Monat: Dezember 2024

  • Weihrauch und Harze

    Weihrauch und Harze

    Ein naturphilosophischer Text im Sinne der traditionell europäischen Medizin über den Weihrauch und andere edle Harze sowie die kommende Weihnachts- & Rauhnachtszeit – künstlerisch verfasst, bebildert und zur Verfügung gestellt von unseren geschätzten neuen Fachvereinsmitgliedern, den Gebrüdern Stefan & Thomas Wiesinger, welche sich neben der spagyrischen Handwerkskunst in authentisch paracelsischer Tradition auf den Handel mit erlesenen Harzen für die traditionell europäische Medizin spezialisiert haben.

    Weihrauch, auch als Olibanum bekannt, ist ein Harz, das aus den Bäumen der Gattung Boswellia gewonnen wird. Seit Jahrtausenden spielt es eine bedeutende Rolle in verschiedenen Kulturen und Religionen. Die ältesten Aufzeichnungen über Weihrauch stammen aus dem antiken Ägypten, wo es für religiöse Zeremonien und zur Einbalsamierung verwendet wurde. Harze werden, genau wie ätherische Öle, generell dem sulphurischen Spektrum zugeordnet und können innerhalb dieses Spektrums weiter kategorisiert werden. Weihrauch hat eine solare Signatur, Myrrhe wird dem Mond zugeordnet.

    Royal-Hojari-Weihrauch

    Boswellia sacra – Royal Hojari – Weihrauch aus dem Oman
    Der teuerste Weihrauch der Welt. Charakteristisch ist seine Grünfärbung, welche jedoch nur die erste Wahl besitzt. Hervorragende Qualität wird jedoch die ganze Erntesaison über produziert, was sich in vier Hauptgradierungen zeigt: Royal Hojari – beste Qualität, grüne Farbe, feiner, zitroniger Duft. Superior Hojari – 2. Qualität: keine Verunreinigung, jedoch meist ohne grüne Farbe, eher gelblich, weiß, amberfarben. Roter Hojari – 3. Qualität: Amberfarben, gelb, weiß oder auch rötlich. Der Duft wird schwerer, erdiger. Bei den späteren Ernten merkt man stark das Verschwinden dieser feinen Leichtigkeit, die den Royal Hojari charakterisiert. Brauner Hojari – 4. Qualität: Eher dunkel, braun. Intensiver, schwerer Weihrauch Geruch.

    Wer Weihrauch aufgrund seiner antientzündlichen Eigenschaften kauen möchte, sollte jedoch einen Weihrauch wählen, der einen niedrigeren Anteil an Gummen besitzt. Diese werden sonst vom Speichel aufgelöst und der Weihrauch klebt in den Zähnen.

    Maydi-Mushaad-Weihrauch

    Der Maydi Mushaad, botanisch Boswellia frereana, hat kaum bis keine Gummen und ist der Kauhweihrauch par excellence. Man kann ihn stundenlang kauen und er bietet bis zuletzt ein perfektes Kauerlebnis. Nicht umsonst ist der Maydi als Königsweihrauch bekannt. Verräuchert zerfließt er auf der Kohle vollständig. Also Achtung: Auf einem Stövchen sollte statt dem Räuchersieb eine Räucherplatte verwendet werden, damit das zerfließende Harz nicht in das Teelicht tropft.
    Aufgrund dieser Qualität eignet er sich ideal, um Ölauszüge herzustellen. Wird die gleiche Menge Harz von Boswellia sacra und frereana in bestem Olivenöl gekocht, bleiben vom Boswellia sacra die Gummen im Filterrückstand und eine kleine aber feine Menge des ätherischen Öls veredeln das Trägeröl. Der Königsweihrauch hingegen gibt sich dem Menstruum vollständig hin und erhöht die Ölmenge um sein eigenes Volumen! Eine bemerkenswerte Eigenschaft, die ihn prädestiniert in einer edlen Ölzubereitung wie
    dem Paracelsischen Harzbalsam Anwendung zu finden.

    Der Paracelsische Harzbalsam macht steife Gelenke mobil, nimmt den Schmerz und die Hitze von Entzündungen. Knie- und Rückenschmerzen verschwinden durch ihn oft über Nacht. Alle Arten von Myrrhen und Weihrauchsorten sowie lokale Harze wie Fichte, Lärche, Kiefer und andere finden Verwendung. Der Paracelsische Harzbalsam ist eine jener Präparationen, welche im Rahmen der speziellen TEM-Fortbildungen mit Peter Hochmeier erlernt werden können. Im Zuge der Substanz- und Signaturkunde werden die Eigenschaften und Qualitäten der Harze beleuchtet, und mit fortschreitendem Verständnis wird klar, warum man sie in den Rauhnächten verräuchert.

