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Depressionen und die Traditionelle Europäische Medizin (TEM)

Burnout und depressive Reaktionen haben sich zu einer der häufigsten Zivilisationserkran-kungen entwickelt. Gerne würde man den Schwarzen Peter rasch den Betroffenen in die Schuhe schieben. Die Analysen und Ratschläge reichen von zu viel Arbeit, selbstgemachter Stress, zu wenig Urlaub, schlechte Arbeitsbedingungen bis hin zu den natürlich oft vorhan-denen traurigen familiären Verhältnissen. Aber wie bei anderen Zivilisationskrankheiten haben auch die Depressionen Ausmaße erreicht, dass man sich schon fragen muss: Wel-chen Traum träumt unsere Gesellschaft, dass wir so viele Depressionen und Burnout ha-ben?

Damit sind wir an einem Punkt angelangt, bei dem die Philosophie der Gesellschaft als Ganzes ins Spiel kommt; das Spannungsfeld der Philosophie des Einzelnen und der Philo-sophie der Gemeinschaft. Doch darauf möchte ich erst später eingehen.

Zuerst darf ich mir einen kleinen Abstecher in die moderne Stress- und Gehirnforschung erlauben. Für den Umstand, ob wir mit einer resilienten oder vulnerablen Stressachse durchs Leben gehen, zeichnet zwei Hauptfaktoren verantwortlich: die Epigenetik und die Umwelt. Erstere stellen die vererbten epigenetischen Muster der Großeltern, aber vor al-lem der Eltern dar. Ein Trauma, dass die Mutter selbst in ihrer Jugend erlebt hat, wird an das Kind epigenetisch vererbt. Die Umwelt wiederrum ist in zwei wichtigen Phasen der Ver-letzlichkeit, nämlich der Schwangerschaft und der ersten drei Jahre der Kindheit, von gro-ßer Bedeutung und hinterlässt ebenfalls ein epigenetisches Muster. Mit solch einer starken oder geschwächten Stressachse gehen wir dann durch das Leben. Leider ist unsere Stressachse kognitiven Ansätzen kaum zugänglich und nun können wir uns das erste Mal fragen, ob die Traditionelle Medizin hier mögliche Ansätze kennt.

Nachdem oft das Stressberuhigungssystem nicht funktioniert und die basale Belastung beim Stress die Angst darstellt, gilt es, diese zu reduzieren. Ein möglicher Weg führt über die Atmung, die Atemmeditation. Dabei wird der Vagus aktiviert und trainiert und wirkt so wie ein Bremspedal auf Stress und Angst. Eine weitere Möglichkeit besteht im Lebenszyk-lus der 5 Elemente aus der TEM, den ich schon in meinem Artikel zur Menopause – Andropause beschrieben habe. Patienten jeder Altersgruppe können sich damit wieder finden und Orientierung im Leben entsteht. Zusätzlich schreibt dieser natürliche Lebens-zyklus auch einen möglichen Sinn in unserem Leben, der laut Viktor Frankl maßgeblich für die Überwindung von Krisen ist. Die dritte unterstützende Maßnahme ist die Arbeit mit Trancen oder Spirit Reisen. Diese können mit vorgegebenen Bildern oder auch komplett geführt erfolgen. Besonders bewährt hat sich aus meiner Sicht die Klangliege, bei der die Patienten in ihrer Trance alleine ihre Bilder erleben dürfen.

Wenn man Kundige aus der traditionellen Medizin fragt, warum es so viele Depressionen gibt, dann beschreiben sie den Menschen aus vier Teilen bestehend: den körperlichen, den denkenden, den emotionalen und den spirituellen Anteil. Früher haben Menschen hart ge-arbeitet und viel gebetet. Heute arbeiten wir mit dem Gehirn und sind in Emotionen gefan-gen. Der Rat der Kundigen besteht darin, den spirituellen Anteil wieder zu erhöhen, der in der traditionellen Medizin eben aus Ritualen und Spirit Reisen besteht. Dieser Ansatz ist an keine Religion gebunden und daher auch global anwendbar.

Wie wir aus der modernen Stressforschung wissen, sind Emotionen durch aus physischer, materieller Natur. Wir wissen, wo sie lokalisiert sind und welche Substanzen eine Rolle spielen. Es macht daher durchaus für uns Ärzte Sinn, auch Substanzen einzusetzen und hier finden wir in der TEM einen großen Schatz an Heilpflanzen: Passionsblume, Johannes-kraut, Hafer, Melisse, Engelwurz, Baldrian, Hopfen, Bilsenkraut und viele andere. Eine be-sondere Stärke in der traditionellen Medizin besteht aber in deren Möglichkeit, eine relativ genaue Konstitutionsbestimmung durchzuführen. Auf Basis dieser kann dann eine be-stimmt Kombination aus Heilpflanzen und Metallen verschrieben werden, die die Patienten in ihrer Individualität kräftigt und damit auch zum Heilungsprozess beiträgt.

