnvoll, bei hormonell bedingtem Haarausfall die Brennnesselwurzel als Tinktur zur äußerlichen Anwendung zu nutzen

    Rezept für eine Haarwurzeltinktur: 40g Klettenwurzel, 30 g Brennnesselwurzel, 10g Rosmarinblätter (durchblutungsfördernd auf die Kopfhaut) und 10g Birkenblätter mit 300ml 40% Alkohol und 100ml Rosenwasser übergießen, 3 Wochen ausziehen lassen und abfiltern.

    Bockshornklee (Trigonella foenum- graecum): Es ist fast eine Märchengeschichte – ein bayrischer Geschäftsmann litt an Bronchitis und trank nach einem alten Rezept Bockshornkleetee. Als überraschenden Nebeneffekt konnte er feststellen, dass auf seinem gelichteten Kopf wieder eine erstaunliche Haarpracht zu sprießen begann. Der Fall wurde wohl beschrieben, doch geriet er in Vergessenheit. Übrigens findet sich dieser Rat, Bockshornkleesamen für guten Haarwuchs zu nutzen schon in mittelalterlichen Kräuterbüchern und auch im Ayurveda wird es empfohlen. Erst als ein deutscher Chemiker seiner Freundin, die auf Grund einer Autoimmunerkrankung unter einem dramatischen Haarausfall litt, helfen wollte, stieß er auf diese Unterlagen und behandelte sie mit einem hochdosierten Bockshornklee- Samenpulver. 3 Jahre später hatte die Freundin wieder volles Haar und seither wird Bockshornklee bei sämtlichen Formen von Haarausfall eingesetzt. Die Wirkung wird so erklärt, dass Bockshornklee dank seiner Inhaltsstoffe wie Flavonoiden, Saponinen, Eisen und dem Phytohormon Trigonellin dazu führt, dass die Blutgefäße, die zu den Haarwurzeln führen, reguliert werden und somit auch die Haarwurzeln. Bockshornkleepräparate gibt es zur innerlichen und äußerlichen Anwendung.

    Text und Bild aus: http://miriamwiegele.at/haare-dicht-wie-eine-loewenmaehne/

  • Haare dicht wie eine Löwenmähne

    Haare dicht wie eine Löwenmähne

    Teil I

    Fast jeder Mensch leidet irgendwann unter Haarausfall. Mangelhafte Ernährung, hormonelle Umstellung, psychische Belastungen – die Gründe für Haarausfall sind wissenschaftlich noch nicht genau erforscht. Fakt ist, dass viele Menschen im Frühling häufig unter verstärktem Haarausfall leiden. Damit das „Haare lassen“ nicht zu schlimm wird, sollte man jetzt schon beginnen, die Haare mit natürlichen Heilmitteln wie Kräutern zu verwöhnen.

    Haargeschichten
    Unseren Vorfahren dienten die Haare primär zur Temperaturregulation und zum Schutz vor Sonneneinstrahlung. Vermutlich war aber schon ihnen bewusst, dass Haare ein Symbol für Lebenskraft und Vitalität sind. Haarausfall und Rezepte dagegen sind daher uralt. Im Papyrus Ebers ca. (2000 v. Ch.), dem größten Buch der Heilkunst im alten Ägypten, finden sich Anleitungen, wie man die Haarpracht pflegen kann und die Ägypter, Meister der Frisierkunst gaben ihren Toten Kämme und Scheren mit auf die Reise ins Jenseits. Wie sehr eine mächtige Haarpracht konkret mit Kraft und Macht zu tun hat, zeigt uns die Geschichte von Samson und Delilah. Auch die griechischen Götter wurden meist mit langen Haaren dargestellt, denn ihnen wurden magische Kräfte zugeschrieben. Keltische Krieger setzten in der Schlacht auf ihre Kampffrisuren, bei denen die Haare mit Lehm zu eindrucksvollen Gebilden geformt waren.

    Haare und Individualität
    Die Hippiezeit mit ihren Legenden und dem Musical „Hair“ demonstrierte anschaulich die Beziehung zwischen Haarpracht und Freiheitsanspruch. Sklaven wurden zu allen Zeiten kurz geschoren, aber auch Soldaten oder Zen-Mönche. Gehorsam steht an erster Stelle und da waren Locken Symbol für die Lockungen des Lebens, für die symbolisierte äußere Freiheit. Auch Leibeigenen wurde diese Freiheit verwehrt, sie waren die „Gescherten“. In China wurde mit den sprichwörtlichen Zöpfen eine überholte Gesellschaftsordnung abgeschnitten. Haartracht und Frisuren spiegeln also Geisteshaltungen wider. Jugendliche, ganz besonders Punker zeigen extravagante Haartrachten, den Gesellschaftsnormen verpflichtete Menschen tendieren zu Einheitsfrisuren. Die kahl rasierten Männerköpfe à la Bruce Willis signalisieren sicher nicht Unterwerfung, eher Exklusivität und vielleicht signalisieren sie besondere Männlichkeit, ist doch der hormonell-bedingte Haarausfall bei Männern auf einen hohen Testosteronspiegel zurückzuführen.

    Die Haare
    Unsere Haare sind -medizinisch gesehen- nichts weiter als fadenförmige Anhangsgebilde der Haut, die aus Horn bestehen. Jedes einzelne Haar besteht aus einem Haarschaft, Haarwurzel, Talgdrüse und Haarbalgmuskel. In der Haarwurzel befinden sich die Pigmentzellen, die die Haarfarbe bestimmen und die ernährenden Blutgefäße. Von den mehreren Millionen Haaren, die ein Mensch hat, wachsen ca. 100 000 auf dem Kopf. Auf 1 cm2 Kopfhaut wachsen im Durchschnitt 120 Haare. Jedes Kopfhaar wächst innerhalb 2-4 Tagen etwa 1 mm und lebt im Durchschnitt 6 Jahre. Nach dieser Zeit löst sich die Haarwurzel von den umgebenden Zellen, der Haarpapille, fällt aus und macht dem neuen Haar Platz. Ein Verlust von 60 bis 100 Haaren pro Tag ist völlig normal.