    Die Rauhnächte beginnen um Mitternacht des 24. Dezember und dauern bis 5. Jänner. In dieser Zeit herrscht Dunkelheit und es liegt nunmehr am Menschen selbst, Licht in die Welt zu bringen. Um böse Geister und Dämonen daran zu hindern die Herrschaft zu übernehmen, räuchern die Menschen und zünden Lichter an.
    Je solarer, also der Sonne verwandter, eine Substanz ist, desto mehr bietet sie die Möglichkeit die Dunkelheit zu Durchlichten. Der Weihrauch mit seinem starken Sulphur, seiner solaren Energie und seiner Veranlagung
    zu Reinigung und Klärung machen ihn als Grundzutat in jeder Art von Räuchermischung ideal.
    Die Stechpalme als lichtbringende Ergänzung zum Weihrauch hat eine tiefe Symbolik die letztlich in der Entstehung des Weihnachtsmann-Mythos mündet. Mit der Stechpalme wurden früher die Kamine geputzt. Der verrußte, dunkle Kamin steht für die dunkelste Jahreszeit. Die roten Beeren symbolisieren das aufkeimende Licht eines neuen Zyklus. Der Weihnachtsmann kommt mit neuem Licht und neuen Geschenken den Kamin herab und bringt gute Gaben für die von der Dunkelheit gebeutelten Menschen. Ein Geschenk der Natur an den Menschen in der 5-elementaren Natur welcher sieht: Es geht weiter. Es beginnt von neuem. Es kommt neues Licht!

    Eine große Auswahl an Weihrauch und erlesenen Harzen, welche heilsam durch die Rauhnächte ins neue Jahr begleiten können, finden interessierte TEM-Mitglieder auf unserer Website www.purusha-versand.de. Bei Interesse nach größeren Mengen für Institute, Apotheken o.a. senden Sie uns bitte eine Anfrage an: o?ce@purusha-versand.de. Wir wünschen Ihnen mit diesen Zeilen ein schönes Weihnachtsfest, Alles Gute sowie eine wunderbare Rauhnachtszeit im Sinne der traditionellen europäischen Medizin!

    Text & Bild: Gebrüder Stefan & Thomas Wiesinger (www.purusha-versand.de)

  • Vergiß die Rose nicht – Hinzelmeier

    Vergiß die Rose nicht – Hinzelmeier

    Teil 1

    Mit dem ersten Teil des Erwachsenen Märchens von Theodor Storm „Vergiß die Rose nicht – Hinzelmeier“ möchte der TEM Fachverein die Reise ins Neue Jahr 2025 begleiten, in den weiteren Newslettern folgt die Fortsetzung. Der TEM Fachverein bedankt sich herzlichst bei Philipp Mairchzack für die erstmalige, digitale Bereitstellung dieses wunderbaren Märchens.

    Die weisse Wand

    In einem alten weitlaeufigen Hause wohnten Herr Hinzelmeier und die schoene Frau Abel: sie waren nun schon ins zwoelfte Jahr verheiratet, ja die Leute in der Stadt zaehlten ihnen nach, dass sie zusammen schon fast an die achtzig Jahre auf dem Nacken haetten und noch immer waren sie jung und schoen und hatten?weder ein Faeltchen vor der Stirn, noch ein Hahnepfoetchen unter den Augen. Dass dies nicht mit rechten Dingen zugehe, war nun freilich klar genug und wenn die Hinzelmeierschen aufs Tapet kamen, so tranken die Stadtkaffeetanten drei Naepfchen mehr als am ersten Ostersonntagnachmittage. Die Eine sagte: „Sie haben einen Jungbrunnen im Hofe!“ Die Andere sagte: „Es ist eine Jungfernmuehle!“ Die Dritte sagte: „Ihr Bube, das Hinzelmeierlein, ist mit einer Glueckshaube auf die Welt gekommen und nun tragen die Alten sie wechselweise, Nacht um Nacht!“ Das kleine Hinzelmeierlein dachte nun freilich nicht dergleichen; es kam?ihm im Gegenteil ganz natuerlich vor, dass seine Eltern immer jung und schoen waren; aber gleichwohl bekam auch er sein Nuesschen, das er vergeblich zu knacken suchte.

