BLOG
Signaturen

Die Signaturenlehre fand starken Zuspruch von Paracelsus, weshalb deren Ursprung oft im Mittelalter gesehen wird. Tatsächlich haben die Menschen aber wohl schon seit jeher Pflanzen betrachtet, mit ihnen meditiert und auf deren Wirkung geschlossen. Das Heilwissen der Naturvölker basiert auf deren Signaturerkenntnissen bis heute. Erforderlich sind eine ausgeprägte Naturverbundenheit und Wahrnehmung. Der Begriff Signatur leitet sich vom lateinischen „signatura“ ab, das bedeutet Zeichen.

Wir kennen unterschiedliche Zeichen an Pflanzen, aber auch von Mineralien oder Menschen. Die Farbe “gelb“ signiert die Sonne, die Form „spitz“ den Mars, der Standort, der Name der Pflanzen zeigen ebenfalls Zeichen, aber auch das Verhalten der Menschen etwa bei Verletzungen. So können wir exemplarisch Pflanzen im Hinblick auf die Signatur betrachten, die bei Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparates eingesetzt werden.

Die Arnika ist wohl die bekannteste Heilpflanze bei Verletzungen und Traumata. Als Tinktur, Gel, Salbe oder auch als homöopathisches Mittel findet sie breit Verwendung. Die Arnika wächst auf kargen Bergwiesen oder in lichten Wäldern mit kalkarmen Böden. Üblicherweise peitscht der Wind über die Köpfchen dieses Korbblütlers, der Standort ist rau und symbolisiert seine Anwendung bei Verletzungen, nach stürmischen und taffen Situationen. Wird die Blüte betrachtet, so ist sie der Sonne signiert. Sie schaut immer ein wenig wie vom Wind zerzaust aus. Das findet Ausdruck im Arzneimittelbild bei Wundheit und Zerschlagenheit und somit bei Blutergüssen, stumpfen Verletzungen und Traumen aller Art. Die Inhaltsstoffe wirken antiphlogistisch, venentonisierend und blockieren die Freisetzung von Histamin und Entzündungsmetaboliten.

Ein Beispiel für den Umgang mit Verletzungen und der Struktur ist der Beinwell. Er gedeiht auf feuchten, nährstoff- und stickstoffreichen Böden und Wiesen, Bachufern und Wegrändern. Die Stängel sind dick, hohl, behaart (Kieselsäure) und enthalten viel Feuchtigkeit. Die Blattnarben laufen bis zum nächsten Blattstiel herab und haben eine stark hervorgehobene Mittelnaht, die starken Fasern werden als Analogie zu den Sehnen, Bändern und Nerven gesehen. Die Wurzelstöcke sind imposant, die Wurzel außen braun und innen weiß wie Knochen und sehr schleimhaltig. Bei Verletzungen des Wurzelstocks etwa durch Trittschäden von Kühen heilen die Wurzeln wieder. Dieser Umstand wird auf Knochenverletzungen und Brüche umgelegt und lässt sich auch aus dem Namen der Pflanze herauslesen (auch Symphytum- griech: zusammenwachsen, zugeheilt). Die Wurzel enthält Allantoin, das gewebsregenerierend und Kallus bildend wirkt. Gefördert wird außerdem der Abfluss von Flüssigkeit aus dem Gewebe. Die Schleimstoffe wirken reizmildernd und das enthaltene Cholin führt zu einer verstärkten Durchblutung und somit Nährstoffversorgung, wie auch der Standort signiert. Anwendung findet die Pflanze neben Frakturen als entzündungshemmendes und kühlendes Mittel bei jeglichen Schmerzen des Bewegungsapparates, Prellungen, Zerrungen, Arthritiden, chronischen Ulzera und sogar bei Phantomschmerzen.

Betrachten wir Pflanzen, die bei Beschwerden und Erkrankungen des Bewegungsapparates verwendet werden, so ist auch das Johanniskraut zu nennen. Die Sonnenpflanze wird aufgrund dieses Zeichens häufig und auch wissenschaftlich bestätigt bei Sonnenmangel des Gemüts eingesetzt. Der Stängel ist sehr hart (Hartheu) und besitzt Längskanten. Die Fasern des Stängels zeigen die Signatur von Nervenfasern, aber auch Bändern und Sehnen, weshalb die Anwendung bei Nervenschäden und Schmerzen üblich ist. Die kleinen Punkte, die in den Blätter von Johanniskraut erkennbar sind, ähneln Blutströpfchen (Marszeichen) und zeichnen seine Verwendung bei Verbrennungen und Entzündungen. Verwelkt die Pflanzen so wird die Farbe rostrot, vergleichbar mit der roten Farbe der Kruste einer Wunde durch das gestockte Blut. Alle Anwendungen sind dabei mit den Schäden oder Beschwerden an den Nerven assoziiert.