    Haarausfall
    Ein simpler Test gibt Aufschluss, ob Sie tatsächlich unter Haarausfall leiden:

    • Einen Tag vor dem Test Haare waschen
    • Vor dem Test im Abfluss ein Sieb einsetzen, dann wieder Haare waschen
    • Danach die im Sieb befindlichen Haare zählen
    • Wurden bei der Haarwäsche mehr als 100 Haare verloren, kann es sich um beginnenden Haarausfall handeln

    Ursachen für Haarausfall gibt es viele:
    Hormonell-erblicher Haarausfall (androgenetische Alopezie): Tritt sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf, ist erblich bedingt und basiert auf einer Empfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber Androgenen (männlichen Sexualhormonen). Diese fördern das Wachstum der Körperhaare, während das Wachstum der Kopfhaare gehemmt wird. Östrogene und andere weibliche Sexualhormone haben den umgekehrten Effekt, das Wachstum der Kopfhaare wird gefördert. Bei Männern ist der erblich bedingte Haarausfall eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel auf Dihydrotestosteron, der biologisch aktivsten Form des Testosterons. Bei Männern beginnt es meist mit den „Ehestandsecken“, in fort-geschrittenem Zustand lichtet sich das Haar am Hinterkopf (Tonsur) und übrig bleibt vielleicht ein hufeisenartiges Haarband. Bei Frauen kann es vor allem im Wechsel zu einem hormonellen Ungleichgewicht und damit einem Überwiegen androgener Hormone und dadurch bedingten Haarausfall kommen. Beginnend vom Scheitel, wo schön langsam die Kopfhaut durchschimmert, entwickelt sich der Haarausfall am gesamten Kopf.

    Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata). Der kreisrunde Haarausfall ist die häufigste entzündliche Haarausfallerkrankung und kommt häufig bei Allergikern, Diabetikern und Schilddrüsenpatienten vor. Daneben beobachtet man auch eine familiäre Häufung. Es bil-den sich ohne ersichtlichen Grund scharf begrenzte Kahlstellen am Kopf, die manchmal wieder von selber nachwachsen, oft aber bleiben. Die konkrete Ursache ist aber noch nicht bekannt.

    Diffuser Haarausfall: Als Ursachen könnten in Frage kommen Stress, seelische Traumata, schwere Erkrankungen (z.B. Psoriasis), Infektionen, Fehlernährung, hormonelle Schwankungen (z. B. Schwangerschaft), Einfluss von Hormonpräparaten und überhaupt bestimmten Medikamenten (z.B. Blutverdünner, Cholesterinsenker, Schilddrüsenmittel, etc.). Zunehmen-des Alter ist eine durchaus „natürliche“ Ursache für Haarausfall.

    Haarausfall aus naturheilkundlicher Sicht
    Die Haare spiegeln in ihrer Stärke und in ihrem Glanz unsere Stärke und unseren Glanz wider. Stellen sich in irgendeiner Form Haarprobleme ein, ist das ein Zeichen dafür, dass der Mensch nicht mehr im Gleichgewicht ist. Dafür kann es viele Ursachen geben, physischen Stress, Mangelernährung, Übersäuerung, Mineralstoffmangel, überhaupt ungesunde Lebensweise.

    In den nächsten Teilen unserer Serie „Haare dicht wie eine Löwenmähne“ erfahren Sie, was Sie gegen Haarausfall tun können.
    Text und Bild aus: http://miriamwiegele.at/haare-dicht-wie-eine-loewenmaehne/

  • Aromapflege für alte und kranke Menschen

    Aromapflege für alte und kranke Menschen

    TEIL 2

    Anregung der Verdauung
    Alte Menschen essen meist wenig und vor allem trinken sie zu wenig, daher haben sie oft Probleme mit dem Stuhlgang. Eine Einreibung des vorderen Bauches im Uhrzeigersinn kann recht hilfreich sein. Folgende ätherischen Öle sollten verwendet werden: Rosmarin, Ingwer, Petit Grain, Fenchel, Pfefferminze.

    Kreislauf anregen
    Auch der Kreislauf alter Menschen ist häufig ein Problem. Es gibt einige sehr anregende Öle, doch Vorsicht bei hohem Blutdruck, daher besser mit dem Arzt absprechen.
    Allgemein anregend: Zitrone, Pfefferminze, Ingwer
    Herzstärkend (nicht bei hohem Blutdruck): Rosmarin, auf die Herzgegend auftragen

    Gelenkschmerzen lindern
    Zusätzlich zu ärztlich verordneten Heilmitteln können mit ätherischen Ölen Schmerzzustände gelindert werden. Dazu macht man Einreibungen oder warme Kompressen über die betroffenen Gelenke. Folgende ätherischen Öle sind empfehlenswert: Teebaum, Eucalyptus citriodora (der zitronenduftende Eukalyptus hat entzündungshemmende Eigenschaften!), Niaouli, Lorbeer, Wacholder, Pfefferminze.

    Das Pfefferminzöl ist allgemein schmerzlindernd, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigten. Man kann es in Form von Kompressen bei Kopfschmerzen anwenden, bei Muskel- und Nervenschmerzen in Form von Einreibungen.

    Wundliegen vorbeugen
    Bei bettlägerigen Menschen besteht die Gefahr, dass sie sich vor allem an den Stellen, auf denen lange Druck lastet, wund liegen. Neben den üblichen Vorbeugemaßnahmen können Einreibungen mit folgenden ätherischen Ölen die Haut stärken: Myrrhe, Weihrauch, Lavendel, Zeder, Zistrose

    Unruhezustände und Ängste lindern
    Viele Düfte haben durch ihre Wirkung auf das Limbische System eine Wirkung auf die seelische Befindlichkeit. Man wendet sie entweder über die Duftlampe oder durch Einreibungen im oberen Brustbereich an. Wie beim Thema Schlafstörungen ist Lavendel das erste Mittel der Wahl bei Unruhezuständen. Angstlösend sind Bergamotte, Neroli, Geranium, Thymian, Ylang- Ylang.

    Depressive Zustände lindern
    Bei apathischen, depressiven Phasen alter Menschen helfen vor allem Neroli, Petit Grain, Pfefferminze, Zitrone, Rosmarin und Muskatellersalbei.

    Kölnisch Wasser zur geistigen Anregung:
    In 5 ml 90% Weingeist folgende ätherischen Öle in dieser Reihenfolge lösen:

    • 2 Tropfen Zeder
    • 2 Tropfen Gewürznelke
    • 3 Tropfen Rosmarin
    • 4 Tropfen Lavendel
    • 3 Tropfen Petit Grain
    • 5 Tropfen Bergamotte
    • 2 Tropfen Neroli

    Von diesem Konzentrat gibt man bei der Anwendung einige Tropfen in destilliertes Wasser und trägt es im Nackenbereich auf.