    Eines Herbstnachmittags, da es schon gegen das Zwielicht ging, sass er in dem langen Korridor des oberen Stockwerks und spielte Einsiedler; denn weil die silbergraue Katze, welche sonst bei ihm zur Schule ging, eben in den Garten hinabgeschlichen war, um nach den Buchfinken zu sehen, so hatte er mit dem Professorspiel fuer heute aufhoeren muessen. Er sass nun als Einsiedler in einem Winkel und dachte sich Allerhand, wohin wohl die Voegel floegen und wie die Welt draussen wohl aussehen moege und noch viel Tiefsinnigeres; denn er wollte der Katze darueber auf den andern Tag einen Vortrag halten—als er seine Mutter, die schoene Frau Abel, an sich voruebergehen sah. „Heisa, Mutter!“ rief er; aber sie hörte ihn, sondern ging mit raschen Schritten an das Ende des Korridors; hier blieb sie stehen und schlug mit dem Schnupftuch dreimal gegen die weisse Wand. —Hinzelmeier zaehlte in Gedanken „eins“—„zwei“ und kaum?hatte er „drei“ gezaehlt, als er die Wand sich lautlos oeffnen und seine Mutter dadurch verschwinden sah; kaum konnte der Zipfel des Schnupftuches noch mit hindurchschluepfen, so ging alles mit einem leisen Klapp?wieder zusammen und der Einsiedler dachte nun auch noch darueber nach, wohin doch wohl seine Mutter?durch die Wand gegangen sei. Darueber ward es allmaehlich dunkler und das Daemmern in seinem Winkel?war schon so gross geworden, dass es ihn ganz verschlungen hatte, da machte es, wie zuvor, einen leisen Klapp, und die schoene Frau Abel trat aus der Wand wieder in den Korridor hinein. Ein Rosenduft schlug dem Knaben entgegen, wie sie an ihm vorueberstrich. „Mutter, Mutter!“, rief er; aber er hielt sie nicht zurueck; er hoerte, wie sie die Treppe hinab und in das Zimmer des Vaters ging. Wo er am Vormittag sein Schaukelpferdan den messingenen Ofenknopf gebunden hatte. Nun hielt es ihn nicht laenger, er sprang durch den Korridor und ritt wie der Wind das Treppengelaender hinab. Als er ins Zimmer trat, war es voller Rosenduft und es schien ihm fast, als waere seine Mutter selber eine Rose, so leuchtend war ihr Antlitz. Hinzelmeier wurde ganz nachdenklich.

    „Liebe Mutter“, sagte er endlich, „weshalb gehst du denn immer durch die Wand“ Und als Frau Abel hierauf verstummte, sagte der Vater: „Ei nun, mein Sohn, weil die anderen Leute?immer durch die Tuer gehen.“

    Das war dem Hinzelmeier schon einleuchtend; bald aber wollte er mehr erfahren.„Wohin gehst du denn, wenn du durch die Wand gehst?“, fragte er weiter, „und wo sind die Rosen?“ Aber ehe er sich’s versah, hatte der Vater ihn kopfueber aufs Schaukelpferd gestuelpt und die Mutter sang das schoene Lied:
    „Hatto von Mainz und Poppo von Trier“
    Ritten zusammen aus Luenebier;“
    Hatto hott hott! immer im Trott!
    Poppo hopp hopp! immer Galopp!
    Eins, zwei, drei!
    Zelle vorbei;
    Eins, zwei, drei, vier!
    Nun sind wir schon hier.“

    „Bind es los! bind es los!“ rief Hinzelmeier; und der Vater band das Roesslein vom Ofenknopf und die Mutter sang und der Reiter ritt hopp hinauf und hopp hinab und hatte bald alle Rosen und weissen Waende in der ganzen Welt vergessen.

  • Die Harmonie der Rose

    Die Harmonie der Rose

    Ein naturphilosophischer Text in authentisch paracelsischer Tradition über die Rose als eine der bedeutendsten abendländischen Heilpflanzen im Sinne der Weihnachts- und Rauhnachtszeit – künstlerisch verfasst, bebildert und zur Verfügung gestellt von unserem geschätzten Fachvereinsmitglied Magdalena Machinger.

    Das Jahr liegt in seinen letzten Zügen. Die Schwelle der längsten Nacht ist bald überschritten und die magischen Rauhnächte, die immer auch als Orakel für das kommende Jahr gegolten haben, ziehen uns in ihren Bann.
    Das Hüten des Feuers im Ofen ist heute nicht mehr überlebensnotwendig, aber im übertragenen Sinne ist auch schon immer das innere Feuer damit assoziiert worden.

    Ideen, Wünsche und Vorhaben finden in der dunklen Zeit ihren Nährboden für das Aufkeimen des Neuen im beginnenden nächsten Jahr.
    Eine Rückschau und Reflexion über das Vergehende, ist genauso wichtig wie der Blick nach vorne in das Kommende. Widerstreitende Kräfte können zutage treten, den Organismus schwächen und bei Infektionen sowie der alljährlichen Grippewelle ihren Ausdruck finden.
    Der Wunsch nach Harmonie und Ausgeglichenheit zwischen diesem unsteten Kräftemessen macht sich bemerkbar.

