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Ostern im Fokus der Tradition

Zu Ostern begehen wir christliche Feiertage, die auf ein heidnisches Fest zurückgehen, das bunt und üppig das Ende der dunklen Jahreszeit feierte. Durch die länger werdenden Tage erwacht die Natur, Knospen, Blätter und Blumen sprießen, alle Zeichen der Fruchtbarkeit. Die Symbolik greift diese Themen auf, welche die Osterzeit begleiten, beginnend mit dem Osterhasen, über die bunte Eier bis hin zum Osterschinken. Diese Bräuche sind teilweise bereits Jahrtausende alt.

Der Ursprung des Wortes „Ostern“ ist nicht geklärt. Naheliegend scheint die Verknüpfung mit der Himmelsrichtung „Osten“, die bildlich für Morgenröte und Wiedergeburt steht. Der Bezug zu Ostara, einer umstrittenen, germanischen Göttin der Fruchtbarkeit und des Frühlings, wird überlegt. In anderen Sprachen weist das Wort „pascha“ auf das hebräische Pessachfest hin, das den Auszug der Juden aus Ägypten feiert und somit ebenfalls einen Neubeginn darstellt. Ausschweifend gefeiert wurde in vorchristlichen Traditionen jedenfalls das Wiedererwachen der Natur, die Wiederkehr des Frühlings und das Wiedererstarken der Fertilität meist zur Frühlingstagnachtgleiche. Dieses Fest war der Höhepunkt der Herrschaft der keltischen Göttin Brigit und ihres Götterbärs. Sie zogen durch die Natur und überall, wo ihre Füße den Boden berührten, sprossen Pflanzen. Viele dieser Gewächse, die den Osterbrauch begleiten, gehen auf germanische Wurzeln zurück.

Der Palmbuschen beinhaltet sieben oder neun Hölzer je nach Region, gebunden aus alten, heiligen, mächtigen Pflanzen, viele dem Saturn signiert wie etwa Buchsbaum, Stechpalme, Wacholder, Eibe, Thuje, Tanne und die mondigen Weidenkätzchen. Auch Haselnuss, Buchenzweige, Efeu oder Erika befinden sich darin. Die Hasel ist eine Pflanze des Merkurs, der Holler verbindet mit Anderswelten. Als Strauß gebunden oder auf einem Haselholz oder Hollerast befestigt, werden die Buschen am Palmsonntag geweiht, um der Abwehr von Dämonen, Hexen, Pest oder vor Blitz zu schützen, danach auf dem Feld oder im Garten aufgestellt. Dieser schmucke Besen soll die Ernte sichern und zu Kindersegen führen. Die Palme, von der sich der Name ableitet, war schon im Altertum eine geehrte Pflanze; Siegreiche wurden damit geschmückt.

Der christliche Osterfestkreis beginnt mit dem Aschermittwoch und endet traditionell mit Pfingsten. Zu Ostern wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert und gilt in den christlich geprägten Religionen als wichtigstes Fest des Jahres. Die bei uns bekanntesten Ostersymbole wie der Palmbuschen, der Osterhase oder die Eier sind keltisch inspiriert und bereiten uns im Grunde schon auf den Wonnemonat Mai vor.

Der Hase oder besser gesagt das Kaninchen ist ein sich leicht vermehrendes Tier und bringt jede Menge Kinder in die Welt. Das Langohr war auch Begleiter der Göttin Ostara und ein Symbol der Fruchtbarkeit. Dass der Hase bald bunte Eier brachte und heute auch Geschenke, ist verständlich. Die Menschen gestalteten daher Nester und später Körbe, die mit Schleifen und Bändern geschmückt wurden.

Die Eier wurden schon bei den Griechen und Ägyptern als Sinnbild der Potenz verehrt und in Tempeln aufgehängt. Nach dem Winter fangen Hühner zum Eierlegen an, ein Zeichen für die Wiederkehr des Frühlings. In der Fastenzeit galten Eier als flüssiges Fleisch und durften nicht verzehrt werden; es war daher zweckdienlich sie am Ende der Fastenzeit zu essen. Da Hühner früher draußen herumlaufen durften, mussten die Eier gesucht werden. Vermutet wird, dass Menschen die Eier versteckten, da das Eierschenken von der Kirche verboten war. Der Brauch die Eier zu färben und zu bemalen geht wohl in das 13. Jh. zurück. Bis ins 20. Jh. waren die meisten Ostereier rot – als Farbe der Fertilität. Dann zog die Vielfalt ein, manchmal erweitert um die Farbe Violett – als Farbe der Buße, andernorts wird besonders heute das ganze Farbspektrum genutzt.

Das Lamm galt den Juden als Opfertier und wurde während des Pessachfests gegessen. Im Christentum wurde das Lamm mit Jesus gleichgestellt, die Opfergabe mit dem Opfer Jesu – ein wichtiges Symbol der Auferstehung. Hase, Eier, Lämmchen erhalten wir heute in Schokolade oder gebacken und oft reich verziert. Die Schokoladenvielfalt ließ sich zusätzlich um Schmetterlinge, Marienkäfer und Frühblüher erweitern – alles farbenprächtige Bilder des Frühlings.

Die Osterbrote wiederum haben ihre Wurzeln in Ägypten und Griechenland: Die Backwaren galten als Insignie der Ehre für die Göttinnen. Bei den Hellenen war Brot Luxus und durfte nur an hohen Feiertagen gegessen werden. Bis heute werden die Wecken mit edlen Zutaten wie Butter, Eiern, Safran, Honig und Nüssen gebacken. Im Mittelalter war dieses Brot die erste Speise, die höhere Mengen an Kalorien enthielt; sie wurde vor allem Patenkindern geschenkt und auch entsprechend geschätzt.

Als traditionelle Osterspeise gilt meist der geweihte Osterschinken. Die „Weichfleischjause“ besteht aus: Schinken – für das Glück, alternativ oder zusätzlich der Rindszunge – gegen schlechte Worte, Krenn – zum Schutz gegen Schlangen, Eiern – für reichliche Fortpflanzung, Salz – als Erde und schließlich Brot – für Jesus Christus.

Das traditionelle Osterfeuer mit Wärme und Licht dient dem Austreiben des Winters. Das Feuer, schon seit jeher heilig, wurde geschützt und signiert die Sonne mit ihrer Kraft. Dieser Brauch, seit dem 16 Jh. belegt, wurde jedoch schon in heidnischen Traditionen gepflegt. Entzündet wird dieses Licht in den Abendstunden des Karsamstags. Familien, Freunde und Nachbarn versammeln sich um die Flammen, feiern das Ende des Fastens und den Beginn der warmen Jahreszeit.

Heute verändern sich die Bräuche. Anstelle des Fastens im Sinne des Katechismus wird auf Fleisch, Süßes, Alkohol oder auf neue Medien verzichtet. Der traditionelle Gang in die Frühmesse des Sonntags wird durch ein ausgiebiges, spätes Frühstück ersetzt. Dabei werden jedoch in den meisten Familien Osterbrot und bunte Eier serviert. Anschließend folgt die Suche nach vielen kolorierten Süßigkeiten und Geschenken im erwachenden Garten. Fast schon so wie vor vielen hunderten Jahren.

Text zur Verfügung gestellt von
Mag.a pharm. Dr. Gabriele Kerber-Baumgartner
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