    Schlafstörungen mildern
    Der alte Mensch hat ein anderes Schlafverhalten und leidet oft unter Einschlaf- oder Durchschlafstörungen. Das Mittel der Wahl dafür ist- durch viele Untersuchungen abgesichert- das Lavendelöl. Beim Kauf darauf achten, dass es sich um echtes Lavendelöl (lat. Name Lavandula officinalis oder angustifolia) handelt. Anwendung entweder in der Duftlampe, als Einreibung der Brust oder auch ein paar Tropfen auf das Kopfkissen.

    Ebenso hilfreich können die folgenden Öle sein: Majoran, Mandarine, Geranium, Muskatellersalbei, Ylang- Ylang

    Hilfe für die PflegerInnen
    Dass die Pflege alter und schwerkranker Menschen sowohl für professionelle Pfleger als auch für die pflegenden Angehörigen sehr anstrengend sein und zu Erschöpfungszuständen bis hin zum Burnout führen kann, ist bekannt. Pflegende Menschen sollten daher auch für sich selber die positive Wirkung ätherischer Öle nutzen. Anwendung als Dusch- oder Badezusatz oder Einreibungen.

    Erschöpfungszustände: Thymian, Rosmarin, Lorbeer, Pfefferminze.
    Nervliche Reizzustände: Neroli, Bergamotte, Orange, Lavendel, Geranium.
    Burnout: Zeder, Thymian, Geranium, Patschuli, Koriander.

    Sterbebegleitung mit Düften
    Der letzte Weg des Menschen ist oft mit Ängsten und Unruhezuständen verbunden. Wenn der Angehörige das Glück hat, in seiner vertrauten Umgebung umgeben von seinen Lieben zu sterben, kann man ihm den Weg mit Düften begleiten, die man vor allem in der Duftlampe einsetzt.

    Weihrauch – erleichtert den Übergang und Geranium und Rose öffnen das Herz für den Übergang.

    Diese Düfte helfen auch den Angehörigen, Abschied zu nehmen. Wenn es sich um einen sehr schmerzlichen Abschied mit großen Trauergefühlen handelt, kann der Einsatz von Neroli und Bergamotte in Kombination mit Rose helfen.

     

  • Aromapflege für alte und kranke Menschen

    Aromapflege für alte und kranke Menschen

    Teil 1

    In früheren Generationen war es selbstverständlich, dass die Angehörigen zuhause gepflegt wurden. Auch heute ist es der Wunsch der meisten Senioren, zuhause bleiben zu können, auch wenn schon diverse Folgen des Altwerdens schmerzhaft bemerkbar werden. Keine Frage, dass zur Pflege entsprechende Kenntnisse nötig sind, die man lernen kann. Wenig bekannt ist bei uns noch die Aromapflege.Im professionellen Pflegebereich beginnen immer mehr Krankenschwestern auf ätherische Öle zurückzugreifen und auch im häuslichen Bereich ist die Anwendung mit entsprechender Information sehr empfehlenswert.Was ist Aromapflege

    Unter Aromapflege versteht man den bewussten Einsatz von ätherischen Ölen in der Kranken- und Altenpflege. Im Unterschied zur Aromatherapie dient die Aromapflege primär dazu, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und ätherische Öle vor allem prophylaktisch einzusetzen. Ätherische Öle haben eine ganzheitliche Wirkung, weil sie einerseits durch den Duft auf Geist und Seele wirken und andererseits auch eine physiologische Wirkung auf den Körper haben.

    Ätherische Öle richtig anwenden
    Ätherische Öle können, wenn sie nicht richtig angewendet oder dosiert werden, auch unangenehme und manchmal sogar schädliche Nebenwirkungen haben. Es wäre daher pflegenden Angehörigen zu empfehlen, einführende Kurse zu besuchen. Wichtig ist auch die Auswahl der ätherischen Öle. Einerseits sollte man unbedingt darauf achten, nur qualitativ hochwertige Öle zu kaufen. Der Einsatz von synthetisch hergestellten oder minderwertigen ätherischen Ölen sollte in der Aromapflege vermieden werden. Beim Kauf sollte man daher genau auf das Etikett und die Angaben, die dort gemacht werden, schauen.

    Anwendungsmethoden
    In der Aromapflege für alte und bettlägerige Menschen ist der Einsatz von Duftlampen zur Raumbeduftung sehr empfehlenswert.

    Dosierung Duftlampe:
    In die Schale der Duftlampe gibt man ungefähr 5 – 10 Tropfen auf eine Wasserfüllung. Anfängern in der Aromapflege wäre zu empfehlen, nur einzelne Düfte anzuwenden und keine Mischungen und auch nicht verschiedene Düfte hintereinander.

    Anwendung über die Haut:
    Da ätherische Öle durch die Haut ins Körperinnere diffundieren können, ist die Anwendung in Form von Einreibungen oder Massagen vor allem dort zu empfehlen, wo eine physiologische Wirkung erzielt werden soll. Ätherische Öle nie pur auf die Haut bringen, sondern immer in Mischung mit fetten Ölen.

    Dosierung für alte Menschen:
    12- 15 Tropfen ätherisches Öl auf 100 ml Trägeröl oder Lotion.

    Dosierung zur Anwendung im Bad:
    Da sich ätherische Öle nicht mit Wasser mischen, braucht man einen natürlichen Emulgator. Dafür eignet sich Milch oder Honig. In 2 EL Milch oder 1 EL flüssigen Honig pro Badewanne 5- 7 Tropfen ätherisches Öl mischen, dann in das Wasser geben. Für Teilbäder wie ein Fußbad nimmt man 1 EL Meersalz und 5 Tropfen ätherisches Öl. Sitzbäder mischt man mit 1- 2 EL Joghurt und 5- 6 Tropfen.

    Inhalationen:
    Auf 1 Schüssel heißes Wasser nicht mehr als 2 Tropfen.

    Aromapflege für Schwerkranke
    Der Einsatz von ätherischen Ölen kann auch bei Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz oder Parkinson positive Wirkungen zeigen. Diesen Einsatz sollte man aber in Aromatherapie ausgebildetem Pflegepersonal überlassen.