Aber es gibt noch andere wichtige Aspekte aus der Stressforschung, auf die ich näher eingehen möchte. Man hat erkannt, dass es in unserer modernen Welt, meistens auf Grund von Schwermetallen und Chemikalien, zu einer vermehrten chronischen Entzündung im Körper kommt. Man nennt dies Silent Inflammation und sehr oft sitzen solche Entzün-dungen im Magen-Darm Trakt. Diese torpedieren nun konstant und chronisch unser Stresszentrum auf zwei Wegen: erstens über die afferenten Fasern des Vagus und zwei-tens über Cytokine, wie z.B. IL-6 und TNF-alpha. Dies führt zu einem Circulus Vitiosus im Stressgeschehen und vermindert dadurch unsere Fähigkeit, auf normale Stressoren adä-quat zu reagieren. Hier gilt es nun, den Toxinload zu reduzieren, Toxine möglichst auszulei-ten und Entzündungen insgesamt zu vermindern. Auch auf diesem Gebiet hat die TEM mit verschiedenen Wurzelkombinationen, Tees und Tinkturen bzw. entsprechend adaptierter Ernährung gute Möglichkeiten. Ich darf an dieser Stelle besonders an den Bitterstoffanteil in unserer Ernährung erinnern.

Hier möchte ich auch an die neuesten Forschungen auf dem Gebiet Mikrobiom-Hirn hinwei-sen. Man hat gefunden, dass eine Veränderung im Mikrobiom unser soziales Verhalten verändert. Durch Schädigung des Mikrobioms durch z.B. Antibiotika, fleischreiche Kost, Fastfood und anderes kann es dazu kommen, dass wir aggressiver und depressiver wer-den. In der TEM haben wir eben über die Ernährung und Heilpflanzen die Möglichkeit, un-ser Mikrobiom täglich zu pflegen.

Als ich die beiden chinesischen TCM Ärztinnen in unserem Zentrum im Rahmen der Re-cherchen zu meinem Buch „Burnout“ fragte, warum es aus ihrer Sicht heute so viele de-pressive Menschen gäbe, meinten sie ganz lapidar, weil heute die Organe der Menschen viel schwächer seien, als noch für 100 Jahren. Dieselbe Sichtweise gilt auch für die TEM. Manche Wissenschaftler sagen, dass das Leaky Gut Syndrom die Erkrankung des nächsten Jahrtausends darstellt. In Folge der chronischen Entzündung im Dünndarm und der damit verbundenen Schwächung der Tight-Junction kommt es zu einer chronischen Belastung im Pfortadersystem und damit der Leber. Diese ist damit das erste Organ, welches auf die-sem Wege geschädigt wird und ist in der traditionellen Medizin mit gewissen negativen Emotionen verknüpft. Auch hier gibt es gute Möglichkeiten, mit Heilpflanzen die Leber und nachfolgende Organe zu stärken.

Ein letztes Wort noch zu den Toxinen. Die chronische Toxinbelastung wirkt nicht nur indi-rekt über den Dünndarm auf unser Stresszentrum, sondern auch direkt, wie z.B. Xylol, Aluminium, Quecksilber, um nur wenige zu nennen. Wenn z.B. Organe durchschnittlich 1 ½ Jahre brauchen, um Quecksilber wieder auszuscheiden, braucht das Gehirn ca. 15 Jahre. Es stellt somit ein Endlager für Quecksilber dar und auch das darf man bei der hohen Rate an Depressionen und anderen mentalen Erkrankungen nicht vergessen. Und wiederrum gibt es auch hier Ansätze aus der TEM, um solche Entgiftungsprozesse zu beschleunigen.

Auf das Thema Bewegung möchte ich aus Platzmangel nicht eingehen; nur so viel, dass die Muskelmasse des Körpers wesentlich für den Entzündungsgrad ist, wie man an Mes-sungen von IL-6 und TNF-alpha sehen konnte. Auch nicht unerwähnt möchte ich die japa-nische Waldtherapie lassen, die eine deutliche Reduktion von Stresshormonen zeigt.

Damit komme ich zum Schluss und gleichzeitig wieder zum Anfang. Ja, die TEM bietet eine Reihe von hervorragenden zusätzlichen Behandlungsoptionen. Wir sind damit als Ärzte nicht nur auf Antidepressiva und Tranquilizer angewiesen. Doch das zentrale Element ist und bleibt der Patient selbst. Wenn die Philosophie der Gesellschaft in zunehmender Ver-armung an gesunder Ernährung und Bewegung und in sich weltweit verschlechternden Umweltbedingungen mündet, sollte die Philosophie der Betroffenen in Form einer kleinen Rebellion aus dieser Krise hervorgehen.

Autorin und ©: Dr. med. univ. Gerhard Kögler, Arzt für Allgemeinmedizin, Spezialgebiet TCM, TEM und Hypnose-Trance, www.lifeagents.at

Das sagen unsere Mitglieder

Mag. Dr. Michaela Noseck-Licul

"Der TEM-Fachverein hat sich unter anderem zwei Dinge zum Ziel gesetzt, die mir sehr wichtig sind. Zum einen geht es darum, überliefertes Wissen für heutige Bedürfnisse zu nutzen und dabei die Zusammenarbeit mit der modernen Medizin zu suchen. Zum anderen soll die Gesundheitskompetenz der Menschen gefördert werden, in dem Wissen um die gesundheitsförderlichen Aspekte der TEM vermittelt wird. Das ist auch mir ein Anliegen, daher unterstütze ich den Verein."

Dr.med.Gerhard Kögler

"Traditionelle Medizin weltweit ist eine Möglichkeit, in einer Welt, die zusammenwächst, Gesundheit für alle Menschen zu ermöglichen. Dies wird in einer integrativen Form stattfinden, konventionelle Medizin zusammen mit traditioneller Medizin. Dieser Verein, bei dem ich Mitglied bin, soll diesen Prozess unterstützen."