    Die Rose, eine große Verbündete aus dem Pflanzenreich, kann hier Unterstützung geben. Seit jeher steht sie für Harmonie, Anmut und Schönheit.
    Sie ist als „Herzkönigin“ bekannt, was in Bezug zur Gefühlswelt unseres Herzens steht. Schon in Ägypten und bei den Griechen galt sie als Symbol für die Liebe.

    Der Duft der persischen Rose hat die Welt erobert. Ein echtes, reines Rosenöl ist auch heute noch ein kostbares Gut.
    Aber egal in welcher Form, ob als frische oder getrocknete Blüte aus dem Garten, als Öl, Rosenwasser und vieles andere mehr – ihr Duft lässt uns die Sinnlichkeit des Sommers mit all seiner Herzenswärme wahrnehmen.
    In Ägypten war das Öl ein wichtiger Bestandteil der Salböle für Mumien, und Kleopatra wusste damals schon, ihre Weiblichkeit mit dem Duft der Rose zu unterstreichen. Das Rosenwasser oder Rosenhydrolat dient noch heute der Schönheitspflege und hilft bei Hautproblemen.
    In der Antike galt die Rose als Wundheilmittel und fand ihren Weg in die Heilkunde auch bei Nervenleiden, Hysterie, allgemeinen Schwächezuständen und Frauenleiden, wo sie heute noch in der traditionellen europäischen Medizin ihren Platz hat.

    In sämtlichen Mischungen hilft die Rose als Minimal-Zugabe, wie ein Diplomat oder Botschafter, zwischen den einzelnen Zutaten zu vermitteln.
    Sie hat die Kraft, Brücken zu bauen und selbst Unvereinbares zu verbinden.
    Wir können das sehr deutlich an ihrer Signatur erkennen. Die Blüte ist stark venus-signiert, die Dornen und Früchte zeigen den Mars in seinem Element. Schutz und Abwehr sind seine Qualitäten.
    Die Rose vereint das Männliche und Weibliche, Yin und Yang, sowie das statische und kinetische Prinzip. Mit ihrer Hilfe kommt eine Harmonie zustande, die ihresgleichen sucht.
    Nicht gegen etwas zu sein, sondern miteinander zu verbinden, das ist ihre Stärke.

    Kundige der vergangenen Tage haben ihre großen Lebenselixiere nach diesem Vorbild kreiert. Das Verbinden bzw. Ausgleichen von Feuer- und Wasser-Element, wie es die Rose vorzeigt, ist der Schlüssel für ein gesundes, langes Leben.

    Botanisch betrachtet gehört die Rose zur großen Familie der Rosengewächse (Rosaceae), erkennbar unter anderem durch die Fünf-Blättrigkeit. Die Fünf ist auch die Zahl des Menschen auf der Erde und symbolisiert Harmonie an sich.

    Wir finden die Rose zwischen dem 20. und 70. Grad nördlicher Breite vorkommend. Aus dem Orient stammen die duftenden Damascena – und Centifolia Arten; Rosa gallica officinalis, bekannt als Apothekerrose, aus Mittel- und Südeuropa; Rosa canina, die Hundsrose mit ihren wertvollen Hagebutten, ist in Europa und Vorderasien weitverbreitet; Rosa rugosa, die Kartoffelrose hat große, weiche Früchte und kommt ursprünglich aus Ostasien.
    Unzählige Züchtungen und Kreuzungen haben Liebhaber seither hervorgebracht, und sie fehlt in keinem Garten.

    In Kunst und Mythologie sowie im religiösen Kontext hat die Königin der Blumen ihren festen Platz.
    Rosa Mystica war ein anderer Name für Maria und gerade jetzt, kurz vor Heiligabend, ist das alte Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“, wieder allgegenwärtig.

    Auch das wunderschöne Dornröschen liegt umrankt und bewacht von einer Rosenhecke im Schloss und wartet auf ihren Prinzen.
    Ein sehr schönes Bild der Mars-Venus-Beziehung wo vorderhand, im Sinne von Schutz eine Abwehr gegeben ist, und erst aus der Überwindungskraft heraus, Anziehung und Harmonie entstehen.

    In diesem Newsletter starten wir mit der Erzählung „Vergiss die Rose nicht: Hinzelmeier“ von Theodor Storm und Leszek Wisniewski. Eine wundersame Reise in die Magie der Erzählkunst.

    Die Rose mag uns ein willkommenes Vorbild sein, um Altes erfolgreich abzuschließen und dem Neuen mit Begeisterung entgegenzutreten.

    Text & Bild: Magdalena Machinger (www.wurzelblume.at)