    Aromapflege in der häuslichen Krankenpflege
    Sorgfalt in der Anwendung ist immer zu empfehlen. In der häuslichen Pflege empfehlen sich ätherische Öle zur täglichen Körper- und Mundpflege. Mit Einreibungen des Brustbereiches kann man Atemwegsprobleme verbessern. Verdauung anregend sind Einreibungen des Bauchbereiches. Viele ätherische Öle wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd, eignen sich also zur Behandlung von schmerzenden Gelenken und Muskeln. Schlafstörungen und Unruhezustände können mit ätherischen Ölen ebenso positiv beeinflusst werden wie depressive, apathische Zustände. Wichtig ist dabei, immer daran zu denken, dass durch die Aromapflege primär die Lebensqualität des Betroffenen verbessert werden soll, während die Behandlung bestehender Krankheiten dem Arzt vorbehalten bleibt.

    Tägliche Pflege
    Die täglichen Hygienemaßnahmen können durch ätherische Öle und deren Duftwirkung zu einem erfreulichen Ereignis werden. Für die tägliche Waschung sollte man nicht jeden Tag dasselbe ätherische Öl verwenden. An Tagen, wo der Angehörige schwer zu mobilisieren ist, kann man 1- 2 Tropfen Rosmarinöl auf den Waschlappen geben und damit die Waschung durchführen. Bei Unruhezuständen nimmt man Lavendel und wenn man Geraniumöl verwendet, beginnt der Tag gleich mit einem die Seele harmonisierenden rosenähnlichen Duft. Mundpflege: Für das Wohlbefinden ist ein frischer Mundraum ganz wichtig, gleich ob der Angehörige noch über eigene Zähne verfügt oder einen Zahnersatz hat.

    Mundwasser selber herstellen:

    10 ml Myrrhentinktur (aus der Apotheke), dazu 2 Tropfen Pfefferminzöl. Von dieser Mischung gibt man 2 – 3 Tropfen ins Mundspülwasser. Alkoholische Einreibung: Vor allem bei bettlägerigen Menschen kann eine Einreibung des Rückens nach der täglichen Waschung sehr angenehm sein.

    Franzbranntwein selber herstellen:

    • 1 l 40% Kornbranntwein
    • 3 Angelikawurzel
    • 5 Tropfen Latschenkiefer
    • 5 Tropfen Zirbelkiefer
    • 8 Tropfen Lavendel
    • 2 Tropfen Pfefferminze
    • 5 Tropfen Zitrone

    Zwei Wochen ziehen lassen, zur Anwendung eventuell mit Wasser verdünnen.

    Gesichtsöl: Alte Menschen haben meist eine trockene Haut. Zur täglichen Pflege kann man ein Gesichtsöl herstellen, indem man auf 50 ml Mandelöl 5 Tropfen Geranie gibt.

    Vollbad: Ist der Betroffene kräftig genug, kann ein wöchentliches Bad empfohlen werden. Die Auswahl des ätherischen Öles richtet sich dann nach der konkreten Befindlichkeit.

    Stärkung der Atemwege
    Alte Menschen sind oft verschleimt und haben Probleme mit dem Abhusten. Eine Einreibung des Brustraumes (Rücken, oberer Brustbereich) mit folgenden ätherischen Ölen kann da sehr hilfreich sein:

    Thymian, Cajeput, Niaouli, Kiefer, Myrte, Eucalyptus (wenn möglich sollte nur Eucalyptus radiata verwendet werden, also Achtung beim Einkauf).

    Diese ätherischen Öle sind auch für Inhalationen zu empfehlen.

    In unserem nächsten NL erfahren Sie mehr über Möglichkeiten der Anregung der Verdauung oder des Kreislaufs bis hin wie man Gelenksschmerzen oder aber auch depressive Zustände lindern kann.

  • Kräuter für die Augen

    Kräuter für die Augen

    „Schau mir in die Augen, Kleines,“ dieser berühmte Satz aus dem Film Casablanca sagt es sehr klar aus. Unsere Augen lassen nicht nur Eindrücke herein, sondern sie lassen sie auch heraus. In ihnen sieht man die Gefühle und Stimmungen der Menschen.

    Die Augen, Spiegel der Seele
    Es sind unsere Augen, die in Tränen ausbrechen und so eine psychische Situation nach außen offenbaren. Liebe dagegen macht blind- im Stadium des Verliebt seins sieht man die Realität nicht mehr klar. Die häufigsten Störungen im Bereich der Augen sind Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit, wobei Kurzsichtigkeit vor allem in der Jugend auftritt und die Weitsichtigkeit eine Störung des Alters ist.

    Aus psychosomatischer Sicht lässt sich das leicht erklären. Die Jugendlichen sehen meist nur ihren eigenen Umkreis, „man sieht nur bis zur eigenen Nasenspitze“. Der alte Mensch dagegen sollte aufgrund seiner Lebenserfahrung schon Weisheit und Weitsicht entwickelt haben. Leider verwirklichen viele Menschen diese Weitsicht nur in der Weitsichtigkeit.

    Sehen ist mehr als schauen
    Zwei Drittel aller Sinneseindrücke werden durch die Augen, also visuell vermittelt. Das heißt, wir nehmen die meisten Reize aus der Umwelt mit den Augen wahr. Darüber hinaus sind die Augen sehr eng verknüpft mit der allgemeinen Fähigkeit zur Bewegung und unseren geistigen Leistungen. Das heißt das Sehen ist maßgeblich an der Bewältigung unseres täglichen Lebens beteiligt. Grund genug, zu überlegen, was wir für unsere Augen tun können.

    Entspannung für die Augen
    Den besten Abstand von belastenden Alltagssituationen und Stress gewinnen wir durch das Schließen der Augen. Nur wenn der visuelle Reizfluss unterbrochen wird wie beim Schließen der Augen, schalten wir im wahrsten Sinne des Wortes ab. Sind wir dagegen angespannt und fordern unserem Denkvermögen höhere Leistungen ab, können wir das Höchstmaß an Sehschärfe mobilisieren. Dadurch können Situationen schneller erfasst und der nötige Durchblick gewonnen werden. Die Augen sind aber nicht unbegrenzt belastbar. Sie sind dankbar, wenn man ihnen die Möglichkeit zur Entspannung gibt. Gut geeignet sind dafür spezielle Übungen, die von dem amerikanischen Arzt Dr. Bates schon 1920 beschrieben wurden.

    Generelle Augenübung

    • Schauen Sie 6-7 mal hintereinander zunächst nach rechts, dann nach links und wieder nach rechts.
    • Dann heben Sie ihre rechte Schulter so weit wie möglich nach oben, wenn sie nach rechts schauen und umgekehrt. Mehrere Male wiederholen.
    • Dann bücken Sie sich mit ausgestreckten Armen und lassen ihre Augen den Fingerspitzen folgen, dasselbe links und wiederholen.
    • Zum Abschluss setzen Sie sich wieder hin und drehen ihre Augen im Kreis von rechts nach links.

