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Giftiges aus der heilsamen Natur

Das Wort Gift leitet sich aus dem althochdeutschen für „Gabe, Geschenk“ ab, wie man am engl. gift „Geschenk“ noch gut erkennen kann. In unserem Sprachraum ist der Ursprung belegt durch das Wort Mitgift „das der Braut in die Ehe Mitgegebene“. Der Begriff Toxin stammt aus dem griechischen für τοξικος (toxikós) „zu Pfeil und Bogen gehörend“ bzw. zu τοξον (tóxon) „Bogen, Pfeil“. Die häufigste Interpretation ist, dass die Naturvölker Pfeile vergifteten. Aus der griechischen Mythologie und Symbolik ist jedoch die Zugehörigkeit zum Mars ausschlaggebend, der die Richtung vorgibt. Ein Toxin gibt also eine Richtung vor, im Zweifel auch Richtung Tod.

Pflanzen produzieren chemische Verbindungen, die in den Organismus bei Mensch und Tier eingreifen und dort eine Wirkung entfalten können. Diese Inhaltsstoffe ermöglichen die Verwendung als Gewürz und Aromastoff, als Arznei- und Gesundheitsmittel. Manche können jedoch zu unerwünschten Reaktionen führen. Der Übergang ist fließend etwa vom Gewürz zum Arzneimittel bei Thymian oder Fenchel oder vom Arzneimittel zum Mordinstrument wie bei Aloe, Mohn oder Fingerhut. Entsprechend gilt der von Paracelsus geprägte Spruch „Was ist, das nicht Gift ist, alle Dinge sind Gift und nichts ohne“. Verkürzt und wesentlich bekannter klingt das dann als: „Nur die Dosis macht das Gift“. Zu bedenken hierbei ist, dass aufgrund des Standortes, unterschiedlicher Arten oder anderen Umweltbedingungen Schwankungen im Wirkstoffgehalt vorliegen können.

Nicht überall sind die Angaben zu der Giftigkeit einer Pflanze vergleichbar. Erdrauch etwa gilt da und dort als giftig und unterliegt deswegen sogar der Rezeptpflicht, andere Literaturstellen sehen dies weniger problematisch. Die Kuhschelle (Pulsatilla) gilt allgemein als giftig, ist jedoch als Tinktur erhältlich, der Huflattich oder der Beinwell sind erst giftig geworden, seid die Pyrrolizidinalkaloide bekannt sind und diesen eine Lebertoxizität nachgewiesen wurde. Die Blätter des letzteren werden durchaus als Frühlingsgemüse gegessen.

Die Traditionelle Medizin spricht heutzutage aufgrund der negativen Belastung des Wortes Gift von stark und schwach wirksamen Pflanzen. Das ermöglicht auch, dass eine Pflanze bei einer Person stark wirkt, bei anderen nicht. Dabei ist die Stärke der Wirkung insbesondere im Hinblick auf das Individuum zu betrachten. Bei einem Menschen kann die Tinktur der Kuhschelle gerade passend sein, während sie beim anderen zu stark wirkt und unerwünschte Reaktionen auslöst. Die Nutzung von solchen eben giftigen Pflanzen, kann jedenfalls reizvoll sein, manchmal ist sie gut etabliert. Arnika hat sich als Mittel bei Traumata bewährt, Huflattich wird volksheilkundlich bei Husten verwendet und Präparate aus dem Efeu werden in jeder Apotheke verkauft. Stärkere wie Tollkirsche oder Eisenkraut sollten unbedingt verdünnt angewendet werden, damit sie die erwünschte Wirkung ohne unangenehme Folgen entfalten können.

Die Verdünnung erfolgt dabei in homöopathischen Verdünnungsschritten. Für eine D-Potenz wird hierfür 1 ml der Tinktur auf 10 ml mit Alkohol verdünnt und potenziert, um anschließend daraus 1 ml zu entnehmen und abermals auf 10 ml verdünnt weiter zu verschütten. Der Nachteil dieser Methode ist, dass man viele Fläschchen erhält. Die erhaltenen Potenzen können auch auf Neutralglobuli aufgezogen werden. Traditionell erfolgt die Anwendung mit D4-D6 Potenzen, auch höhere D-Potenzen oder gar C-Potenzen sind möglich. Orientieren kann man sich gut nach den Vorgaben, die in der Homöopathie empfohlen werden. Auch Lehrbücher der traditionellen Medizin, die auf die Konstitution eingehen, können hier eine Hilfestellung bieten.

Die Verwendung von giftigen Pflanzen und Mitteln hat eine sehr lange Tradition. Wie für alle Anwendungen sollte die Nutzung mit Bedacht erfolgen, nur solche Pflanzen genutzt werden die einwandfrei identifizierbar sind und natürlich muss das Wissen zur Verarbeitung vorhanden sein. Mit entsprechender Vorsicht und Verdünnung kann mit diesen Gaben und Geschenken der Natur der Schatz an nutzbaren Pflanzen um einige erweitert werden.

In diesem Blogbeitrag wird die Nutzung von giftigen Pflanzen vorgestellt. Eine mögliche Verarbeitung oder Verwendung erfolgt auf eigenes Risiko. Weder der Autor noch der Verein sind für auftretende Schäden verantwortlich.

Blogtext © Gabriele Kerber-Baumgartner.

Das sagen unsere Mitglieder

Mag. Dr. Michaela Noseck-Licul

"Der TEM-Fachverein hat sich unter anderem zwei Dinge zum Ziel gesetzt, die mir sehr wichtig sind. Zum einen geht es darum, überliefertes Wissen für heutige Bedürfnisse zu nutzen und dabei die Zusammenarbeit mit der modernen Medizin zu suchen. Zum anderen soll die Gesundheitskompetenz der Menschen gefördert werden, in dem Wissen um die gesundheitsförderlichen Aspekte der TEM vermittelt wird. Das ist auch mir ein Anliegen, daher unterstütze ich den Verein."

Dr.med.Gerhard Kögler

"Traditionelle Medizin weltweit ist eine Möglichkeit, in einer Welt, die zusammenwächst, Gesundheit für alle Menschen zu ermöglichen. Dies wird in einer integrativen Form stattfinden, konventionelle Medizin zusammen mit traditioneller Medizin. Dieser Verein, bei dem ich Mitglied bin, soll diesen Prozess unterstützen."