Ganz anders ist die Idee der Verwendung von Tannenknospen. In ihrer Erscheinung ist die Pflanze ein stolzer, kräftiger Baum, der genau so hoch wächst, wie er tief wurzelt. Auf diese Weise zeigt er die Kraft und Festigkeit auf, die auch der Knochen hat. Weiters ist die Tanne ein Baum des Saturns- des Grenzwächters, der auch in der Härte der Knochen und Zähne signiert ist. Die Wurzelkraft zieht das Wasser herauf und signiert daher auch diese und wird durch die wässrige Natur der Knospen verstärkt. Dadurch können Heilungsprozesse ideal versorgt werden. Die Tanne zeigt uns auch einen festen Stamm- vergleichbar mit der Wirbelsäule. Bei Wind kann sie sich dennoch bewegen, die Steifigkeit hat ausreichend Elastizität. Bei allen Themen die in Zusammenhang mit der Wirbelsäule und den Knochen auftreten, können Tannenknospen gegeben werden. Die Knospen fördern die Einlagerung von Calcium in den Knochen und finden daher Verwendung bei Osteoporose. Die Tanne ist auch dann ideal, wenn es dem Menschen an Standhaftigkeit und Sicherheit fehlt und daran können wir erkennen, dass auch der Mensch und seine Signaturen – Zeichen – seine Geschichte wichtig sind.

So sollte bei der Wahl der Pflanzen eben nicht nur die Signatur der Pflanze entscheidend sein. Auch Verletzungen und die Menschen haben ihre Handschrift. Eine Verletzung und Krankheit zwingt den Menschen zum Innehalten und damit im Idealfall zur Wahrnehmung über das hier und jetzt. In der Betrachtung der Signatur gilt es die Pflanze und den Menschen als Ganzes wahrzunehmen. Wir sehen eben nicht nur die Blüte oder den Standort oder beim Menschen die Arthrose oder die Zerrung, sondern die Person, die an den Symptomen leidet und die Teil ihres Lebens sind.

Bei einer Arthrose etwa wird die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Bei Kniearthrosen ist die Fähigkeit sich klein zu machen verloren gegangen sowie jene Standhaft zu sein und für seine Prinzipien und sich selbst einzustehen. Betrifft die Beschwerden die Hand, so fehlt die Möglichkeit anzupacken, etwas zu Formen und zu gestalten. Bei einer Hüftgelenksarthrose ist die Richtung ein Thema, denn durch unsere Hüfte können wir diese ändern und diese Fähigkeit ist bei Arthrosen limitiert. Entsprechend können wir die möglichst passenden Pflanzen für den Menschen auswählen.

Die Fichte sondert bei Verletzungen ihrer äußerst dünnen „Haut“ Harz ab, das die Wunde verschließt und zur Heilung verhilft. Diese Wirkung kommt bei offenen Wunden, aber ganz allgemein von Harzen auch bei der Verletzungen des Bewegungsapparates zum Tragen. Die Aloe Vera zeigt ebenfalls das Bestreben die Wunde zu schließen, wird ein Stück des Blattes abgeschnitten. Der Schachtelhalm mit seiner Struktur signiert das versorgende, nährende und gewebsstärkende Prinzip des Bindegewebes und somit auch die stabilisierende Wirkung in der Funktion auf Regulationsprozesse im interstitiellen System der Grundregulation. Der Bambus wiederum signiert die Bandscheibe und deren Funktion in der Elastizität der Wirbelsäule. Die Wahl der Mittel ist jedenfalls groß und ließe sich noch länger fortsetzen.

Schlussendlich ist die Signatur der Einfluss einer Elementarkraft, nicht die Kraft an und für sich. Das vermittelnde Prinzip der Signatur soll zu den Menschen passen und entsprechend sind die Möglichkeiten sehr breit gefächert. Die Auswahl der Mittel für das Individuum erfordert dabei Betrachtung und Wahrnehmung und signiert die faszinierende Fähigkeit der Pflanzen über das Physische hinaus zu wirken.

Text zur Verfügung gestellt von
Mag.a pharm. Dr. Gabriele Kerber-Baumgartner
www.apotheke-hofwiese.at