    Palmieren
    Mit dieser Übung können die Augen gut entspannt werden. Bildschirmarbeiter sollten sie also von Zeit zu Zeit durchführen. Sie setzen sich entspannt hin, legen die Handflächen leicht gewölbt über die Augen und überkreuzen die Finger auf der Stirn. Tief und gleichmäßig atmen und versuchen, sich in einen Zustand tiefster Dunkelheit zu versetzen.

    Augenmassage
    Die zarte Massage bestimmter Meridianpunkte hat eine starke durchblutungsfördernde Wirkung auf die Gesichts-, aber auch den Augenmuskel. Mit leichtem Druck massieren Sie mit kreisenden Fingern seitlich der Nasenwurzel, unterhalb der äußeren Augenbrauenenden, im Bereich des Jochbeins seitlich der Nase und streichend am oberen Rand der Augenhöhlen unterhalb der Augenbrauen…

    Die Augen essen mit
    Augenprobleme wie Netzhautschäden, Makuladegeneration, Altersweitsichtigkeit oder grauer Star lassen sich nicht wegtrainieren. Einen kleinen Beitrag zur Vorsorge leisten aber sekundäre Pflanzenstoffe in der Nahrung. Als „Radikalfänger“ schützen sie die Netzhaut und sorgen für gesunde Sehsinneszellen. Auch die Nachtblindheit (wichtig für Autofahrer), bei der schlecht funktionierend Stäbchen- Sinneszellen das Dämmerungssehen einschränken, lässt sich durch gezielte Versorgung mit sekundären Pflanzenstoffen positiv beeinflussen. Solche Schutzstoffe sind vor allem die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin, Beta- Carotine und Anthocyane. Wissenschaftliche Studien belegen, dass der Konsum von Pflanzen mit diesen Wirkstoffen das Risiko für Makuladegeneration um fast 40% senken kann. Bei besonderer Beanspruchung der Augen, zum Beispiel Bildschirmarbeiten, ist der Bedarf an diesen Schutzstoffen erhöht.

    Lutein, Zeaxanthin finden sich in Spinat, Kopfsalat, Erbsen, Petersil und Grünkohl. Im Spinat finden sich besonders viele Augenschutzstoffe, er ist daher weniger ein Gemüse für Kinder, sondern für ältere Menschen.

    Das Anthocyan Myrtillin in der Heidelbeere dagegen sorgt ganz besonders für die Elastizität der Gefäße in den Augen und ist gut für Menschen, die unter Nachtblindheit und Lichtempfindlichkeit leiden.

    Wie sensibel sind unsere Augen
    Die Augen sind hochkompliziert und sensibel gebaute Sinnesorgane. Warnsignale, dass mit unseren Augen etwas nicht in Ordnung ist, sind:

    • Brennen der Augen
    • Tränen der Augen
    • Trockenheit der Augen
    • jede Art von Lichtscheuheit
    • Schmerz
    • Sehverschlechterung

    Ein Besuch beim Augenarzt ist dann sicher zu empfehlen

    Heilpflanzen für die Augen
    Je nach Problem gibt es die Möglichkeit als vorbeugende Selbsthilfemaßnahme Heilpflanzen zu verwenden. An vorderster Stelle steht dabei eine Heilpflanze, deren Name ihre Wirkung klar umschreibt.

    Augentrost (Euphrasia officinalis)
    Verwendete Pflanzenteile: Das ganze blühende Kraut, Euphrasiae herba.

    Anwendung: Tee (1-2 Teelöffel Droge mit 1/4 l kaltem Wasser übergießen, zum Sieden erhitzen, abseihen) innerlich und äußerlich als Umschlag auf das Auge oder als Augenspülung verwenden. Zur äußerlichen Anwendung gibt es auch verschiedene Präparate zum Eintropfen, zum Beispiel Euphrasia-Augentropfen von Weleda. Innerlich wird Augentrost auch homöopathisch in Form von Euphrasia D6 gegen alle möglichen Augenprobleme wie Augenbrennen, gerötete, gereizte und tränende Augen eingesetzt (3 mal 5 Globuli/Tag).

    Inhaltsstoffe: Die Inhaltsstoffe sind Iridoidglykoside wie Aucubin, dem man neuerdings eine „Breitbandwirkung“ gegen bakterielle Infektionen und überhaupt entzündungshemmende Wirkung zuschreibt. Diese Wirkung wird noch durch Gerbstoffe und Flavonoide verstärkt.

    Heilwirkung: Schon der Name deutet die offenbar erfolgreiche Anwendung bei Erkrankungen der Augen an. Der botanische Name Euphrasia, der aus dem Griechischen stammt, bedeutet soviel wie Frohsinn und Wohlbefinden. Im Mittelalter war man überzeugt, dass der Augentrost auch die innere Sehkraft stärken und hellsichtig machen kann. Die Wissenschaft ist sich nicht sicher, auf welche Wirkstoffe die schon alte Anwendung dieser Heilpflanze zurückzuführen ist. Tatsache ist, dass sie erfahrungsgemäß bei akuten und subakuten Bindehautentzündungen sehr wirkungsvoll ist. Besonders für Menschen, die Arbeiten verrichten, bei denen die Augen sehr belastet werden, beispielsweise Bildschirmarbeit, aber auch die Arbeit in Büros mit Klimaanlagen oder vielen Raucherkollegen, sollten Augentrostumschläge schon vorbeugend eingesetzt werden. Ob die innerliche Anwendung des Tees in solchen Fällen auch hilft, müsste erprobt werden. Gute Erfahrungen hat man aber bei der Verwendung als Tee bei Menschen beobachten können, die „nahe am Wasser gebaut sind“, also bei der leisesten Belastung ihrer Augen bereits zum Tränen neigen.

    Indikation: Subakute und akute Bindehautentzündung, Ermüdungserscheinungen der Augen, Lidrandentzündung.

    Fenchel (Foeniculum vulgare)
    Die Fenchelkörner eignen sich als Tee (Samen zerdrücken, Aufguss, 10 Minuten ziehen lassen) zu Augenspülungen für gereizte Augen. Den Tee abkühlen lassen, in Glas schütten, dieses über das offene Auge geben und kurz durchspülen.

