BLOG April 2022
Wie saure Ernährung deine Darmgesundheit in Schwung bringt

Teil 1

„Sauer macht lustig” – das kennst du bestimmt! Aber was hat das jetzt mit der Darmgesundheit auf sich? Nun, bleiben wir mal beim sauren Geschmack. Welche Lebensmittel kennst du, die sauer schmecken? Da gibt es einige. Zähl mal auf: Zitrone, Sauerampfer, … welche kennst du noch? Nun, zuerst lösen wir mal diesen alten Spruch “Sauer macht lustig auf” … da muss ich dich enttäuschen – auch wenn dein Anblick beim Biss in eine Zitrone recht lustig aussehen mag.

Was spürst du bei sauer? Kälte? Dann ist dein Gefühl sehr gut ausgeprägt. Saurer Geschmack produziert tatsächlich zuerst Kälte. Und dann ? …

… erst dann kommt lustig – eigentlich stammt dieses Wort von »gelus(ch)tig« ab, das im Altertum für »Lust auf Essen« stand. Sauer macht Appetit und stärkt das Verdauungsfeuer. (In der alten Medizin sehen wir unsere Verdauung ähnlich einem Kochtopf … in diesem Blogartikel kannst du es nachlesen).

Saure Ernährung ist der Schlüssel für Deinen gesunden Darm

Warum? Sauer steigert die Magenleistung, die Gallensekretion, die Verdauung wird angekurbelt. Der saure Geschmack unterstützt die Überwindung der Lebenskraft der Nahrung. Die “körperfremde Energie” deines Essens wird durch den sauren Geschmack überwunden, sie löst sich auf.

Bei saurem Genuss ist der Mundraum gut befeuchtet und gekühlt. Der Speichelfluss wird angeregt. Bereit, um Schärfe zu mindern und Reize zu lindern. Um zu befeuchten, aufzulösen und Durst zu löschen.

Nun tauchen wir ein wenig tiefer in die TEM, die Traditionelle Europäische Medizin ein: Deine Lebenskraft ist erhöht, wenn die Humores – die vier bildhaften Körpersäfte: Sanguis, Chole, Melanchole & Phlegma – fließen. Der saure Geschmack sorgt dafür, dass diese Säfte leichter durch die Gewebe fließen können. Nerven, Arterien und Venen als den Hauptverbreitern der Lebensgeister erleichterst du damit die Arbeit.

Sauer regt das Gehirn, das Herz und die Leber an. Körper und Geist werden wach und aktiv. Sauer wirkt auch auf zähflüssiges Phlegma. Es zerschneidet, zerteilt und löst es auf. Es unterstützt dich bei übersäuerten Geweben. Ja, du liest richtig. Saurer Geschmack wirkt nicht übersäuernd, er wirkt basisch.

Auch wenn die Zitrone sauer schmeckt, die Säure der Zitrone hat zwar ihre Wirkung, gelangt allerdings nicht als Säure in den Blutkreislauf. Die organisch gebundenen Mineralstoffe der Zitrone – Kalium, Kalzium und Magnesium – sind ausschlaggebend. Die verstoffwechselte Wirkung ist schließlich basisch. Gleiches gilt auch für alle fermentierten Gemüse. JUHUUUU Sauerkraut & Co wirken basisch.

Eine Abstufung des sauren Geschmacks ist der essigsaure Geschmack. Du kannst ihn sowohl bei Essig selbst als auch bei milchsauer vergorenen Lebensmitteln, wie Sauerkraut, schmecken. Wegen seiner leicht scharfen, salzigen Komponenten wirkt er diffiziler als der rein saure Geschmack. Er wirkt weniger kalt, dafür durchdringender und schneller. Sauerkraut als Booster für die Darmgesundheit!

Ganz schön schlau, die alte Medizin mit ihrem Wissen um den sauren Geschmack.

Milchsaures für den Darm – Ernährung für Darmgesundheit & Immunsystem

Der Darm als unser größtes Immunorgan ist als erste Instanz für die Abwehr von Krankheitserregern verantwortlich. Wenn das Mikrobiom des Darms nicht im Gleichgewicht ist, funktioniert auch die Immunabwehr nicht.

Sauerkraut & Co. haben einen großen Einfluss auf das Mikrobiom.

Milchsauer vergorene Lebensmittel wirken als Probiotika im Darm. Diese haben zahlreiche positive Auswirkungen: sie verhindern die krankhafte Verkeimung und optimieren die Mineralresorption, den Fettstoffwechsel und die Zusammensetzung der Darmflora. Sie fördern den Abbau von Stoffwechselgiften, binden gefährliche Substanzen wie Nitrosamine und Nitrite und wirken krebshemmend. Im Verdauungstrakt wird grob zwischen zwei Arten von Bakterien unterschieden, den fäulnisbildenden Kolibakterien und den gesundheitsförderlichen Bakterien (Probiotika), zu denen auch die Lakto- und die Bifidobakterien zählen. Diese sind die natürlichen Gegenspieler der Kolibakterien und halten das Darmmilieu im Gleichgewicht. Die nützlichen Bakterien sollten mit 85 Prozent überwiegen. Passt dieses Gleichgewicht nicht, werden zu wenige Verdauungsenzyme produziert und unvollständig verdaute Nahrung bleibt im Darm hängen. Kolibakterien nehmen überhand und es beginnt im Darm zu »faulen«. Unangenehm riechende, teilweise giftige Gase entstehen. Diffuse Gefühle im Kopf, Mattigkeit, Lustlosigkeit und Konzentrationsprobleme können die Folge sein. Auch der Geruch von Stuhl und Harn ist ein Indikator für die Funktion unseres Verdauungssystems. Je geruchloser beides, umso reiner ist das Verdauungssystem und umso harmonischer arbeiten die Mikroorganismen im Darm.

Das Mikrobiom ist in uns und um uns … ähnlich der Aura

Mikrobiome verändern sich mit dem Lebensraum und den Ernährungsgewohnheiten des Menschen, das zeigen Studien ganz deutlich. Wir haben es also selbst in der Hand. Tag für Tag und Bissen für Bissen. Die passende Ernährung sorgt für ein gesundes Mikrobiom. In Schieflage kommt es, wenn häufig Fast Food, Convenience-Food oder zu einseitig gegessen wird. Die industrielle Lebensmittelkonservierung ist gerade jetzt, in Zeiten des Nahrungsmittelüberschusses, ein großes Dilemma: Fertigprodukte sind zu einem fixen Bestandteil unserer täglichen Ernährung geworden. Trotz des Reichtums an Lebensmitteln – Essen kann man heute buchstäblich an jeder Hausecke kaufen – leiden viele Menschen an diversen Mangelerscheinungen. Warum? Es ist ganz einfach zu erklären, ja es erscheint geradezu banal: Es wird zu wenig frisch gekocht und zu wenig Gemüse gegessen – dadurch kommt es zum Vital- und Ballaststoffmangel! Die gesunden Darmbakterien verarmen und die »schlechten« vermehren sich. Stress, Medikamente, Zigaretten und Alkohol unterstützen diese Abwärtsspirale. Die Darmwand trocknet buchstäblich aus, was wiederum zu Entzündungen führt. So sind schädlichen Pilzen und Viren Tür und Tor geöffnet, um in unseren Blutkreislauf zu gelangen und unser Immunsystem zu schwächen.

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Ing. Michaela Hauptmann

Text und Bild zur Verfügung gestellt: Ing. Michaela Hauptmann, www.michaelahauptmann.com