Arzneizubereitungen haben eine lange Tradition in der Geschichte der Pharmazie und dem
Apothekenwesen. Früher wurden defakto alle Spezialitäten in den Apotheken selbst gefertigt, die Rezepte dafür waren geheim oder sogar patentiert. Zunehmend wurden diese Hausspezialitäten durch moderne, standardisierbare Arzneiformen verdrängt. Individuelle Mischungen oder Zubereitungen, welche die Marke der Apotheke unterstützen, sind jedoch wieder gefragt.
In diesem Seminar widmen wir uns auch der alten Kunst der Arzneibereitung, die den Ursprung der Apothekerkunst bildet und seit Jahrhunderten praktiziert wird – Der Spagyrik. Wir werden bekannte Heilpflanzen neu wahrnehmen, ihre Kräfte und Signaturen kennenlernen und verstehen, wie daraus wirksame Zubereitungen entstehen. Dabei wird die Erinnerung an das, was früher selbstverständlich in der Apotheke war, wieder wachgerufen. Der Weg von der Pflanze zur Präparation wird als Prozess des Aufschließens und Veredelns erfahrbar. Die Teilnehmer*innen lernen verschiedene Präparationswege kennen – wie eine Pflanze calciniert wird, welches Menstruum geeignet ist und wie aus den Grundsubstanzen Tinkturen, Essenzen oder edle Balsame gewonnen werden.
Wir knüpfen an das alte Wissen der Spagyrik an, das von Reinigung, Trennung und Wiedervereinigung spricht. Durch Destillation, Verreibung und Calcination werden Pflanzen und Harze in ihren wesentlichen Anteilen erschlossen und in wirksame Zubereitungen überführt. Heute erlebt diese Kunst eine Wiederentdeckung: Individuelle Mischungen, Salben, Essenzen oder Heilweine werden neu geschätzt, weil sie spürbar mit handwerklicher Sorgfalt und innerer Haltung verbunden sind und jeder Apotheke ihre unverwechselbare Handschrift verleihen. Im Seminar wird praktisch gearbeitet, beobachtet, gerochen, gemischt und destilliert. Die Grundlagen der alten Apothekerpraxis, wie sie in der Spagyrik vermittelt werden, werden erklärt und erlebbar gemacht, sodass die Teilnehmer*innen die Tradition nachvollziehen und für die eigene Arbeit nutzen können.