    Augenspülungen
    Für Augenspülungen, damit ist gemeint, dass der Augapfel mit dem Tee gespült wird, im Unterschied zu Umschlägen auf das geschlossene Lid, sollte Kamillentee nicht verwendet werden, da sein ätherisches Öl so stark ist, dass es die Bindehaut reizen könnte. Aus der Erfahrung bewährt hat sich neben dem Augentrost für Augenbäder der Fencheltee. Die Volksmedizin sprach ihm immer eine kräftigende und „klärende“ Wirkung auf das Auge zu. Das ätherische Öl des Fenchels ist jedenfalls ausreichend entzündungshemmend, ohne die reizende Wirkung der Kamille.

    Lidrandentzündungen
    Bei Lidrandentzündungen oder auch bei Gerstenkörnern dagegen sollte Kamillentee als entzündungshemmendes Mittel in Form von Umschlägen auf das geschlossene Auge verwendet werden. Eine Alternative dazu ist Eichenrindentee, dessen Gerbstoffe eine starke zusammenziehende Wirkung haben.

    Trockene Augen
    Immer mehr Menschen leiden an einer mangelhaften Tränenflüssigkeitsproduktion, dem sogenannten trockenen Auge (Sicca- Syndrom). Als Ursache kommen Bildschirmarbeit, aber auch hormonelle Probleme in Frage. Die Beschwerden zeigen sich in einem Trockenheits- und Fremdkörpergefühl (als ob man Sand in den Augen hätte) und Brennen und Jucken in den Augen.

    In der Apotheke gibt es eine Vielzahl von Tränenersatzmitteln, die auch über längeren Zeitraum verwendet werden können.

    Mit homöopathischen Augentropfen (Oculoheel) könnte auch ursächlich gegen das Problem der trockenen Augen vorgegangen werden. Kombiniert werden in diesen Augentropfen, die praktisch in Plastikkapseln abgefüllt, als Einmalmittel verwendet werden, folgende Heilpflanzen:

    • Euphrasia (Augentrost): Gegen Augenbrennen und geschwollene Lidränder
    • Jaborandi (Pilocarpus): Allgemein bei Augenschmerzen und bei Überanstrengung
    • Cochlearia (Löffelkraut): Bei Rötungen der Augen, u.a. auch durch Bildschirmarbeit
    • Echinacea (Sonnenhut): Gegen die Entzündungstendenz.

    Diese Augentropfen helfen den Augen die natürliche Feuchtigkeit zurückzugeben und auch Kontaktlinsenträgern. Augenreizungen zu vermeiden.

  • Immunstärkende Heilpflanzen bzw. Pflanzen, die bei Viruserkrankungen helfen können

    Immunstärkende Heilpflanzen bzw. Pflanzen, die bei Viruserkrankungen helfen können

    Von vielen Pflanzen ist auch wissenschaftlich bestätigt eine immunstimulierende Wirkung bekannt. Doch immunstimulierend muss nicht identisch mit antiviraler oder antibakterieller Wirkung sein. Die immunstimulierende Wirkung von Pflanzen ist meist komplex und wirkt fördernd auf mehrere Abwehrmechanismen. Grundsätzlich kann man aber die Anwendung von immunstärkenden Heilpflanzen bei Viruserkrankungen empfehlen.

    Wissenschaftlich erwiesen ist eine immunstärkende Wirkung der folgend beschriebenen Pflanzen:

    • Sonnenhut (Echinacea sp)
    • Färberhülse (Baptisia)
    • Lebensbaum (Thuja)
    • Taigawurzel (Eleutherococcus)

    Anwendung: In Form von Esberitox

    Sonnenhut, purpurfarbener (Echinacea purpurea) oder Sonnenhut, schmalblättriger (Echinacea angustifolia)
    Verwendete Pflanzenteile: Wurzel, Echinaceae radix oder die ganze Pflanze Echinaceae herba.
    Anwendung: Nicht als Tee, da beim Trocknen die Wirkstoffe verloren gehen. Anwendung daher als Fertigpräparat oder als homöopathische Urtinktur. Die Dosierung der Präparate ist dem beiliegenden Beipackzettel zu entnehmen. Sie können sowohl vorbeugend, als auch direkt bei akuten Erkrankungen eingenommen werden. Um vorbeugend gegen Infektanfälligkeit zu wirken, empfiehlt sich die Einnahme von Echinacea D2 in der Dosis 3 mal 5 Globuli täglich über längeren Zeitraum (1 – 2 Monate). Im Akutfall (Influenza) tägl. 3 mal 5 Tropfen Urtinktur.
    Inhaltsstoffe: Das antimikrobielle und entzündungshemmende Prinzip in der Sonnenhutwurzel sind Kaffeesäurederivate wie Cichoriensäure und Echinacosid; daneben ätherische Öle, Flavonoide, die Immunstimulation ist vor allem auf die Polysaccharide zurückzuführen und auf Alkylamide, v.a. Echinacin. Die Wirkung entsteht sicher nur durch die Gesamtheit dieser Inhaltsstoffe.
    Heilwirkung: Die Wirksamkeit des Sonnenhuts beruht vor allem auf einer Anregung des körpereigenen Immunsystems. Echinacea ist zu einem der meist verkauften pflanzlichen Heilmittel geworden. Dennoch wird von manchen Wissenschaftlern der Echinacea jegliche Wirkung abgesprochen, da die Steigerung der Leukozytenzahl und vor allem der Granulozyten und Makrophagen nur bei parenteraler Wirkung im Tierversuch festzustellen ist. Eine Studie am ETH Zürich zeigte nun durch ein In- vitro- Experiment, dass die Alkylamide eine Bindung an die Rezeptoren der Immunzellen haben und damit die Fülle von Reaktionen in diesen ausgelöst wird. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Bildung von Zellen unseres Immunsystems; beispielsweise der Makrophagen, das sind die Fresszellen oder von T-Helferzellen angeregt wird und auch Botenstoffe des Immunsystems wie Interleukin, Interferon und Tumornekrosefaktor werden vermehrt produziert. Dennoch sind noch immer manche Wissenschaftler skeptisch, da ihnen das Studiendesign der bisher erfolgten Studien nicht ausreichend erscheint und Todesfälle in Zusammenhang mit Echinacea- Gaben vermutet werden (mittlerweile wurde bei einem Todesfall geklärt, dass die Ursache ein Leberversagen war). Echinacea ist sicher wirkungsvoll, es sollte aber unbedingt auf mögliche Risiken bzw. Nebenwirkungen und Gegenanzeigen aufmerksam gemacht werden.
    Indikation: Stärkung des Immunsystems bei Anfälligkeit gegenüber Erkältungskrankheiten, vor allem bei beginnender Influenza, zur unterstützenden Behandlung von chronischen Infektionserkrankungen wie Nebenhöhlentzündung, auch Eierstockentzündung und Infekte der Harnwege. Sonnenhutpräparate schließen die gleichzeitige Gabe von Antibiotika nicht aus, diese gemeinsame Anwendung wird sogar empfohlen. Sonnenhutpräparate, auch in Form von Salben können unterstützend bei entzündlichen Hauterkrankungen und schlecht heilenden Wunden eingesetzt werden. Die antivirale Wirkung nützt man gegen Fieberblasen.
    Echinacea sollte sofort nach den ersten Anzeichen einer Infektion genommen werden, womit der Krankheitsverlauf verkürzt werden kann. Auf dem Höhepunkt der Infektion noch Echinacea zu nehmen, bringt nichts.

    Färberhülse (Baptisisa tinctoria)
    Verwendete Pflanzenteile: Wurzeln, Baptisiae radix
    Anwendung: Als Einzelmittel in Form der Urtinktur oder Baptisia D2 bis D6, Kombinationspräparat Esberitox (Baptisia, Thuja, Echinacea)
    Inhaltsstoffe: Polysaccharide, Alkaloide, Isoflavonide, Cumarine, Glykoproteine
    Heilwirkung: Da Baptisia in der Regel als Kombinationspräparat Esberitox verwendet wird, gibt es nur Studien mit diesem. Diese konnten aber zeigen, dass Esberitox im Indikationsgebiet „akute virale Atemwegsinfekte“ gegenüber der Placebokontrolle therapeutisch signifikant überlegen ist.
    Indikation: Esberitox vorbeugend zur Immunstimulation, unterstützend zur Behandlung viraler Infekte wie Grippe, Schnupfen, aber auch Herpes, Gürtelrose, Pfeiffersches Drüsenfieber, etc
    Anmerkung: Baptisia homöopathisch bei viralen Infekten mit einem starken Zerschlagenheitsgefühl und großer Erschöpfung, bei eitriger Angina (kann nichts Festes schlucken)

    Lebensbaum Thuje (Thuja occidentalis)
    Verwendete Pflanzenteile: Blätter und Zweige, Thujae occidentalis herba
    Anwendung: Kombinationspräparat Esberitox, Thujentinktur äußerlich gegen Warzen
    Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl (Ketone wie ?- Pinen, Sabinen, Terpinen, Fenchon, Thujon), Polysaccharide, Glykoproteine
    Wirkung: Die Thuje ist grundsätzlich als giftig einzustufen, wobei Vergiftungen hauptsächlich von Kindern bekannt sind, die Zweige gekaut hatten. Auch bei der missbräuchlichen Anwendung als Abortivum sind Vergiftungen bekannt. Neben dem ätherischen Öl enthält die Thuje auch Polysaccharide. Auf diese ist wissenschaftlich gut untersucht ihre immunstärkende Wirkung zurückzuführen. Man hat herausgefunden, dass die T- Zellbildung (T- Lymphozyten sind wichtige Bausteine des Immunsystems, deren Botenstoffe den B- Lymphozyten die Information zur Bildung der passenden Antikörper liefern) angeregt wird und die Bildung von Interleukin, einem dieser Botenstoffe. Dem ätherischen Öl ist eine starke antivirale Wirkung zuzusprechen, daher kann die Thuje auch äußerlich als Tinktur gegen Warzen eingesetzt werden. Homöopathisch als Einzelmittel nur als Thuja D6 zur Umstimmung bei massivem Warzenbefall oder als Thuja C30 vorbeugend gegen Impfschäden (vor allem Zeckenimpfung)
    Anmerkung: Die Thuje wird in der Regel nicht alleine, sondern in Kombination mit Rotem Sonnenhut (Echinacea purpurea) und der Färberhülse (Baptisa tinctoria), die übrigens allesamt aus Nordamerika stammen, in Form des Fertigpräparates Esberitox in Apotheken angeboten. Dieses Mittel kann schon vorbeugend zur Stärkung des Immunsystems eingenommen werden. Vor allem ist aber der Einsatz bei Viruserkrankungen wie Influenza, Herpes- Infektionen, Gürtelrose, Pfeiffer’schem Drüsenfieber, etc zu empfehlen.

    Taigawurzel (Sibirischer Ginseng, Eleutherococcus senticosus)
    Verwendete Pflanzenteile: Wurzel, Eleutherococci radix.
    Anwendung: Urtinktur
    Inhaltsstoffe: Die Inhaltsstoffe differieren beträchtlich von jenen des Koreanischen Ginseng (deshalb sollte man besser bei dem Namen Taigawurzel bleiben), bei den Eleutherosiden handelt es sich um so unterschiedliche Stoffklassen, die als Eleuthersoid A, B, C, D bezeichnet werden. Für die Wirksamkeit wesentliche Inhaltsstoffe sind Lignane (z. B. Syringasinolglykoside) Phenylpropanderivate (z.B. Syringin), Cumarine, Triterpensaponine und Polysaccharide, besonders Pektine (Polygalakturonane) unterschiedlicher Natur (Phenylpropane, Kumarane, Lignane etc.)
    Heilwirkung: Grundsätzlich kann gesagt werden, dass alle Ginseng-Arten eine adaptogene Wirkung haben. Als Adaptogene bezeichnet man Substanzen, die die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen von außen kommende Belastungen so stärken, dass normale Körperfunktionen nicht beeinträchtigt werden. Als immunstärkendes Mittel ist die Taigawurzel daher vor allem dort zu empfehlen, wo Stress – egal welcher Herkunft – dazu führt, dass man infektanfällig wird. In kontrollierten Doppelblindstudien konnte festgestellt werden, dass Taigawurzelpräparate vor allem die zelluläre Immunität- Makrophagen, T- Helferzellen, natürliche Killerzellen, die imstande sind, virusinfizierte Zellen und Tumorzellen anzugreifen, signifikant vermehren. Zusätzlich wird die humorale Abwehr- Interferone, Interleukine, etc positiv beeinflusst. Eine immunstimmulierende Eigenschaft kann der Taigawurzel daher sicher zugesprochen werden, auch dem amerikanischen Ginseng (Panax quinqefolius), nicht dem Koreanischen Ginseng (Panax ginseng).
    Indikationen: Stressbedingte Erschöpfungszustände, stressbedingte Abwehrschwäche, überhaupt Abwehrschwäche bei Erwachsenen, Rekonvaleszenz. Begleitend zu Chemotherapie, überhaupt bei Krebs.

    Studien zur Immunstimulation
    Einen wesentlichen Beitrag zum immunstimulierenden Effekt liefern die Polysaccharide, sie stärken sowohl die humorale wie auch die zelluläre Immunantwort. Pektine mit einem hohen Galakturonsäureanteil können das Wachstum von Knochenmarkzellen fördern und die Entstehung von Tumormetastasen inhibieren. Auch im Tierversuch an der Maus vermag Eleutherococcus-Extrakt sowohl das zelluläre als auch humorale Immunsystem stimulieren. Die Stimulierung der Lymphozytenproliferation gilt ebenfalls als Hinweis auf immunstimulierende Effekte. In vitro-Untersuchungen an Spenderblut zeigten, dass Extrakte von Eleutherococcus, diese Wirkung erzielen, während kein Effekt von Extrakten des echten Ginseng (Panax ginseng) beobachtet wurden. Bei gesunden Probanden konnte nach 4-wöchiger Einnahme eines Fluidextraktes eine hoch signifikante Zunahme von T-Zellen und natürlichen Killerzellen im Blut festgestellt werden. In einer weiteren Studie an 50 Probanden wurde ein Fluidextrakt aus Eleutherococcus mit einem Frischpflanzenpresssaft aus Echinacea purpurea verglichen. Aus diesen Studiendaten ist zu schließen, dass mit Zubereitungen von Eleutherococcus die zelluläre Immunabwehr und die körperliche Leistungsfähigkeit gesteigert werden können.

  • Anis, duftendes Gewürz und Hustentee

    Anis, duftendes Gewürz und Hustentee

    Die würzige Doldenblütler – Familie

    Fast die gesamte Familie der Doldenblütler zählt zu den guten Freunden des Mensches. Zu den Doldenblütlern zählen etliche unserer wertvollsten Gewürze wie Anis, Fenchel, Kümmel oder Dill, die bei uns nicht wildwachsend vorkommen, sondern aus Anbau stammen. Im Garten kann man sie selber kultivieren.

    Anis (Pimpinella anisum) ist ein einjähriges Gewürzkraut, dessen süß- duftende Früchte (Samen) wir als Gewürz verwenden. Anis stammt vermutlich aus Ägypten, war aber schon vor Jahrtausenden in Griechenland bekannt. Dioskorides meint, dass er „als Arznei und Gewürz gesund ist“. Plinius erläutert in seiner Naturgeschichte:“ Er gibt dem Atem einen guten Geruch, dem Gesicht ein jugendliches Aussehen und erleichtert schwere Träume, wenn man ihn über dem Kopfkissen aufhängt“. Im antiken Rom empfahl man daher, am Abend Aniskekse zu essen, um Albträume zu vermeiden. Diese Duftwirkung kann von der Aromatherapie bestätigt werden. Aber auch als Liebespflanze wurde er im antiken Griechenland genutzt. Er stand im Ruf, Lust und Begierde zum Beischlaf zu wecken. Später meinte man, dass Getränke mit Anis den Kindersegen fördern. Tabernaemontanus empfahl ihn als Hustenmittel bei Erkältungen und auch als Mittel gegen Ungeziefer sollte er wirken: “Der Sam vertreiben die schaben von den kleydern“, womit wohl Motten gemeint waren. Neue Forschungen zeigen übrigens, dass das ätherische Öl des Anis Hausstaubmilben vernichten kann.

    Anis als Gewürz
    Bei Anis denkt man primär an Weihnachtsbäckerei wie Anisbögen, doch es gibt auch anderes Kleingebäck mit Anis, das man das ganze Jahr genießen kann. Süßspeisen wie Kompotte, Obstsalate und Marmeladen, vor allem Zwetschkenmarmelade, sind die häufigsten Gerichte, denen Anis zugegeben wird. Experimentierfreudige KöchInnen können ihn auch zu Marinaden für Fisch und Krustentiere geben. Hauptanwendungsgebiet zum Aromatisieren mit Anis sind aber alkoholische Getränke wie Ouzo, Raki uns Pastis.

    Griechische Anisplätzchen
    180g Mehl mit 80g Butter, 100gZucker, 2 Eigelb und fein zerstoßenem Anis verkneten, 20 Minuten kalt stellen. Dann ausrollen und Kreise ausstechen. Mit Eigelb bestreichen und mit braunem Zucker bestreuen. Ca. 15 Minuten hellgelb backen. Schmeckt hervorragend zu sommerlichen Getränken.

    Anis als Hustenmittel
    Die eigenartigen Härchen an den Samen erinnern an das Flimmerepithel in unseren Bronchien. Vermutlich aufgrund dieser Signatur wurde Anis schon immer als Hustentee verwendet. Tatsächlich konnte wissenschaftlich bestätigt werden, dass das ätherische Öl des Anis und da vor allem der Bestandteil Anethol die Tätigkeit des Flimmerepithels stark anregt und deshalb auswurffördernd wirkt. Das ätherische Öl ist auch sehr stark antibakteriell und schwach krampflösend. Anis ist also ein optimaler Hustentee, der, da wohlschmeckend, vor allem bei Kindern sehr beliebt ist.

    Dosierungen:
    0-1 Jahre: 1 Mokkalöffel
    1-4 Jahre: 2 Mokkalöffel
    4-10 Jahre: ½ Telöffel
    ab 10 Jahren: 1Teelöffel
    Samen zerquetschen und je Dosis mit ¼ l heißem Wasser aufgießen, 5 Minuten ziehen lassen.

    Weitere Heilwirkungen
    Anisfrüchte haben ähnlich wie Kümmel und Fenchel auch eine blähungswidrige Wirkung; allerdings nicht so stark. Anistee bewirkt aber auch eine Steigerung der Speichel- und Magensaftsekretion. Bei Mundtrockenheit hat der Tee daher eine gute Wirkung. Ähnlich wie Fenchel ist Anistee milchbildungsanregend und da östrogenisierend, auch ein guter Tee bei Wechselbeschwerden. Während der Schwangerschaft muss man nicht ganz verzichten, aber schwach dosieren.

    Der Duft des Anis
    Die alten Römer hatten recht- Anis hilft vor allem Menschen, die gestresst und müde sind. Wenn man gleichzeitig müde und unruhig ist, wenn die Gedanken hin und her springen, hilft der Tee, einzuschlafen. Albträume zeigen sich als Übermaß negativer Energien und ein Anistee oder -keks am Abend kann helfen, diese zu reduzieren.